{"id":330,"date":"2014-02-17T22:58:19","date_gmt":"2014-02-17T21:58:19","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/sonemnangpalbulgarien\/?p=330"},"modified":"2014-05-09T14:20:49","modified_gmt":"2014-05-09T12:20:49","slug":"zwischenbilanz-wie-ein-stueck-knete","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/sonemnangpalbulgarien\/2014\/02\/17\/zwischenbilanz-wie-ein-stueck-knete\/","title":{"rendered":"Zwischenbilanz: Wie ein St\u00fcck Knete!"},"content":{"rendered":"<p>In weniger als einem Monat lebe ich seit einem halben Jahr in Bulgarien. H\u00f6chste Zeit f\u00fcr eine Zwischenbilanz, insbesondere was meine Arbeit am Fremdsprachengymnasium betrifft. Seit dem letzten Eintrag ist eine <a href=\"http:\/\/www.kulturweit.de\/de\/freiwillige\/erfahrungsberichte\/erfahrungsberichte_2013\/pad_zfa_betreute_schule_in_bulgarien.html\">etwas andere Vorweihnachtszeit<\/a> vergangen, ein kurzer, aber sch\u00f6ner Besuch zu Hause, ein ganz besonderes Silvester in Sofia, aber auch eine Zeit in der man in von Wahlkampf und parteitaktischen Erw\u00e4gungen gepr\u00e4gten Debatten <strong>Europas Grenzen<\/strong> zu erkennen bekam.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr unsere Schule ist es ein ereignisreiches Jahr. Heute wurde im Theater der Gemeinde auf eine beeindruckende Art und Weise 55-j\u00e4hriges Jubil\u00e4um gefeiert. Nun kann ich das allgemein bekannte &#8222;Die Bulgaren feiern gern das Leben!&#8220; mit eigenen Erlebnissen absolut bejahen!<\/p>\n<p>Was als kleines, russisches Gymnasium anfing, ist heute ein unentbehrlicher Teil des Schulnetzes in Veliko Tarnovo. Unter anderem, weil nicht wenige Sch\u00fcler in der dritten Generation an unserem Fremdsprachengymnasium unterrichtet werden.<\/p>\n<p>Nach wie vor gef\u00e4llt es mir sehr, dass ich meinen <strong>Alltag<\/strong> fast komplett selbst gestalten kann. In der Zwischenzeit hat mich dieser jedoch etwas eingeholt. Ich plane nicht mehr jede Unterrichtsstunde bis ins kleinste Detail und versuche auch nicht krampfhaft, jeden Aspekt meines Unterrichtskonzepts so spannend wie m\u00f6glich auszubauen. Pure Ern\u00fcchterung. Was auf mangelnde Motivation schlie\u00dfen l\u00e4sst, ist eher das <strong>Ankommen<\/strong> im realen Schulalltag. Surprise, surprise, der &#8222;Lehrplan&#8220; ist lang und die Zeit knapp, da bleibt nicht besonders viel Spielraum f\u00fcr abwechslungsreiche Methoden. So kommt es vor, dass ich mit meinen Nachhilfesch\u00fclern Phonetik \u00fcbe und mit Ihnen beispielsweise Tabellen zu flektierbaren und nicht flektierbaren Wortarten erstelle. Oder Klassens\u00e4tze Er\u00f6rterungen korrigiere und Fehleranalysen schreibe. Tja, da m\u00fcssen die gesellschaftspolitischen Projektideen und Einheiten halt warten!<\/p>\n<p>Trotzdem habe ich M\u00f6glichkeiten, eigene Ideen umzusetzen. Nur sind eben die Vorstellungen der jeweiligen Klassenlehrer klarer als am Anfang formuliert. Was ich sch\u00e4tze, denn das erleichtert so Einiges. Auch nutze ich meine Theater AG als &#8222;Ventil&#8220;, um Dinge auszuprobieren, f\u00fcr die im Unterricht die Zeit fehlt.<\/p>\n<p>Insgesamt wird meine Arbeit an der Schule in den letzten Wochen zum Teil nicht meinen <strong>eigenen Anspr\u00fcchen<\/strong> gerecht. Wobei ich doch noch nie kritisiert wurde und st\u00e4ndig mit positivem Lob \u00fcberh\u00e4uft werde. Was auch an der unglaublich hohen <strong>Fehlertoleranz<\/strong> vieler Bulgaren in meinem Umfeld liegt. Und wof\u00fcr ich Ihnen dankbar bin.<\/p>\n<p>Und da w\u00e4ren wir, wie ich finde, am zweiten negativen Aspekt (meiner Arbeit). Ein Punkt, an dem ich &#8211; unter Umst\u00e4nden aus Naivit\u00e4t &#8211; vehementes <strong>Unverst\u00e4ndnis<\/strong> empfinde.<\/p>\n<p>Denn schaut man sich den Notenspiegel der meisten Klassen an, springt einem &#8222;sehr gut&#8220; als inflation\u00e4r gebrauchter Ausdruck f\u00f6rmlich ins Auge. Ich verstehe nicht, warum man so wenig auf Leistung setzt. In Bulgarien haben Kultur und Bildung eine hohe gesellschaftliche Priorit\u00e4t. Und es ist keineswegs so, dass die Sch\u00fcler wenig leisten. Im Allgemeinen haben Viele nachmittags noch Privatunterricht und die meisten Sch\u00fcler erreichen bis zum Ende ihrer Schullaufbahn ein hervorragendes sprachliches Niveau in Ihrer Fremdsprache. Und vor allem bleiben diese Sch\u00fcler \u00fcber die Jahre hinweg motiviert. Chapeau!<\/p>\n<p>Viele aber auch nicht, was eventuell <strong>auch<\/strong> an der ungerechten Notenvergabe liegt. Hier wird Leistungsdenken und Ehrgeiz, was meiner Meinung nach bis zu einem bestimmten Grad positiv ist, im Keim erstickt. Wobei dies keineswegs &#8222;nur&#8220; als Kritik an die Lehrkr\u00e4fte verstanden werden soll. Geschweige denn \u00fcberhaupt als Kritik. Denn wie ich hier schon oft betont habe, steht es mir nicht zu, Schlussfolgerungen zu ziehen oder gar zu kritisieren. Schlie\u00dflich ist es ein vielschichtiges Problem, was nicht pauschal begr\u00fcndet werden kann. Au\u00dferdem darf man nicht vergessen, dass ungerechte Noten auch in Deutschland ein allgegenw\u00e4rtiges Problem sind.<\/p>\n<p>Was dies betrifft lerne ich, mit einem deutlich anderen, als den mir vertrautem Bewertungsma\u00dfstab umzugehen und mich anzupassen. Und wer wei\u00df, vielleicht ist das ja gar nicht so schlecht &#8230;<\/p>\n<p>Auch verstehe ich nicht, weshalb man sich mit gewissen Dingen einfach <strong>abfindet.<\/strong> Sich zu f\u00fcgen\u00a0 geh\u00f6rt im Leben dazu und verkompliziert Dinge nicht unn\u00f6tig. Doch wenn (negative) Dinge und vor allem Verhaltensweisen als normal und somit unver\u00e4nderbar abgetan werden, wie z.B. die Tatsache, dass Sch\u00fcler des Abschlussjahrgangs es nicht mehr f\u00fcr n\u00f6tig halten, zu bestimmten Unterrichtsstunden zu kommen, kann ich das bei bestem Willen nicht nachvollziehen.<\/p>\n<p>Bei so viel Unverst\u00e4ndnis komme ich mir interkulturell ziemlich inkompetent vor. Einfach weil ich gewisse Dinge &#8211; unabh\u00e4ngig davon, wie lange ich nachdenke &#8211; nicht nachvollziehen bzw. nachempfinden kann. Aber noch ist ja erst Halbzeit und <strong>ich werde mir gr\u00f6\u00dfte M\u00fche geben, Kratzer in die Oberfl\u00e4che meines Bulgarienbildes zu machen. <\/strong><strong>Nach all den kritischen Worten &#8230;<\/strong><\/p>\n<p>&#8230; muss ich dann doch nochmal betonen, dass ich mit der Entscheidung, mit &#8222;kulturweit&#8220; ein FSJ abzuleisten, mit Bulgarien als Einsatzland und vor allem <strong>meiner Einsatzstelle<\/strong> so gl\u00fccklich bin, dass ich hin und wieder unbewusst meinen Alltag sogar ein bisschen romantisiere. <span id=\"result_box\" class=\"short_text\" lang=\"bg\"><span class=\"hps\">\u043c\u043e\u0436\u0435 \u0431\u0438. \u00dcberhaupt lerne ich sehr viel und genie\u00dfe meine Zeit hier in vollen Z\u00fcgen (oder Bussen \ud83d\ude09 ), sodass ich mich wie ein St\u00fcck Knete f\u00fchle.\u00a0 Was mir vor kurzer Zeit noch total fremd ist, erscheint mir im n\u00e4chsten Moment sympathisch. Meine Meinung \u00fcber bestimmte Dinge ist von noch so kleinen Einfl\u00fcssen ver\u00e4nderbar. Leicht verformbar und s<\/span><\/span><span id=\"result_box\" class=\"short_text\" lang=\"bg\"><span class=\"hps\">t\u00e4ndig im Wandel. Wie Knete eben.<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<p>In diesem Sinne und auf einen mindestens genauso guten zweiten Teil meines FSJ,<\/p>\n<p>Sonem<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In weniger als einem Monat lebe ich seit einem halben Jahr in Bulgarien. H\u00f6chste Zeit f\u00fcr eine Zwischenbilanz, insbesondere was meine Arbeit am Fremdsprachengymnasium betrifft. 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