nirgendwo ist auch ein ort – las salinas de san josé

a.k.a.: Wie das Nichts mir eine Fülle von Erkenntnissen brachte

Als ich vor der Abreise überlegte, welche Erfahrungen ich nicht missen wollen würde, wurde mir schnell klar: desto größer die Diskrepanz zu meiner heimischen Realität, desto besser. Denn das, was ich in Deutschland hinterlassen habe, sollte genau dort bleiben. Das Vorbeirauschen der Autos, das mich täglich in den Schlaf wiegte, der Großstadtdschungel, durch den ich zunächst hin und her irrte, dessen Lichtungen ich jedoch nach und nach entdeckte und und und… So wunderte mich meine Euphorie bei dem Gedanken, einen Ausflug in die Salzwüste Córdobas zu machen, kaum. Denn weniger als Nichts, gibt es eben nicht.

Vor Ort angekommen waren meine Gedanken trotz minimaler Umgebung komplett wirr. Zunächst überkam mich ein Gefühl von Größe. Immerhin gab es weit und breit kein anderes Lebewesen, das mich übertraf (,was bei meiner Körpergröße nicht unbedingt zum Alltag gehört). Nach einer 2 stündigen Wanderung durch die wie eine Schneelandschaft wirkende Salina verging dies jedoch recht schnell. Ich schien wohl die Dimension der Weite komplett aus dem Sinn verbannt zu haben. Wenn es in einer Großstadt immer ums „größer, höher und mehr“ geht, dreht es sich in der Wüste wortwörtlich um Nichts. Nun waren wir bloß 2 Stunden von Córdoba und etwa 15 Minuten vom nächsten Dörfchen entfernt, jedoch erlebte ich hier zum allerersten Mal das Gefühl der absoluten Kleinheit und Einsamkeit. Und nach dem unglaublichen Sonnenuntergang, als die ersten Sterne begannen kleine Gebilde und schließlich eine unendliche Kinoleinwand zu formen, wusste ich, dass ich angekommen war. Angekommen im Nirgendwo, 13.000 km von zu Hause entfernt. Hier bekam ich diese Distanz erst richtig zu spüren. Was hier ein wenig dramatisch oder gar beängstigend klingt, fühlte sich vor Ort wie die absolute Ruhe an. Aufgrund der Leere, die mich umgab, verspürte ich keine Verantwortung, hatte keine Aufgaben oder To-Do-Listen im Kopf und fühlte mich so richtig präsent. Ich kam also ironischer Weise ohne jeglichen Input zu einer friedlichen und stillen Erkenntnis, die meinen weiteren Aufenthalt sicherlich prägen wird. Und für diese Erinnerung bin ich den Sternen unglaublich dankbar.

Ich habe die Wüste immer geliebt. Man setzt sich auf eine Sanddüne. Man sieht nichts. Man hört nichts. Und währenddessen strahlt etwas in der Stille.

– Antoine de Saint-Exupéry

P.S.: Eine Sternschnuppe habe ich sogar auch entdecken können! Ahja und bevor ich diesen Beitrag hier beende, folgen natürlich noch ein paar Fotos von diesem unglaublichen Erlebnis:

Afectuosamente,

Sofi

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