{"id":63,"date":"2014-09-16T10:50:19","date_gmt":"2014-09-16T08:50:19","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/?p=63"},"modified":"2014-09-16T10:59:59","modified_gmt":"2014-09-16T08:59:59","slug":"wie-bilder-entstehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/2014\/09\/16\/wie-bilder-entstehen\/","title":{"rendered":"Wie Bilder entstehen."},"content":{"rendered":"<p>Es sind viele kleine Dinge, die jeden Tag aufs Neue meinen Eindruck von diesem Land, den Leuten und dem Leben in Malaysia erweitern. Kleine Puzzelst\u00fccke, die ich zu meinem ganz eigenen Malaysiabild zusammensetze und die zu der Struktur meines Alltags beitragen. Das kleine M\u00e4dchen mit ihrer Mutter, die jeden Morgen vor ihrem Haus gemeinsam auf den Schulbus warten und mir fr\u00f6hlich winken, wenn ich vorbei laufe. Die Nachbarin aus dem 15. Stock, die zur selben Zeit das Haus verl\u00e4sst. Die Inder, die t\u00e4glich vor ihrem Tempel stehen, der direkt gegen\u00fcber der Schule liegt. Die Baristas in meinem Lieblingskafe*, meinem R\u00fcckzugsort, in dem ich auch jetzt sitze.<br \/>\nHeute konnte ich erstmals fehlerfrei einen Kaffee bestellen &#8211; einen Satz, den die beiden mit Engelsgeduld mit mir ge\u00fcbt haben! Obwohl in der Theorie wohl korrekt, l\u00f6ste ich mit meinem &#8222;Hello. Kopi a sila.&#8220; einen Lachanfall aus.<br \/>\nUnd das, nach dem ich schon das typisch-malayische &#8222;laaah&#8220; hinten rangehangen habe &#8211; ein Universal-Wort, welches grob mit &#8222;ok&#8220; \u00fcbersetzt werden k\u00f6nnte, w\u00fcrde man nicht auch an jedes ausgesprochene &#8222;ok&#8220; noch ein &#8222;laaah&#8220; ranh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Was f\u00e4llt sonst noch auf?<\/p>\n<p>Die Vorteile des Wetters.<br \/>\nKurze Information f\u00fcr die, denen ich nicht bereits vor der Ausreise mit Funfacts \u00fcber mein Gastland auf die Nerven gegangen bin: Es gibt in (West-) Malaysia keine Jahreszeiten. Nicht mal eine Regenzeit, es ist immer Sommer. Die Temperaturen sinken in kalten N\u00e4chten auf ungef\u00e4hr 24 Grad und steigen je nach Lust und Laune des Wettergottes. Kombiniert wird das mit gelegentlichen Regenschauern und Gewittern und einer relativ hohen Luftfeuchtigkeit.<br \/>\nAnfangs durchaus erm\u00fcdend und gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig. Ganz meiner super-optimistischen Natur entsprechend, versuche ich mir das Klima sch\u00f6n zu reden. Erfolgreich.<br \/>\nDer entscheidende Vorteil ist, dass das Wetter einen in der Regel nicht \u00fcberrascht. Um 7 Uhr fr\u00fch bringt das eine nicht unerhebliche Zeitersparniss mit sich. Wie oft steht man vor dem Spiegel und fragt sich:<br \/>\n&#8222;Brauche ich ne Jacke?&#8220; Das kann hier getrost mit NEIN! beantwortet werden, bzw. die Frage stellt sich schon gar nicht mehr. Selbst in Klassenzimmern, Restaurants und Malls mit 24\/7 laufender AirCondition ist ein d\u00fcnner Schal noch eine Zumutung. Nur einen Regenschirm und\/oder eins dieser hei\u00dfen Plastikregencapes kann ich jedem Expat oder Besucher empfehlen. Man braucht es einfach t\u00e4glich. Und ja, ich finde Regencapes auch nicht besonders sexy, aber nun ja, sie sind funktional. \u00dcber den Smog sei an dieser Stelle mal gn\u00e4dig hinweg gesehen und noch mal auf die ach-so-praktische Zeitersparniss hingwiesen.<\/p>\n<p>Die Geschw\u00e4tzigkeit<\/p>\n<p>Die Menschen hier unterhalten sich gerne. Sie sind die Meister des Smalltalks, ihnen f\u00e4llt immer eine Frage ein, die sich nicht einfach mit &#8222;Ja oder Nein&#8220; beantworten l\u00e4sst. Die Taksi*-Fahrer stehen dabei an der Spitze der Redseeligkeit. Besonders gerne unterhalten sie sich \u00fcber ein naheliegendes Thema: Malaysia. Schlie\u00dflich ist das Land (am Anfang der Fahrt) die einzige Schnittstelle zwischen Fahrer und Fahrgast. Und dieser kann ja wohl kaum leugnen hier zu sein und die Aussage &#8222;Just arrived in Malaysia, I don&#8217;t know anything yet.&#8220; bietet ja auch eine ganz wunderbare Gespr\u00e4chsbasis.\u00a0\u00a0 &#8222;So how comes you&#8217;re in Malaysia?&#8220; &#8222;Do you like Malaysia?&#8220; &#8222;Great, how long are you staying?&#8220; Wenn sie dann erfahren, dass man sich tats\u00e4chlich f\u00fcr ein ganzes Jahr hier niedergelassen hat und an einer Schule arbeitet, geraten sie au\u00dfer sich vor Begeisterung.<br \/>\n<em>(Die Malaien lieben Kinder, darum finden sie Schulen grunds\u00e4tzlich auch super und verleihen mir ohne zu Z\u00f6gern zwei Staatsexamina und erheben mich zur wohl j\u00fcngsten, vollwertigen Lehrerin Deutschlands)<\/em><br \/>\nNat\u00fcrlich freut man sich \u00fcber nette Gespr\u00e4che, liebe Worte und neue Bekanntschaften. Allerdings kommt man nicht umhin die offene Neugier der Menschen zu bemerken, die besonders in Geldfragen unangenehm werden kann. Man m\u00f6chte mit dem Taksifahrer, der einen f\u00fcr RM12 (=2,90\u20ac) 45 Minuten durch die Gegend gefahren hat, nicht seinen Mietpreis und das Einkommen er\u00f6rtern. Also lenkt man ab und stimmt erneut ein Loblied auf das tolle Land an:<br \/>\n&#8222;Malaysia is great, I love it &#8211; laaah!&#8220;. Meistens klappts.<br \/>\nEin weiterer St\u00f6rfaktor ist die Faszination f\u00fcr (dunkel-) blondes Haar. Trotz tausender Touristen, darunter viele mit hellem Haar, l\u00f6se ich regelm\u00e4\u00dfig, ungewollte, Begeisterung aus und muss jeweils auf die Gottesfigur meines Gespr\u00e4chspartners schw\u00f6ren, dass die nicht gef\u00e4rbt sind.<br \/>\nZugegeben, wenn unsere kleine Gruppe <em>(ein Pakistani, eine Malayin und eine chinesische Australierin, alle samt mit dunklem Haar\/Haut und daher eher &#8222;unauff\u00e4llig&#8220;)<\/em> ausgeht, landen wir eher in einheimischen Restaurants statt den \u00fcblichen Touristenpl\u00e4tzen und dadurch wird der \u00dcberraschungseffekt wohl noch verst\u00e4rkt.<br \/>\nMal sehen, wie lange der noch anh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Die Verkehrsmoral<\/p>\n<p>Die Taksi-Fahrer wurden ja bereits schon kurz erw\u00e4hnt. Trotz \u00fcberf\u00fcllter Stra\u00dfen sind sie, wie gesagt, sehr gespr\u00e4chig, was wohl auch an dem st\u00e4ndigen im-Stau-stehen liegt. Die Bezeichnung &#8222;Stop and Go&#8220; ist w\u00e4hrend der Sto\u00dfzeiten die Untertreibung des Jahres, &#8222;Stop and never go&#8220; trifft es schon ehr. Sto\u00dfzeit ist \u00fcbrigens immer genau dann, wenn man es mal etwas eiliger hat. Und grade weil sich hier im Prinzip nichts bewegt, werten Autofahrer bei freier Fahrt eine rote Ampel als pers\u00f6nlichen Affront, halten entweder \u00fcberhaupt nicht oder aber recht pl\u00f6tzlich. Gepaart sind diese, nennen wir sie unerwarteten Notfallbremsungen, mit lauten, zornigen Wortschwallen und Hupger\u00e4uschen, die sich gegen niemand bestimmten richten. Als w\u00e4re dieser Fahrstil nicht schon aufregend genug, herrscht in Malaysia auch noch Linksverkehr. Eines der Dinge, an die ich mich partout nicht gew\u00f6hnen kann. Sieht einfach falsch aus und f\u00fchlt sich auch falsch an. Man braucht trotzalledem keine Angst zu haben, in Malaysia ins Auto zu steigen &#8211; Stau verringert die Geschwindigkeit potentieller Unfallgegner und damit auch das Verletzungsrisiko.<br \/>\nDas gilt f\u00fcr PKW. Ein gr\u00f6\u00dferes Problem sind die vielen kleinen, wendigen Motorroller. Motorroller stehen aus Prinzip nicht im Stau, dann k\u00f6nnten sie ja gleich das Auto nehmen. Sie schl\u00e4ngeln sich zwischen den Autos hindurch, \u00fcberholen links und\/oder rechts und ohne das Tempo zu verringern. W\u00e4re ja noch sch\u00f6ner. \u00dcberquert man also als Fu\u00dfg\u00e4nger eine Stra\u00dfe, sollte man hochkonzentriert und vorsichtig sein. Den Zusammenprall kann man in der Regel nicht gewinnen und will es ja auch gar nicht so weit kommen lassen.<\/p>\n<p>Heute ist \u00fcbrigens, zum zweiten Mal diesen Monat, Nationalfeiertag und konsequenterweise war Montag auch gleich schulfrei. Daher ist dieser Dienstag eigentlich ein Sonntag. Gibt schlimmeres!<br \/>\nJust w\u00e4hrend ich diese Zeilen tippe, kommt Nadia um die Ecke und hat eine junge Deutsche im Schlepptau, die grade angekommen ist und f\u00fcr die n\u00e4chsten 5 Monate ebenfalls in unserem Condo wohnen wird. Die Gute zieht uns Neulinge wohl an wie die Fliegen. Naja, bin ja dankbar dass ich sie hab.<\/p>\n<p>Bis bald, laaah!<\/p>\n<figure id=\"attachment_68\" aria-describedby=\"caption-attachment-68\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/files\/2014\/09\/image-3_edited.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-68 size-medium\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/files\/2014\/09\/image-3_edited-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/files\/2014\/09\/image-3_edited-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/files\/2014\/09\/image-3_edited-501x375.jpg 501w, https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/files\/2014\/09\/image-3_edited-750x562.jpg 750w, https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/files\/2014\/09\/image-3_edited.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-68\" class=\"wp-caption-text\">Erster Ausflug in Malaysias Nachtleben.<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>*(Begriffe werden hier geschrieben, wie sie gesprochen werden- aus &#8222;caf\u00e9&#8220; wird &#8222;kaffe&#8220;, aus &#8222;Central Station&#8220; &#8211;<br \/>\n&#8222;Sentral Station&#8220; und aus &#8222;Depot&#8220; &#8211; &#8222;Depoh&#8220;)<br \/>\n<\/em><br \/>\nP.S: Fast h\u00e4tte ich die beste Nachricht der Woche vergessen: Wir haben zwei Kochplatten! Das hei\u00dft, wir m\u00fcssen nicht mehr f\u00fcr jede Mahlzeit das Haus verlassen und k\u00f6nnten uns sogar mal selbst ein Spiegelei zum Fr\u00fchst\u00fcck machen! Foto f\u00fcge ich an, es ist nicht die Welt aber deutlich besser als das Vorg\u00e4ngermodell!<\/p>\n<figure id=\"attachment_69\" aria-describedby=\"caption-attachment-69\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/files\/2014\/09\/image1-e1410857254459.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-69\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/files\/2014\/09\/image1-e1410857254459-300x168.jpeg\" alt=\"Unsere Kochplatten.  Willkommen in der Familie. \" width=\"300\" height=\"168\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/files\/2014\/09\/image1-e1410857254459-300x168.jpeg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/files\/2014\/09\/image1-e1410857254459-501x281.jpeg 501w, https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/files\/2014\/09\/image1-e1410857254459-750x421.jpeg 750w, https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/files\/2014\/09\/image1-e1410857254459.jpeg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-69\" class=\"wp-caption-text\">Unsere Kochplatten.<br \/>Willkommen in der Familie!<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es sind viele kleine Dinge, die jeden Tag aufs Neue meinen Eindruck von diesem Land, den Leuten und dem Leben in Malaysia erweitern. Kleine Puzzelst\u00fccke, die ich zu meinem ganz eigenen Malaysiabild zusammensetze und die zu der Struktur meines Alltags beitragen. 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