{"id":336,"date":"2015-07-28T20:45:34","date_gmt":"2015-07-28T12:45:34","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/?p=336"},"modified":"2015-07-28T22:12:48","modified_gmt":"2015-07-28T14:12:48","slug":"tussiparadies-grenzgebiet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/2015\/07\/28\/tussiparadies-grenzgebiet\/","title":{"rendered":"Tussiparadies &amp; Grenzgebiet"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich war unser Plan f\u00fcr den Sommer ein anderer:<br \/>\nIndien und Wandern im Himalaya.<br \/>\nHochmotiviert hatten wir alles geplant, die Route zurecht gelegt, Wanderschuhe eingelaufen und aufgelistet, was man wohl alles so brauchen wird. Dann kam erst das Erdbeben und ein schier unloesbares Transportproblem von Delhi in den Norden Indiens.<br \/>\nUnd so standen wir wenige Wochen vor unserer Abreise da und brauchen einen Plan B. Was kann man sonst noch so machen in Asien? Die Antwort war schnell gefunden: S\u00fcdkorea. F\u00fcr Natascha und mich beide ein BucketList Ziel, dass wir unbedingt sehen wollten. Unser 6,5h Flug war ein wahres Schn\u00e4ppchen und schon war es beschlossene Sache. Seoul war unsere erste Station sein, in der Bahn kam die erste, etwas ueberraschende Erkenntnis: S\u00fcdkorea sieht ziemlich genauso aus wie Deutschland. Und die Temperaturen sind auch \u00e4hnlich, nix mehr mit tropischer Hitze.\u00a0\u00a0Graues, verregnetes Wetter\u00a0macht wohl keine Stadt der Welt sch\u00f6ner,\u00a0\u00a0trotzdem f\u00fchlten wir uns beide auf Anhieb wohl.<br \/>\nSeoul ist einfach. Auch wenn kaum jemand Englisch spricht, ist jeder wahnsinnig hilfsbereit und aufgeschlossen. Das U-Bahn Netz ist wohl das am besten organisierte und \u00fcbersichtlichste, dass ich kenne (da k\u00f6nnte Paris sich mal ne dicke Scheibe von abschneiden). Alles ist sauber, obwohl nirgends Muelleimer zu finden sind und es ist ruhig. Eine riesige Grossstadt, voller Autos und Menschen und trotzdem ist es ruhig. Nicht langweilig oder\u00a0ausgestorben sondern alles wirkt ruhig. Die Koreaner scheinen selten in Eile zu sein, jeder geht gemuetlich seines Weges ohne dabei eine Hektik auszustrahlen, wie man sie auf den Strassen New Yorks immer spuert.<\/p>\n<p>In KL gibt es einige koreanische Bekleidungsgesch\u00e4fte, die wir gerne durchst\u00f6bern und von daher war unsere Neugier auf Mode, Kosmetik und Accessoires gro\u00df. Wir wurden nicht entt\u00e4uscht. Es gibt einfach eine Loesung fuer alles, selbst wenn es kein Problem gibt \u00a0&#8211; Poren kleiner,\u00a0 Haut reiner, Wimpern l\u00e4nger, Brauen dunkler, Lippen voller, Augen gr\u00f6\u00dfer. Stundenlang kann man von Drogerie zu Drogerie ziehen ohne dass es langweilig wird. Und sei es nur aus der Neugier heraus, warum grade Schneckenschleim als neues Wundermittel gefeiert wird. Wir sind also im Tussiparadies, wie Natascha es so sch\u00f6n ausdr\u00fcckte. Obwohl wir sicher noch Tage in Seouls entz\u00fcckenden Stra\u00dfencaf\u00e9s und Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen h\u00e4tten verbringen k\u00f6nnen, warteten noch viele andere spannende Dinge. Die Tour ins Nord-\/S\u00fcdkoreanische Grenzgebiet war f\u00fcr mich das Highlight,\u00a0 ich hielt beide Daumen gedr\u00fcckt dass wir die Fahrt tats\u00e4chlich antreten d\u00fcrfen &#8211; in den letzten Wochen wurden alle Termine aus Angst vor MERS abgesagt , am Montag gab es eine kurzfristige Schlie\u00dfung weil ein nordkoreanisches Fischerboot an der s\u00fcdlichen K\u00fcste angesp\u00fclt wurde und die Insassen die R\u00fcckkehr in den Norden w\u00fcnschten. Die Tickets sind rar, wer zuerst kommt mahlt zuerst. Natascha lag krank im Bett, also\u00a0trat ich alleine mit circa 30 Mitreisenden die kleine Reise an.<\/p>\n<p>Die ersten Stunden waren leider ziemlich langweilig &#8211; im Eiltempo zerrte eine voellig uebedrehte und\u00a0uuuunglaublich gut gelaunte koreanische Reiseleiterin uns durch ein Museum, dann durch einen Park und die so beworbenen Aussichtsplattform mit Blick auf die Demillitarisierte Zone ist bei Nebel auch eher weniger spektakul\u00e4r. Nach einem koreanischen BBQ Lunch wurde es dann interessant: wir n\u00e4herten uns der <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Joint_Security_Area\">JSA.<\/a><br \/>\nEines der am strengsten beobachten Grenzgebiete der Welt.<br \/>\nSchluss mit Lustig: Sonnenbrillen und Kopfbedeckungen ab, Pass auf der ersten Seite aufschlagen, ab hier keine Fotos mehr.<br \/>\nErste Kontrolle: ein S\u00fcdkoreanischer Soldat.<br \/>\nZweite Kontrolle: ein Soldat der US Army.<br \/>\nDieser tr\u00e4gt den Namen eines ehemaligen, ermordeten US-Pr\u00e4sidenten und wird uns nicht mehr von der Seite weichten, bis wir das Gel\u00e4nde verlassen. Zuerst nat\u00fcrlich die Sicherheitseinweisung, wir befinden uns schlie\u00dflich nicht irgendwo. Es gibt einige Signale zu beachten, bei einem pl\u00f6tzlichen Angriff ist dies und das zu tun. In erster Linie soll man sich nicht von der Gruppe entfernen und immer auf Kennedy h\u00f6ren.<br \/>\nDann unterzeichnen wir alle ein Papier, dass wir bewusst Kriegsgebiet betreten und im Todesfall keine Versicherungsanspr\u00fcche haben. Nun gut, wird schon schief gehen.<br \/>\nMit dem Bus werden wir ueber das Gelaende gefahren, vorbei an Denkm\u00e4lern, den\u00a0Gotteshaeusern fast\u00a0jeder Religion und an einem der &#8222;<a href=\"http:\/\/www.golfpost.de\/die-acht-gefaehrlichsten-golfplatze-der-welt-777773849\/\">gefaehrlichsten Golfplaetze der Welt<\/a>&#8222;.<br \/>\nDas Freedom-House ist die erste Station, nochmals die Erinnerung: &#8222;Fotos nur wenn es explizit erlaubt ist&#8220;. Ist ja schon gut, ich haette gerne mehr als nur die paar offiziell genehmigten Spots fotografiert, aber keine Chance. Da mit der Army in der Regel nicht zu Spa\u00dfen ist, gebe ich auf und folge z\u00e4hneknirschend\u00a0der Anweisung.<br \/>\nIn Zweiereihen marschieren wir nach drau\u00dfen, zu der Baracke in der sich die beiden Seiten zu Verhandlungen treffen. Der Raum kann von Norden und S\u00fcden betreten werden, die Mitte ist klar markiert und stimmt exakt mit der circa 50cm hohen Grenzlinie draussen \u00fcberein.<br \/>\nAlle hinein, es ist nicht viel Zeit. Der Raum ist recht unspektakul\u00e4r, ein paar Tische mit Fahnen und Mikrofonen, grelle Neonlampen und viele Fenster.<br \/>\nUnd zwei Nordkoreanische Soldaten, die wie festgewachsen neben der T\u00fcr und dem Fenster stehen und Haltung bewahren.<br \/>\nEs wird uns erlaubt in den &#8222;nordkoreanischen Teil des Raumes&#8220; \u00fcberzutreten, auch Fotos sind nun erlaubt. Obwohl ich mich nur von der einen Ecke in die andere bewege, bin ich etwas nerv\u00f6s.<br \/>\nEs ist nordkoreanisches Hoheitsgebiet und sowohl die US- als auch die Suedkoreanischen Soldaten achten genau darauf, die Grenze nicht zu \u00fcbertreten. Jedem in der Gruppe geht es so, alle sind ein wenig aufgeregt und schwanken zwischen Begeisterung und Unwohlsein.<br \/>\n10 Minuten, keine Sekunde l\u00e4nger.<br \/>\nAlle wieder raus, in Zweiereihen aufstellen.<br \/>\nJetzt d\u00fcrfen zwei Minuten Fotos geschossen werden, jedoch nur in Richtung Norden, auf keinen Fall von den Geb\u00e4uden im Sueden.<br \/>\nOk, schnell noch ein Selfie\u00a0und dann geht es zur\u00fcck zum Bus, \u00fcber das Gel\u00e4nde, zum Andenkenshop und zur\u00fcck nach Seoul.<\/p>\n<p>Definitv ein spannender Tag und eine Tour die ich jedem empfehlen m\u00f6chte.<br \/>\nAn den staendigen Lobpreisungen der Suedkoreanischen Regierung durch die Reiseleitung habe ich mich gest\u00f6rt. Sie wurde nicht m\u00fcde zu wiederholen, dass Suedkorea alles tun w\u00fcrde um die friedliche Vereinigung herbeizuf\u00fchren. Nun, in der aktuellen politischen Situation ist es einfach Nord- und S\u00fcd in gut und b\u00f6se einzuteilen, daran gibt es auch keine Zweifel. Aber ein st\u00e4ndiges Hochloben des eigenen Staates hat immer einen bitteren Beigeschmack.<br \/>\nAuch die angeblich kuerzlich aus Nordkorea geflohene Frau, die unsere Gruppe f\u00fcr die ersten zwei Stunden begleitete, rief bei mir einige Skepsis hervor.<br \/>\nLaut Reiseleitung haben sie und ihre 5jaehrige Tochter\u00a0mit der Hilfe von Schmugglern die Grenze zu China \u00fcberquert, seien von dort weiter nach Kambotscha und dann nach S\u00fcdkorea \u00a0gekommen.\u00a0Seit 6 Monaten sei sie in S\u00fcdkorea, drei Monate musste sie\u00a0in einer Art Untersuchungshaft verbringen und sei nun offizielle B\u00fcrgerin der Republik Korea. Vollends integriert mit falschen Fingern\u00e4geln, Heels bis zum Himmel und einem riesigen Smartphone auf dem sie gerne CandyCrush spielt.<br \/>\n<span class=\"lemma_zeile\"><span class=\"lemma\">Kurzum, die Situation schrie jetzt nicht nach Au\u00adthen\u00adti\u00adzi\u00adt\u00e4t aber zumindest hat man sich gro\u00dfe M\u00fche gegeben uns Touristen ein wenig zu bespassen.<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<p><span id=\"img_container_81E26A60-08D0-4548-A5FD-1B749EB110AB\" class=\"img_container\"><img decoding=\"async\" class=\"uploading\" src=\"\/\/\/var\/mobile\/Containers\/Data\/Application\/DAF4659F-A5E1-4ED1-A301-7801B15E5220\/Documents\/IMG_7491.JPG\" alt=\"\" \/><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span id=\"img_container_F849CFBB-6645-4B5A-AF01-5C0A408341A9\" class=\"img_container\"><img decoding=\"async\" class=\"uploading\" src=\"\/\/\/var\/mobile\/Containers\/Data\/Application\/DAF4659F-A5E1-4ED1-A301-7801B15E5220\/Documents\/IMG_7525.JPG\" alt=\"\" \/><\/span><\/p>\n<p><span id=\"img_container_476B29A2-5312-47C2-AEB7-73B3FA48B489\" class=\"img_container\"><img decoding=\"async\" class=\"uploading\" src=\"\/\/\/var\/mobile\/Containers\/Data\/Application\/DAF4659F-A5E1-4ED1-A301-7801B15E5220\/Documents\/IMG_7536.JPG\" alt=\"\" \/><\/span><\/p>\n<p><span id=\"img_container_1185071A-8B37-4B13-86A0-CE2B6A0A8DB7\" class=\"img_container\"><img decoding=\"async\" class=\"uploading\" src=\"\/\/\/var\/mobile\/Containers\/Data\/Application\/DAF4659F-A5E1-4ED1-A301-7801B15E5220\/Documents\/IMG_7572.JPG\" alt=\"\" \/><\/span><\/p>\n<p><span id=\"img_container_EECF1B89-22FD-4F03-8ECE-5694601BC2D8\" class=\"img_container\"><img decoding=\"async\" class=\"uploading\" src=\"\/\/\/var\/mobile\/Containers\/Data\/Application\/DAF4659F-A5E1-4ED1-A301-7801B15E5220\/Documents\/IMG_7557.JPG\" alt=\"\" \/><\/span><br \/>\n<span id=\"img_container_3ED898E7-7C64-42F3-8BF2-09C321BE588A\" class=\"img_container\"><img decoding=\"async\" class=\"uploading\" src=\"\/\/\/var\/mobile\/Containers\/Data\/Application\/DAF4659F-A5E1-4ED1-A301-7801B15E5220\/Documents\/IMG_7621.JPG\" alt=\"\" \/><\/span><\/p>\n<p><span id=\"img_container_55C66F77-E080-4EBF-9AF2-B31E4BFCBC3E\" class=\"img_container\"><img decoding=\"async\" class=\"uploading\" src=\"\/\/\/var\/mobile\/Containers\/Data\/Application\/DAF4659F-A5E1-4ED1-A301-7801B15E5220\/Documents\/IMG_7649.JPG\" alt=\"\" \/><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich war unser Plan f\u00fcr den Sommer ein anderer: Indien und Wandern im Himalaya. Hochmotiviert hatten wir alles geplant, die Route zurecht gelegt, Wanderschuhe eingelaufen und aufgelistet, was man wohl alles so brauchen wird. Dann kam erst das Erdbeben und ein schier unloesbares Transportproblem von Delhi in den Norden Indiens. Und so standen wir wenige &hellip; <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/2015\/07\/28\/tussiparadies-grenzgebiet\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Tussiparadies &amp; Grenzgebiet<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1396,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[341,563,12,114,585,577,7,16,138],"tags":[],"class_list":["post-336","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ausflug","category-erlebnis","category-fotos","category-freiwillige","category-gesellschaft","category-menschen","category-politik","category-privat","category-reise"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/336"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1396"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=336"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/336\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":360,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/336\/revisions\/360"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=336"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=336"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/selamatdatang\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=336"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}