Allgemein

Über diesen Blog

Schon immer mal wollte ich einen Blog schreiben und wurde durch die Lektüre einiger schöner Bücher[1] inspiriert mich selbst im autobiografischen Schreiben zu probieren. Doch irgendwie im Alltag von Deutschland fand ich nie die „Zeit“, nie die „Ruhe“, nie die „Inspiration“, nie die „Stärke“, nie die „…“, um es tatsächlich einmal zu machen. Auch Perfektionismus war ein starker Teil von mir. Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), das ich mit kulturweit machte, bot mir nun eine Gelegenheit, in der Stadt Pula in Kroatien und Umgebung sowohl einiges zu erleben als auch über dieses Erlebte zu schreiben.

Das FSJ machte ich während eines schon angefangenen Studiums, um etwas Neues zu erleben, zu lernen, mehr als nur meine kleine Heimatregion zu erleben, und aus so vielen kleinen, fast subtilen Gründen. Im Bereich Selbst-Entwicklung war ich aktiv, und hatte nun inspiriert von den hohen Idealen meiner Lieblings-Autoren Robin Sharma und T. Harv Eker vor, selbst die berühmte „Komfort-Zone“ zu verlassen und bescheiden den Worten Taten folgen zu lassen bzw. wie es im englischen so eloquent heißt walking the walk. Für meine Verhältnisse habe ich viel gewagt, was ich mir vorher nicht zugetraut hätte. Und zugleich gibt es noch eine ganze Menge, was ich lernen kann.

Dass ich überhaupt einen Tellerrand habe, über den zu blicken schwer ist, ist mir hier richtig klargeworden. Irgendwie es mir gedacht, irgendwie vermutet habe ich es schon zuvor, aber so recht fassen konnte ich es nie. Und nicht bloß „die anderen“ haben einen Tellerrand, sondern eben auch ich.

Hier im Blog habe ich einige Erlebnisse dieser Zeit, völlig subjektiv gewählt und beschrieben, ohne Gewähr, niedergeschrieben. Viel Spaß beim Lesen!


  •  Tasteful Nudes: …and Other Misguided Attempts at Personal Growth and Validation von Dave Hill und I Love You More Than You Know von Jonathan Ames, beides sehr geile, zu empfehlende Bücher

Učim hrvatski

Živim u Puli. Pula je u Istarskog županiji. Istra je županija Republike Hrvatske.

Živim u stanu. Moj stan je u bijeloj kući (u Puli, a ne u Vašingtonu ;)). Stan je velik i lijep. Od srpnja živim u drugom stanu u blizini centra grada. Ovi stan je velik i lijep također.

Učim hrvatski s učiteljem u školi. Nakon nekoliko mjesaca govorim i razumijem nešta. Gramatika hrvatske je lako, ali ne znam puno riječi. Sa svakom danom razumijem više. Trebam samo još osjećaj za jezik.

Hrvatski je moj prvi slavenski jezik. I u Puli puno (ali ne sve) ljudi govori dobro engleski ili njemački.

Volim Hrvatsku i Pulu (i živjeti tamo), je dobro mjesto. Nadam se da mogu se vratiti ovdje.

Vrijeme ovdje je bilo veoma lijepo i jedno od najboljih vremena mog života.

Die Schule für Tourismus, Gastgewerbe und Handel in Pula

Meine Arbeitsstelle während des FSJs befand sich zum einen in der zentralen Fußgängerzone, keine 200 m von dem Wahrzeichen Pulas und Kroatiens, dem römischen Amphitheaters entfernt, und zum anderen am Ort des ehemaligen Hotel Imperial zu Zeiten der österreichisch-ungarischen Monarchie. Einige Male sah ich auch Besucher*innen einen genaueren Blick auf das „Partnerschule der Bundesrepublik Deutschland“-Logo an der Schule werfen. Neben diesem Hauptgebäude gibt es eine Schul-Küche in einem anderen Teil der Stadt. Ein Umzug in einen Neubau für die Schule ist geplant, doch das ist noch Zukunftsmusik und zur Zeit meines FSJs noch nicht Realität.

Die Schule ist eine Mittelschule, in die Schüler von 15 bis 18 Jahren nach der kroatischen Grundschule (8 Jahre lang) gehen. Sie bietet gleichzeitig eine Ausbildung in einem Beruf der Bereiche Tourismus, Gastgewerbe und Handel, sowie die Möglichkeit, das Staats-Abitur zu machen. Früher wurde in 2 Schichten bis in den Abend gelehrt, zum Jahr 2017 gab es dann nur noch ein Schicht von 8-14 Uhr. In die Schule kommen aus der ganzen Region Schülerinnen und Schüler (und auch Lehrer).

Seit 2008 ist die Schule Teil vom PASCH-Netzwerk, ist vom Goethe-Institut Kroatien unterstützt und da seit Jahren aktiv dabei und involviert. Im Mai 2018 fanden an der Schule Prüfungen für das Goethe-Zertifikat statt. Mit dem Treffpunkt Deutschland gibt es einen großen ausgestatteten Fachraum für den Deutsch-Unterricht dort. Dieser wird für den Deutsch-Unterricht und für diverse Veranstaltungen genutzt.

Auch unabhängig vom PASCH-Projekt nimmt die Schule an vielen Projekten teil, ist Teil des Netzwerks europäischer Hotelfachschulen (European Association of Hotel and Tourism Schools) und gewinnt auch schonmal Preise. Während ich an der Schule war, hat z.B. die Schul-Fußball-Mannschaft als kroatische Repräsentation bei der Schul-Hallenfußball-WM die Silber-Medaille gewonnen.

Pink Shirt Day 2018

Die Schule beteiligte sich am sogenannten Pink Shirt Day, einer globalen Aktion gegen Gewalt und Mobbing. An einem Tag zogen einige Schüler und Lehrer mit pinken T-Shirts zum Theater der Stadt. Dort fand eine Theateraufführung zu dem Thema und anschließende Besprechung mit einer Pädagogin. Ganz verstanden habe ich es leider nicht, doch ging es glaube ich darum, wie die Schauspieler anders hätten handeln können.

Zusammen mit zwei Praktikantinnen aus Deutschland drehte dann eine erste Klasse zu dem Thema einen Film, in dem zuerst das Maskottchen Treffi schikaniert wurde, dann Schüler kamen und sich gegen die Gewalt und auch gegen das Filmen dessen einsetzten.

Besuch, China-Tag, Reise, Sommer-Anfang

Ab Ende April hatte ich eine besondere Zeit dieses Dienstes vor mir, denn zum einen kam mich eine Mit-Freiwillige aus einem anderen Teil Kroatiens besuchen, und zum anderen besuchte ich sie im Gegenzug in „ihrer“ Stadt. Direkt darauf folgten dann in einer Woche einige besondere Ereignisse. Doch fangen wir langsam an.

Schon vor dem Dienst und auf dem Seminar hatten wir die Idee, uns gegenseitig zu besuchen, um so etwas günstiger und einfacher Kroatien kennenzulernen. Nun schien sich jedoch eine Schwierigkeit zu entwickeln. Mein Vermieter-Ehepaar verbat mir, Besucher in meiner Wohnung aufzunehmen. Warum? Nun, wir wohnen beide im selben Haus, sie im Erd- und Obergeschoss, ich im Untergeschoss. Da haben sie es natürlich nicht gerne, wenn so ein Student (für sie) wildfremde Leute in die Wohnung bringt, oder vielleicht gar noch ausufernde Partys dort schmeißt. Ich vertraue natürlich all meinen Gästen, doch verstehe ich den Einwand auch. Sie haben meines Gefühls nichts gegen Fremde, sonst hätten sie mich nicht aufgenommen. Nur wollen sie keinen Freifahrts-Schein für irgendwen ausstellen, den/die sie gar nicht kennen. Und hat es nichts mit Kroatien oder mit mir zu tun, so Einstellungen kenne ich auch aus Deutschland. Und so fragen wir nach einer Ausnahme, schließlich sind sie es, die ja auch eine Ausnahme von der Regel geben können, erklären, wer sie ist, und der Besuch ist genehmigt.

Sie kommt an einem Freitag Mittag in Pula per Bus an, ich hole sie vom Busbahnhof ab, ihr gleich Stadt und Meer gezeigt, welches es so an ihrem Ort nicht gibt. Am Abend sie mit Freiwilligen des European Voluntary Service in Pula bekannt gemacht, die am Abend direkt gemeinsam ausgingen. Am nächsten Tag ging es dann für einen Tages-Ausflug in einen nahegelegenen Nationalpark namens Premantura, an die Südspitze Istriens, wo wir wanderten, in die dortige Safari Bar einkehrten und uns ein dort Aufgewachsener die Gegend und den zu der Zeit wachsenden Wildspargel erklärte. Am nächsten Tag zeige ich ihr den Rest der Stadt, das Schloss inmitten der Innenstadt, das jedoch visuell verborgen ist, inklusive der dortigen Aussicht und anliegendem Museum.

Am nächsten Tag zeige ich ihr meinen Arbeits-Platz, den sie gewissermaßen an einem typischen Tag erlebt: es stand einmal wieder ein Projekt an. An jenem Tag gab es einen Projekt-Tag für China, infolge der wachsenden Zusammenarbeit von China und Kroatien. Noch im Herbst zuvor, während ich da war, gab es eine große Aufführung der chinesischen Botschaft im Pulaer Amphitheater. An diesem Tage verreisten Schüler des Deutsch-Unterrichts mithilfe von PASCH-Net nach China. Das bedeutet, sie lasen entsprechende Meldungen bzw. schauten Videos zu PASCH in China. Hierzu gab es ein Arbeitsblatt mit QR-Codes zu den entsprechenden Links, und die Inhalte wurden mithilfe der vom Goethe-Institut Kroatien gesponsorten iPads aufgerufen. Am Abend gingen wir noch in ein Restaurant der Stadt, wo wir ein leckeres Essen hatten.

Direkt am nächsten Tag ging es dann weiter mit dem Bus nach Varaždin. Die Stadt gefiel mir direkt, mir fiel auf, wie es dort noch ruhiger als in Pula ist, was ich sehr schätz(t)e. Vieles war anders dort, ich war im Inneren Kroatiens, und nicht mehr an der Küste. Ich bekam das Gäste-Zimmer in ihrer Wohnung und die Freiheiten eines Gastes, vielen Dank dafür, habe mich da sehr wohl gefühlt. Am nächsten Tag zeigt sie mir die Stadt, diverse Kirchen, den Stadt-Park und das Schloss der Stadt, die Stadt hat ihren eigenen Charme und bietet schöne Motive zum Fotografieren. Danach begleite ich sie in ihre Schule in den Unterricht. Über den Tag verbringe ich dann Zeit in der Stadt, genieße ihre Energie, lege mich in den Park und schaue mir das dortige Museum der Engel an.

Am nächsten Tag schaue ich mir zwei Museen, einmal das der alten und neuen Meister, und das Stadt-Museum an, entspanne mich danach am Vormittag. Zum Mittag machen wir uns auf zum Bahnhof für eine Fahrt ins nahegelegene Čakovec, wo wir uns eben das dortige Schloss anguckten, die Kuchen-Spezialität Međimurska gibanica (sogenannter Vierlings-Strudel aus 4 verschiedenen Füllungen, den ich aus Pula kannte) in ihrer Heimat und setzten uns in ein Café in der Fußgängerzone. Am Abend kochen wir uns eine große, deftige Speise Spargel mit Reis, Eiern, Zwiebeln und Knoblauch. Fühle mich bei dieser deftigen Speise an Deutschland erinnert, seit langem nichts deftiges mehr gegessen, hier esse, koche und lebe ich doch recht spartanisch.

Am nächsten Tag leiht sie mir ein Rad für einen Tages-Ausflug, mit dem ich mich in den Wald, an die Drava (den dortigen schönen Fluss) und den anliegenden See begebe. Ewig war ich kein Fahrrad mehr gefahren, dabei kann das in einer solchen Landschaft richtig schön sein. Am Morgen begleitete ich sie in den Unterricht und durfte dann beim Kaffee-Trinken der Lehrer*innen dabei sein. Dann uns den Friedhof der Stadt angeschaut.

Am Samstag schauen wir uns dann zusammen mit einer Deutsch-Lehrerin und ihrem Sohn das berühmte Schloss Trakošćan in der Nähe von Varaždin an. Ist es auch auf der Landkarte recht nah, so ist es ohne Auto nur schwer zu erreichen. Die Lehrerin konnte glücklicherweise, sodass der Trip einfacher wurde. Es gibt da wohl einen Bus hin, doch ist das wohl recht kompliziert, wie ich es verstanden habe. Der Besuch des Schlosses umrahmten wir je mit zwei Besuchen im nahegelegenen Café auf dem See. Das Schloss von nahem zu sehen und drin zu sein war mindestens genauso beeindruckend wie es auf den Fotos aussieht. Zum Abschluss noch auf ein leckeres Abendessen eingeladen und einen See in der Gegend gezeigt. Das war ein beeindruckender Trip, nachdem sich am Abend bei mir ein Reise-High ankündigte.

Am letzten Tag, dem Sonntag, lassen wir die Zeit noch in einem vom Kroatien-Reiseführer empfohlenen Café ausklingen, nehme Abschied von dieser schönen Stadt, begebe mich mit einem Hoch und Dankbarkeit zurück nach Pula.

In der nächsten Woche standen nun einige wichtige Ereignisse an: der Info-Punkt an der Schule wurde eröffnet. Der Info-Punkt ist ein neben der Eingangstür der Schule positionierter Info-Stand. Hier sitzen Schüler*innen des Deutsch-Unterrichts und beantworten vorbeiziehenden Passanten (Fokus: deutschsprachige Reisende) Fragen über Pula oder die PASCH-Schule. Hierdurch gewinnen sie erste praktische, konkrete Erfahrungen für einen Beruf im Tourismus.

Zu diesem Anlass sollte ich dann auch ein Interview für die Regionalzeitung Glas Istre (kroatisch für Stimme Istriens) geben, beantwortete dazu einige per Mail zugesandte Fragen. Ein paar Tage später wurde das dann tatsächlich veröffentlich, was mir dann meine ersten 15 minutes of fame meines Lebens gab. In den darauffolgenden Tagen sprachen mich einige darauf an, dass sie über mich in der Zeitung gelesen haben, und andere meinten, ich sei jetzt ein VIP in Pula. Als introvertierter Mensch ist mir so externer Erfolg wie in der Zeitung stehen nichts was ich explizit anstrebe, doch ist er klarer zu fassen als ein interner à la ‚ich fühle mich sehr wohl in diesem Job an diesem Ort‘.

Noch am selben Tag bereiten wir die Schule für einen besonderen Anlass vor: die jährlichen Fit-Prüfungen des Goethe-Institutes finden statt, dieses Jahr mit über 100 Teilnehmer*innen. Zwei Prüferinnen aus Zagreb (der Hauptstadt Kroatiens und Sitz des dortigen Goethe-Instituts) kamen nach Pula, wir bereiteten bis in den Abend die Räume entsprechend vor. Die nächsten Tage half ich als Gang-Aufsicht aus, mit der Aufgabe, bei den Teilnehmern für Ruhe während der Prüfung zu sorgen. Das ist gar nicht so einfach, weil viele Schüler*innen an einem typischen Schul-Tag ihre Lautstärke nicht drosseln müssen, und bei den Teilnehmer*innen selbst noch schwerer, da so eine Prüfung doch sehr emotional ist. Wie wir und ich wohl damals vor den Abitur-Prüfungen drauf waren? Das hat mich dann drei Tage am Stück gefordert, teils bis zum frühen Abend, natürlich mit Pausen dazwischen.

Direkt nach den Prüfungen stand auch schon das nächste Projekt an: das Sommer-Praktikum von 12 Schüler*innen in bayrischen Hotels. Über einen längeren Zeitraum hatten sich Schüler*innen über die Agentur für Arbeit auf ein 2-monatiges Praktikum im Sommer in einem bayrischen Hotel bei den Seen in der Region Traunstein beworben. Im Mai kam nun die endgültige Zuteilung, wer wo arbeiten wird. In der Folge gaben wir für sie Unterricht in Servierkunde, Fahrt, Formalitäten u.v.m. vor diesen großen Projekt mussten erledigt werden. Anfang Juni fuhren die Praktikant*innen dann mit dem Bus von Pula nach Bayern, und bleiben dort bis Anfang August. Das Projekt nennt sich „Deutsch für meinen Beruf“ und ist mit dem EU-Sprachensiegel ausgezeichnet worden.

Zu dieser Zeit fängt hier auch der Sommer an, mit fast täglicher Sonne und Temperaturen um oder sogar über 30 ° C. Das ist für mich eine Umgewohnung, da ich die Stadt im kompletten Gegenteil, im kühlen Winter mit orkanartigen Winden kennen und lieben gelernt habe. Auch ist meine Natur und meine helle Haut eher für den Winter geeignet. Doch während sich das FSJ auf die Zielgerade bewegt, wird mir ganz langsam klar, dass ich ein Jahr lang geschafft habe. Ich war mir zu Anfang nicht mal sicher, ob ich ein halbes Jahr aushalten würde, nun sollte ein ganzes mir gelingen, und ich will vom Gefühl her am liebsten gar nicht mehr gehen.

Neben der großen Reise nach Varaždin machte ich einen Tages-Trip in der Region, ins nahegelegene Dorf Vodnjan. Aus Freude an Zügen nahm ich die Eisenbahn statt des Stadt-Busses in die Nachbar-Gemeinde Pulas. Es ist recht malerisch dort, ich treffe auf einen dort wohnenden Schüler, mache Fjaka (kroatische Version der Siesta, d.h. sich mittags schlafen legen) auf einer Wiese nahe der Kirche, lege mich auf nahegelegenden Feldern hin, am Ende genieße ich noch eine schöne abgekühltere Abend-Atmosphäre auf dem zentralen Volksplatz, bevor es für mich zurückgeht.

Das letzte große Projekt im Schuljahr stellte ein Auftritt zur Sprachanimation an einer Grundschule im istrischen Dorf Sveti Lovreč dar. Hierzu machen wir zu dritt in einer Klasse, meine Ansprechpartnerinnen als Deutsch-Lehrerinnen und ich im Kostüm des Maskottchen Treffi eine Animations-Stunde für den Deutsch-Unterricht. Die Lehrerinnen haben einen einfachen Dialog in Form einer Vorstellungsrunde gemacht, haben den Inhalt — verschiedene Gegenstände — von Treffis Tasche vorgestellt. Dann wurde Treffi erweckt, und mit ihm haben alle Obstsalat mit den zuvor gelernten Begriffen von Treffis Tasche gespielt. Danach sollten die Schüler*innen malen, was sich in Treffis Tasche befindet. Treffi hat ihnen dabei Feedback gegeben. Zum krönenden Abschluss haben wir dann als Gesamt-Gruppe zum Fliegerlied getanzt.

Über Heim-Weh und die Zeit hier

An manchen Tagen spürte ich starkes Heimweh, und manchmal spürte ich es für Wochen oder Monate nicht, fühlte mich an dem Ort wohl, wollte gar nicht zurück nach Deutschland.

Vereinfacht wurde mir das Heimweh natürlich durch die Präsenz einiger mir aus Deutschland bekannter Supermärkte (dm, Kaufland, Müller, Lidl, Spar) und die große Verfügbarkeit von in Deutschland ebenfalls erhältlichen Produkten. Ebenfalls ist der Ort im Frühling und Sommer beliebter Urlaubsort bei Deutschen, und ein deutsches Auto-Kennzeichen keine Seltenheit.

Und die Lage des Ortes direkt am Meer und naturnah mit vielen Wäldern drumherum macht die Sache natürlich auch einfacher. Ich verstand sofort als ich hier ankam, warum es Leute hierher zieht.

Für mich war es das erste Mal in einer Kleinstadt. In meinem ganzen Leben lebte ich zuvor immer in der Region Köln/Bonn, die selbst Teil der Metropole Rhein-Ruhr ist. Dass ich mein Leben lang in so einer Metropole lebte, wurde mir erst hier klar. Zu der Zeit war das einfach Standard, wie ich ihn immer schon kannte.

Pula ist kein Teil einer solchen Metropole, es ist mit 60.000 Einwohnern die größte Stadt einer 200.000 Einwohner großen Region. Die Dimensionen sind also ganz andere, und waren für mich definitiv eine Umstellung. Mir ist klargeworden, was für ein Über-Angebot ich in allem in der Metropole Rhein-Ruhe habe. Pula und Istrien haben durchaus was zu bieten, versteht mich nicht falsch.

Zugleich realisierte ich, wie Pula für die Region eine Großstadt ist, und es einen gewissen Großstadt-Charakter hat. Viele Schüler aus anderen Städten und Dörfern Istriens erzählten mir, dass sie zum Shoppen oder für nicht alltägliches Einkaufen nach Pula, z.B. in die dortige Pula City Mall fahren.

Gefehlt haben mir hier schonmal die vielen Leute, die ich in Deutschland seit Jahren oder gar Jahrzehnten kenne. Auch hier lernte ich coole Leute kennen, aber in einem Jahr oder weniger können sich keine Jahr(zehnt)e entwickeln. Allerdings habe ich auch die Zeit für mich genossen, es mal etwas ruhiger angegangen, in Deutschland ist doch gefühlt manchmal sehr viel los, und ich bin häufig dadurch in Stress geraten.

Osterferien und erste Touristen

Osterferien und erste Touristen

Die Osterferien beginnen Ende März, und um diese Zeit kommt die erste noch kleine Welle von Tourist*innen in die Stadt Pula. Insgesamt erwacht die Stadt aus ihrem Winterschlaf, viele Cafés, Eis-Läden, Restaurants eröffnen ihr Lokal nach der Schließung in den Herbst- und Wintermonaten wieder, der Markt findet wieder regelmäßig statt. Diesen Kontrast zu beobachten ist schon ein beeindruckendes Phänomen. Als Urlauber selbst ist mir das selbst gar nicht so bewusst gewesen, wie stark der Tourismus und seine Saisons manche Orte prägen. Ich empfinde das als eine Umstellung, da ich die zuvor leere und ruhige Stadt in diesem Zustand zu lieben gelernt hatte. Da musste ich mich auch erst dran gewöhnen, und auch selbst mich dafür öffnen, dass nicht nur Touristen kommen, sondern dass täglich Touristen in immer größeren Zahlen kommen.

Mich hat einmal ein Freund gefragt, was ich in Kroatien als „krass“ empfinde? Das ist das einzige, was mir dazu einfiel: wie der Tourismus hier — in manchen Teilen nur, wohlgemerkt — prägend ist. Wie, als ich kam, gegen Oktober-November der Großteil der Läden der Stadt komplett geschlossen hat, auf Hauptplätzen und -straßen der Großteil der Läden nun zu ist, und wie dann ab Ende März/Anfang April dieselben Läden, die geschlossen hatten, langsam einer nach dem anderen, wieder eröffnen, oder aber ein neuer Laden an derselben Stelle aufmacht. Wie jeden Tag hier immer mehr Leute herkommen, sich vergnügen, die Stadt für sich entdecken, wie täglich vor den Sehenswürdigkeiten Leute ihre Urlaubs-Fotos und -Selfies schießen, wie Leute Souvenirs, T-Shirts, Postkarten, Olivenöl, Trüffel, Schnaps, Honig kaufen und die diversen Angebote eines Urlaubs-Ortes tatsächlich nutzen.

Das Phänomen gibt es so in der meiner Heimat-Region Köln/Bonn nicht, klar gibt es Touristen am Kölner Dom und im Beethoven-Haus in Bonn, doch ist das sowohl ganzjährig und sind das meist vereinzelte Personen oder Gruppen, die ich als Anwohner dort kaum bemerkt habe.

Nicht der einzige Reisende auf Erden

Ich hielt mich immer für den großen Reisenden, und deshalb etwas „ganz Besonderes“, doch Pula hat mir ziemlich klar gezeigt, wie ich einer von Tausenden, bzw. eher Millionen von Reisenden bin. Auch war die Art, wie ich reiste, die „einzig wahre“, auf „Pauschal-Urlauber“ oder „Reise-Gruppen“ habe ich herabgeguckt. Doch so eine Sichtweise ist Unfug, beim Reisen gibt es kein Wahr oder Falsch. Manche Leute wollen dasselbe essen wie bei sich zuhause und auch im Urlaub deutsch sprechen, während es mir beim Urlaub außerhalb Deutschlands am liebsten ist, kein einziges Wort deutsch zu sprechen, ich bloß den größtmöglichsten Kontrast suche. Leute reisen aus unterschiedlichsten Gründen und haben verschiedene Erwartungen, was für den einen passt, ist für die andere eine schlechte Erfahrung.

Einen historischen Ort erlaufen

Irgendwann im Januar 2018 bemerke ich irgendwo im Internet die Werbung für einen 10-Kilometer-Lauf auf den nahegelegenen Brijuni-Inseln. Ich entscheide mich dann, an diesem Lauf Anfang März teilzunehmen, und mich bis dahin entsprechend vorzubereiten. So laufe ich dann häufiger durch die Stadt und ihre Umgebung, komme auch mit mir bis dato unbekannten Teilen der Stadt in Kontakt. Als der Lauf näher kommt, entscheide ich mich, für die Nacht zuvor ein Hostel in der den Inseln gegenüberliegenden Gemeinde Fažana zu nehmen. Denn hätte ich um rechtzeitig zum Start um 11 Uhr auf der Insel zu sein, um 9 Uhr die Fähre in Fažana nehmen müssen, und um dorthin zu kommen, den Bus um 6 Uhr aus dem Zentrum von Pula. Das war mir doch zu früh und unpraktisch, zudem ist Fažana auch eine interessante Stadt für sich. Ich war zuvor zweimal kurz da gewesen, aber noch nicht länger.

Der Name Brijuni wird wohl vielen nichts sagen… zumindest hat er mir vor diesem Austausch nichts gesagt. Doch sind diese unscheinbar wirkenden Inseln doch ein einzigartiger und auch historischer Ort: es gibt dort Elefanten, Lamas, Zebras, einen Golfplatz, Hotels, u.v.m. Wie kam all das dahin? Nun, die Insel war zu Zeiten Jugoslawiens Sommer-Residenz von Staatsmann Tito, jahrzehntelang Präsident von Jugoslawien und die zentrale Figur des Staates, ein auch heute noch umstrittener Mensch. Die Tiere hat er dann von befreundeten Staatsmännern als Geschenk erhalten. Tito ist seit den 80ern tot, Jugoslawien zerfallen und die Inseln sind in der Folge an Kroatien übergegangen. Heute sind sie ein Nationalpark. Denn es gibt auf den Inseln viel schützenswerte Flora und Fauna. Ein Besuch ist nur als Teil einer offiziellen Führung, als Gast eines Hotels, oder jetzt in meinem Fall durch die Teilnahme am Lauf möglich.

Zu Zeiten der österreichisch-ungarischen Monarchie (der Kroatien einmal angehörte) war die Insel ein beliebter Treffpunkt der Wiener Oberschicht. Der irische Autor James Joyce war auch einmal Gast auf der Insel, genauso wie einige Dinosaurier vor Jahrmillionen, deren Spuren bis heute geblieben sind. Es gibt hier tausende an kleinen Geschichten und Anekdoten zu den Inseln.

Ich stand zum Lauf früh auf, machte mir das Frühstück direkt am Meeres-Ufer von Fažana, das um die Ecke des Hostels lag. Das Wetter an jenem Tag war nicht allzu gut, kühl, windig und bewölkt. Doch beim Frühstück hat es noch keinen Regen gegeben. Vor der Abfahrt der Fähre um 9 Uhr gönne ich mir noch einen Kaffee in einer am Ufer gelegenen Bar, die komplett im Golf-Theme gehalten ist, diverse Schläger-Replikas an den Wänden und unter einer Glasplatte auf jedem Tisch eine Sammlung an Golfbällen beinhaltet. Fahre dann mit den anderen Läufer*innen rüber auf die Ostseite der Insel zum einzigen Hafen, direkt an den Hotels der Insel, der Nummern-Ausgabe und dem Start und Ziel des Rennens. Hier komme ich dann ungeplant in die kroatische Tagesschau, als ich im Hintergrund eines Interviews mit einer Läuferin stehe. Gegen 11 Uhr geht es dann los, spüre, wie ich mich kaum fit fühle, und das regnerische, dunkle, bewölkte Wetter ist nicht wirklich motivationsförderlich. Es geht viel durch Wälder, an Grünflächen vorbei, teils auch am bzw. übers Meer und quer über den Golfplatz der Insel. Ungewöhnlich war der kurze, schätze 500 m lange Teil durch den Safari-Park der Insel, wo ich Zebras, Lamas, Pferde sah. Vom berühmten Elefanten sah ich jedoch „nur“ die Skulptur, den echten sah ich nicht. Den Lauf empfand ich jedoch als hart, biss mich durch, nicht mein Tag. Hatte noch auf eine Zeit unter einer Stunde gehofft, doch das gelang mir nicht. So Tage gibt es auch, gehört zum Laufen (bzw. dem Leben allgemein) dazu.

Nach dem Lauf mich dann ins Restaurant des Hotels gesetzt und mir zuerst einen Kaffee dort gegönnt, und dann das Mittagessen des Laufes eingenommen. Ich spaziere danach noch was über die Insel, wer weiß, wann ich wieder hier bin. Als Hobby-Fotograf hätte ich mir gerne die Foto-Ausstellung zu Tito angeschaut, doch war sie an dem Tag geschlossen. Am Ende gehe ich ins Boots-Haus, ein Museum über die Geschichte der Insel, dessen Besuch ich dann auf halber Strecke unterbreche, um die Fähre zurück ans Land, und den Bus nach Pula zu bekommen. Der Hostel-Rezeptionist hat mich dann mit zwei anderen Läuferinnen freundlicherweise zurückgefahren, und ich habe an diesem Tag nach dem Lauf und den vielen Eindrücken der Insel nicht mehr viel gemacht. Die Insel war eine Erfahrung für sich, eine ganz eigene Atmosphäre und Energie spürte ich da.

Warum wir das Ergebnis der Fußball-WM schon vorher kannten

Ende Februar kommen zwei Studentinnen auf Lehramt von der Universität Bielefeld für ihr Praktikum an die Schule für Tourismus, Gastgewerbe und Handel in Pula. Sie kamen für das Projekt „Didaktik ohne Grenzen“ an die Schule. Das war ein schönes Erlebnis und eine gute Erfahrung. Auch vor allem schön zu sehen, wie andere Menschen die Stadt für sich entdecken und erleben, für mich als jemanden, der zu dem Zeitpunkt vergleichsweise länger dort gelebt hat.

Die Studentinnen sammelten praktische Erfahrungen im Unterricht, halfen bei den Projekten an der Schule aus, reisten in der Umgebung und waren aktiver Teil einiger Schul-Ereignisse. Zum krönenden Abschluss machten wir an drei aufeinanderfolgenden Tagen in den istrischen Städten Pazin, Poreč und Rovinj Werbung für den Deutsch-Unterricht und die Goethe-Prüfungen. Hierzu präsentierten wir vor Klassen des Deutsch-Unterrichts.

Meine Ansprechpartnerinnen und Deutsch-Lehrerinnen der Schule stellten zuerst in einem Sketch die Schule und den Deutsch-Unterricht dort dar, dann stellten die Studentinnen ihre Stadt Bielefeld vor anhand von Bildern und Erzählungen. Danach fand eine Aufteilung in Kleingruppen statt, meine Ansprechpartnerinnen gingen näher auf die Möglichkeiten des Goethe-Instituts ein, die Studentinnen tauschten sich mit Schülern aus und ich stellte das kulturweit-Programm vor. Dieses Projekt hat viel Spaß gemacht und auch Früchte getragen, denn es haben sich gleich für die Prüfungen im Mai einige Schüler angemeldet.

Zum Tag der Schule Anfang März darf ich am Volleyball-Match Schüler gegen Lehrer teilnehmen, was viel Spaß gemacht hat. An jenem Tag hatten alle Schüler*innen frei, und in der Turnhalle der Schule fand ein großes Programm mit Singen, Tanzen und Aufführungen statt, mit dem Abschluss des Volleyball-Spieles Schüler gegen Lehrer. Da die Lehrer-Mannschaft schon voll war, wurde ich dann gebeten, bei den Schülern mitzuspielen. Mit der Zeit nach anfänglichen Anlaufschwierigkeiten kam ich immer besser ins Spiel, das ich keine handvoll Male in meinem Leben gespielt habe. Im Team waren sehr gute Spieler, ich gab als gefühlt schwächstes Glied mein Bestes. Es war ein knappes Match, wir waren beide ziemlich gut, verloren dann am Ende knapp. Im folgenden Revanche-Spiel gewannen wir dann relativ klar, kamen besser in Harmonie und ich persönlich leistete mir weniger Fehler. Doch zählen tut natürlich im Endeffekt nur das erste, das wahre Spiel der Schüler gegen Lehrer. Das Spiel hat einfach Spaß gemacht, mich zu bewegen, in dieses Spiel reinzukommen, das Fieber des Wettbewerbs, jeder Punkt zählt.

Recht bald nach dem Tag der Schule, noch im März, begeben sich die Fußballer der Schule zur Schul-Hallenfußball-WM nach Israel. Die Mannschaft der Schule hatte — für alle überraschend — die Auswahlspiele zur Repräsentation des kroatischen Nationalteams und damit die Qualifikation für die WM gewonnen. Hier spielten dann die Teams aus aller Herren Länder mit, wie es auch bei der echten Fußball-WM der Fall ist. Neben Gastgeber Israel waren z.B. Italien, die Türkei, Brasilien dabei. Deutschland war nicht dabei, sollte das schon ein Omen auf die Zukunft sein? Die Schüler hatten jedenfalls nichts zu verlieren, war es ja schon eine Sensation, überhaupt dabei zu sein.

Doch die Qualifikation war ihnen nicht genug und sollte wahrhaftig nicht das Ende der Fahnenstange sein. Sie gewannen gleich ihr erstes Spiel, und von da an entstand eine Euphorie für das Team an der Schule. Ein mitgefahrener Religionslehrer machte zu jedem Spiel einen Facebook-Livestream, dessen Zuschauerzahlen ins Dreifache gingen. Hier verfolgten Schüler, Lehrer und Alumni der Schule gespannt die Spiele inklusive Live-Kommentar. Mehrfach haben wir auf Leinwand über den Beamer das Spiel übertragen, und auch andere Klassen mit in den Treffpunkt Deutschland, den größten Raum der Schule, zum Public Viewing eingeladen. Und das alles nicht umsonst, denn dem Team gelang Sieg um Sieg, sie waren hungrig auf den Titel, und machten sich mit jedem Spiel mehr und mehr zu Legenden an der Schule. Und sie erreichten tatsächlich das Finale! Sollte ihnen jetzt auch noch der allesentscheidende Sieg gelingen? Nun, sie gaben alles, doch stießen sie im Finale erstmals auf einen Gegner, der ihnen eindeutig überlegen war. Störte die Final-Niederlage an der Schule jemanden? Nun, nicht allzu sehr, im Fokus stand der unglaubliche Einzug ins Finale. Bei der Rückkehr wurde dem Team, dem Trainer und den Funktionären drumherum ein Riesen-Empfang gegeben, es gab eine große Festlichkeit mit Riesen-Kuchen und Getränken, die Schüler wurden als Sieger gefeiert.

Fußball ist in Kroatien ähnlich wie in Deutschland Volks-Sport, auch wenn die Dimensionen bei 4 Millionen Einwohnern Kroatiens gegenüber 80 Millionen in Deutschland natürlich ganz andere sind. Das moderne Nationalteam gibt es wie den Staat seit Anfang der 90er-Jahre, hat bei der WM 1998 den dritten Platz erreicht, auf dem Weg den damaligen Europameister Deutschland besiegt und ist am Gastgeber und späteren Weltmeister Frankreich im Halbfinale gescheitert. Ein Schüler erzählte mir, dass seine Eltern davon noch heute reden würden.

Drei Monate später sollte dann die Weltmeisterschaft der professionellen Fußballer folgen, an denen das kroatische Team auch teilnahm. Unserer Schule kam die Aufgabe und das Privileg zu, für PASCH-Net einen Beitrag zu Fußball in Kroatien zu schreiben, in dem ein Schüler vom Team folgendes erwartete:

Ich denke, dass Kroatien die Weltmeisterschaft gewinnen wird. Wir haben viele gute Spieler, die das schaffen können. Ich kann es kaum erwarten, bis es losgeht! (http://www.pasch-net.de/de/pas/cls/sch/jus/spo/21261655.html#bodyTyp4)

Und mit dem Beginn der Weltmeisterschaft entwickelte sich hier auch ein Fußball-Fieber, Cafés haben Fernseher aufgestellt, die sämtliche Spiele zeigten. Spätestens ab dem Viertelfinale war vom Gefühl her alles möglich, die Sensation lag hier schon in der Luft. Gerade an Spieltagen war es hier nicht unüblich, in Cafés oder auch Supermärkten das gesamte Personal in den Nationalfarben, dem rot-weißen Schachmuster, gekleidet zu sehen. Supermärkte und kleinere Läden hatten ab einer Stunde vor Spielbeginn geschlossen. Und ich erinnere mich an eine Werbeanzeige von Coca-Cola vor dem Halbfinale am Hauptplatz Pulas, die sagte „Für uns seid ihr schon Weltmeister [wörtlich: die Ersten]!“ (Za nas ste već prvaci). Zu dem Zeitpunkt an einer Hauptverkehrsstraße lebend bin ich Zeuge davon geworden, wie nach jedem Sieg Hup-Konzerte von vielen Autos stattfanden.

Das Lied Igraj moja Hrvatska (übersetzt: Spiel, mein Kroatien) der Band Zaprešić Boys habe ich vielerorts gehört und nach einer Weile wiedererkannt. Hier eben eine Hör-Probe dieses Liedes:

Als der Final-Einzug feststand, wurde kurzfristig ein Public Viewing in der Pulaer Arena, dem Wahrzeichen der Stadt und eines der Wahrzeichen Kroatiens, eingerichtet.

Im Gedächtnis blieb mir ein Dialog zwischen dem Kellner eines Cafés und eines Touristen am Tag vor dem Finale:

Tourist: Where can I see the final tomorrow?

Kellner: Everywhere.

Tourist: Do you show it, too?

Kellner: Yes.

Am Tag des Finals fühlte ich mich recht schlapp, fühlte mich nicht fit und wohl für die Massen eines stadionartigen Amphitheaters und schaute es in einem Café um die Ecke. Ich bin kein Typ, der groß Entscheidungen bereut, doch wenn ich es tun würde, dann wohl hier, denn da soll es ziemlich abgegangen sein. Beeindruckend fand ich, wie viele Leute direkt nach dem Spiel, trotz Niederlage, applaudierten, und wie mir schien die Niederlage gar nicht allzu traurig nahmen. Der Empfang der Nationalmannschaft auf dem zentralen Platz der Hauptstadt Zagreb war ein Riesen-Ereignis und die Mannschaft als Helden bezeichnet. Immer wieder mal seit dem Turnier komme ich mit dem Nationalteam in Berührung, sei es über ein aufgehangenes Plakat in einem Café, über Bier-Werbung, die sich „Zweite in der Welt, Erste in unseren Herzen“ liest (Drugi na svijetu, prvaci u našim srcima), über Cola-Flaschen mit aufgedruckten Spiel-Ergebnis drauf.

Valentinstag 2018 an der Schule für Tourismus, Gastgewerbe und Handel in Pula

Zum Valentinstag 2018 haben einige Schüler*innen des Deutsch-Unterrichts an meiner Schule für Tourismus, Gastgewerbe und Handel in Pula, Kroatien ihren Liebeskummer an den Juliet Club in Verona (Italien) geschrieben.

Dies ist ein Verein in Verona, an den Menschen im Fall von Problemen schreiben können. Man adressiert dazu einen Brief an die fiktive Julia aus Shakespeares Tragödie und Liebesgeschichte Romeo und Julia, welche in der Stadt Verona spielt. Die Stadt Verona und die Stadt Pula sind in einer Städtepartnerschaft, und eine Straße in Pula ist nach Verona benannt, sodass hier eine konkrete Verbindung existiert.

In einem Brief wird der Kummer, der einen plagt, beschrieben, und Julia um Hilfe gebeten. Dann wird der Brief an den Juliet Club versandt oder vor Ort in deren Briefkasten eingeworfen. Wer eine schnelle Antwort braucht, kann auch eine Mail versenden. Im Juliet Club lesen sich dann Freiwillige die Briefe durch und senden der Person eine hoffentlich nützliche Antwort. Die schönsten Briefe werden dabei jährlich mit einem Preis gekürt. Die Gewinner von 2018 können hier eingesehen werden.

Wen also eine ernsthafte Schwierigkeit plagt und seit längerem damit auf dem Schlauch steht, der kann sich an den Juliet Club wenden. Sie schrieben mir jedoch, dass es wirklich ernste Probleme sein sollten und kein Spam, da der Club enorm viele Briefe erhält. So viele zu beantworten braucht seine Zeit.

Habt ihr dem Juliet Club schonmal geschrieben? An wen wendet ihr euch bei Problemen?

Puno pozdrav iz Pule! (viele Grüße aus Pula)

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