Besuch, China-Tag, Reise, Sommer-Anfang

Ab Ende April hatte ich eine besondere Zeit dieses Dienstes vor mir, denn zum einen kam mich eine Mit-Freiwillige aus einem anderen Teil Kroatiens besuchen, und zum anderen besuchte ich sie im Gegenzug in „ihrer“ Stadt. Direkt darauf folgten dann in einer Woche einige besondere Ereignisse. Doch fangen wir langsam an.

Schon vor dem Dienst und auf dem Seminar hatten wir die Idee, uns gegenseitig zu besuchen, um so etwas günstiger und einfacher Kroatien kennenzulernen. Nun schien sich jedoch eine Schwierigkeit zu entwickeln. Mein Vermieter-Ehepaar verbat mir, Besucher in meiner Wohnung aufzunehmen. Warum? Nun, wir wohnen beide im selben Haus, sie im Erd- und Obergeschoss, ich im Untergeschoss. Da haben sie es natürlich nicht gerne, wenn so ein Student (für sie) wildfremde Leute in die Wohnung bringt, oder vielleicht gar noch ausufernde Partys dort schmeißt. Ich vertraue natürlich all meinen Gästen, doch verstehe ich den Einwand auch. Sie haben meines Gefühls nichts gegen Fremde, sonst hätten sie mich nicht aufgenommen. Nur wollen sie keinen Freifahrts-Schein für irgendwen ausstellen, den/die sie gar nicht kennen. Und hat es nichts mit Kroatien oder mit mir zu tun, so Einstellungen kenne ich auch aus Deutschland. Und so fragen wir nach einer Ausnahme, schließlich sind sie es, die ja auch eine Ausnahme von der Regel geben können, erklären, wer sie ist, und der Besuch ist genehmigt.

Sie kommt an einem Freitag Mittag in Pula per Bus an, ich hole sie vom Busbahnhof ab, ihr gleich Stadt und Meer gezeigt, welches es so an ihrem Ort nicht gibt. Am Abend sie mit Freiwilligen des European Voluntary Service in Pula bekannt gemacht, die am Abend direkt gemeinsam ausgingen. Am nächsten Tag ging es dann für einen Tages-Ausflug in einen nahegelegenen Nationalpark namens Premantura, an die Südspitze Istriens, wo wir wanderten, in die dortige Safari Bar einkehrten und uns ein dort Aufgewachsener die Gegend und den zu der Zeit wachsenden Wildspargel erklärte. Am nächsten Tag zeige ich ihr den Rest der Stadt, das Schloss inmitten der Innenstadt, das jedoch visuell verborgen ist, inklusive der dortigen Aussicht und anliegendem Museum.

Am nächsten Tag zeige ich ihr meinen Arbeits-Platz, den sie gewissermaßen an einem typischen Tag erlebt: es stand einmal wieder ein Projekt an. An jenem Tag gab es einen Projekt-Tag für China, infolge der wachsenden Zusammenarbeit von China und Kroatien. Noch im Herbst zuvor, während ich da war, gab es eine große Aufführung der chinesischen Botschaft im Pulaer Amphitheater. An diesem Tage verreisten Schüler des Deutsch-Unterrichts mithilfe von PASCH-Net nach China. Das bedeutet, sie lasen entsprechende Meldungen bzw. schauten Videos zu PASCH in China. Hierzu gab es ein Arbeitsblatt mit QR-Codes zu den entsprechenden Links, und die Inhalte wurden mithilfe der vom Goethe-Institut Kroatien gesponsorten iPads aufgerufen. Am Abend gingen wir noch in ein Restaurant der Stadt, wo wir ein leckeres Essen hatten.

Direkt am nächsten Tag ging es dann weiter mit dem Bus nach Varaždin. Die Stadt gefiel mir direkt, mir fiel auf, wie es dort noch ruhiger als in Pula ist, was ich sehr schätz(t)e. Vieles war anders dort, ich war im Inneren Kroatiens, und nicht mehr an der Küste. Ich bekam das Gäste-Zimmer in ihrer Wohnung und die Freiheiten eines Gastes, vielen Dank dafür, habe mich da sehr wohl gefühlt. Am nächsten Tag zeigt sie mir die Stadt, diverse Kirchen, den Stadt-Park und das Schloss der Stadt, die Stadt hat ihren eigenen Charme und bietet schöne Motive zum Fotografieren. Danach begleite ich sie in ihre Schule in den Unterricht. Über den Tag verbringe ich dann Zeit in der Stadt, genieße ihre Energie, lege mich in den Park und schaue mir das dortige Museum der Engel an.

Am nächsten Tag schaue ich mir zwei Museen, einmal das der alten und neuen Meister, und das Stadt-Museum an, entspanne mich danach am Vormittag. Zum Mittag machen wir uns auf zum Bahnhof für eine Fahrt ins nahegelegene Čakovec, wo wir uns eben das dortige Schloss anguckten, die Kuchen-Spezialität Međimurska gibanica (sogenannter Vierlings-Strudel aus 4 verschiedenen Füllungen, den ich aus Pula kannte) in ihrer Heimat und setzten uns in ein Café in der Fußgängerzone. Am Abend kochen wir uns eine große, deftige Speise Spargel mit Reis, Eiern, Zwiebeln und Knoblauch. Fühle mich bei dieser deftigen Speise an Deutschland erinnert, seit langem nichts deftiges mehr gegessen, hier esse, koche und lebe ich doch recht spartanisch.

Am nächsten Tag leiht sie mir ein Rad für einen Tages-Ausflug, mit dem ich mich in den Wald, an die Drava (den dortigen schönen Fluss) und den anliegenden See begebe. Ewig war ich kein Fahrrad mehr gefahren, dabei kann das in einer solchen Landschaft richtig schön sein. Am Morgen begleitete ich sie in den Unterricht und durfte dann beim Kaffee-Trinken der Lehrer*innen dabei sein. Dann uns den Friedhof der Stadt angeschaut.

Am Samstag schauen wir uns dann zusammen mit einer Deutsch-Lehrerin und ihrem Sohn das berühmte Schloss Trakošćan in der Nähe von Varaždin an. Ist es auch auf der Landkarte recht nah, so ist es ohne Auto nur schwer zu erreichen. Die Lehrerin konnte glücklicherweise, sodass der Trip einfacher wurde. Es gibt da wohl einen Bus hin, doch ist das wohl recht kompliziert, wie ich es verstanden habe. Der Besuch des Schlosses umrahmten wir je mit zwei Besuchen im nahegelegenen Café auf dem See. Das Schloss von nahem zu sehen und drin zu sein war mindestens genauso beeindruckend wie es auf den Fotos aussieht. Zum Abschluss noch auf ein leckeres Abendessen eingeladen und einen See in der Gegend gezeigt. Das war ein beeindruckender Trip, nachdem sich am Abend bei mir ein Reise-High ankündigte.

Am letzten Tag, dem Sonntag, lassen wir die Zeit noch in einem vom Kroatien-Reiseführer empfohlenen Café ausklingen, nehme Abschied von dieser schönen Stadt, begebe mich mit einem Hoch und Dankbarkeit zurück nach Pula.

In der nächsten Woche standen nun einige wichtige Ereignisse an: der Info-Punkt an der Schule wurde eröffnet. Der Info-Punkt ist ein neben der Eingangstür der Schule positionierter Info-Stand. Hier sitzen Schüler*innen des Deutsch-Unterrichts und beantworten vorbeiziehenden Passanten (Fokus: deutschsprachige Reisende) Fragen über Pula oder die PASCH-Schule. Hierdurch gewinnen sie erste praktische, konkrete Erfahrungen für einen Beruf im Tourismus.

Zu diesem Anlass sollte ich dann auch ein Interview für die Regionalzeitung Glas Istre (kroatisch für Stimme Istriens) geben, beantwortete dazu einige per Mail zugesandte Fragen. Ein paar Tage später wurde das dann tatsächlich veröffentlich, was mir dann meine ersten 15 minutes of fame meines Lebens gab. In den darauffolgenden Tagen sprachen mich einige darauf an, dass sie über mich in der Zeitung gelesen haben, und andere meinten, ich sei jetzt ein VIP in Pula. Als introvertierter Mensch ist mir so externer Erfolg wie in der Zeitung stehen nichts was ich explizit anstrebe, doch ist er klarer zu fassen als ein interner à la ‚ich fühle mich sehr wohl in diesem Job an diesem Ort‘.

Noch am selben Tag bereiten wir die Schule für einen besonderen Anlass vor: die jährlichen Fit-Prüfungen des Goethe-Institutes finden statt, dieses Jahr mit über 100 Teilnehmer*innen. Zwei Prüferinnen aus Zagreb (der Hauptstadt Kroatiens und Sitz des dortigen Goethe-Instituts) kamen nach Pula, wir bereiteten bis in den Abend die Räume entsprechend vor. Die nächsten Tage half ich als Gang-Aufsicht aus, mit der Aufgabe, bei den Teilnehmern für Ruhe während der Prüfung zu sorgen. Das ist gar nicht so einfach, weil viele Schüler*innen an einem typischen Schul-Tag ihre Lautstärke nicht drosseln müssen, und bei den Teilnehmer*innen selbst noch schwerer, da so eine Prüfung doch sehr emotional ist. Wie wir und ich wohl damals vor den Abitur-Prüfungen drauf waren? Das hat mich dann drei Tage am Stück gefordert, teils bis zum frühen Abend, natürlich mit Pausen dazwischen.

Direkt nach den Prüfungen stand auch schon das nächste Projekt an: das Sommer-Praktikum von 12 Schüler*innen in bayrischen Hotels. Über einen längeren Zeitraum hatten sich Schüler*innen über die Agentur für Arbeit auf ein 2-monatiges Praktikum im Sommer in einem bayrischen Hotel bei den Seen in der Region Traunstein beworben. Im Mai kam nun die endgültige Zuteilung, wer wo arbeiten wird. In der Folge gaben wir für sie Unterricht in Servierkunde, Fahrt, Formalitäten u.v.m. vor diesen großen Projekt mussten erledigt werden. Anfang Juni fuhren die Praktikant*innen dann mit dem Bus von Pula nach Bayern, und bleiben dort bis Anfang August. Das Projekt nennt sich „Deutsch für meinen Beruf“ und ist mit dem EU-Sprachensiegel ausgezeichnet worden.

Zu dieser Zeit fängt hier auch der Sommer an, mit fast täglicher Sonne und Temperaturen um oder sogar über 30 ° C. Das ist für mich eine Umgewohnung, da ich die Stadt im kompletten Gegenteil, im kühlen Winter mit orkanartigen Winden kennen und lieben gelernt habe. Auch ist meine Natur und meine helle Haut eher für den Winter geeignet. Doch während sich das FSJ auf die Zielgerade bewegt, wird mir ganz langsam klar, dass ich ein Jahr lang geschafft habe. Ich war mir zu Anfang nicht mal sicher, ob ich ein halbes Jahr aushalten würde, nun sollte ein ganzes mir gelingen, und ich will vom Gefühl her am liebsten gar nicht mehr gehen.

Neben der großen Reise nach Varaždin machte ich einen Tages-Trip in der Region, ins nahegelegene Dorf Vodnjan. Aus Freude an Zügen nahm ich die Eisenbahn statt des Stadt-Busses in die Nachbar-Gemeinde Pulas. Es ist recht malerisch dort, ich treffe auf einen dort wohnenden Schüler, mache Fjaka (kroatische Version der Siesta, d.h. sich mittags schlafen legen) auf einer Wiese nahe der Kirche, lege mich auf nahegelegenden Feldern hin, am Ende genieße ich noch eine schöne abgekühltere Abend-Atmosphäre auf dem zentralen Volksplatz, bevor es für mich zurückgeht.

Das letzte große Projekt im Schuljahr stellte ein Auftritt zur Sprachanimation an einer Grundschule im istrischen Dorf Sveti Lovreč dar. Hierzu machen wir zu dritt in einer Klasse, meine Ansprechpartnerinnen als Deutsch-Lehrerinnen und ich im Kostüm des Maskottchen Treffi eine Animations-Stunde für den Deutsch-Unterricht. Die Lehrerinnen haben einen einfachen Dialog in Form einer Vorstellungsrunde gemacht, haben den Inhalt — verschiedene Gegenstände — von Treffis Tasche vorgestellt. Dann wurde Treffi erweckt, und mit ihm haben alle Obstsalat mit den zuvor gelernten Begriffen von Treffis Tasche gespielt. Danach sollten die Schüler*innen malen, was sich in Treffis Tasche befindet. Treffi hat ihnen dabei Feedback gegeben. Zum krönenden Abschluss haben wir dann als Gesamt-Gruppe zum Fliegerlied getanzt.

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