{"id":280,"date":"2014-01-23T18:49:16","date_gmt":"2014-01-23T17:49:16","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/sauerkrautsuppe\/?page_id=280"},"modified":"2014-06-17T09:46:03","modified_gmt":"2014-06-17T07:46:03","slug":"was-ich-noch-zu-sagen-haette","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/sauerkrautsuppe\/was-ich-noch-zu-sagen-haette\/","title":{"rendered":"Was ich noch zu sagen h\u00e4tte&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>15. Juni 2014:<\/p>\n<p><strong>Vor der T\u00fcr \u2013 hinter der T\u00fcr<\/strong><\/p>\n<p>Mit einem gro\u00dfen Koffer, einem Rucksack und zwei Taschen stehe ich vor einer Wohnungst\u00fcr. Der T\u00fcr zu der Wohnung, in der ich jetzt ein ganzes Jahr leben werde. Allein. Ohne meine Eltern und Br\u00fcder, mit denen ich zu Hause in Deutschland zusammengewohnt habe. Denn f\u00fcr ein Jahr werde ich in der Slowakei leben und arbeiten. Und deswegen nat\u00fcrlich auch dort wohnen. Ich werde hier n\u00e4mlich als Sprachassistent besch\u00e4ftigt sein.<\/p>\n<p>Meine neue Wohnung besteht aus zwei Zimmern und einem Bad, die K\u00fcche befindet sich auf dem Gang. Die Wohnung gef\u00e4llt mir, auch wenn das Kochen in der Gemeinschaftsk\u00fcche mit anderen Leuten am Anfang noch etwas ungew\u00f6hnlich war. In den ersten Wochen kam mir mein neues Zuhause noch ein bisschen leer vor. Doch mit der Zeit sammelten sich immer mehr Gegenst\u00e4nde an mit denen ich es mir hier sch\u00f6n h\u00e4uslich einrichten konnte. Am besten kann man das an meinem Kleiderschrank verfolgen. Denn auf seiner T\u00fcr habe ich alle Postkarten befestigt, die ich w\u00e4hrend meines Aufenthalts hier bekommen habe. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck f\u00fcllte sich die kahle Fl\u00e4che und ist jetzt bunt gemustert mit Gr\u00fc\u00dfen aus aller Welt.<\/p>\n<p>Immer so einfach ist es allerdings nicht, alleine zu wohnen. Wenn man jahrelang mit seiner Familie unter einem Dach wohnt, ist es sehr ungewohnt, auf einmal allein zu sein. Man hat ganz vergessen, wie ruhig so eine Wohnung eigentlich sein kann, wenn keiner da ist. Doch das hat nat\u00fcrlich auch seine Vorteile. Man kann seinen Tagesablauf planen, wie man will. Das ist ein gro\u00dfes Plus daf\u00fcr, alleine zu wohnen. Manchmal f\u00fchlt man sich zwar ein bisschen einsam, doch das ist wohl der Preis f\u00fcr die neugewonnenen Freiheiten.<\/p>\n<p>Wie bei fast allen Dingen, gibt es also auch beim alleine Wohnen Vor- und Nachteile. Jetzt, da ich mich an die Stille in der Wohnung gew\u00f6hnt habe, gef\u00e4llt es mir sehr gut hier. Auch was die Stadt in der ich wohne angeht, gibt es einige Unterschiede zwischen Deutschland und der Slowakei. W\u00e4hrend ich in Deutschland die meisten Strecken mit dem Fahrrad gefahren bin, gehe ich jetzt fast alles zu Fu\u00df. Denn meine Wohnung liegt hier mitten in der Stadt, sodass ich weder ein Fahrrad noch andere Verkehrsmittel brauche. Und das zu Fu\u00df gehen gef\u00e4llt mir. So trifft man mehr Leute, als wenn man mit dem Fahrrad an ihnen vorbeirast. Ich habe mich gut eingelebt und k\u00f6nnte sagen, diese Wohnung ist wie ein zweites Zuhause f\u00fcr mich geworden. Doch trotzdem freue mich, wieder zur\u00fcckzukommen.<\/p>\n<p>Dann werde ich mit einem gro\u00dfen Koffer, einem Rucksack, zwei Taschen und mindestens drei Umzugskisten wieder vor einer T\u00fcr stehen. Der T\u00fcr zum Zuhause.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>23. Januar 2014:<\/p>\n<p><strong>Von der Gem\u00fctlichkeit des Zugfahrens<\/strong><\/p>\n<p>Kennt ihr das? Ihr sitzt im Kino und habt gerade einen tollen Film angeschaut. Der Film ist noch keine halbe Minute vorbei und dann springen schon alle von ihren Sitzen auf und laufen in Richtung Ausgang. Wahrscheinlich haben alle etwas ganz wichtiges zu tun und m\u00fcssen schnell weiter.<\/p>\n<p>Genauso ist es beim Reisen. Heute benutzen viele Menschen Autos und Flugzeuge, um so m\u00f6glichst schnell von einem Ort zum anderen zu kommen. Es stimmt schon, dass man so Zeit spart. Allerdings stellt sich die Frage, ob das wirklich n\u00f6tig ist. Vielleicht sollte man auch weniger \u00fcber gesparte Zeit und stattdessen mehr \u00fcber die eigene k\u00f6rperliche Gesundheit nachdenken. Denn Reisen ist anstrengend. Und wenn man dann zum Beispiel mit dem Taxi zum Flughafen eilt, nur um am Zielort zum n\u00e4chsten Verkehrsmittel zu laufen, k\u00f6nnte man ja auch dar\u00fcber nachdenken, nicht doch vielleicht mit dem Zug zu fahren. Das dauert zwar l\u00e4nger, aber das tut dem K\u00f6rper gut. Nicht umsonst wird die Geschichte von dem Indianer, der sich nach einer langen Busfahrt auf eine Bank bei der Haltestelle setzte und dort auf seine Seele wartete, immer wieder weitererz\u00e4hlt. Der\u00a0 menschliche K\u00f6rper braucht Zeit, sich auf eine neue Umgebung einzustellen \u2013 die Seele braucht Zeit, um richtig am Ziel anzukommen. Dabei kann es helfen, wenn man den zur\u00fcckgelegten Weg selbst nachvollziehen kann. Das geht nat\u00fcrlich beim Wandern oder Radfahren besonders gut. Aber auch beim Zugfahren kann man aus dem Fenster schauen und sieht dort die Landschaft, durch die man gerade f\u00e4hrt. Beim Flugzeug geht das nicht.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem wird Zugfahren nie langweilig: Der Zug ist wohl das einzige Verkehrsmittel, in dem man ohne schlechtes Gewissen aufstehen und umhergehen kann. Man hat dort mehr Beinfreiheit als im Flugzeug oder im Reisebus und gleichzeitig weniger Stress als beim Autofahren. W\u00e4hrend der Fahrt kann man sich entweder mit seinen Mitfahrern unterhalten oder zum Beispiel ein gutes Buch lesen. Und wenn man dann angekommen ist, kann es sein, dass man gar nicht mehr aufstehen will. Denn die Sitze im Zug sind ja fast so bequem wie im Kino.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>15. Juni 2014: Vor der T\u00fcr \u2013 hinter der T\u00fcr Mit einem gro\u00dfen Koffer, einem Rucksack und zwei Taschen stehe ich vor einer Wohnungst\u00fcr. Der T\u00fcr zu der Wohnung, in der ich jetzt ein ganzes Jahr leben werde. Allein. 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