{"id":3,"date":"2018-09-23T11:44:59","date_gmt":"2018-09-23T09:44:59","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/?p=3"},"modified":"2018-10-03T21:41:29","modified_gmt":"2018-10-03T19:41:29","slug":"das-vorbereitungsseminar-2018-ein-nachgeschmack-in-worten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/2018\/09\/23\/das-vorbereitungsseminar-2018-ein-nachgeschmack-in-worten\/","title":{"rendered":"Das Vorbereitungsseminar 2018 &#8211; Ein Nachgeschmack in Worten"},"content":{"rendered":"<p>Hand aufs Herz, das hat ein bisschen l\u00e4nger gedauert als urspr\u00fcnglich geplant, aber niemand hat jemals behauptet, dass ich beim Fazit ziehen die Allerschnellste bin. Und nach zehn Tagen Dauer-Input und zu vielen neuen und interessanten Begegnungen und Gespr\u00e4chen, um sie alle im Kopf zu behalten, hat es eine kleine Weile gedauert, bevor ich mich gedanklich nochmal damit befassen wollte und konnte. Aber es ist Sonntag, die Sonne scheint in St.Petersburg und ich sitze auf dem Fensterbrett und beame mich gedanklich in die brandenburgische Mark zur\u00fcck, w\u00e4hrend unter meinem Fenster der Sonntagstrubel seinen Gang geht. Der perfekte Zeitpunkt also f\u00fcr ein paar Gest\u00e4ndnisse.<!--more--><\/p>\n<p><b>Beichte Nummer 1: Der Veranstaltungsort<\/b><\/p>\n<p>Als ich erfahren habe, dass die kulturweit-Teilnehmer tats\u00e4chlich nach Brandenburg, genauer gesagt an den Werbellinsee verfrachtet werden sollen, habe ich mich erstmal gefragt, ob mich da jemand eigentlich verlackmeiern will. Brandenburg, ein Fleckchen Erde mit dem ich bis zum 1. September nichts weiter verbunden habe als D\u00f6rfersterben, Spreewaldgurken und Sandboden. Dass ich besagten Werbellinsee samt unserer Unterkunft gegoogelt habe, hat nicht gerade zu meiner Beruhigung beigetragen, denn die EJB Werbellinsee ist ein ehemaliges Pionierlager und der Gedanke, zehn Tage in sch\u00f6nsten DDR-Bauten zu verbringen, in denen wahrscheinlich noch irgendwo ein paar Kilo Asbest in den W\u00e4nden stecken, weit ab von den letzten Au\u00dfenposten der Zivilisation, war gelinde gesagt&#8230;unverlockend. Aber es ist Pflicht, daran teilzunehmen, also habe ich meinen 32kg Koffer und den mit russischer Literatur, Schreibunterlagen und Schokolade vollgestopften Rucksack am 31. August in den Kofferraum verfrachtet und mir dabei fast das Kreuz gebrochen und bin in einer achtst\u00fcndigen Nachtfahrt nach Berlin getingelt, von wo aus uns sieben Busse in die brandenburgische Wildnis gebracht haben.<\/p>\n<p><i>Bemerkung: Zu dem ganzen Koffer-Drama, das ich mir selbst verschuldet noch antun musste, wird wahrscheinlich noch ein separater Eintrag folgen. Die ganze Geschichte ist einfach zu d\u00e4mlich, um nicht erz\u00e4hlt zu werden und wird aus dem ein oder anderen von euch hoffentlich einen Minimalisten machen.<\/i><\/p>\n<p>Jetzt zu meiner eigentlichen Beichte: Nein, der Werbellinsee liegt nicht am Ende der Welt, das Dorf Werbellin liegt direkt daneben und es gibt eine Haltestelle, die in etwas \u00fcber einer halben Stunde nach Eberswalde f\u00e4hrt. Und als jemand, der sein ganzes Leben nur drei Buslinien t\u00e4glich aus seinem Heimatkaff hatte, muss ich sagen dass sie da oben eine sehr gut ausgebaute \u00f6ffentliche Infrastruktur haben.<\/p>\n<p>Was den Werbellinsee angeht: Ich habe mich schockverliebt. Dieser Ort hat alles, was ich mir jemals gew\u00fcnscht habe, einen Wald, hinter dem direkt ein See liegt, Stege, von denen aus man ins Wasser springen kann und das Wasser ist <i>so klar<\/i>. W\u00e4ren die Seminare nicht gewesen, ich h\u00e4tte den ganzen Tag da unten zugebracht, gelesen, geschwommen und eine gute Zeit mit den Leuten verbracht.<\/p>\n<p>Man hat es den kulturweitlern auch nicht zugemutet, sich in Massenschlafs\u00e4le zu begeben, sondern es gab Zwei- oder Dreibettzimmer, die ger\u00e4umig waren und das ganze Gel\u00e4nde ist so weitl\u00e4ufig, dass man sich gut verteilen konnte. Was bei \u00fcber dreihundert Teilnehmern auch wirklich das Beste war.<\/p>\n<div id=\"attachment_4\" style=\"width: 213px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2018\/09\/20180906_185926.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4\" class=\" wp-image-4\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2018\/09\/20180906_185926-300x533.jpg\" alt=\"\" width=\"203\" height=\"361\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2018\/09\/20180906_185926-300x533.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2018\/09\/20180906_185926.jpg 576w\" sizes=\"(max-width: 203px) 100vw, 203px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4\" class=\"wp-caption-text\">Ein See vor der Haust\u00fcr &#8211; mein absoluter Kindheitstraum<\/p><\/div>\n<p><b>Beichte Nummer 2: Das Seminar<\/b><\/p>\n<p>Weil in diesen zehn Tagen wirklich <i>so <\/i>viel geboten wurde, dass ich beim besten Willen nicht auf alles eingehen will \u2013 und au\u00dferdem hab ich die H\u00e4lfte schon wieder vergessen \u2013 teilen wir das mal auf. Nochmal erw\u00e4hnen will ich hier, dass das alles <i>meine <\/i>Eindr\u00fccke waren. Es gibt noch \u00fcber dreihundert andere und ich erhebe keinen Anspruch darauf, f\u00fcr alle zu sprechen. Das w\u00e4re mir auch viel zu anstrengend.<\/p>\n<p><u>Die Homezone:<\/u> Das absolut Beste an dem ganzen Seminar. Meine Homezone war die 21 und ich hatte eine super Zeit mit den Leuten. Dadurch, dass wir alle in dasselbe Land versetzt wurden, konnte man sich gleich dar\u00fcber austauschen, welche Fragen und Sorgen es gibt und allein schon das Wissen, dass man mit seiner Verwirrung (ja, ich sehe <i>dich <\/i>an, Visum!) nicht allein ist, dass man aber auch seine Vorfreude teilen kann, hat mir sehr geholfen. In den Homezones werden Themen wie Diskriminierung, Rassismus, Sexismus, Kolonialismus und der Umgang damit thematisiert, wie tief Denkmuster und Vorurteile in den K\u00f6pfen verankert sind und wie man damit umgeht. \u00dcber vieles habe ich mir auch im Bezug auf diesen Blog in den letzten zwei Wochen Gedanken gemacht. Wie will ich eigentlich aus Russland berichten und wie erz\u00e4hle ich von ein bisschen mehr als meinen kleinen kruden Abenteuern? So ganz habe ich es noch nicht heraus, aber hier werdet ihr auf jeden Fall auf dem Laufenden gehalten.<\/p>\n<p>Einziger Nachteil: Wir hatten einfach viel zu wenig Zeit. In den Homezones soll diskutiert und einander zugeh\u00f6rt werden und ich bin der Meinung, dass es daf\u00fcr noch mehr Raum braucht. Mir ist schon klar, dass man die Teilnehmer auch auf anderen Veranstaltungen durchmischen will, um ihnen die M\u00f6glichkeit zu geben, sich m\u00f6glichst vielf\u00e4ltig auszutauschen, aber bei so schwierigen und komplexen Themen sollte es meiner Auffassung nach mehr M\u00f6glichkeit geben, um auch wirklich in die Tiefe gehen zu k\u00f6nnen. Wenn ich f\u00fcr jeden Gedankengang, der mir w\u00e4hrend der Diskussionsrunden in den Sinn gekommen ist einen Euro kriegen w\u00fcrde, k\u00f6nnte ich jetzt einige Male in die Eremitage gehen. Und die ist ganz sch\u00f6n teuer.<\/p>\n<p>Eine M\u00f6glichkeit, die Diskussionen gewinnbringender f\u00fcr jeden zu gestalten w\u00e4re vielleicht, die Homezones noch einmal zu verkleinern. Zw\u00f6lf Teilnehmer, wie in unserem Fall, sind zwar schon eine sehr kuschelige Gruppe, aber lass mal zw\u00f6lf Menschen in einem Kreis sitzen und sieh, wie die Gesetze der Gruppendynamik ihre Wirkung tut. Gespr\u00e4chsrunden sind immer dann am besten, wenn sich m\u00f6glichst viele Leute einbringen und mit so vielen Teilnehmern ist das kaum m\u00f6glich. Mit acht Leuten oder vielleicht sogar sechs? Ich denke, das w\u00e4re im Sinne der Beteiligung und des Austausches weitaus sinnvoller. Das muss ja nicht hei\u00dfen, dass eine Diskussion mit einer erweiterten Teilnehmerzahl nicht auch angeboten werden kann.<\/p>\n<p><u>Der Partnertag:<\/u> Kommen wir zu dem Teil des Seminars, an dem ich einiges auszusetzen habe und soweit ich mich umgeh\u00f6rt habe, war ich nicht alleine. Das Konzept des Partnertages macht durchaus Sinn. Die Teilnehmer sollen Vertreter der Organisation kennen lernen, mit der sie entsandt werden. Wir sind ja nicht v\u00f6llig zum Spa\u00df ins Ausland, da stecken unter anderem Regierungsgelder drin und das uns bewusst ist, welche Institution hinter unserer Entsendung steht, ist eine Intention, die ich nachvollziehen kann. Allerdings war der Partnertag ein Gequ\u00e4le von einer Pflichtveranstaltung zur anderen und ich hab mir in jeder Pause einen Kaffee hinter die Binsen kippen m\u00fcssen, um in der n\u00e4chsten Veranstaltung nicht einzuschlafen. Es war einfach zu viel Information auf einmal und es f\u00e4llt mir schwer, mich an irgendetwas zu erinnern, was dort gesagt wurde. Ich wei\u00df nicht, ob es mehr Sinn machen w\u00fcrde, die einzelnen Vortr\u00e4ge auf mehr Tage zu verteilen, aber so funktioniert das Konzept auf jeden Fall nicht wirklich, was schade f\u00fcr alle Beteiligten ist.<\/p>\n<p><u>Die Exkursion nach Berlin:<\/u> Es gab einige Diskussionen \u00fcber diesen Teil des Seminars. Ich fand es toll, dass wir die M\u00f6glichkeit hatten nach Berlin zu fahren weil ich Berlin liebe und die Exkursionen, die dort angeboten wurden, allesamt teilnehmenswert klangen. Ich hatte eher Schwierigkeiten, mich zu entscheiden was ich mir jetzt anh\u00f6ren will und hab mich f\u00fcr den \u201eKolonialhistorischen Spaziergang durch Mitte\u201c entschieden, was ich auch nicht bereut habe. Wir hatten ein bisschen Freizeit, bevor es in die Baremboim-Said-Akademie ging, wo uns unter anderem Michelle M\u00fcntefering vorgestellt wurde, eine der Verantwortlichen hinter kulturweit. Es wurden Reden gehalten und ein Gruppenfoto gemacht, ehe wir wieder an den Werbellinsee gefahren sind. Damals habe ich keinen Gedanken an diese Veranstaltung verschwendet und an die Begrifflichkeiten, die im Zusammenhang mit kulturweit gefallen sind, aber inzwischen denke ich dar\u00fcber ein bisschen anders und ich habe zumindest vor, dar\u00fcber noch ein bisschen ausf\u00fchrlicher zu schreiben.<\/p>\n<p><u>Markt der M\u00f6glichkeiten und Workshops:<\/u> Das Angebot war unglaublich vielf\u00e4ltig und interessant und nach den Homezones war das der Teil des Seminars, der mir am besten gefallen hat. Beim Markt der M\u00f6glichkeiten hatten sowohl Trainer als auch Teilnehmer selbst die M\u00f6glichkeit, sich einzubringen und ein bisschen Abendprogramm abzuliefern und es wurde, soweit ich das mitbekommen habe, sehr dankend und positiv angenommen. Man hatte die M\u00f6glichkeit, nochmal ganz andere Leute kennen zu lernen oder sich \u00fcber Themen zu informieren, mit denen man zuvor nichts anfangen konnte. Ich habe zum Beispiel an einem Abend einen Film \u00fcber Audre Lorde gesehen und jetzt ist mein Kindle voll mit ihren B\u00fcchern. Die Workshops wurden ausschlie\u00dflich von Trainern angeboten und waren eine M\u00f6glichkeit, einige Fragen, die man nach den Diskussionen in den Homezones hatte, nochmal zu stellen und im Austausch dar\u00fcber manchmal ganz andere Sichtweisen zu erleben. Oder sich in einen Workshop zu setzen, mit dem man auf den ersten Blick absolut nichts anfangen konnte, was auch viele getan haben. Alles in allem ein sch\u00f6nes Angebot, das Spa\u00df gemacht hat und den Kopf mit mehr Fragen gef\u00fcllt hat als beantwortet wurden \u2013 was in diesem Fall eine gute Sache ist.<\/p>\n<div id=\"attachment_6\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2018\/09\/9dac1d52c4fa1c513e1abf8e388e4727.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6\" class=\"size-medium wp-image-6\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2018\/09\/9dac1d52c4fa1c513e1abf8e388e4727-300x334.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"334\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2018\/09\/9dac1d52c4fa1c513e1abf8e388e4727-300x334.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2018\/09\/9dac1d52c4fa1c513e1abf8e388e4727.jpg 401w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6\" class=\"wp-caption-text\">Die gr\u00f6\u00dfte Entdeckung f\u00fcr mich auf diesem Seminar<\/p><\/div>\n<p>Habe ich mich zuvor gefragt, ob es \u00fcberhaupt notwendig ist, ein Vorbereitungsseminar abzuhalten? Ja und ich war der Meinung, es ist unn\u00f6tige Zeitverschwendung. Das hat sich gr\u00fcndlich ge\u00e4ndert und ich bin inzwischen ganz froh, dass es auch ein Zwischen- und Nachbereitungsseminar geben wird. Es ist nicht nur eine M\u00f6glichkeit, die Leute aus der Homezone wieder zu treffen, sondern auch das eigene Verhalten im Bezug auf all das zu reflektieren, was uns in diesen zehn Tagen besch\u00e4ftigt hat. Insofern freue ich mich darauf. Und noch mehr freue ich mich, all das endlich mal von der Seele getippt zu haben und endlich von Russland berichten zu k\u00f6nnen!<\/p>\n<div id=\"attachment_5\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2018\/09\/20180908_145250.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5\" class=\"size-medium wp-image-5\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2018\/09\/20180908_145250-300x533.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"533\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2018\/09\/20180908_145250-300x533.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2018\/09\/20180908_145250.jpg 576w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5\" class=\"wp-caption-text\">Der Werbellinsee &#8211; unerwartet sch\u00f6n.<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hand aufs Herz, das hat ein bisschen l\u00e4nger gedauert als urspr\u00fcnglich geplant, aber niemand hat jemals behauptet, dass ich beim Fazit ziehen die Allerschnellste bin. 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