{"id":153,"date":"2019-03-06T13:40:21","date_gmt":"2019-03-06T12:40:21","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/?p=153"},"modified":"2019-03-06T13:40:21","modified_gmt":"2019-03-06T12:40:21","slug":"ich-hasse-abschiede","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/2019\/03\/06\/ich-hasse-abschiede\/","title":{"rendered":"Ich hasse Abschiede"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center\"><strong>Verfasst am 26.02.2019<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich das schreibe, sitze ich am Ufer des Werbellinsees, auf dem Steg, der schon im Sommer mein Lieblingsplatz gewesen ist. Anfang September war das noch im Bikini auf einem Handtuch und bevor ich geschrieben habe, bin ich munter in das glasklare Wasser geh\u00fcpft. Jetzt sitze ich hier fest in meinen Trenchcoat gewickelt und sehe auf das immer noch glasklare, aber gerade viel zu kalte Wasser, genie\u00dfe die erste W\u00e4rme der Sonne. Alle anderen sind bei irgendeiner Veranstaltung und ich genie\u00dfe noch ein bisschen Ruhe und verabschiede mich langsam von diesem Gew\u00e4sser, das mir wirklich ans Herz gewachsen ist.<a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2019\/03\/20190227_173942.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-161 alignright\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2019\/03\/20190227_173942-576x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"202\" height=\"359\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2019\/03\/20190227_173942.jpg 576w, https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2019\/03\/20190227_173942-300x533.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2019\/03\/20190227_173942-1x1.jpg 1w\" sizes=\"(max-width: 202px) 100vw, 202px\" \/><\/a><\/p>\n<blockquote><p><b>Wie doch die Zeit verfliegt, wenn etwas Spa\u00df macht.<\/b><\/p><\/blockquote>\n<p>Was nach dem Standardspruch jeder Person 60+ klingt hat sich in den letzten Tagen als nur zu wahr erwiesen. Es ist sch\u00f6n, alle vertrauten Gesichter wieder zu sehen und doch immer noch neue Begegnungen zu machen. Aber ein Teil von mir kann immer noch nicht fassen, dass es das gewesen sein soll, dass es danach nicht nach Petersburg zur\u00fcckgeht und ich nicht erleichtert mein Zimmer betreten werde, einen Blick auf die Stra\u00dfe vor dem Haus werfend. Nein, das war&#8217;s tats\u00e4chlich morgen Abend mit kulturweit, das war es seit Samstag vorerst mit Petersburg. Ganz ist die Erkenntnis noch nicht zu den letzten Regionen meines Verstandes vorgedrungen und zum Herzen nat\u00fcrlich erst recht nicht.<\/p>\n<p>Als ich mich letzte Woche von meinen Sch\u00fclern verabschieden musste, war ich schon fast ein wenig w\u00fctend dar\u00fcber. Wie grausam, jemanden jetzt dem inzwischen vertrauten Arbeitsumfeld zu entrei\u00dfen, wie unfair mich jetzt von meiner liebgewonnenen Vermieterin und den neuen Freunden verabschieden zu m\u00fcssen. Ich habe es bevorzugt, nicht dar\u00fcber nachzudenken, weil mir ohnehin klar war, dass sich daran nichts \u00e4ndern lassen wird und unn\u00f6tiges Gr\u00fcbeln nichts au\u00dfer tr\u00fcbe Gedanken bringen wird. Petersburg hat mich in den letzten Tagen mit herrlichem Wetter belohnt und mir klar werden lassen, was f\u00fcr ein unendlicher Gl\u00fcckspilz ich doch in vielerlei Hinsicht gewesen bin. Der Freiwilligendienst hat meine hohen Erwartungen letztlich \u00fcbertroffen und das trotz kleiner und gro\u00dfer Krisen und all den Schwierigkeiten, die ein neues Land, eine fremde Sprache und eine andere Mentalit\u00e4t mit sich bringen \u2013 nicht anzufangen von gewissen Visaangelegenheiten. Ich hatte absolut keine Lust zu gehen und h\u00e4tte mir jemand angeboten, die f\u00fcnf Tage Nachbereitungsseminar gegen weitere f\u00fcnf Tage in Russland zu tauschen, ich h\u00e4tte nicht eine Sekunde gez\u00f6gert zuzustimmen.<\/p>\n<p>Oft ist mir durch den Kopf gegangen, was ich alles h\u00e4tte sehen und erleben k\u00f6nnen, w\u00e4re es doch nur m\u00f6glich ein ganzes Jahr zu bleiben. Zu beobachten, dass das Eis auf der Newa langsam aufbricht und die Eisschollen ins Meer treiben. Die Aufregung, wenn der Wintermantel endg\u00fcltig in den Schrank verbannt werden und endlich wieder \u00dcbergangsjacken angezogen werden k\u00f6nnen, ohne dass man eine Stunde sp\u00e4ter an Erfrierungen zugrunde geht. Die ber\u00fchmten Petersburger Wei\u00dfen N\u00e4chte und der Schulabschluss meiner Zehntkl\u00e4ssler inklusive Riesenfeier an den Ufern der Stadt. Je n\u00e4her der Abflugtag ger\u00fcckt ist, desto mehr Reiseziele, die ich gerne im Sommer gesehen h\u00e4tte, sind mir in den Sinn gekommen \u2013 Kasan, der Ural, Sotschi, usw. -, aber es war nicht mehr ein Bedauern, dass ins Herz sticht, wie es vielleicht noch vor ein paar Monaten gewesen w\u00e4re. Es war ein Bedauern, dass dich mit den Schultern zucken l\u00e4sst, weil dir ohnehin klar ist, dass du zur\u00fcckkehren wirst, du aber nicht so lange warten m\u00f6chtest.<\/p>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 33%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-153 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/2019\/03\/06\/ich-hasse-abschiede\/20190222_161120\/#main'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2019\/03\/20190222_161120-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-160\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2019\/03\/20190222_161120-150x150.jpg 150w, https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2019\/03\/20190222_161120-300x300.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2019\/03\/20190222_161120-1x1.jpg 1w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-160'>\n\t\t\t\tEin letzter Spaziergang durch meinen Lieblingspark, vorbei am Russischen Museum\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/2019\/03\/06\/ich-hasse-abschiede\/20190222_133436\/#main'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2019\/03\/20190222_133436-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-158\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2019\/03\/20190222_133436-150x150.jpg 150w, https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2019\/03\/20190222_133436-300x300.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2019\/03\/20190222_133436-1x1.jpg 1w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-158'>\n\t\t\t\tDie Smolny-Kathedrale, die Kira und ich uns f\u00fcr unseren letzten gemeinsamen Tag aufgehoben hatten.\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/2019\/03\/06\/ich-hasse-abschiede\/20190222_155926\/#main'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2019\/03\/20190222_155926-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-159\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2019\/03\/20190222_155926-150x150.jpg 150w, https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2019\/03\/20190222_155926-300x300.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/sarahgoeseast\/files\/2019\/03\/20190222_155926-2x1.jpg 2w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-159'>\n\t\t\t\tDie Michaelsburg, ein weiterer Lieblingsanblick.\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n\n<p>Die Reise ist zwar irgendwie vorbei, aber irgendwie auch nicht. Bis zum Studium habe ich noch etwas \u00fcber ein halbes Jahr, auf dem Konto sind noch ein paar Euro und die ersten Pl\u00e4ne sind schon gemacht. Es w\u00e4re meiner Meinung nach \u00fcbertrieben, kulturweit daf\u00fcr zu danken, dass meine letzten Monate so angenehm waren, aber ich bin auf jeden Fall froh, dass es eine solche M\u00f6glichkeit gibt, ins Ausland zu gehen. Es mag nicht alles perfekt sein und die Erfahrungen eines FSJ sind auch nicht durchweg positiv, aber was sagt das schon aus? W\u00fcrde mich jemand fragen, ob ich einen Freiwilligendienst weiterempfehlen w\u00fcrde w\u00e4re meine Antwort, denk wirklich sorgf\u00e4ltig dar\u00fcber nach. F\u00fcr mich hat es sich \u00fcberraschenderweise als das absolut Richtige herausgestellt.<\/p>\n<p>Eine weitere positive \u00dcberraschung ist das ein oder andere nette Wort \u00fcber diesen Blog hier. Ich freue mich wirklich von ganzem Herzen, dass so manchem gefallen hat, was ich an dieser Stelle von mir gegeben habe und es hat mich zum nachdenken gebracht, wie ich meinen privaten Blog in Zukunft gestalten kann. Wer weiter etwas \u00fcber mein Tingel-Tangel durch die Weltgeschichte, die St\u00e4dte die ich demn\u00e4chst besuchen werde und meine Meinung zu diesem und jenem zu h\u00f6ren m\u00f6chte, ist gerne eingeladen, bei <a href=\"https:\/\/palaberalumera.wordpress.com\/\"><strong>palabera lumera<\/strong><\/a> vorbeizuschauen. Dort werde ich auch versuchen, mich weiterhin mit Russland und seinen liebensw\u00fcrdigen und weniger liebensw\u00fcrdigen Eigenheiten zu befassen.<\/p>\n<p>Und jetzt? Abschied. Der letzte Abend steht bevor und ich m\u00f6chte mich ab morgen voll auf Zuhause konzentrieren, was mir nicht m\u00f6glich sein wird, wenn ich st\u00e4ndig im Hinterkopf habe, dass ich ja noch einen Blogpost schreiben will. Der Artikel \u00fcber die Veranstaltungen zur Leningrader Blockade ist sogar fast schon fertig und die \u00fcber Moskau und Jekaterinburg feste in Planung \u2013 nur eben nicht mehr hier.<\/p>\n<p>Vielen Dank an die Leute, die das hier mitverfolgt haben und noch einen speziellen Dank an die, die sich mit positivem oder negativem Feedback gemeldet hat, das hat mir beides viel bedeutet. Ich w\u00fcnsche jedem, dem noch sechs Monate bevorstehen oder der sechs Monate vor sich hat oder sich ebenso wie ich langsam verabschieden muss, eine super Zeit und alles Gute. Man sieht\/h\u00f6rt\/liest sich bestimmt nochmal \u2013 oder halt auch nicht.<\/p>\n<p>\u0414\u043e \u0441\u0432\u0438\u0434\u0430\u043d\u0438\u044f!<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14px\">Sarah<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verfasst am 26.02.2019 W\u00e4hrend ich das schreibe, sitze ich am Ufer des Werbellinsees, auf dem Steg, der schon im Sommer mein Lieblingsplatz gewesen ist. 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