{"id":80,"date":"2017-10-28T15:46:05","date_gmt":"2017-10-28T11:46:05","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/?p=80"},"modified":"2017-10-28T15:46:05","modified_gmt":"2017-10-28T11:46:05","slug":"9-abendessen-auf-mengrelisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/2017\/10\/28\/9-abendessen-auf-mengrelisch\/","title":{"rendered":"9 &#8211; Abendessen auf Mengrelisch"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Wir machen ne Supra, T. ist der Tamada&#8220;<\/p>\n<p>Diese l\u00e4ssige Whatsapp-Nachricht meiner Mitfreiwilligen versetzte mich am Mittwoch meiner zweiten Oktoberwoche in aufgeregte Hochstimmung. Eine Supra, ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigtes Gastmahl, bei dem sich die Tische biegen vor \u00fcbervoller Sch\u00fcsseln, laute wirbelnde Musik und T\u00e4nze, die Gastfreundschaft in Person, angef\u00fchrt von &#8222;Tamada&#8220; der*ie Tischvorsitzende*r, nach allen Regeln der Kunst die traditionelle Trinkkultur zelebrierend.<\/p>\n<p>Ein paar Fakten aus dem Reisef\u00fchrer, ein paar aufgeschnappte Gespr\u00e4chsfetzen und meine bl\u00fchende Phantasie setzten mich gewaltig unter Druck! Was f\u00fcr ein Gastgeschenk soll ich mitbringen, was soll ich anziehen, wie muss ich mich da benehmen, was erwartet man von mir?? Ich besprach mich vormittags mit einer jungen Englischstudentin was als Mitbringsel gut ankommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Als ich um drei endlich aus der Schule entlassen war, bewaffnete ich mich beim Obsth\u00e4ndler gegen\u00fcber mit einer gro\u00dfen T\u00fcte Weintrauben zuz\u00fcglich einer dicken Tafel Schweizer Schokolade, einfach weil das die einzige S\u00fc\u00dfigkeit war, die die Verk\u00e4uferin des winzigen Tante-Emma-Ladens vom hohen Schrank herunter bekam.<\/p>\n<p>Der Weg zur Wohnung der Gastfamilie meiner kulturweit-Freundin verlief abenteuerlich. Ich k\u00e4mpfte, heldenhaft meine Mitbringsel verteidigend, gegen fette Laster und halsbrecherische Taxis, in engen Kreiseln mit verschwindenden Gehwegen.<\/p>\n<p>Aus dem riesigen Wohnblock aus Sowjet-Zeiten winkte mir die Gastschwester schon wie wild entgegen. Sie ist unglaublich witzig, sehr s\u00fc\u00df und ich hab sie schrecklich gerne! Drinnen wurde ich erst mal der Gastmutter vorgestellt und konnte meine Geschenke abgeben, es w\u00fcrde noch eine Weile dauern, bis das Abendessen fertig war, wir sollten uns noch ein bisschen besch\u00e4ftige. Ich stellte mich nicht besonders geschickt an, als Bayerin unserer kleinen Gruppe Schafkopf bei zubringen, also spielten wir lieber Backgammon und ein bisschen Uno, ich f\u00fchlte mich wieder fast wie auf dem Vorbereitungsseminar in Berlin.<\/p>\n<p>Irgendwann halfen wir den Tisch zu decken und das war wirklich wieder fast wie Zuhause. Dann setzten sich alle hin. Es gab als Beilage eine Art Maisbrei, weil das nicht so schnell dick macht wie das bekanntere Wei\u00dfbrot, erkl\u00e4rte mir die Gastmutter, und H\u00fchnchen in wunderbar w\u00fcrziger Walnussso\u00dfe. Dazu selbst gemachten Wein vom Opa, der eher wie Traubensaft, als Durstl\u00f6scher zum Essen war. Die Schwester sagte manchmal ein paar Worte, bevor wir anstie\u00dfen, zum Beispiel bedankten wir uns bei Mama f\u00fcrs Kochen aber das passierte eher unauff\u00e4llig und als wir Deutschen protestierten wir h\u00e4tten gedacht da m\u00fcsse man l\u00e4nger reden und so eine Reihenfolge einhalten, winkte sie lachend ab. Meinte: Ach nee, sowas k\u00f6nnen nur solche georgischen M\u00e4nner, die das als Beruf machen, die laden manche ein, wenn sie eine gro\u00dfe Feier machen. Normalerweise gibts sowas nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Wir machen ne Supra, T. ist der Tamada&#8220; Diese l\u00e4ssige Whatsapp-Nachricht meiner Mitfreiwilligen versetzte mich&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":2273,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-80","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2273"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=80"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":82,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80\/revisions\/82"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=80"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=80"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}