{"id":587,"date":"2018-07-26T18:57:08","date_gmt":"2018-07-26T14:57:08","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/?p=587"},"modified":"2018-07-26T18:57:08","modified_gmt":"2018-07-26T14:57:08","slug":"34-kleine-kulturweiterin-auf-grossem-diplo-treffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/2018\/07\/26\/34-kleine-kulturweiterin-auf-grossem-diplo-treffen\/","title":{"rendered":"34 &#8211; kleine kulturweiterin auf gro\u00dfem Diplo-Treffen"},"content":{"rendered":"<p>Mittwoch bis Freitag hatte ich \u00fcber kulturweit die M\u00f6glichkeit am Alumni-Treffen, der internationalen Diplomaten-Ausbildung des Deutschen Ausw\u00e4rtigen Amts als M\u00e4dchen f\u00fcr Alles teilzunehmen. Ich hatte gar keine Ahnung, was mich erwarten w\u00fcrde. Es ging los mit einem Empfang in der Residenz der Deutschen Botschafterin, ihre Privatwohnr\u00e4ume, wo aber auch G\u00e4ste empfangen werden.<\/p>\n<p>Ich, frisch geduscht und in meinen einzigen schicken Outfit und Pumps, versteckte mich hinter meiner gro\u00dfen Sonnenbrille und trat mit einer Wasserflasche bewaffnet den Weg durch die abklingende Hitze zur Metro an. Mein Obsth\u00e4ndler erkannte mich nat\u00fcrlich trotzdem, zwinkerte mir verschw\u00f6rerisch zu und w\u00fcnschte mir einen sch\u00f6nen Abend.<\/p>\n<p>Bei der Residenz der Botschafterin angekommen, war ich, neben einer jungen Georgierin, die Erste. Der Bus, der die eingeflogenen G\u00e4ste hierher bringen sollte, war noch nicht angekommen. Der Eingang war sehr unauff\u00e4llig, ich sprach einen ebenso unauff\u00e4lligen Man an, wo denn die Residenz sei, er entpuppt sich als Bodyguard\/T\u00fcrsteher und sucht meinen Namen auf der Teilnehmerliste, w\u00e4hrend ich versuche keinen Hitzschlag zu erleiden, er fand meinen Namen nach einer gef\u00fchlten Ewigkeit, ebenso unauff\u00e4llig unten auf der letzten Seite. Nochmal Gl\u00fcck gehabt! Ich konnte ihn davon \u00fcberzeugen, die Georgierin und mich schon mal hinein, ins K\u00fchle, zu lassen.<\/p>\n<p>Wir standen ein wenig verloren im Empfangsraum\/Treppenhaus herum und unterhalten uns mit dem Personal, das einen Sektempfang vorbereite. In einer Ecke stand eine Dame, die von uns kleinen M\u00e4dels \u00fcberhaupt keine Notiz nahm. Sie sollte sich sp\u00e4ter als US-Amerikanische Botschafterin herausstellen.<\/p>\n<p>Irgendwann erschien die Deutsche Botschafterin, zuerst erkannte ich sie nicht &#8211; peinlich, peinlich &#8211; in Begleitung zweier Anzugtr\u00e4ger und sah sich erwartungsvoll um, ich war ein wenig \u00fcberfragt was wir jetzt machen sollten, knicksen? Die Sekunde der Irritation dauerte wohl zu lange, sie drehte sich weg und sprach mit der anderen Botschafterin, ab da war mir auch klar, wer die Beiden waren. Na gut, was soll man* machen. Endlich traf der Bus ein, die Leute schl\u00e4ngelten sich die Treppe herunter und filetierten sich an der Gruppe um die Botschafterin vorbei:<\/p>\n<p>&#8222;Hallo, mein Name ist &#8230; ich bin &#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Achso! &#8211; Ich tat es also den Leuten gleich, stellte mich vor und kam mit ein paar Georgier*innen ins Gespr\u00e4ch. Die Situation war irgendwie angespannt, ein bisschen, wie in der Schule, Jede*r m\u00f6chte mit den Angesagten Leuten sprechen, Keine*r will am Rand stehen oder Niemanden zum Reden haben.<\/p>\n<p>Ich beobachtete und versuchte auf jeden Fall sehr h\u00f6flich zu sein. Aber um der Botschafterin Guten Tag zu sagen, war es f\u00fcr mich zu sp\u00e4t, kaum war die Schlange an ihr vorbei, ging sie in den Nebenraum. Ich verbuchte erste Erfolge f\u00fcr mich, ein wichtig aussehender Georgischer Anzugtr\u00e4ger, der mir aber auf den ersten Blick, neben den Anderen sehr geerdet, vern\u00fcnftig und wohlwollend vorkam, bot mir an, bei der Suche nach einem Uniplatz an einer Tbiliser Universit\u00e4t zu helfen, vielleicht f\u00fcr ein Auslandssemester. Weil ich auch immer noch nach einem Weg suche, wie ich hierher zur\u00fcckkehren kann. Ich bekam eine erste Visitenkarte und wir tauschten Facebookkontakte aus. Dann gesellten wir uns schnell zu den Anderen ins Nebenzimmer, wo die Botschafterin mit einer Rede begann.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber, was f\u00fcr eine Freude es ist, diese M\u00f6glichkeit zu haben, Diplomaten aus der ganzen Welt zusammen zu bringen und regelm\u00e4\u00dfigen Austausch zu erm\u00f6glichen. Sie sagte auch ein paar warme Worte \u00fcber und zu den anwesenden Georgier*innen, auch \u00fcber das Land und ihre Zeit in der Stadt. Ich stand in der Gruppe der Georgier*innen und einmal zeigte sie auf mich, als Beispiel. Das nahm ich mir als Aufh\u00e4nger. In der Pause danach, bildete sich wieder eine Schlange vor der Botschafterin, ich sprach kurz mit der Managerin von Chai-Khana!!? und dann kam ich auch schon dran, wurde ein paar H\u00f6flichkeitsfloskeln los und stellte unbeholfen klar, wer ich bin und was ich hier in Tbilisi tue. Uff, n\u00e4chster Punkt abgehakt. Ich schien die letzte in der Schlange zu sein und darauf, dass ich hier bei der Veranstaltung als M\u00e4dchen f\u00fcr Alles da war, sagte sie, ich solle doch damit anfangen, die G\u00e4ste zum Buffet zu bitten. Da Niemand ihrer Aufforderung zur Er\u00f6ffnung des Selbigen, in der Empfangsrede, nachgekommen war.<\/p>\n<p>Also machte ich mich ans Werk, trat zuerst an die Gruppe der Georgier*innen heran, die ich schon kannte, dann an ein paar Frauen, um die Managerin von Chai Khana und dann war da eine Gruppe sehr offiziell aussehender Herren in Anzug, von gesch\u00e4tzt Anfang 20, bis ins reifere Alter. Ich atmete tief durch, ich darf ihr Gespr\u00e4ch unterbrechen, die Botschafterin hat mir eine Aufgabe gegeben! Versuchte es mit einem auflockernden Scherz und bat sie zu Tisch. Gl\u00fccklicherweise, waren sie ganz locker drauf und offensichtlich erleichtert \u00fcber die Unterbrechung der seri\u00f6sen Gesch\u00e4ftsgespr\u00e4che, oder \u00fcber was auch immer Politiker sich unterhalten.<\/p>\n<p>Irgendwann hatte ich alle angequatscht und jetzt standen sie mit den Tellern ums Buffet herum, aber trauten sich nicht irgendwo die Gabel rein zu piksen.<br \/>\nOh je, besonders schwierige Spezies! Die Botschafterin gab sich unbeteiligt, also schnappte ich mir beherzt den Praktikanten der Botschaft, indem ich mir einen Komplizen erhoffe, da wir ungef\u00e4hr in der selben Situation waren und er\u00f6ffnete mit ihm das Buffet. Mit ihm und der Anzugtr\u00e4ger-Gruppe setzte ich mich dann auch drau\u00dfen auf die Terrasse. Im Laufe des Abends mischte sich die Besetzung an unserem Tisch, irgendwann unterhielt sich ein Mann mit uns, der sich als Mitglied des Komitees, das die neuen Deutschen Diplomaten aussucht, herausstellte. Irgendwann sa\u00df mir dann die Botschafterin gegen\u00fcber und niemand sonst war da, der sich mit ihr unterhalten mochte. Sie sah ganz entspannt aus, ich fischte nach Themen, irgendwann kamen wir darauf, wie sehr sie es vermisste in einem eigenen Haus, morgens im Nachthemd Kaffee zu kochen, was nur ginge, wenn man kein Personal oder intentionale G\u00e4ste h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Mein Kopf fl\u00fcsterte den ganzen Abend abwechselnd die Befehle: &#8222;Nicht ins erstarrte Kaninchen vor der Schlange verwandeln&#8220;, &#8222;Wie verdammt noch mal funktioniert hier die verdammte Hofknigge?!&#8220; und &#8222;Eloquenz, was war das nochmal?\u00a0 Nicht stottern!&#8220;. Ich legte au\u00dferdem ein Sammlung Visitenkarten an.<\/p>\n<p>P\u00fcnktlich wurde die Gesellschaft von der Botschafterin hinaus komplimentiert. Ich schlug h\u00f6flich die Einladung aus, einen Anzugtr\u00e4ger zu seinem Anwesen mit Weingarten im schnieken Vake-Viertel zu begleiten -What the fuck, wie bin ich als kleine Abiturientin hier gelandet?! &#8211; und ging lieber mit dem Botschafts-Praktikanten auf ein Bier im Plastikbecher in die Fabrika, das machte sich gut mit meinem Hochhackige-Schuhe-Outfit&#8230; und gab mir den Boden unter den F\u00fc\u00dfen zur\u00fcck. Interessanter Abend, ich hatte keine Ahnung worauf ich mich da einlasse!<br \/>\nDie n\u00e4chsten zwei Tage wurden nicht minder interessant, es gab Diskussionen, bei denen ich nur mit offenem Mund von einem zum Anderen schaute und hoffte, dass mir nur das Studium und die Berufserfahrung, nicht die grundlegende Intelligenz fehlt. Die Bem\u00fchungen meine perplexe Verfassung und das Fischen nach Worten nicht durchscheinen zu lassen, konnte ich nicht los werden&#8230; &#8222;Nein, ich m\u00f6chte Sie nicht auf Ihren Urlaub begleiten, vielleicht ein anderes Mal. Ein sehr s\u00fc\u00dfes Angebot!&#8220;.<\/p>\n<p>Die Einzige, die mit mir \u00fcber meine Verwirrung lachte und mir Tipps zu warf, wie frau sich charmant aus der Aff\u00e4re windet, war eine junge Mitarbeiterin des Ausw\u00e4rtigen Amtes der Ukraine.<\/p>\n<p>Im Allgemeinen war es sehr interessant, bei einer Veranstaltung, die von Politiker*innen des globalen Nordens geleitet wurde, aber viele Teilnehmer aus dem Globalen S\u00fcdens hatte, zu sehen, wie z.B. Einrichtungen der EU und UNO, oder Standards und Ziele, die weltweit erreicht werden sollen, herausgefordert und diskutiert wurden. Es stie\u00dfen einfach verschiedenen Lebensrealit\u00e4ten aufeinander.<br \/>\nEin positiver Nebeneffekt war, dass ich zweieinhalb Tage mit sehr gutem Essen versorgt wurde und kein einziges Mal Abwaschen musste und auch verschiedenen Einblicke in die Arbeit und Probleme von Georgischen Politiker*innen und NGOs bekommen habe. Wir waren zum Beispiel zu Gast bei der Iris Group <a href=\"http:\/\/irisgroup.org.ge\/?lang=en\">http:\/\/irisgroup.org.ge\/?lang=en<\/a> und ich habe mit Mitarbeiter*innen des Au\u00dfenministeriums beim Abendessen an einem Tisch gesessen und zugeh\u00f6rt, wie sie \u00fcber den Abchasien und S\u00fcdossetien-Konflikt gesprochen haben. Oder war bei einem Ausflug und Empfang im Innenministerium dabei.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr meine Zukunftsplanung fand ich diese kurze Exkursion in eine andere Welt sehr hilfreich. Ich habe verschiedene Berufsbilder und die dahinterstehenden Ausbildungen gesehen, die mich selbst auch sehr interessieren w\u00fcrden, vor allem die Gespr\u00e4che mit dem Mitarbeiter des Diplomatenauswahlkomitees waren sehr hilfreich. Ich bin wirklich dankbar, f\u00fcr diese Gelegenheit, ich habe eigentlich gar nichts gearbeitet oder geholfen und durfte f\u00fcr mich so viel mitnehmen.<\/p>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 100%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-587 gallery-columns-1 gallery-size-medium'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/2018\/07\/26\/34-kleine-kulturweiterin-auf-grossem-diplo-treffen\/e1f270b0-a223-424c-94da-c77e2ce664b8\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" 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ich ein Eis und einen Cocktail geschenkt\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/2018\/07\/26\/34-kleine-kulturweiterin-auf-grossem-diplo-treffen\/78dc9b02-17a2-418b-8c39-fcb20daaae6a\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"400\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/files\/2018\/07\/78DC9B02-17A2-418B-8C39-FCB20DAAAE6A-300x400.jpeg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-686\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/files\/2018\/07\/78DC9B02-17A2-418B-8C39-FCB20DAAAE6A-300x400.jpeg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/files\/2018\/07\/78DC9B02-17A2-418B-8C39-FCB20DAAAE6A.jpeg 768w, 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