{"id":552,"date":"2018-07-09T18:07:52","date_gmt":"2018-07-09T14:07:52","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/?p=552"},"modified":"2018-07-09T19:52:26","modified_gmt":"2018-07-09T15:52:26","slug":"30-lass-liegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/2018\/07\/09\/30-lass-liegen\/","title":{"rendered":"30 &#8211; Lass liegen"},"content":{"rendered":"<p>Seit die \u00d6sterreicher da sind hat sich meine Situation als Freiwillige drastisch verbessert! Einfach alle Deutschen Lehrkr\u00e4fte, denen ich regelm\u00e4\u00dfig helfe sind st\u00e4ndig auf Trip im Umland und zwischendurch vollkommen ersch\u00f6pft und \u00fcberarbeitet. Hier komme ich ins Spiel! Immer noch nicht auf den Geschmack der vielen Freizeit gekommen, immer noch auf der Suche nach einer sinnstiftenden Aufgabe und einem erf\u00fcllten Arbeitsalltag. Keine vollwertige Deutschlehrerin mehr \u00fcbrig um die Kleinen zum Gel\u00e4ndespiel der Deutsch-Schulen am Kindertag, 1. Juni, im Botanischen Garten zu begleiten? Kein Problem, ich machs!<\/p>\n<p>Es wurde sonnig und hei\u00df, sehr hei\u00df an diesem Tag. Die langj\u00e4hrigen Deutschlerner*innen waren mit dem Chor auf Wettbewerb, ich bekam eine Handvoll, mir vollkommen fremder, Kinder und wenig gemeinsame Sprachbasis.<\/p>\n<p>Wir schafften es im Taxi einigerma\u00dfen p\u00fcnktlich bis zum Startpunkt. Kurze Einweisung der Begleiter, es wird eine Karte des Botanischen Gartens ausgeteilt. Gruppennamen werden verteilt: &#8222;Die L\u00f6wen&#8220;, &#8222;Die F\u00fcchse&#8220;, &#8222;Die Drachen&#8220;&#8230; .<\/p>\n<p>Was sind wir? &#8211; &#8222;Die Hasen&#8220;. Ich beteuere &#8222;Die Hasen&#8220; ist ein wunderbarer Name! Ich sammle meine Kinder, versuche mich verzweifelt an alle Namen zu erinnern, sie sind alle sehr lebhaft, ich halte eine kurze Ansprache:<\/p>\n<p>&#8222;Bleibt zusammen! Es wird nicht vorneweg gerannt! Keiner so weit, dass er mich nicht mehr sehen kann! Gut, jetzt schaut Euch die Karte an, welchen Weg wollen wir gehen?&#8220; &#8211; Mich unterbricht das Start Signal, die Kinder aller Gruppen rennen wie von der Tarantel gestochen durcheinander und auf und davon. Ich hinterher, meine Ansprache von vorhin lauter und bestimmter wiederholend, dazwischen alle Namen, pl\u00f6tzlich fallen sie mir wieder ein!<\/p>\n<p>1. Station ist gefunden, nur sind da jetzt halt alle anderen Gruppen auch und wir gef\u00fchlt die Vorletzten in der Schlange. Ich komme auf die geniale Idee uns an die Spitze zu setzten, alle anderen Aufgaben als Erste zu l\u00f6sen und dann zum Schluss die 1. zu erledigen&#8230; die Kinder sind einverstanden, wir trennen uns von der br\u00fcllenden Meute.<\/p>\n<p>Tja, mich mit einer minimalistisch, handgezeichneten Karte in einem unbekannten Naturst\u00fcck auszusetzten und gleichzeitig Kinder in verschiedenen Laufthempi und Hunger\/Durst- Zeiten vom ins Geb\u00fcsch kriechen abzuhalten &#8211; weil da sind Schlangen, haben die Lehrer gesagt!- Ist keine gute Idee&#8230;<\/p>\n<p>Sagen wir, ich war noch nie so weit und tief drinnen im Botanischen Garten, ich musste alle meine Motivations Skills anwenden, aber als wir endlich wieder aus den Tiefen des Waldes auftauchen und auf Kurs sind geben sie ganz schlaue Antworten.<\/p>\n<p>&#8222;Nennt zwei immergr\u00fcne Pflanzen!&#8220; &#8211; Diese Kinder sind Deutschanf\u00e4nger wie erkl\u00e4re ich &#8222;immergr\u00fcn&#8220;?? Eigentlich darf ich gar nicht helfen&#8230; ich summe leise &#8222;Oh Tannenbaum&#8220;. &#8211; Aber eine Zweite?! Pl\u00f6tzlich ruft die Eine: &#8222;Kaktus!!&#8220;. Wir kriegen volle Punktzahl.<\/p>\n<p>Wir sind zeitlich die Letzten, die am Ziel eintreffen, es gibt ein paar Tr\u00e4nen und riesige Erleichterung, als wir bei der Preisvergabe nicht als Letzte sondern Drittletzte gek\u00fcrt werden! Das war bestimmt die Kaktus-Idee&#8230;<\/p>\n<p>Ansonsten darf ich in der Schule meine Mentorin vertreten. Die 8. Klasse schreibt brav eine Doppelstunde lang einen Test. In der 11. Klasse erscheinen nur zwei Sch\u00fcler, &#8222;gestern war Geburtstag von Salome&#8230;&#8220; &#8211; Aha!<\/p>\n<p>Als ich am Freitag wieder in die 11. aufbreche, finde ich ein komplett leeres Klassenzimmer, im Lehrerzimmer wird mir erl\u00e4utert sie k\u00e4men nur noch f\u00fcr Mathe weil da die letzte Pr\u00fcfung noch aussteht.<\/p>\n<p>Dann muss ich halt doch auch mit der 9. Klasse und ihren \u00d6sterreichern durch Georgien gondeln. Es geht zum Kloster Schiogwime mit wundersch\u00f6nem handgemalten Sternenhimmel an der Decke und einer kleinen Kostprobe des polyphonen Kirchgesanges und zur Festung Ananouri, die man* immer auf dem Weg von oder nach Tbilissi sieht.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Ausfluges bin ich stolz wie Bolle, wenn ich mit dem \u00dcbersetzten helfen kann und verstehe was meine Georgischen Sch\u00fcler*innen sagen, auch wenn ich sie immer wieder ermahne Deutsch zu \u00fcben und die G\u00e4ste nicht aus zuschlie\u00dfen&#8230;<\/p>\n<p>Eine begleitende Mutter fragt, ob ich den zu uns, also den Georgischen Sch\u00fcler*innen geh\u00f6re. Ich bin nat\u00fcrlich geschmeichelt und kann ihr auf Georgisch erkl\u00e4ren, dass es nicht so ganz stimmt, aber fast nat\u00fcrlich!<\/p>\n<p>Beim Abendessen sitze ich zwischen den Sch\u00fcler*innen, eine 9. Kl\u00e4sserin unterh\u00e4lt sich enthusiastisch auf Georgisch, quatscht mich an und bezieht mich auf Georgisch in das Gespr\u00e4ch mit ein. Erst als ich ebenfalls auf Georgisch antworte stutzt sie &#8222;Oooh, ich dachte du geh\u00f6rst schon zu unseren Sch\u00fclern&#8220;. Also da bin ich jetzt in meiner Ehre als halbe Lehrerin schon ein bisschen gekr\u00e4nkt aber habe pl\u00f6tzlich \u00fcberhaupt keine Lust mehr zur\u00fcck nach Deutschland zu fahren. Warum bin ich nicht 4 Jahre j\u00fcnger und tats\u00e4chlich keine halbe Lehrerin sonder Sch\u00fclerin, mit meinen Eltern her gezogen und darf einfach noch hierbleiben?<\/p>\n<p>Zum Zwischenseminar waren wir nochmals daraufhin gewiesen worden, wie wichtig es ist, dass jede*r ein Freiwilligenprojekt auf die Beine stellt. Ich hatte mich schon ge\u00e4rgert, weil ich an meiner Einsatzstelle genug damit besch\u00e4ftigt war Tag f\u00fcr Tag Raum f\u00fcr Besch\u00e4ftigung f\u00fcr mich zu schaffen, wof\u00fcr ich meist wenig Spielraum hatte und alles eng zusammen mit dem normalen von den Lehrerinnen geplanten Unterricht lief. Aber jetzt so kurz vor Schluss beschloss meine Mentorin doch noch mir ein solchen Projekt aufzudr\u00fccken.<\/p>\n<p>Mit der 8. Klasse waren wir beim Durcharbeiten des Deutschbuchs auf das Thema &#8222;M\u00fclltrennung&#8220; gesto\u00dfen. Unser Projekt sollte den anderen Sch\u00fcler*innen n\u00e4herbringen, wie M\u00fclltrennung in Deutschland funktioniert. Ich sollte es ganz alleine anleiten d\u00fcrfen, mit den Sch\u00fcler*innen der 8. Klasse, aber m\u00f6glichst au\u00dferhalb des Unterrichts.<\/p>\n<p>Wir trafen uns zu einem ersten Brainstorming und ich war \u00fcberrascht, wie motiviert sie waren. Ihre Idee war, jede Klasse mit drei Kartons zu versorgen, mit der Aufschrift &#8222;Papier&#8220;, &#8222;Plastik&#8220; und &#8222;Restm\u00fcll&#8220; und kleinen erkl\u00e4renden Bildchen, was hinein geh\u00f6rt. Dann w\u00fcrden wir eine Projektwoche veranstalten w\u00e4hrend der getrennt w\u00fcrde. Beginnend mit einer Infoveranstaltung und endend mit einem kleinen Fest, bei dem wir unsere Ergebnisse vorstellen wollten. Nat\u00fcrlich war die Durchf\u00fchrung etwas komplizierter und meine Mentorin griff mehrmals ein, um uns zu mehr Disziplin und Qualit\u00e4t an zuhalten, aber das Projekt konnte stattfinden, zum Soundtrack von &#8222;Lass liegen&#8220; von Alligatoah&#8230; Wir erreichten sogar einen Besuch, bei einem Georgischen Unternehmen, dass in Georgien getrennten M\u00fcll entgegennimmt und recyclt.<\/p>\n<p>Was ist noch passiert? Ich habe herausgefunden, dass das neue Kino in der Tbilissi Gallery nicht nur kein s\u00fc\u00dfes Popcorn anbietet, sondern auch keine Nacho-Chips&#8230; ganz solo mit Han in Solo.<\/p>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 100%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-552 gallery-columns-1 gallery-size-large'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/2018\/07\/09\/30-lass-liegen\/5721a5d5-be85-4e78-901e-d071b79f1f77\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" 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