{"id":541,"date":"2018-07-06T11:45:21","date_gmt":"2018-07-06T07:45:21","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/?p=541"},"modified":"2018-07-06T11:45:21","modified_gmt":"2018-07-06T07:45:21","slug":"29-%e1%83%91%e1%83%9d%e1%83%9a%e1%83%9d-%e1%83%96%e1%83%90%e1%83%a0%e1%83%98-dt-die-letzte-glocke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/2018\/07\/06\/29-%e1%83%91%e1%83%9d%e1%83%9a%e1%83%9d-%e1%83%96%e1%83%90%e1%83%a0%e1%83%98-dt-die-letzte-glocke\/","title":{"rendered":"29 &#8211; \u10d1\u10dd\u10da\u10dd \u10d6\u10d0\u10e0\u10d8, dt.: die letzte Glocke"},"content":{"rendered":"<p><em>Langsam haben sich in meine chronologischen Erz\u00e4hlungen solche Ereignisse wie &#8222;Vorlesewettbewerb&#8220; oder &#8222;Lesefuchs&#8220; eingeflochten. Alles so Abschlussveranstaltungen, von Projekten, die wir Freiwilligen hier an den Schulen mit betreut haben. Nat\u00fcrlich hinken meine Eintr\u00e4ge immer einige Wochen hinterher, weil so viel passiert und ich finde man braucht Zeit um Erlebnisse sacken zu lassen oder die Zusammenh\u00e4nge zu verstehen. Doch jetzt sind wir, verehrte Lesende, trotz meinen abergl\u00e4ubischen Verlangen es nicht aufzuschreiben, um die Zeit nicht zum noch schnelleren Laufen zu provozieren, an einem Moment angekommen, an dem ich einen vorbereiteten Eintrag abschicken muss, der mit folgenden Worten beginnt:\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Langsam muss ich doch anmerken, unser Jahr neigt sich dem Ende zu. Mein Flugzeug wird erst am 3. August wieder auf Deutschem Boden landen, aber mit dem Beginn der Sommerferien am 16. Juni ist ein gro\u00dfer Teil unseres Auslandsjahres, also die eigentliche Arbeit an den Schulen, abgeschlossen.<\/p>\n<p>Schon ab Anfang Mai sa\u00dfen meine armen Kinder, wenn ich morgens kurz nach Beginn der 1. Stunde meinen Dienst antrat in der Aula an Einzelpulten und kauten an Kulis oder lie\u00dfen sie eilig \u00fcber die Abschlusspr\u00fcfungen fliegen. Immer wieder kam eine Lehrerin mit den Ergebnissen der elektronischen Erfassung der Abituraufgaben ins Lehrerzimmer: &#8222;Bio haben sie alle bestanden&#8220;, &#8222;in Mathe ist jeder durchgekommen&#8220;!! &#8211; <em>Ist das jetzt bei mir 1 Jahr her?!<\/em><\/p>\n<p>Dann rannte auch schon der Tag der Verabschiedung der Abiturienten herbei, hier genannt &#8222;letzte Glocke&#8220;. Und alle, f\u00fcr die heute die Schulglocke zum letzten mal klingeln w\u00fcrde, mussten sich in der Aula an kleine Schreibpulte setzten, umgeben von Stuhlreihen mit ihren langj\u00e4hrigen Lehrerinnen und Mitsch\u00fcler*innen. Jede Klassenstufe stand nacheinander auf und brachte ein Abschiedsgeschenk. Dazwischen kam immer eine Lehrerin nach vorne, die Anekdoten oder peinliche alte Gedichte und Aufs\u00e4tze vortrug. Es war wirklich sehr liebevoll gemacht und ich freute mich mal wieder \u00fcber diese famili\u00e4re Handhabung. Die langj\u00e4hrigen Klassenlehrerinnen sind doch schon ein bisschen wie Mamis und kennen auf jeden Fall die Einzelnen. Nicht bis aufs letzte Geheimnis, aber vielleicht so wie ein ab und zu rebellierendes eigenes Kind. Wenn ich an meine Lehrer*innen am Gymnasium denke, von denen schon einige bis zum Schluss unsere Namen vertauscht und jede Stunde einfach nur ihren Stoff vorgetragen haben, ohne einen Blick f\u00fcr wer da eigentlich sitzt, war ich doch sehr beeindruckt. Vielleicht muss ich aber auch dazu sagen, dass es eine Privatschule ist, die Eltern Schulgeb\u00fchren zahlen und es sehr kleine Klassen gibt. &#8211; <em>Abiball, Abistreich auch schon ein Jahr?!<\/em><\/p>\n<p>Nicht nur die Gro\u00dfen, auch die Kleinen feierten den Abschluss des Schuljahres. Wo morgens die Pulte mit den schwitzenden Pr\u00fcflingen standen, wurde mittags eine B\u00fchne aufgebaut und man h\u00f6rte die Englischen Kinderlieder und Deutschen Theaterst\u00fccke, die \u00fcbers Jahr aus den Klassenzimmern gedrungen waren. Manchmal wurde ich auch eingeladen oder durfte Fotos und Videos f\u00fcr die Facebookseite machen.<\/p>\n<p>Mit der Abreise des Bruder meiner Mitbewohnerin ging auch unsere &#8222;Besucherphase&#8220; zu Ende.<\/p>\n<p>Das letzte gro\u00dfe Ereignis, was f\u00fcr die Ani-Zet noch vor Ende des Schuljahres anstand, war der Besuch der Austausch-Sch\u00fcler*innen aus \u00d6sterreich. Sie pflegen diesen Kontakt erst seit ein paar Jahren, es erfreut sich aber an der \u00d6sterreicher Schule immer gr\u00f6\u00dferer Beliebtheit. Da wir eine sehr kleine Schule sind, durfte zum Beispiel ein stolzer 9. Kl\u00e4sser gleich drei Jungs aufnehmen&#8230;<\/p>\n<p>Wir st\u00fcrzten uns in die Vorbereitungen, ich hatte das Gef\u00fchl es ging um Alles oder Nichts, sie sollten von der Pr\u00e4sentation der Spezialit\u00e4ten des Landes und des vielseitigen Begabung unserer Sch\u00fcler*innen total umgehauen werden. Es wurde ein Masterplan ausgearbeitet, wie man in der kurzen Zeit m\u00f6glichst viel des Landes bereisen konnte und eine Willkommensveranstalung vorbereitet, mit Pr\u00e4sentationen der Sch\u00fcler*innen zur Einf\u00fchrung in Geografie, Esskultur, Wein, Mode, Sprache und Schrift, der \u00d6sterreichische Botschafter sollte sprechen. Unsere Tanzklassen sollten Georgische und \u00d6sterreicher Folklore darbieten, genauso wie der Chor, neben seinem Wettbewerb gekr\u00f6nten Besties. Ich sollte als Deutsche mit immerhin schon 9 Monaten Erfahrung die Dos &#8217;n Don&#8217;ts knapp umrei\u00dfen&#8230;<\/p>\n<p>Ich fand diese Vorbereitungszeit ziemlich sch\u00f6n, denn die wichtigsten Pr\u00fcfungen lagen hinter den Sch\u00fcler*innen. W\u00e4hrend der Vorbereitungszeit f\u00fcr diese wollten die Lehrerinnen ihre Sch\u00fcler*innen mir als unausgebildete Freiwillige verst\u00e4ndlicher Weise nicht so oft \u00fcberlassen. Aber jetzt konnten wir gem\u00fctlich zusammen sitzen, an Plakaten und Vortr\u00e4gen feilen und kamen nebenbei wirklich gut ins Gespr\u00e4ch. Das war wieder ein Moment in dem ich den Wert meiner Pr\u00e4senz an der Schule doch sp\u00fcrte. Ich bin schon interessant, diese komische Deutschen, die da durch unsere Schule spaziert und wenn sich die M\u00f6glichkeit f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch ergibt, dann wollen die Sch\u00fcler*innen pl\u00f6tzlich sehr gerne auf Deutsch reden.<\/p>\n<p>Was die \u00d6sterreicher angeht, wir hatten einen guten Start, mein kurzer Vortrag kam bei Ihnen gut an, sie lachten \u00fcber meine Witze und konnten die Vergleiche die ich zog, auch wenn ich mich auf Deutschland beziehe, verstehen. Aber im Allgemeinen fiel mir gelegentlich negativ auf, wie sie in, sagen wir kulturelle Fettn\u00e4pfchen traten. Manche ungeschriebenen Regeln und H\u00f6flichkeitsbekundungen habe ich nach 9 Monaten wohl doch schon verinnerlicht. Ich habe mich mehrmals dabei erwischt, wie ich innerlich kicherte, wenn diese oder jenen Lehrerin im Gespr\u00e4ch mit den \u00d6sterreichischen Lehrkr\u00e4ften kurz pikiert schaute oder auf eine Frage hin etwas hilflos nach Worten suchte. Das war schon eine interessante und etwas befremdliche Erfahrung. Ich bin mal gespannt ob das nun bedeutet, ich werde nach meiner R\u00fcckkehr zumindest f\u00fcr kurze Zeit die Gelegenheit haben mein Geburtsland teilweise, ein bisschen wie eine Ausl\u00e4nderin zu sehen &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_548\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-548\" class=\"wp-image-548 size-medium\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/files\/2018\/07\/7F970E46-6981-4377-B659-EAABDB5AD6AE-300x400.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/files\/2018\/07\/7F970E46-6981-4377-B659-EAABDB5AD6AE-300x400.jpeg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/files\/2018\/07\/7F970E46-6981-4377-B659-EAABDB5AD6AE.jpeg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/files\/2018\/07\/7F970E46-6981-4377-B659-EAABDB5AD6AE-255x340.jpeg 255w, https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/files\/2018\/07\/7F970E46-6981-4377-B659-EAABDB5AD6AE-450x600.jpeg 450w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-548\" class=\"wp-caption-text\">Das echte Gl\u00f6ckchen, mit dem die Erzieherin im Gang der Grundsch\u00fcler*innen zu den Stunden klingelt<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Langsam haben sich in meine chronologischen Erz\u00e4hlungen solche Ereignisse wie &#8222;Vorlesewettbewerb&#8220; oder &#8222;Lesefuchs&#8220; eingeflochten. 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