{"id":528,"date":"2018-06-25T21:43:27","date_gmt":"2018-06-25T17:43:27","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/?p=528"},"modified":"2018-06-25T21:43:27","modified_gmt":"2018-06-25T17:43:27","slug":"28-shlopanzebi-und-unabhaengigkeitsfeier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/2018\/06\/25\/28-shlopanzebi-und-unabhaengigkeitsfeier\/","title":{"rendered":"28 &#8211; Shlopanzebi und Unabh\u00e4ngigkeitsfeier"},"content":{"rendered":"<p>Kurz vor dem Georgischen Pfingsten wurde ich von unserer liebsten Georgischlehrerin eingeladen, sie und ihre 5. Klasse beim Wandertag zu begleiten.<\/p>\n<p>Da ich die Kinder sehr gerne mag &#8211; neulich durfte ich bei ihnen eine Deutschstunde vertreten, nat\u00fcrlich ohne jeden Plan was sie gerade durchnehmen, aber sie haben mir sehr ordentlich erkl\u00e4rt, dass sie f\u00fcr ein Theaterst\u00fcck \u00fcben m\u00fcssen und wir haben zusammen die Geschichte vom Dicken fetten Pfannkuchen studiert &#8211; war ich nat\u00fcrlich sofort dabei.<\/p>\n<p>Es ging los Richtung Gori mit einer Busfahrt wie in den guten alten Zeiten: jede Menge S\u00fc\u00dfkram, giftbuntes Gummizeug und Chips. Dann stiegen auch noch, zur Abl\u00f6sung der Lehrerinnen, die &#8222;Animateurebi&#8220; zu, die Stimmung und Lautst\u00e4rke im Bus ordentlich anheizten. Wir machten kurze Bildungspausen an der Samtavisi Kathedrale und einem Kloster an der Atheni Sioni Kirche, wo sich die Kinder an kleinen L\u00e4den daneben mit hausgemachten Keksen und d\u00fcnnen, sch\u00f6n duftenden Wachskerzen eindeckten. Mir wurden auch welche in die Hand gedr\u00fcckt und ich wurde mitgezogen, in das k\u00fchle, schummrige Kirchenschiff, durch Weihrauchwolken bis vor vergoldete Bilder von Heiligen oder Kirchengr\u00fcndern, die unsere Kerzen bekommen sollten.<\/p>\n<p>Zum Schluss hielten wir an einer picknicktauglichen Wiese, wo wir unser Festessen anrichteten. Die Kinder hatten n\u00e4mlich nicht, wie ich das von meinen Schulausfl\u00fcgen kenne, jedes ein eigenes Butterbrot mit, sondern Sch\u00fcsseln und Platten mit einer oder verschiedenen Spezialit\u00e4ten f\u00fcr alle zum Teilen. Wir Lehrerinnen haben alles angerichtet und aufgeschnitten. Dieses &#8218;gemeinsam Essen&#8216; erschien mir sehr wertvoll, die Kinder \u00fcben\/lernen zusammen etwas f\u00fcr die Gemeinschaft zu organisieren. Das muss ge\u00fcbt werden und geht auch manchmal schief, was nicht schlimm ist viel mehr gefiel mir sie Einstellung: Wir hatten auch gro\u00dfe Flaschen Wasser und Limonade, ein Kind suchte nach Bechern und beschwerte sich bei einer Lehrerin es g\u00e4be nicht genug. Diese wurde daraufhin ziemlich ungehalten und fragte: &#8222;Hast Du daran gedacht welche mit zubringen? Nein? Dann untersteh Dich hier rum zu meckern!&#8220;<\/p>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 100%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-528 gallery-columns-1 gallery-size-large'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/2018\/06\/25\/28-shlopanzebi-und-unabhaengigkeitsfeier\/aad13f75-b7c4-4610-8c42-a590ac74030b\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"650\" height=\"488\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/files\/2018\/06\/AAD13F75-B7C4-4610-8C42-A590AC74030B-1024x768.jpeg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/files\/2018\/06\/AAD13F75-B7C4-4610-8C42-A590AC74030B.jpeg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/files\/2018\/06\/AAD13F75-B7C4-4610-8C42-A590AC74030B-300x225.jpeg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/files\/2018\/06\/AAD13F75-B7C4-4610-8C42-A590AC74030B-768x576.jpeg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/files\/2018\/06\/AAD13F75-B7C4-4610-8C42-A590AC74030B-400x300.jpeg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/files\/2018\/06\/AAD13F75-B7C4-4610-8C42-A590AC74030B-800x600.jpeg 800w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Freitag den 18. Mai war endlich unser Vorlesewettbewerb. Meine beiden Klassensieger der 5. und 6. hatten flei\u00dfig ge\u00fcbt. Im Endspurt hatten wir uns gegenseitig, von den entgegengesetzten Seiten eines Raumes laut genug, vor gelesen und einen professionellen Vorleser in einem H\u00f6rbuch genau analysiert. Sie schlugen sich beide sehr tapfer, obwohl es in dem Vortragsraum unterm Dach furchtbar hei\u00df wurde und sie als einzige in ihren Schuluniformen schwitzten, weil wir Betreuer*innen f\u00e4lschlicher Weise einfach davon ausgegangen waren, dass die getragen werden m\u00fcssten. In der einen Altersgruppe haben wir sogar den ersten Platz bekommen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Samstag drauf waren meine Mitbewohnerin und ich mit unserer liebsten Georgischlehrerin zum Shoppen verabredet. Sie hat n\u00e4mlich einfach immer wundersch\u00f6ne Kleider und wir haben darauf bestanden zu erfahren wo sie die denn herbekommt.<\/p>\n<p>Wir trafen uns vor dem Hauptbahnhof und spazierten die Tamar Mepe Avenue zwischen Dinamo Fu\u00dfballstadion und Marjanishvili-Viertel entlang Richtung Fluss und bogen irgendwann pl\u00f6tzlich in einen unscheinbaren Hauseingang, nat\u00fcrlich ohne Schild oder Zeichen. Ein bisschen einen Flur entlang und um eine Ecke unter einer Treppe und dann war da ein au\u00dferordentlicher Basar an Secondhandklamotten! Wir suchten uns durch sweete Bl\u00fcmchensneakers und Haufen von &#8222;Shlopanzebi&#8220; (ich liebe das Georgische Wort f\u00fcr Flipflops!), lie\u00dfen die Jeans links liegen und probierten uns durch viele, viele Blumensommerkleider. Wurden f\u00fcndig und schlugen uns weiter durch zu Shorts und R\u00f6cken, mit einem Abstecher bei den h\u00fcbschen, kleinen Ohrsteckern.<\/p>\n<p>Zur St\u00e4rkung gab es einen kleinen Vorgeschmack auf den Urlaub in der Bergregion Swanetis, in einem Imbiss mit &#8222;Kubdari&#8220; eine Fleischpastete, die von dort oben kommt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Tags darauf entdeckte ich einen wunderbaren Buchladen. Wirklich schade, dass der mir nicht schon eher aufgefallen ist. Er hei\u00dft\u00a0 Prosperos Books und befindet sich hinter einem unscheinbaren Durchgang an der Rustaveli Avenue. Es gibt einen gem\u00fctlichen, gr\u00fcnen Innenhof zum Sitzen und sogar ein Caf\u00e9. Das beste aber: Es ist alles auf Englisch! Ein Buchladen, durch den ich st\u00f6bern kann und auch wirklich was lesen! <a href=\"https:\/\/www.prosperosbookshop.com\/index.php\">https:\/\/www.prosperosbookshop.com\/index.php<\/a><\/p>\n<p>Ich kaufte mir &#8222;Flight from the USSR&#8220; vom Georgischen Autor Dato Turashvili in der Englischen \u00dcbersetzung. Und war sehr zufrieden! Das Buch kann ich nur empfehlen, es geht um die wahre Geschichte einer Gruppe Jugendlicher in Tbilissi, die durch eine Flugzeugentf\u00fchrung aus der USSR fliehen wollten. Spoiler: Sie haben es leider nicht geschafft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann war da noch eine Vorstellung im Gabriadze Marionettentheater <a href=\"http:\/\/gabriadze.com\/en\/\">http:\/\/gabriadze.com\/en\/<\/a>, von &#8222;Stalingrad&#8220; es war wundersch\u00f6n gemacht, sehr sanft aber unglaublich eindrucksvoll und dramatisch, obwohl das alles nur winzig kleine Puppen sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Freitag nach dem Vorlesewettbewerb gab es den n\u00e4chsten Event in den DSD-Schulen, mit dem wir Freiwilligen zu tun hatten. Der Lesefuchswettbewerb&#8230;klingt furchtbar niedlich, geht aber um die gro\u00dfen 10. und 11. Kl\u00e4sser, sie sollen Deutsche Jugendb\u00fccher zu aktuellen politischen Themen in Deutschland lesen und dar\u00fcber diskutieren. Auch in Vorbereitung auf die Deutsche Sprachdiplom Pr\u00fcfung, in der eben das freies Sprechen gepr\u00fcft wird.<\/p>\n<p>Auch wenn ich bei der Vorbereitung dann doch weniger als geplant mithelfen durfte&#8230; ich hatte ein oder zwei mal eine Stunde in der 11. \u00fcber eins der B\u00fccher gehalten, ansonsten war meine Mentorin da sehr auf Perfektion bedacht und arbeitete lieber selbst intensiv mit dem Sch\u00fcler, der unsere Schule vertreten sollte. Ich durfte zusammen mit den 9. Kl\u00e4sser*innen und den Mitsch\u00fcler*innen unseres Kandidaten aus der 11.\u00a0 und meiner Mentorin zum Anfeuern mitkommen. Au\u00dferdem musste ich die zwei B\u00fcchsen und einen Topf voller Fuchskekse abgeben, die meine Mitbewohnerin und ich nach Anforderung brav vorbereitet hatten.<\/p>\n<p>Ich hatte eine gute Zeit mit meinen Sch\u00fcler*innen, die 9. Neuntkl\u00e4sslerinnen wollten mit mir die Typen im Publikum aus checken, wen ich f\u00fcr gut aussehend befinden w\u00fcrde und dann gingen wir \u00fcber zu ihren \u00d6sterreichischen Austauschsch\u00fcler*innen, die bald zu Besuch kommen sollten. Wir lie\u00dfen uns von den Jungs aus der 11. zur Ordnung rufen und konzentrierten uns auf den Wettbewerb, ich sollte sagen, ob sie alle nicht viel besser sprechen konnten als die diesj\u00e4hrigen Lesef\u00fcchse&#8230; Unser Kandidat kam leider nicht weiter, aber es gab hinterher eine beeindruckende Torte mit einer Fuchsabbildung drauf. Ich glaube allerdings nicht, dass sich jemand getraut hatte sie an zu schneiden.<\/p>\n<p>Danach fragten mich meine Sch\u00fcler*innen ob ich mit ihnen zur Pizzeria gehen wollte, wir haben uns richtig gut unterhalten, sie wollten \u00fcber die Sache im Bassiani sprechen, ob ich das mitbekommen h\u00e4tte und was ich dazu denke. Ich bin immer wieder \u00fcberrascht wie gut sie sich auf Deutsch ausdr\u00fccken k\u00f6nnen. Ich glaube nicht, dass ich oder meine Klassenkameraden*innen in Englisch in der 9. oder 11. Klasse so gut waren. Ich war aber auch stolz auf mich, wie viel von den Georgischen Unterhaltungen ich verstehen konnte oder wenn ich richtig antworten konnte. Wir redeten \u00fcber Geschwister, strenge und gro\u00dfz\u00fcgige Eltern, Partys, Lehrer und Schule und ich f\u00fchlte mich sehr ins letzte Jahr zur\u00fcckversetzt. Kaum zu glauben, dass ich schon fast 1 Jahr keine Sch\u00fclerin mehr bin und mein Alltag WG-Leben und kulturelle Verwirrungen im Ausland, aber keinen Streit mit Geschwistern oder Zeiten, zu denen man Nachts Zuhause sein muss mehr enth\u00e4lt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Stattdessen enth\u00e4lt mein Leben gl\u00fccklicherweise regelm\u00e4\u00dfige Besuche mit meiner Mitbewohnerin in die Fabrika, Ort der feinsten Cocktails und des guten Argo Biers, der gem\u00fctlichen Rumh\u00e4nge-Stunden und der F\u00fcllung eines jeden Feierabends.<\/p>\n<p>Zum Beispiel mit Film Screening &#8222;Victoria&#8220;, sogar auf Deutsch, denn wir feierten den Monat der Deutschen Sprache. Der Film war wirklich gut, 2015 in Berlin in einem Schnitt gedreht. Handelt von einer Spanischen Studentin, die erst seid wenigen Monaten in Berlin ist -also \u00e4hnlich wie wir- und sich fr\u00fch morgens auf dem Weg vom Club nach Hause mit ein paar Typen anfreundet, dann mit denen los zieht und sich auf einmal in einen Bank\u00fcberfall und mehr verwickelt. Der Film war so gut, vor allem das Ende, dass wir hinterher zwei Chacha bestellen mussten, zwei Zigaretten schnorren und ein Taxi nach Hause nehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Samstag den 26. Mai war gro\u00dfer Feiertag. Schon Wochen vorher hingen Plakate und Fahnen: 100 Jahre Unabh\u00e4ngigkeit. 1918 hatte Georgien, in den Wirrungen nach der Russischen Revolution, die ersten Demokratische Republik Georgiens ausgerufen. Sie war nur von kurzer Dauer und endete mit der Russischen Invasion 1921.<\/p>\n<p>Die ganze Rustaveli Avenue verwandelte sich in ein gro\u00dfes Stra\u00dfenfest, zwischen einer gro\u00dfen Musikb\u00fchne an der Metro Rustaveli und Zuschauertrib\u00fcnen f\u00fcr eine Parade am Freiheitsplatz. Dazwischen, von Wimpelketten ges\u00e4umte, St\u00e4nde von jungen Designern und Essen und historischen Informationen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-536 size-large\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/files\/2018\/06\/02864A70-7F45-4156-ACBE-7D52B4622606-1024x768.jpeg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"488\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/files\/2018\/06\/02864A70-7F45-4156-ACBE-7D52B4622606.jpeg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/files\/2018\/06\/02864A70-7F45-4156-ACBE-7D52B4622606-300x225.jpeg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/files\/2018\/06\/02864A70-7F45-4156-ACBE-7D52B4622606-768x576.jpeg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/files\/2018\/06\/02864A70-7F45-4156-ACBE-7D52B4622606-400x300.jpeg 400w, 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