{"id":27,"date":"2017-09-14T23:30:33","date_gmt":"2017-09-14T19:30:33","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/?p=27"},"modified":"2017-10-07T21:21:31","modified_gmt":"2017-10-07T17:21:31","slug":"14-tag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/sakartveloplaceforkartvelisandcarla\/2017\/09\/14\/14-tag\/","title":{"rendered":"3-  14. Tag"},"content":{"rendered":"<p>Es ist Donnerstag der 14. September, 14 Uhr 20 georgischer Zeit und mein kulturweit-Auslandsjahr dauert nun schon 14 Tage.<\/p>\n<p>Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wie ich meinen Blog f\u00fchren m\u00f6chte. Geplant hatte ich zuerst, jede Woche das Wichtigste zusammenzufassen dann, eher jeden Tag etwas K\u00fcrzeres zu schreiben und wie eine Art Tagebuch zu f\u00fchren. Tats\u00e4chlich hat mich die Menge an Eindr\u00fccken, sowohl w\u00e4hrend den 10 Tagen Vorbereitungsseminar in Berlin als auch der ersten 3 Tage hier, etwas umgehauen und ich fand alles viel zu spannend um genug Ruhe zu haben mich mit Layout und Handhabung meines Blogs zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Jetzt sitze ich in unserem vorl\u00e4ufigen Apartment auf meinem Bett um das ich mich vorl\u00e4ufig eingerichtet habe, indem ich das Zeug aus meinem riesen Koffer und Backpack um das Bett verteilte. Das ist f\u00fcrs erste genug Ruhe um sich zu sortieren auch wenn mir gerade auf der Welt nichts Sch\u00f6neres als ein Schrank und viele ordentliche Schubladen in einem eigenen Zimmer einf\u00e4llt.<\/p>\n<p>Was gibt es zum Vorbereitungsseminar zusagen: es war ein riesiges Gel\u00e4nde, der Europ\u00e4ischen Jugendbegenungs- und Erholungsst\u00e4tte am Werbellin-See, ca 90 Autominuten von Berlin entfernt. Mit mehreren Jugendherbergen (ich war in Haus 17!) und zwei Seminarhotels plus Freizeithaus, Wellnesshaus (aber nur f\u00fcr Hotelg\u00e4ste) 2 K\u00fcchen und Speises\u00e4\u00e4le, eine Jurte&#8230; . Auf einem riesigen, wald\u00e4hnlichen Park verteilt, der auf einer Seite an einem sehr malerischen aber auch sehr kalten Postkartensee endet. Ziemlich kalt war leider auch das Wetter, was ich aus Aschaffenburg gar nicht mehr gew\u00f6hnt war und dementsprechend wenig Pullis und jetzt eine Schnupfennase dabeihabe.<\/p>\n<p>Insgesamt waren wir ungef\u00e4hr 330 Leute zwischen 18 und Mitte Zwanzig, die alle f\u00fcr 6 oder 12 Monate mit kulturweit in L\u00e4nder des Globalen S\u00fcdens ausreisen werden. Was kulturweit ist, k\u00f6nnen die PR-Leute Euch selbst am besten erkl\u00e4ren: https:\/\/www.kulturweit.de\/.<\/p>\n<p>Dadurch, dass sich kaum jemand kannte, waren Alle mega aufgeschlossen und man wurde oder konnte st\u00e4ndig und \u00fcberall jemanden anquatschen. Bei den Mahleiten und verschiedenen Workshops, die zahlreich zur Wahl standen wurden wir ordentlich durchgemischt, hatten aber auch immer wieder Treffen in Kleingruppen &#8211; genannt Homezones (es gibt ein eigenens kulturweit-Vokabular!). In meiner Homezone waren wir 9 Freiwillige, die nach Armenien und wie ich nach Georgien ausgereist sind. Die Leitung der Homezones und Workshops \u00fcbernahmen Trainer*innen. Wir hatten zimlich gro\u00dfes Gl\u00fcck mit Nichole so eine taffe, kompetente und unglaubliche tolle Trainerinn zu haben!<\/p>\n<p>In Workshops und Homezones lie\u00dfen uns die Trainer_innen und einige Ehemalige mit harten Fakten, manchmal auch ziemlich provokant aber immer unglaublich spannend, gegen unsere eigenen, engen Horizont rennen. Die Themen f\u00fchrten uns von Vorurteilen, Diskriminierung und Intersektionalit\u00e4t \u00fcber Rassismus und Sexismus bis zu unserer pers\u00f6nlichen Rolle als Freiwillige. Au\u00dferdem gab es einen Ausflug nach Berlin mit Empfang durch das Ausw\u00e4rtige Amt in der Barenboim-Said Akademie und anschlie\u00dfend Stadtf\u00fchrungen von Berlinern, die \u00fcber ihre pers\u00f6nliche Stadt gesprochen haben. Meine Gruppe stolperte durch Neuk\u00f6lln, unter der F\u00fchrung eines syrischen Fl\u00fcchtlings.<\/p>\n<p>An den anschlie\u00dfenden Partner*innen Tagen trafen wir auf die Tr\u00e4ger*innen, in deren Auslandsstellen kulturweit uns ensendet. F\u00fcr mich waren das: der P\u00e4dagogische Austauschdienst und die Zentralstelle f\u00fcr das deutsche Auslandsschulwesen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des folgenden Projekttages stolperten wir gewisserma\u00dfen \u00fcber die DDR-Vergangenheit unserer Bleibe (ehemaliges Pionierlager), wir entdeckten ein riesiges Openair-Theater mit treppenf\u00f6rmig abfallenden B\u00e4nken, zur\u00fcckerobert von schlanken Waldb\u00e4umen. (funfact: einmal darauf aufmerksam, entdeckten wir Treppen zu halbverfallenen Toilettenh\u00e4usschen mit orangenen WCs und h\u00f6lzernen Papierhaltern!)<\/p>\n<p>Den Abschluss bildete am Samstag eine offenen Diskussionsrunde mit der taz-Zeitung zu deren Serie &#8222;taz meinland&#8220; \u00fcber die Frage &#8222;Was ist deutsch?&#8220; und der Abschlussparty mit offener B\u00fchne und Tanzen und Musik und Berliner Pils. Alles in Allem kann ich sagen, dass ich von den Organisatoren*innen meines Freiwilligendienstes ziemlich beeindruckt bin, das Seminar war so ein detailverliebtes, energiegeladenes, rundes Gesamtpaket, wie ich es noch nie erlebt habe. Nat\u00fcrlich gab es einzelne Probleme dieses ideele Wunder praktisch in die Organisation eines Seminaralltags von ca 330(!) Menschen zu verwandeln, wor\u00fcber wir uns nat\u00fcrlich auch gerne lautstark beschwerten aber ich muss sagen, ich bin schwer beeindruckt!<\/p>\n<p>Dann gings auch schon ans Verabschieden, was sehr seltsam war: &#8222;Tsch\u00fcss, bis in einem Jahr!&#8220;. Und f\u00fcr ein letztes Mal im eigenen Bett schlafen und Kartoffelkn\u00f6del-essen nach Hause.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich musste in aller Eile der Koffer nochmal komplett umgepackt werden und das Wichtigste habe ich bestimmt eh vergessen! Dann ging es am Nachmittag los zum Bahnhof, wo die vertraute Vergangenheit einmal mehr sehr surreal mit der immernoch so unwirkliche Zukunft kollidierte, auf dem Bahnsteig stand eine ehemalige Klassenkameradin!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Zugfahrt nach M\u00fcnchen war ruckzuck vorbei, kaum Zeit um die Dinge kurz revue passieren zulassen, in M\u00fcnchen holte mich zum Gl\u00fcck meine lieblings- minganer Patentante vom Bahnhof ab und brachte mich bis zur Sicherheitsschleuse am Flughafen, nicht ohne vorher mit mir die Semmeln auszupacken und Brotzeit zu halten!<\/p>\n<p>Sicherheitscheck und Passkontrolle gingen ziemlich schnell, ich suchte mir schonmal meinen Weg durch menschenleere G\u00e4nge und Rollwege bis zu meinem entlegenen Gate, w\u00e4hrend hinter den riesigen Fenstern neben mir die Sonnen unterging und man einen wundersch\u00f6nen, filmreifen Blick auf die glitzernde Stadt hatte. Da mir bis zum Boarding noch ein bisschen Zeit blieb, lie\u00df ich mich von dieser beruhigenden Stimmung zur\u00fcck bis zu einem Cafe tragen, wo ich wie in ein Zeitloch fiel, die Spanne dort erscheint mir im Vergleich zur Zugfahrt ewig. Der Kaffee hatte erstklassigen Milchschaum und es liefen kitschige Abschiedslieder wie Whitney Houston &#8222;I will always love you&#8220; (das kommt in dem Bodyguard Film bevor sie ins Flugzeug steigt&#8230;)<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz, es war \u00fcberhaupt nicht traurig, irgendwie einlullend und sehr beruhigend, so bin ich dann zum Gate gegangen, habe auch gleich meine zwei WG-Mitbewohnerinnen gefunden und wir vertrieben uns die restliche Zeit damit, begeistert Gespr\u00e4che auf Georgisch zu belauschen, von denen wir \u00fcberhaupt nichts verstanden.<\/p>\n<p>Im Flugzeug haben wir uns einen Steward angelacht, der uns sp\u00e4ter so coole Geschenkebeutel aus der 1. Klasse in einem Kissenbezug schmuggelte! Die Wollsocken waren wunderbar bequem und die Schlafbrille setzte ich heute nacht wieder auf! Der Flug wurde zwischendurch so holprig, dass es die Crew mitsammt unseres Dinners durch das Flugzeug wirbelte. Wir landeten gut, aber mit einiger Versp\u00e4tung, trozdem erwartete uns unsere Vermieterin Tamta.<\/p>\n<p>Jetzt bin ich noch immer nicht beim &#8222;Heute&#8220; angelangt, aber wenn ich diesen Eintrag nicht bald ver\u00f6ffentliche stimmt das mit dem 14. September nicht mehr, au\u00dferdem bin ich zimlich m\u00fcde! Von dem, was mich heute so beim Schreiben unterbrochen hat und der noch fehlenden Teile schreibe ich hoffentlich morgen!<\/p>\n<p>Nachvamdis! (=tsch\u00fcss)<\/p>\n<p>Carla<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist Donnerstag der 14. 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