{"id":3,"date":"2014-09-04T16:16:20","date_gmt":"2014-09-04T14:16:20","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/russlandroman\/?p=3"},"modified":"2014-09-04T19:28:24","modified_gmt":"2014-09-04T17:28:24","slug":"3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/russlandroman\/2014\/09\/04\/3\/","title":{"rendered":"Angekommen"},"content":{"rendered":"<p>Es ist 14:00 Uhr. Jetzt 14:13 Uhr. Was soll ich blo\u00df schreiben? Zun\u00e4chst f\u00fcr alle: Mir geht es gut, wirklich gut!<\/p>\n<p>Mein Plan war bereits am Montag einen Eintrag zu schreiben, aber eins stelle ich jetzt schon fest: Planlos klappt alles viel besser! Also weg mit den Pl\u00e4nen und der Struktur und her mit der Spontanit\u00e4t!<\/p>\n<p>Mein Hinflug am Montag war ziemlich entspannt. P\u00fcnktlich um sechs am Morgen startete der Flieger in D\u00fcsseldorf Richtung Moskau. P\u00fcnktlich ist ein gutes Stichwort \u2013 gef\u00fchlte 100-mal bin ich schon auf die deutsche P\u00fcnktlichkeit und weitere Klischees in der Schule angesprochen worden. Der Druck ist hoch, mittlerweile stelle ich mir aus Vorsichtsma\u00dfnahmen drei Wecker, damit ich hier niemanden entt\u00e4usche. \ud83d\ude00 Am Moskauer Flughafen war es ziemlich interessant. Viele Wege f\u00fchren nach Rom, aber wo ging\u00b4s f\u00fcr mich weiter nach Perm? Mit Deutsch\u00a0 und Englisch bin ich am Flughafen nicht weit gekommen. Aber zum Gl\u00fcck gibt es H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe! Irgendwie habe ich es dann doch zum richtigen Terminal geschafft. Nach etwa vier Stunden Aufenthalt, die ich damit verbracht habe Winterjacke, Rollkragenpulli, Winterschuhe und Strickjacke ins Handgep\u00e4ck zu quetschen (Mission fehlgeschlagen, in Moskau waren es 20 Grad!), ging es weiter \u2013 Endspurt! In der kleinen Maschine habe ich zum ersten Mal bewusst wahrgenommen, dass das Abenteuer Russland beginnt! Alles wurde nationaler, selbst die Sicherheitsma\u00dfnahmen im Flieger wurden nur noch in Landessprache verk\u00fcndet. Als aufmerksamer Alleinreisender wusste ich aber genau, was ich im Falle eines Falles zu tun habe: \u201eDie Schwimmwesten befinden sich unter den Sitzen. Es gibt zwei M\u00f6glichkeiten der Bedienung. Entweder man pustet sie mit eigener Kraft auf oder man zieht an den beiden Schn\u00fcren.\u201c Ich denke weitere Ausf\u00fchrungen sind nicht n\u00f6tig, es ist ja auch nichts passiert! Mit etwas Versp\u00e4tung (deutsche P\u00fcnktlichkeit!!!) und einer Extrarunde \u00fcber die Stadt bin ich um 20:30 Uhr gelandet. Am Permer Flughafen wurde ich herzlichst von einer Deutschlehrerin und Aleksei, dem Enkel meiner Gastoma, empfangen. Bei abendlichem Sonnenschein haben wir noch eine Autofahrt durch die Stadt gemacht und man hat mir einige Sehensw\u00fcrdigkeiten gezeigt. Als wir bei der Wohnung meiner Gastoma ankamen, war ich ziemlich angespannt und nerv\u00f6s. Ich wollte einen guten Eindruck machen und hatte <em>den Plan(!!!) <\/em>mich so vorzustellen, wie ich es im Flugzeug einstudiert habe. Nat\u00fcrlich kam alles anders. Aleksei und die Deutschlehrerin Natalia sind direkt gegangen und ich wurde von meiner Gastoma Larissa in die K\u00fcche gebeten. Mich erwartete ein Tisch voller Speisen. Neben drei verschiedenen warmen Gerichten auch Salate, Joghurts, M\u00fcsli, Obst, Desserts und andere landesspezifische Leckereien! (Oma in Beverungen, mach dir bitte keine Sorgen: Hungern muss ich nicht, das Essen ist super!) Den restlichen Abend habe ich damit verbracht mich mit Larissa \u00fcber einfache Themen wie Familie, Schule und Hobbys auf Russisch zu unterhalten. Englisch und Deutsch spricht sie kein Wort, es ist nicht immer einfach mit der Kommunikation, im Notfall immer nicken und nett l\u00e4cheln. Ich habe hier mein eigenes Zimmer, Larissa hat mir ihr Zimmer \u00fcberlassen und f\u00fcr russische Verh\u00e4ltnisse ist es wirklich gro\u00df und ich finde es gem\u00fctlich! Leider hat sie kein Internet, aber nach vier Tagen kann ich sagen: Es geht ohne, wirklich! Irgendwann lag ich dann im Bett und bin auch direkt eingeschlafen!<\/p>\n<p>Am zweiten Tag habe ich bis elf Uhr geschlafen. Um 12 Uhr hat mich die Schulleiterin in der Schule erwartet. Die Distanz von Larissas Wohnung zur Schule betr\u00e4gt keine 100 Meter. Dennoch hat mich Aleksei zur Schule gebracht, er wohnt auch in der N\u00e4he. Aleksei hat auch an meiner Einsatzstelle gelernt und spricht hervorragend Deutsch. Er hat das deutsche Sprachdiplom auf C1-Niveau absolviert, das gleicht fast einem Muttersprachler. Zur Schule m\u00f6chte ich ein anderes Mal etwas schreiben, nur eins kann ich sagen: So eine moderne und ordentliche Schule habe ich noch nie gesehen. Die Schulleiterin ist sehr engagiert und hat mir einige Fragen gestellt. Sie hat mehrfach betont, dass ihr mein Wohlergehen sehr am Herzen liegt. Den restlichen Nachmittag habe ich in der Schule verbracht und einige Lehrer kennengelernt und die Schule erkundet. Alle geben mir das Gef\u00fchl von Geborgenheit und zeigen Interesse an meiner Person, das freut mich sehr!<\/p>\n<p>Am Abend habe ich bei Sonnenschein und strahlend blauem Himmel mit Aleksei einen Spaziergang durch die Stadt gemacht. Nat\u00fcrlich sprechen wir zu 99 Prozent auf Deutsch, aber ich habe mir vorgenommen (kein Plan, nur ein Vorhaben) jeden Tag etwas mehr Russisch zu sprechen.<\/p>\n<p>Gestern, also Mittwoch, war mein erster \u201eArbeitstag\u201c. Von 10 bis etwa 15 Uhr habe ich in verschiedenen Deutschklassen hospitiert und war \u00fcberrascht \u00fcber die Disziplin der Sch\u00fcler. An der Schule gibt es zwei Schichten. Von 8:30 Uhr bis etwa 14 Uhr lernen die meisten Sch\u00fcler. F\u00fcr die 6. &amp; 7. Kl\u00e4ssler beginnt die Schule allerdings erst gegen 13 Uhr und endet gegen 19 Uhr. Manche Lehrer unterrichten hier von morgens bis abends. Am Abend bin ich mit Aleksei (er ist \u00fcbrigens 20 Jahre alt) in ein japanisches Restaurant gegangen. Dort habe ich seine Freunde Dimitri, Lera und Irina kennengelernt. Ich habe mich ein bisschen wie in einem Verh\u00f6r gef\u00fchlt, alle hatten sehr viele Fragen und haben mich ausnahmslos angestarrt. Vielleicht waren es aber auch einfach zu viele Eindr\u00fccke in den letzten Tagen und zu wenig Schlaf. Alekseis Freunde sprechen kein Deutsch, aber haben Englisch in der Schule gelernt. Normalerweise spreche ich auch Englisch, nicht gut, aber ich habe die Sprache solange ich denken kann \u2013 mehr oder weniger \u2013 \u201egelernt\u201c. Gestern war es mir nicht m\u00f6glich Englisch zu sprechen. Sobald ich etwas sagen wollte, kamen russische und deutsche W\u00f6rter aus meinem Mund und ich habe begonnen alle Sprachen zu mixen, das war wirklich verr\u00fcckt! V\u00f6llig verst\u00f6rt bin ich nach dem Treffen nach Hause und war froh, dass meine Gastoma kein Englisch spricht! Nachdem sie mir das russische Fernsehprogramm pr\u00e4sentiert hat, bin ich todm\u00fcde ins Bett gefallen.<\/p>\n<p>Nach meinem gestrigen ersten Arbeitstag, folgt heute direkt ein freier Tag. Donnerstags wird an der Schule fast kein Deutsch unterrichtet. Dennoch war ich fr\u00fch auf den Beinen und bin in die Schule um einige Dinge am Computer zu regeln. In der Schule habe ich mein eigenes kleines Labor, in dem ich mich zur\u00fcckziehen kann. Eine Lehrerin hat mich zum Mittag in die Kantine der Schule eingeladen. Dort sa\u00dfen einige hungrige Sch\u00fcler, die mich alle mit \u201eGuten Tag\u201c oder \u201eHerzlich Willkommen\u201c begr\u00fc\u00dften. Jeder Sch\u00fcler lernt an der Schule ab der ersten Klasse Deutsch. Den restlichen Nachmittag habe ich damit verbracht diesen Beitrag zu verfassen und mich auf eine Doppelstunde Deutsch in der 9. Klasse vorzubereiten.<\/p>\n<p>Jetzt aber genug geschrieben. Gleich kommt Aleksei und wird mit mir in die Stadt gehen. Wir werden uns das Geb\u00e4ude der Permer Oper ansehen und einen Internetstick f\u00fcr mich kaufen, damit ich hoffentlich noch heute diesen Beitrag hochladen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gr\u00fc\u00dfe aus der heute regnerischen Region Perm!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>P.S.: Mein Tipp des Tages: Oft kommt man ohne Plan besser voran!<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist 14:00 Uhr. Jetzt 14:13 Uhr. 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