{"id":16,"date":"2014-09-17T20:09:05","date_gmt":"2014-09-17T18:09:05","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/russlandroman\/?p=16"},"modified":"2014-09-17T20:13:40","modified_gmt":"2014-09-17T18:13:40","slug":"schnelldurchlauf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/russlandroman\/2014\/09\/17\/schnelldurchlauf\/","title":{"rendered":"Schnelldurchlauf."},"content":{"rendered":"<p>Heute\u00a0f\u00e4llt es mir schwer einen guten Anfang f\u00fcr den neuen Beitrag zu finden. Nun bin ich schon mehr als\u00a0zwei Wochen in Perm, \u00fcber 3500 km entfernt von daheim und allm\u00e4hlich schleicht sich auch hier der Alltag ein. In den letzten 14 Tagen habe ich viel gesehen, erlebt und getan, weshalb ich v\u00f6llig den \u00dcberblick \u00fcber das Erlebte verloren habe.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund werde ich euch nur ein paar &#8222;Highlights&#8220; pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen, wobei (fast) jeder Tag ein Highlight ist.<\/p>\n<p>Zu meiner physischen und psychischen Situation:<\/p>\n<p>Mir geht es gut, wirklich gut, immer noch gut! Abgesehen von einer russischen Rundumerk\u00e4ltung bin ich fit und die Tage ziehen ins Land. Meine Gastoma ist sehr bem\u00fcht und ich habe den Eindruck, dass sie sich vornimmt jeden Tag &#8222;ein bisschen besser&#8220; sein zu m\u00fcssen. Sie kauft t\u00e4glich in Massen ein (nat\u00fcrlich nicht bei Rewe ;-)) und hat sich von einer warmen Mahlzeit auf mittlerweile drei warmen Mahlzeiten gesteigert, die sie mir t\u00e4glich anbietet. Ich habe ihr mittlerweile versucht zu erkl\u00e4ren, dass ich es gewohnt bin einmal am Tag warm zu essen und das vollkommen ausreicht, aber so wirklich verstehen will sie das nicht. Fast jeden Tag werde ich noch in der Schule eingeladen zum Essen und auch da habe ich keine M\u00f6glichkeiten abzulehnen. Wenn das so weitergeht, dann muss ich ihr mal das M\u00e4rchen &#8222;H\u00e4nsel und Gretel&#8220; \u00fcbersetzen, manchmal f\u00fchle ich mich wie einer der Charaktere. Neulich habe ich sogar aus Interesse dieses M\u00e4rchen gelesen, ich wollte mehr \u00fcber die Hexe erfahren, aber meine Gastoma ist nat\u00fcrlich keine. Interessant aber, welchen Einfluss die Br\u00fcder Grimm auf mich haben. Ich bin \u00fcbrigens 18 Jahre alt! Das ist auch ein gutes Stichwort. Es gibt Tage an denen ich mich wirklich in meiner Freiheit eingeschr\u00e4nkt f\u00fchle. Ich verstehe, dass meine Oma besorgt ist und es ist mir auch bewusst, dass Perm die kriminellste Stadt Russlands ist, <em>aber <\/em>dennoch habe ich schon ein Gef\u00fchl daf\u00fcr entwickelt, wo ich mich aufhalten und bewegen kann und wo eben nicht. Schon am Wochenende werde ich umziehen zu einer anderen Familie (keine Ahnung wie sie hei\u00dft, wo sie wohnt und was sie macht, aber kein Grund zur Aufregung: Essen gibt&#8217;s da bestimmt auch!) und ich denke, dass ich mich dort etwas freier bewegen kann und einen Schl\u00fcssel f\u00fcr die Wohnung bekomme. Des Weiteren m\u00f6chte ich euch von zwei aktuellen Problemen berichten, die ich in Deutschland auf einer Skala von 0 (geringf\u00fcgiges Problem)\u00a0bis 10 (absolut, total, wahnsinnig problematisch) mit &#8222;8&#8220; einstufen w\u00fcrde, sie hier aber nur eine &#8222;3&#8220; bekommen. Krass, wie gelassen ich geworden bin.<\/p>\n<p>1. Problem: Ich habe kein Geld. Also nicht so wie ihr jetzt denkt, sondern anders. Ich habe mich in Deutschland nat\u00fcrlich mit dem Thema besch\u00e4ftigt, wie ich in Russland Geld abheben kann. Mit einer Visakarte sollte das eigentlich problemlos funktionieren, nur bei mir nicht.\u00a0 Seit etwas f\u00fcnf Tagen lebe ich von etwa 3,50\u20ac. Also eigentlich ist das ziemlich witzig, bisher komme ich \u00fcberall problemlos durch und alle helfen mir. Vielleicht schaffe ich es ja bis Februar mit dem Geld auszukommen, ich alter Sparfuchs&#8230; Also jetzt aber ernsthaft, mir gef\u00e4llt diese Situation nicht besonders gut. Gestern (Dienstag) war ich bei sechs verschiedenen Banken und habe \u00fcberall mein Gl\u00fcck versucht. Mission fehlgeschlagen. Apropos Gl\u00fcck &#8211; ein Thema momentan in der 8. Klasse. Die\u00a0Sch\u00fcler sollten den Satz &#8222;Ich bin gl\u00fccklich, wenn&#8230;&#8220; vervollst\u00e4ndigen. Eine Sch\u00fclerin schrieb &#8222;Ich bin gl\u00fccklich, wenn ich genug Geld habe.&#8220; Oh ja, ich kann dich verstehen&#8230; Ich halte euch auf dem Laufenden und vielleicht rollt der Rubel ja demn\u00e4chst wieder.<\/p>\n<p>2.\u00a0Problem:\u00a0Es gibt auf unbestimmte Zeit in meiner Wohnung kein\u00a0warmes Wasser.\u00a0Also ich bin kein Warmduscher, ich bin ein Sohn der Familie K\u00e4lte-V\u00f6ssing, aber bei Minusgraden und nach heutiger stundenlanger Exkursion im Freien bei einem durchgehenden Gemisch von Regen und\u00a0Schnee ist so ganz ohne warmes\u00a0Wasser echt schei\u00dfe. Entschuldigung f\u00fcr das Wort, aber k\u00f6nnt ihr mich verstehen? Na ja, die Oma stellt mir jetzt jeden Morgen und Abend zwei Kocht\u00f6pfe dampfendes Wasser vom Herd ins Bad und dann kann ich mich auf einer Fl\u00e4che von 1qm wunderbar waschen.<\/p>\n<p>In der Schule habe ich von Tag zu Tag mehr Aufgaben und f\u00fchle mich dort pudelwohl. Momentan sind einige Lehrerinnen unterwegs und dann \u00fcbernehme ich schon ziemlich viel Unterricht. Normalerweise w\u00e4re morgen mein freier Tag, aber ich habe mich angeboten vier Stunden zu unterrichten, die ich noch nicht vorbereitet habe, aber es ist ja gerade erst 23:43 Uhr.. \ud83d\ude42 Au\u00dferdem ist momentan eine Sch\u00fclergruppe aus Essen zu Gast, die morgen ihren Abschied feiern und ich bin herzlich eingeladen. Die Sch\u00fclerinnen der 9. Klasse aus Essen haben mich gebeten morgen mit ihnen den aktuellen Hit von Helene Fischer zu singen. Oh man, eigentlich habe ich mich auf eine &#8222;Atemlosezeit&#8220; gefreut, aber mich kann hier nichts mehr schocken. Der Vorteil der letzten Tage war, dass ich am kompletten Austauschprogramm teilnehmen konnte und einige Sehensw\u00fcrdigkeiten erlebt habe, unteranderem waren wir in einem Freilichtmuseum, der gr\u00f6\u00dften Eish\u00f6hle Europas\u00a0und einigen Bezirken der Stadt, die nicht unbedingt im Reisef\u00fchrer stehen.\u00a0Bei den russischen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern\u00a0(ist das\u00a0so formal richtig?) komme ich ganz gut an, aber ich\u00a0w\u00fcrde auch\u00a0behaupten, dass ich ziemlich interessanten und kreativen Unterricht mache. Mal sehen wie lange ich diese Vorbereitung noch durchalte bis ich\u00a0zu der Methode\u00a0&#8222;Wir-bearbeiten-heute-die-Aufgaben-1,2,3,4,5,6,7,8-auf-Seite-53&#8220; oder\u00a0&#8222;Film ab&#8220; greife.<\/p>\n<p>Mittlerweile ist es schon ziemlich sp\u00e4t, aber ich hatte einfach den Wunsch euch heute mit &#8222;Frischfleisch&#8220; zu versorgen. Morgen folgen Impressionen, versprochen! Aber das Internet ist hier nicht gut genug, um Bilder hochzuladen. Aber ich will mich nicht beklagen: Strom gibt&#8217;s noch!<\/p>\n<p>Liebe Gr\u00fc\u00dfe und bis neulich! Guten Appetit!<\/p>\n<p>P.S.: Ich freue mich sehr \u00fcber Kommentare!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute\u00a0f\u00e4llt es mir schwer einen guten Anfang f\u00fcr den neuen Beitrag zu finden. Nun bin ich schon mehr als\u00a0zwei Wochen in Perm, \u00fcber 3500 km entfernt von daheim und allm\u00e4hlich schleicht sich auch hier der Alltag ein. 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