Frei von der Gemütlichkeit seines Hauses*

*Meine tägliche Erheiterung: die automatische Übersetzungsfunktion von Facebook.

Frei aus der Gemütlichkeit meines Hauses bin ich in die zweite Bulgarienwoche gestartet. Ich arbeite für eine bulgarisch-deutsche Kulturgesellschaft, die u.a. vom Goethe-Insitut Sofia gefördert wird. Mein Freiwilligendienst ist als Kulturmanagementstelle ausgeschrieben und bisher tue ich auch genau das, was ich mir darunter vorgestellt habe. Die Rahmenbedingungen sind allerdings anders als erwartet. Anders ist zum Beispiel, dass das Team deutlich kleiner als gedacht ist und es wenig formelle Strukturen gibt. Strukturen können zwar manchmal festgefahren und einengend sein – mir persönlich geben sie aber auch Sicherheit. Und so versuche ich gerade noch einen guten Platz für mich in den informellen Strukturen zu finden.

Für den Anfang und unter den Umständen des Homeoffices läuft das aber schon ziemlich gut, würde ich mal behaupten 🙂
Manchmal habe ich mich etwas lost gefühlt, weil ich an manchen Tagen keine konkreten Aufgaben bekommen habe, auch nicht auf Nachfrage. Aber eigentlich mag ich die Freiheit momentan doch ziemlich – trotz Mangel an Struktur von außen.

Was ich in den ersten zwei Arbeitswochen gemacht habe:

  • Bewerbungsmails für eine Künster*innenresidenz gesichtet und für die Jury geordnet abgelegt
    (witzige, kroteske und spannende Bewerbungen zugleich – wie gut, dass ich nicht entscheiden muss)
  • Einladungsmails für das Literaturfestival im Herbst an Künster*innen geschickt, die Korrespondenzen weitergeführt und eine Übersichtstabelle für alle wichtigen Kontakt- und Reisedaten angelegt
    (bei dem Festival werde ich leider gar nicht mehr hier sein – dafür meine kulturweit-Nachfolge)
  • Die Praktikantin bei der Vorbereitung eines Zoom Events unterstützt
    (bisher gab es keinen Plan für Online-Events, aber nun waren wir gezwungen, das Projekt doch noch kurzfristig online umzusetzen)
  • Texte vom Englischen ins Deutsche übersetzt
  • Texte verfasst
    (Meine englischen oder deutschen Texte werden von einem Kollegen ins Bulgarische übersetzt. Der bulgarische Text wird dann auf Facebook gepostet – an den Umweg muss ich mich noch gewöhnen. Was mich aber immer wieder zum Schmunzeln bringt: die automatische Rückübersetzung ins Deutsche auf Facebook 😀 Daher habe ich auch den Titel dieses Blogposts.)
  • wenn ich Leerlauf hatte: Social Media Kram

Die freie Zeit habe ich genutzt, um mehr Leute auf das Residenzprogramm aufmerksam zu machen. Hab mich dann voll gefreut, als die erste Residenz-Bewerbung reinkam, die nicht aus dem Umfeld der Organisation kommt. Dank der wenigen Aufgaben am Anfang konnte ich auch wieder mal ein bisschen mit InDesign arbeiten, um Grafiken für Facebookposts zu erstellen. Hoffe, ich habe in den nächsten Wochen weiterhin dafür Zeit! Am liebsten hätte ich ja ein offizielles Dokument mit einer Corporate Idenity, aber das gibts leider nicht. Und so mache ich weiterhin erstmal alles nach Gefühl (bis sich jemand beschwert und sich alle nicht mehr lebenden Grafikdesigner*innen im Grabe umdrehen)

Was noch nicht so supi klappt: Die sogenannte work-life-balance. Letzte Woche war das Wetter so regnerisch und kühl (und ich zu unmotiviert um länger als nötig draußen zu sein), dass mein Alltag nur aus Arbeit und Einkaufen bestand. Weil meine Arbeitskollegin momentan auch meine Mitbewohnerin ist, ist die Trennung von Arbeits- und Privatleben auch nicht so easy möglich. Aber dank besserem Wetter und weil die Wohnsituation nur vorübergehend ist, ist Besserung in Sicht. (Und es gibt natürlich auch viele Vorteile mit seiner Arbeitskollegin zusammen zu wohnen – das möchte ich gar nicht missen:)

Tatsächlich bin ich also momentan eher Fan als Feind des Homeoffice. Vor allem wegen Corona und dem Umgang damit hier in Bulgarien…

Aber dazu mal an anderer Stelle (mein erster Cliffhanger?)

Das Foto ist ein Screenshot aus der ersten öffentlichen Online-Veranstaltung meiner Arbeitsstelle. An dieser Stelle ein bisschen Liebe für die bulgarische grumpy cat ♥

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