{"id":53,"date":"2015-04-08T15:59:05","date_gmt":"2015-04-08T13:59:05","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/richardinprag\/?p=53"},"modified":"2015-04-08T16:02:37","modified_gmt":"2015-04-08T14:02:37","slug":"zu-kurz-gekommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/richardinprag\/2015\/04\/08\/zu-kurz-gekommen\/","title":{"rendered":"Zu kurz gekommen"},"content":{"rendered":"<p>Hier ist er nun, der zweite Bericht aus Prag. Fast ein halbes Jahr ist es nun her, dass es etwas zu lesen gab. Es w\u00e4re eine schwache Ausrede zu behaupten, ich h\u00e4tte in dieser Zeit keine Minute gehabt, einen Text zu schreiben, der dich auf dem Laufenden h\u00e4lt. Die hatte ich durchaus, allerdings habe ich die scheinbar stets anders zu nutzen gewusst. Nun aber ist der Moment gekommen, den ich definitiv mit Sinn f\u00fcllen sollte &#8211; Eine halbe Stunde warten beim Friseur.<\/p>\n<p><strong>Lehren<\/strong><\/p>\n<p>Vielleicht beginnen wir mit dem, was hier eigentlich meine Aufgabe ist, n\u00e4mlich der Arbeit an der Schule. Dort sieht es inzwischen so aus, dass ich oft allein unterrichte, vor allem die Vorbereitung zum Wettbewerb \u201eJugend Debattiert International\u201c (JDI) lag zu gr\u00f6\u00dferen Teilen auch in meinen H\u00e4nden. Wie die Regeln und Inhalte den Sch\u00fclern vermittelt werden sollen, wurde einigen von uns tschechischen Freiwilligen bei Seminaren im Goethe-Institut in Prag erkl\u00e4rt. Es war schon absurd, dass wir, die gerade frisch die Schule verlassen hatten, auf Augenh\u00f6he neben gestandenen Lehrer diskutierten. Spa\u00df gemacht hat es aber definitiv, zumal es nicht nur um Fortbildung geht, wenn Freunde in Prag sind.<\/p>\n<p>Was aus unterrichtet werden und folgend unterrichten entstand, hat mich selbst \u00fcberrascht: Beim JDI-Wettbewerb auf Stadtebene empfand ich auf einmal eine Art Patriotismus f\u00fcr meine Schule und habe ehrlich und \u00fcberzeugt \u201eunseren\u201c Kandidaten die Daumen gedr\u00fcckt. Vor allem nat\u00fcrlich dem Sch\u00fcler aus \u201cmeinem\u201c Kurs. Dass der w\u00e4hrend der Debatte die Zeit vor allem damit verbrachte, das obligatorische Wasserglas zu leeren, das man ihm auf den Tisch gestellt hatte, war trotzdem keine Entt\u00e4uschung. Zumindest war er der mit Abstand humorvollste Kandidat.<\/p>\n<p><strong>Reisen<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich f\u00fchren meine Wege nicht nur zur Schule und zur\u00fcck. Vom Beginn des Freiwilligendienstes an war ich nun in f\u00fcnf L\u00e4ndern. Das ist f\u00fcr \u201ekulturweit\u201c-Ma\u00dfst\u00e4be wohl nicht allzu viel, aber dennoch erw\u00e4hnenswert. So fand das Zwischenseminar in einer Holzh\u00fctte im Nirgendwo der Slowakei statt, in dem wir uns alle wesentlich besser kennenlernen konnten.<\/p>\n<p>Fahrten nach Wien, Bratislava, Br\u00fcnn und Budapest (Klimax) folgten. So toll Reisen auch ist, stelle ich bei jedem Trip fest: Mir fehlt mein Prag.<\/p>\n<div id=\"attachment_56\" style=\"width: 230px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/richardinprag\/files\/2015\/04\/IMG_0431.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-56\" class=\"wp-image-56\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/richardinprag\/files\/2015\/04\/IMG_0431-300x400.jpg\" alt=\"Yann Tiersen in Prag\" width=\"220\" height=\"293\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/richardinprag\/files\/2015\/04\/IMG_0431-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/richardinprag\/files\/2015\/04\/IMG_0431.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-56\" class=\"wp-caption-text\">Yann Tiersen in Prag<\/p><\/div>\n<p><strong>Meine Stadt<\/strong><\/p>\n<p>Das hat kurz gefasst zwei Gr\u00fcnde. Der eine ist, dass meine anf\u00e4ngliche Begeisterung f\u00fcr diese Stadt nicht das geringste Bisschen nachgelassen hat. Wo genau die eigentlich herkommt, ist schwer zu beschreiben.<\/p>\n<p>Ich vermute, sie entsteht durch die Atmosph\u00e4re der Stadt, ein Zusammentreffen von Sch\u00f6nheit der Stra\u00dfenund Gassen, tollen Veranstaltungen und Konzerten und nicht zuletzt der einzigartigen Kneipenkultur. Dort sitzt man nicht selten Stunden mit Freunden, erz\u00e4hlt und genie\u00dft ein tschechisches Bier (nach dem n\u00e4chsten). An dieser Stelle m\u00f6chte ich kurz ein Gest\u00e4ndnis ablegen:<\/p>\n<p>Tschechisches Bier ist um L\u00e4ngen besser als deutsches.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum Thema und damit dem zweiten, pers\u00f6nlicherem Grund. Meine Prager Freunde. Nie h\u00e4tte ich gedacht, dass ich derma\u00dfen gut und selbstverst\u00e4ndlich von den Abiturienten hier aufgenommen werde. Das sind schon lange keine Sch\u00fcler mehr, das sind echte Freunde. Ihre Besuche in der Pause, vor allem die der Freundinnen, sorgen nicht selten f\u00fcr ein Grins<\/p>\n<div id=\"attachment_63\" style=\"width: 230px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/richardinprag\/files\/2015\/04\/20150224_142941.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-63\" class=\"wp-image-63\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/richardinprag\/files\/2015\/04\/20150224_142941-300x400.jpg\" alt=\"Bernard - Nat\u00fcrlich Tschechisch\" width=\"220\" height=\"293\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/richardinprag\/files\/2015\/04\/20150224_142941-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/richardinprag\/files\/2015\/04\/20150224_142941.jpg 576w\" sizes=\"(max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-63\" class=\"wp-caption-text\">Bernard &#8211; Nat\u00fcrlich Tschechisch<\/p><\/div>\n<p>en oder einen Spruch einer der Lehrerinnen im Deutschkabinett. Das ist es aber wirklich wert. Inzwischen geht diese Integration soweit, dass ich mit dem Arbeitskollegen des Vaters einer \u201eSch\u00fclerin\u201c Volleyballspielen gehe. Ich glaube, das sagt alles.<\/p>\n<p><strong>Freunde, ist das ein Jahr<\/strong><\/p>\n<p>Was Freunde angeht, ist dieses Jahr wahrlich ein besonderes. Neben meinen tschechischen Freundschaften gibt es n\u00e4mlich auch die zu anderen Freiwilligen. Die meisten davon reichen in andere tschechische St\u00e4dte und Ungarn. Obwohl ich die nur alle paar Monate sehe, sind sie wirklich gute Freunde geworden. Als Beispiel dienen die folgenden beiden: Sindy hat in meiner WG ihre eigene Zahnb\u00fcrste und auch Mathilde deponiert inzwischen Kosmetik bei uns. Die beiden fragen auch nicht mehr, ob sie bei mir n\u00e4chtigen k\u00f6nnten, sie k\u00fcndigen sich an.<\/p>\n<p>Das tolle daran ist, dass ich wei\u00df, dass ich das andersherum genauso tun kann, allerdings nicht nur bei den beiden sondern bei so vielen tollen Leuten, zu denen ich im letzten Jahr Beziehungen aufbauen durfte.<\/p>\n<p><strong>Woran nicht zu denken ist<\/strong><\/p>\n<p>In der letzten Zeit hat mich eigentlich nur eins deprimiert. Das war die Fahrt nach Deutschland um eine Uni anzusehen. Schon beim Verlassen der Wohnung in Prag habe ich alles hier vermisst. Aber vermutlich hat eine Freundin objektiv ganz richtig beurteilt: \u201eVermutlich vermisst du Prag schon in diesem Moment, weil du dich mit der Zeit danach, in der du nicht hier bist, nun wirklich intensiv auseinandersetzen musst.\u201c Tats\u00e4chlich suche ich nach Unis, von denen aus Prag gut zu erreichen ist oder die Partneruniversit\u00e4ten in Prag hat. Ob das wirklich das kl\u00fcgste Kriterium ist um eine Hochschule auszuw\u00e4hlen, darf bezweifelt werden.<\/p>\n<p>Der vorige Absatz war definitiv zu lang daf\u00fcr, dass es mir hier unfassbar gut geht und das Leben einfach Spa\u00df macht. Die gute Verena, die leider nur ein halbes Jahr in Prag war, meinte mal, ich w\u00fcrde hier \u201edas Jahr meines Lebens verbringen\u201c. Wer wei\u00df, was danach kommt &#8211; Momentan sieht es aber wirklich danach aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">P.S.: Drei Zentimeter sind nicht sechs. Die Frisur war das Warten nicht wert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier ist er nun, der zweite Bericht aus Prag. Fast ein halbes Jahr ist es nun her, dass es etwas zu lesen gab. 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