{"id":97,"date":"2012-03-02T22:25:01","date_gmt":"2012-03-02T20:25:01","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/pylauri\/?page_id=97"},"modified":"2012-06-11T18:03:59","modified_gmt":"2012-06-11T15:03:59","slug":"wissenswertes-und-kurioses","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/pylauri\/wissenswertes-und-kurioses\/","title":{"rendered":"Wissenswertes"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fakten zu Lettland<\/strong><br \/>\nDie Republik Lettland ist der mittlere der drei baltischen Staaten und liegt im Nordosten Europas an der Ostsee. Mit einer Fl\u00e4che von 64.589\u00a0km\u00b2 ist Lettland etwas kleiner als Bayern, hat aber nur unwesentlich mehr Einwohner als M\u00fcnchen. Genauer gesagt leben hier etwa 2 Mio. Menschen, ungef\u00e4hr 700.000 davon in der Hauptstadt Riga.<\/p>\n<p><strong>Die EU und der Euro<\/strong><br \/>\nNur 13 Jahre nach der erneuten Unabh\u00e4ngigkeit von der Sowjetunion hat es Lettland 2004 geschafft, Mitglied der NATO und der EU zu werden. Wirtschaftlich gesehen steckt das Land aber wegen der steigenden Inflationsrate seit einigen Jahren in der Krise. Daher ist die urspr\u00fcnglich f\u00fcr 2008 geplante Einf\u00fchrung des Euro auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Und so, wie es momentan aussieht, wird das auch noch eine Weile so bleiben &#8211; zumal die momentan stark angegriffene Eurozone nicht noch ein schwaches Mitglied braucht.<\/p>\n<p><strong>Einkommensschere und Lebenshaltungskosten<\/strong><br \/>\nWie in Russland hat auch in Lettland das kapitalistische Wirtschaftswunder nach der Unabh\u00e4ngigkeit einige wenige rasend schnell reich werden lassen, w\u00e4hrend der Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung finanziell kaum \u00fcber die Runden kommt. Das soziale Gef\u00e4lle ist nach wie vor krass: Neben Porsche und Audi Q7 sieht man genug &#8222;Schrottkarren&#8220; auf den Stra\u00dfen.<br \/>\nDie Kosten f\u00fcr Lebensmittel und Dinge des t\u00e4glichen Bedarfs liegen auf deutschem Niveau, obwohl das Durchschnittseinkommen der Letten deutlich unter dem EU-Durchschnitt liegt. Und vor allem im Zentrum sind auch die Mieten ungef\u00e4hr so hoch wie in Deutschland. Eine Freundin hier zahlt f\u00fcr ihr WG-Zimmer in der Altstadt ca. 200 Lats, also fast 290 \u20ac. Daher k\u00f6nnen sich diese Wohnungen meist nur Neureiche oder Ausl\u00e4nder leisten.<br \/>\nMittlerweile kann Lettland auch nicht mehr als billiges Urlaubsland angesehen werden, denn die Preise sind enorm hoch. Vor allem nat\u00fcrlich in den Touristenkneipen und -gesch\u00e4ften der Altstadt. Wenn man aber die Augen offenh\u00e4lt und auch mal in ungew\u00f6hnliche Locations geht, kann man sehr viel Geld sparen.<\/p>\n<p><strong>Lettische Sprache<\/strong><br \/>\nLettisch geh\u00f6rt zum baltischen Zweig der indogermanischen Sprachen, zu dem u.a. auch das Litauische z\u00e4hlt (Estnisch geh\u00f6rt zur Gruppe der finno-ugrischen Sprachen, ist also mit Finnisch und Ungarisch verwandt!), und hat keine direkte Verwandtschaft zu slawischen Sprachen. Charakteristisch f\u00fcr die lettische Sprache ist das &#8222;s&#8220; an den Endungen m\u00e4nnlicher Namen und Bezeichnungen und die Betonung auf der ersten Silbe. Zusammen mit deutlich unterschiedenen kurzen und langen Vokalen bekommt das Lettische dadurch seinen typisch singenden Klang.<\/p>\n<p><strong>Das \u201eParis des Nordens\u201c &#8211; Jugendstil in Riga<br \/>\n<\/strong>Etwa jedes dritte Haus im Zentrum Rigas l\u00e4sst sich dem Jugendstil zurechnen. Da eine derartige Ansammlung von Jugendstilgeb\u00e4uden vermutlich einzigartig auf der Welt ist, wurde das Rigaer Stadtzentrum 1997 von der UNESCO zum Welterbe erkl\u00e4rt. Der Wirtschaftsaufschwung Anfang des 20. Jahrhunderts und die damit einhergehende Wohnungsknappheit hatte einen Bauboom in Gang gesetzt. Mietsh\u00e4user schossen wie Pilze aus dem Boden, wobei sich die meist im Ausland ausgebildeten Architekten an der neuen &#8222;Mode&#8220; orientierten. Leider verfielen viele Bauten zur Zeit der Sowjetokkupation allm\u00e4hlich, doch inzwischen werden sie nach und nach restauriert.<\/p>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 33%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-97 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/pylauri\/files\/2012\/03\/029_klein.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/pylauri\/files\/2012\/03\/029_klein-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"Alberta iela 12 von 1903\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/pylauri\/files\/2012\/03\/027_klein.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/pylauri\/files\/2012\/03\/027_klein-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"Alberta iela 13 vom Architekten Michail Eisenstein\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/pylauri\/files\/2012\/03\/018_klein.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/pylauri\/files\/2012\/03\/018_klein-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"Blick in die Alberta iela\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/pylauri\/files\/2012\/03\/013_klein.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/pylauri\/files\/2012\/03\/013_klein-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"Fr\u00fcher Jugendstil - Elizabetes iela 10b\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl>\n\t\t\t<br style='clear: both' \/>\n\t\t<\/div>\n\n<p><strong>Religion<\/strong><br \/>\nSeit der Reformation geh\u00f6rt die Mehrheit der lettischen Bev\u00f6lkerung der evangelisch-lutherischen Konfession an (ca. 55%), aber im Osten des Landes (historisch mit Litauen und Polen verbunden) findet man noch \u00fcberwiegend Katholiken (ca. 24%). Wie auch die r\u00f6misch-katholische Kirche lehnt die lutherische Kirche Lettlands sowohl Homosexualit\u00e4t als auch Frauenordination ab. Da in Lettland, wie mehrfach erw\u00e4hnt, sehr viele Russen leben, ist nat\u00fcrlich der russisch-orthodoxe Glaube vertreten (ca. 9%). Zur Veranschaulichung: In der Hauptstadt Riga gibt es 16 lutherische, sieben katholische und zehn orthodoxe Gottesh\u00e4user.<br \/>\nVor dem Holocaust spielte auch die j\u00fcdische Religion und Kultur im Gebiet Lettlands eine wichtige Rolle; heute existieren noch in neun lettischen St\u00e4dten j\u00fcdische Synagogen und die Anzahl der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung betr\u00e4gt etwa 10.000 Personen. Au\u00dferdem gibt es bis zu 6.000 Anh\u00e4nger des Islam in Lettland, von denen sich jedoch nur ein kleiner Teil tats\u00e4chlich als religi\u00f6s bekennt (die meisten sind Tataren und Aserbaidschaner).<\/p>\n<p><strong>Land der Lieder<\/strong><br \/>\nDa die Letten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts daran gehindert wurden, eine nationale Kultur zu entwickeln, galt ihre Kreativit\u00e4t und Schaffenskraft der Folklore. Das Singen wurde den Letten quasi zur zweiten Natur und so singen die Menschen hier zu allen erdenklichen Anl\u00e4ssen. Fast jeder Lette war oder ist Mitglied in einem Chor und an dem seit 1873 alle f\u00fcnf Jahre stattfindenden S\u00e4nger- und Tanzfest (das n\u00e4chste Mal 2013) nehmen Zehntausende aus ganz Lettland teil. Es ist sogar in die UNESCO-Liste der Meisterwerke des m\u00fcndlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen worden. Am liebsten singen die Letten Dainas, kurze, vierzeilige Lieder, die in unz\u00e4hligen Variationen wiederholt werden k\u00f6nnen. \u00dcber Jahrhunderte nur m\u00fcndlich \u00fcberliefert, gelten sie heute als Fundament der lettischen Kultur. 2,5 Mio. Liedtexte wurden in den letzten 150 Jahren zusammengetragen, d.h. gut ein Lied pro Einwohner.<\/p>\n<p><strong>Nationalit\u00e4t versus Ethnie<\/strong><br \/>\nWie wir wissen, ist im deutschen Pass nur die Staatsangeh\u00f6rigkeit, d.h. die Nationalit\u00e4t einer Person als &#8222;deutsch&#8220; ausgewiesen. Das hei\u00dft, wenn z.B. Ad\u0131var Y\u0131lmaz einen deutschen Pass besitzt, ist er Deutscher. Anders in Lettland: Auf lettischen P\u00e4ssen ist unter Nationalit\u00e4t die Ethnie der Person angegeben. Dort kann also stehen &#8222;Nationalit\u00e4t: Russisch&#8220;, obwohl die Person ja im Prinzip lettischer Staatsangeh\u00f6riger ist. Deswegen spricht man oft davon, dass z.B. in Riga etwa 50% <span style=\"text-decoration: underline\">ethnische<\/span> Russen leben, also Letten russischer Herkunft, sog. Lettlandrussen.<\/p>\n<p><strong>Eine Besonderheit in der EU: Die Nichtb\u00fcrger Lettlands<\/strong><br \/>\nIn Lettland leben etwa 290.000 Menschen (14,1%\u00a0 aller Einwohner), die zwar ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht, aber weder die lettische noch eine andere Staatsb\u00fcrgerschaft besitzen. Sie verf\u00fcgen lediglich \u00fcber ein lettisches Passdokument, einen sogenannten Nichtb\u00fcrgerpass. Damit d\u00fcrfen sie Lettland jederzeit verlassen und auch wieder ohne besondere Erlaubnis zur\u00fcckkehren. Ausl\u00e4nderrechtlich werden Nichtb\u00fcrger behandelt wie Drittstaatsangeh\u00f6rige mit st\u00e4ndigem Aufenthaltstitel f\u00fcr Lettland. Sie k\u00f6nnen also visafrei im gesamten Schengenraum bis zu 90 Tage im Halbjahr reisen. Wenn sie aber z.B. in einem anderen EU-Staat arbeiten oder studieren m\u00f6chten, m\u00fcssen sie ein Visum und gegebenenfalls eine Arbeitserlaubnis beantragen. Allerdings werden ihnen f\u00fcr die Einreise nach Russland g\u00fcnstigere Visa als den B\u00fcrgern Lettlands ausgestellt und seit Juni 2008 sind f\u00fcr die meisten Nichtb\u00fcrger sogar kurze visafreie Reisen nach Russland m\u00f6glich.Die lettischen Nichtb\u00fcrger haben kein aktives oder passives Wahlrecht, weder bei nationalen noch bei kommunalen Wahlen. Weiterhin sind sie von der Wahl bestimmter Berufe ausgeschlossen: Es ist ihnen z.B. nicht m\u00f6glich, als Beamte, Polizisten oder Notare zu arbeiten.<br \/>\nVon all diesen Regelungen sind fast ausschlie\u00dflich russischsprachige fr\u00fchere Sowjetb\u00fcrger, die nach 1940 nach Lettland gekommen sind, betroffen &#8211; genau wie auch die Kinder solcher Nichtb\u00fcrger, die in Lettland zur Welt kommen. Ein Nichtb\u00fcrger kann jedoch einen Antrag auf Erlangung der lettischen Staatsb\u00fcrgerschaft stellen. Daf\u00fcr ben\u00f6tigt er einen Wohnsitz in Lettland. Aue\u00dfrdem muss er einen Test in lettischer Sprache, Geschichte und den Grundlagen der lettischen Verfassung ablegen. Durch den EU-Beitritt ist die Attraktivit\u00e4t des lettischen Passes wegen der Reisefreiheit f\u00fcr die im Land lebenden Russen gestiegen. Seit 1995 haben aber trotzdem nur knapp 100.000 Einb\u00fcrgerungen stattgefunden.<br \/>\nIn Russland sieht man die lettische Handhabung mit den so genannten Nichtb\u00fcrgern als eine Art historische Revanche f\u00fcr die Sowjetzeit. Das ist vielleicht etwas \u00fcbertrieben, denn ich finde, dass Lettland schon das Recht hat, von seinen B\u00fcrgern die Beherrschung der offiziellen Staatssprache und ein eindeutiges Bekenntnis zum Land zu verlangen.<\/p>\n<p>***Fortsetzung folgt***<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fakten zu Lettland Die Republik Lettland ist der mittlere der drei baltischen Staaten und liegt im Nordosten Europas an der Ostsee. Mit einer Fl\u00e4che von 64.589\u00a0km\u00b2 ist Lettland etwas kleiner als Bayern, hat aber nur unwesentlich mehr Einwohner als M\u00fcnchen. &hellip; <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/pylauri\/wissenswertes-und-kurioses\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":670,"featured_media":104,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-97","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","has-featured-image"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/pylauri\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/97"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/pylauri\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/pylauri\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/pylauri\/wp-json\/wp\/v2\/users\/670"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/pylauri\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=97"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/pylauri\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/97\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":100,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/pylauri\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/97\/revisions\/100"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/pylauri\/wp-json\/wp\/v2\/media\/104"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/pylauri\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=97"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}