Licht- und Schneeverhältnisse

Oder: von einer magischen Ruhe auf dem Fensterbrett

Hier der Blick aus meinem Fenster, der mich besonders in den letzten Zügen der Weihnachtszeit sehr ruhig und glücklich gestimmt hat. Die Morgen und Abende waren magisch. Um dieser Magie am besten beiwohnen zu können, suchte ich mir ein Plätzchen in meinem Zimmer, eine Ruhe-Ecke. Rutschte ganz nah an den Morgen und den Abend heran, der mich an jenen Tagen in der Vorweihnachtszeit empfing. Es war die breite Fensterbank, und die etwas unterhalb des Fensters angeschlossene Heizung, auf die ich mich mit einer Tasse Tee zum Ausspannen brachte. So trennte mich nur noch eine dünne Glasscheibe von den Morgen und Abenden. Zu den Abenden war alles dunkel (mit einem leisen Laternenlichtstrahl) – und Schnee war da. Zu den Morgen war durch die aufgegangene Sonne alles hell (mit ein paar Schattenecken) – und Schnee war da.

Schnee war immer da, in seiner Festigkeit und Masse, es fühlte sich an, als ob er endlos sei, als ob er Häuser und Landschaft verstummen ließe.

Und diese Ruhe ist ein Genuss.

Auch die Menschen verstummen.

Häuser, Bäume, Zäune, Brunnen scheinen tiefer in den Boden zu sinken.

Die Zeit scheint stehen zu bleiben.

Nur Sonnen- und Laternenlicht bewegen sich.

Ansonsten Stille.

Diese Magie.

Traumhaft.

Wiedersehensstein, der mir vom Herzen fällt

Plötzlich standen wir alle in einem Kreis. Redeten miteinander als hätten wir uns gestern das letzte Mal gesehen. Als wären wir wie beim Vorbereitungsseminar lediglich aus unterschiedlichen Kajüten gekrochen, nicht aber aus unterschiedlichen Städten Rumäniens angereist, teilweise über fünf Autostunden entfernt. Es ähnelte auch einem Weihnachtsfest, bei dem die Verwandten lange auf ihre Liebsten warten müssen, weil diese wegen eines Schneesturms im Stau stecken, oder weil sie reguläre Zuspätkommer sind, oder weil ein Kind geboren wird! Und als die Liebsten dann endlich da sind, fällt den Verwandten ein richtiger Stein vom Herzen. Ein Wiedersehensstein. Unser Fest hatte schon angefangen, inmitten einer großen Gruppe saßen wir an länglichen Tischen und aßen die Vorspeise. Und dann, plötzlich, standen wir alle in einem Kreis, und auch mir fiel ein Wiedersehensstein vom Herzen. Freya und Julika – die letzten beiden, die sich angemeldet hatten, waren nun auch angekommen. Wir umarmten uns, erzählten von unserem inneren Wetter. Stille. Ankunft. Viel Energie im Kreis. Ich genoss den Moment der Vertrautheit, der Heimat, die ich in unserer „Homezone“ fand. Was uns verbindet sind zehn sehr intensive Tage in einem kleinen Kaff in Brandenburg. Ich brauch euch nicht im Einzelnen zu kennen, ich muss mich nur an unsere gemeinsame Zeit zurückerinnern, um zu verstehen warum. Um zu fühlen, warum mir ein Wiedersehensstein vom Herzen fällt, wenn ich in unserem Kreis stehe.

von rechts unten nach links oben: Maxi, Freya, Julika, Mäxchen, Linus, Ich.