Nachtrag: eine kurze Liebeserklärung ans verpönte Fliegen

Ich bin mir meiner Ambivalenz bewusst. „Frag nicht.“, sage ich denen, die verwundert, enttäuscht oder provokant ihre Augenbraue hochziehen, als Reaktion auf meine beiläufige Aussage, dass ich meinen Rückflug nach Bordeaux am 5.1 nähme. Ich mache als Unterstützerin von Fridays for Future und Verfechterin der Grünen, die sich für eine Strecke von 1200 km ins Flugzeug setzt, aus meiner Inkonsequenz keinen Hehl. Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Und ich habe sie getroffen, aus einem Gemütszustand und bestimmten Umständen heraus, die ich heute noch nachvollziehen kann, aufgrund derer ich mich mir gegenüber empathisch zeige. Ertragen muss ich die Entscheidung, niemand anders, und auch muss ich die damit verbundenen Konsequenzen – wie eine gelegentlich hochwandernde Augenbraue meiner Gesprächspartner – ertragen, natürlich.

Was mich dazu bewegt diesen Text zu schreiben, ist weder die Bewältigung meines Kerosin-Traumas noch das erneute Aufgreifenwollen einer umweltpolitischen Debatte, sondern die Erkenntnis, dass auch große Scheiße sehr schön sein kann.

Ich genieße es, die Beschleunigung des Flugzeugs zu spüren, kurz vor Abflug, wenn das Geschoss ins Rollen kommt, und dann plötzlich von null auf hundert mit heißen Rädern über die Abflugbahn rast. Diese Geschwindigkeiten, die ich so selten spüre, lassen mich glauben ich befände mich in einem Actionfilm, Apollo 19 oder Star Wars. Mit voller Wucht werde ich in meinen Sitz gedrückt, liefere mich den physikalischen Kräften aus, für die ich mich sonst nicht im Traum interessieren würde, und antizipiere den Ruck, der mir signalisiert, dass ich jetzt in den Luftraum eintrete. Ich blinzle aus dem Fenster schräg vor mir. Es ist zugezogen. Wenige Minuten später durchdringen wir die Wolkendecke. Wattebäuschen rauschen in Millisekunden an mir vorbei. Und plötzlich Sonne. Ich schaue herab auf eine endlose Wolkendecke, als befände ich mich in einer anderen Welt, in einer anderen Dimension, auf der Sonnenseite. Sie ähnelt stark einer unpräparierten Skipiste. Grinsend, und mit Vorfreude auf das kommende Skiwochenende fliege ich über die Skipiste. Faszinierend – wie Scheiße schön sein kann.

Wenn Gras nach Regen riecht

Salbei

 

Bringt: Gesundheit und freie Atemwege

 

Endlich der lang ersehnte Regen! Seit meiner Ankunft hatte ich mich nach einem Geruch gesehnt – nach dem Geruch von Gras, das nach Regen riecht. Und seit meiner Ankunft hatte ich viele Gerüche zu Nase bekommen, unter anderem jener einer lauwarmen Wüstenluft, jener einer stechenden oder mich aus dem Bett ziehenden Sonne, jener einer stehenden Hitze, nur Eines nicht: Regenluft!

Als er endlich da war, der lang ersehnte Regen, rannte ich hinaus ins Freie, fing den dicken, prasselnden Sommerregen ein, tanzte und sprang durch alle Ecken des Gartens, sog die Regenluft auf, roch an den nassen Gräsern und Pflanzen, deren Düfte jetzt viel intensiver in der Luft lagen, sah zu, wie die Tropfen auf den kleinen Teich plumpsten.

Mir fiel auf: zum Glück werden die Pflanzen, Gemüse- und Früchtesorten tagtäglich durch ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem mit Wasser versorgt, sodass sie (im Gegensatz zu mir) nicht unter der Abwesenheit des Regens leiden müssen. Trotzdem stellte ich mir vor ich befände mich, passend zum Wüstenwind, in einer afrikanischen Wüste, wo der Regen so lebensnotwendig für alles Wachstum ist. Und so sehr, wie ich mich jetzt über den Regen freute, würden sich sicher auch die Pflanzen, Bäume, alles Wachstum dort freuen, wenn es nach einer langen Trockenzeit endlich wieder regnete. Wenn das Gras endlich wieder nach Regen riecht!

 

Hier eine kleine Regen-Überbleibsel Collage