Hymne der europäischen Jugend

Hymne der europäischen Jugend

Ich sitze im Zug. Die Sonne scheint über die sattgrünen Felder. Ich staune, wie so oft, wenn ich mit dem Zug unterwegs bin. Von dem brutalistischen Stuttgart, dessen Sanftheit und Ästhetik ich noch versuche zu entdecken, kehre ich heim an den blauen Niederrhein. Hinter mir liegt eine intensive Woche Bewerbungsstress, zwei Gespräche, und schon glücklicherweise: eine Zusage. Mein nächster Abzweig ist gesichert! Ich blinzele der Sonne entgegen. Es fühlt sich an, als wäre ich mit Helium befüllt.

Nachdem ich jetzt sicher bin, dass und wie es mit mir weitergeht, denke ich an meine Freunde, oder besser: meine Mitreisenden, die sich wie ich auf derselben Reise befinden, nur andere Destinationen anvisieren. Illustration, Musikpädagogik, Ethnologie, interkulturelle Spanischstudien, internationale Beziehungen, Elektrotechnik in Schweden, Ernährungswissenschaften (und ein Umzug von Iasi, Rumänien nach München, Deutschland)….welch wunderschöne Träume, welch wunderschöner Sinn vor uns liegt!

Gestern erzählte mir eine Französin, dass in ihrem Heimatdorf in der französischen Provence 93 % der Wähler*innen den rechtspopulistischen Rassemblement National gewählt haben. Dass sie bei solchen Zahlen Angst bekomme um ihr Land. Wenn ich an mein bevorstehendes Frankreich Studium denke, denke ich auch an Europa. Denke „Wie viele junge Europäer*innen nutzen die offenen Grenzen, den freien Personenverkehr Europas, um sich zu entfalten, um ihren Platz in Europa, oder in der Welt zu finden! Welch Freiheit!“

Die Welt liegt uns zu Füßen, habe ich das Gefühl. Oder zu Europa. Und seinem Frieden. Der Gesang liegt im Himmel, fällt mir als nächstes ein, wenn ich an das Gospelkonzert von gestern Abend denke. Ein Ohrwurm schleicht sich in meinen Kopf und erhöht die Helium Konzentration in meinem Körper…

 

We are a chosen generation
Called forth to show His excellence
All I require for life; God has given me
And I know who I am

We are a chosen generation
Called forth to show His excellence

All I require for life; God has given me
And I know who I am

I know who God says I am; What He says I am
Where He says am at; I know who I am
I'm working in power, I'm working miracles
I live a life of favor, Cause I know who I am
Ohh oh oh, oh oh oh
I know who I am

I am holy, I am righteous oh…
I am so rich, I am beautiful
I'm working in power, I'm working miracles
I live a life of favor, Cause I know who I am
Take a look at me, I'm a wonder
It doesn't matter what you see now
Can you see His glory, ‘Cause I know who I am
Ohh oh oh, oh oh oh
I know who I am

 

“I know who I am” – Sinach

https://www.youtube.com/watch?v=frtZ4XfoXxM

Durch das, was vor dir steht

Oder: die Geschichte von dem Titel meines Blogs

 

Vor gut einem dreiviertel Jahr befand ich mich in Berlin, und machte mir Gedanken über die wichtige Frage: wie sollte ich meinen Kulturweit Blog nennen?  Die Antwort fand ich außergewöhnlicher Weise recht schnell. Mir summte ein simpler Nebensatz durch den Kopf, den Michael Patric Kelly einmal von sich gegeben hatte: Er glaube, dass Gott sehr real sei, sehr realistisch […], und nicht immer durch außergewöhnliche, übernatürliche Wege zu einem spreche, sondern durch das, was vor einem stehe. Ich spielte die Sequenz noch einmal ab, um mir die Worte genau durch den Kopf gehen zu lassen. Ja, mit dieser Aussage konnte ich mich (mit meinem bis dato atheistischen, aber auch unreflektierten „Gottes- und Glaubensverständnis“) gut identifizieren. Automatisch begann ich nach Erfahrungen zu suchen, die die Aussage bestätigen oder widerlegen würden. Gott, der sich in dem Menschen befindet, der vor dir steht…

Natürlich hatte der Gedankengang etwas Paradoxes, scheinbar Unpassendes an sich: der allwissende, allmächtige Gott sollte sich in einem einfachen, unvollkommenen Geschöpf befinden? Ein Geschöpf, das weder allwissend, noch allmächtig war?

Doch geht es für mich bei der Aussage Kellys nicht um jene überweltlichen Attribute, die dem Menschen, der vor dir steht durch einen derartigen Vergleich zugeschrieben würden. Nein, es geht um ganz einfache, alltägliche, aber auch wichtige und besondere Attribute, die jene Menschen [in denen sich Gott befindet] repräsentieren. Es geht, um Liebe, um Nähe, um Vertrauen, und Wertschätzung, Dankbarkeit, Fürsorge, Mitgefühl. Wenn ich an Menschen denke, die vor mir standen [von denen ich sagen würde, ich habe durch ihre Liebe die Anwesenheit Gottes gespürt], denke ich an warmherzige Umarmungen, an liebevolle Berührungen, an Aufmerksamkeit und Zuspruch. Ich denke an unerwartete Emails und Briefe, an unerwartete Dankbarkeit und Glückwünsche. Ich denke an all diese Menschen, und an all die schönen, verbindenden Momente, die ich nicht vergessen werde. Ich denke daran, dass in diesen Menschen Gott steckt, denn vollkommener hätten die Momente mit ihnen nicht sein können. Durch sie erlebe ich ganz konkret, was Gott uns von seiner Liebe gibt. Ich brauche nur die Augen öffnen, und das [oder denjenigen Menschen] genießen, der vor mir steht.

„Durch das, was vor die steht“ beschreibt schließlich auch den Weg, der vor mir steht. Dieser Weg hängt wohl eng mit den Menschen, die vor mir stehen, zusammen. Denn sie zeigen mir, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde. Befände ich mich auf dem Falschen, wäre ich diesen Menschen wohl nicht begegnet. Aus diesen Menschen ziehe ich Kraft und Sicherheit für das [Unbekannte], was kommt.

Was zählt, ist nicht, dass ich diese Menschen wieder verlassen muss, sondern, dass ich ihnen begegnet bin, und dass dieser gemeinsame Moment jetzt zu mir gehört. Auch, wenn dies natürlich in der Situation des Verlassens jener Menschen schwer zu begreifen ist. Aber die Trauer gehört schließlich [wie die Wartezeit] auch dazu!

 

https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/koelner-treff/video-michael-patrick-kelly-saenger-100.html