Allez, la FIFA!

Wie schade, denke ich, die heutige Samstagsklausur findet ohne unsere Französinnen und Franzosen statt. Dabei hatte ich mich schon auf letzte französische Glückwünsche, Kraftumarmungen und Zuversichtsblicke eingestellt.

Ich überlege, ob ich die FIFA – mein 24-köpfiger deutsch-französischer Studiengang – auch zu Beginn des ersten Semesters als so kraftspendend empfunden habe. Ich erinnere mich an eine Situation während der Einführungswoche : durch Gespräche unter uns Deutschen wurde mir allmählich klar, dass wir zukünftig alle Fächer auf Französisch mit den Franzosen/innen haben werden. Eine für mich zum damaligen Zeitpunkt durchaus überfordernde Vorstellung. Während sich die Deutschen über meine Naivität, in einer Filière Franco-allemande nur mit Deutschen unterrichtet zu werden, amüsierten, versuchte ich meinen Schock zu verdauen. Ich sollte mich trauen vor zwölf Muttersprachlern zu reden, zu partizipieren, den Unterricht mit zu gestalten ? Aus der Einführungswoche war ich Anderes gewöhnt. So ein sprachliches Ungleichgewicht, dachte ich mir…wie unfair und wie überfordernd.

Jetzt wird mir bewusst, wie sehr dass Deutsch-französische mittlerweile zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Und wie sehr der Gruppenzusammenhalt uns alle davon abhält in eine tiefe, von unserer Vertrauenslehrerin prognostiziere, Depression zu verfallen – angesichts der bevorstehenden Klausuren. Die FIFA ist wie ein Netz, das mich auffängt, wenn mir schwindelig wird.

Die FIFA, das sind deprimierte Gesichter nach dem Wirtschaftsunterricht, gemeinsame Mittagessen und Shoppingtouren nach den Samstagsklausuren, lange Tanzabende, unkoordiniertes Barhopping und gesellige Soirées, viel Demotivation und viel Motivation, ein paar spannende kulturelle Diskussion, ein paar Tränen, lange Umarmungen, viel Glück, dass wir uns haben, und die Erinnerung an ein wunderschönes gemeinsames Wochenende…