Kirchenburg Geschichten

Für drei Wochen bin ich nun seit vergangenem Mittwoch an der grünen Kirchenburg in Hammersdorf, Rumänien. Den Weg zur Kirchenburg habe ich über mehrere Ecken und Fäden gefunden, ein Freiwilligendienst in Rumänien im Vorjahr, ein Umweltseminar, eine Pfarrerin…und schwups war die Idee geboren, für ein paar Wochen an der grünen Kirchenburg zu gärtnern. Wie es mit dem Gärtnern gelingt, wie mir die Kirchenburg gefällt, und was mir hier zu Sinnen kommt, werde ich in regelmäßigen Abständen an dieser Stelle erzählen. Meine Einträge sind nach Kräutern benannt, die ich im hiesigen Garten entdeckt habe. Die sollen ja nicht nur Heilkräfte haben, die Kräuter…

Viel Spaß beim Lesen – und vielleicht bis bald mal in Hammersdorf!

 

 

 

 

Rosmarin – Wind wie am Meer

Kommt von: ros marinus, und das heißt: Tau des Meeres

 

Der Wind rauscht durch Blätter und Gräser, warm wie in der Wüste und kraftvoll wie am Meer setzt er sich über die Mauern der Kirchenburg hinweg, dreht sich um sich selbst, um die Häuser, um die Kirche, und braust alles auf, was wehen kann. Ich wundere mich. Bin ich am Meer? Auf einer Düne am Strand? Dort zaubert mich der vertraute Wind gedanklich hin.

Die dicken Wände des Pfarrhauses braust er natürlich nicht auf, die bleiben regungslos, wuchtig vor dem Garten stehen. Während es draußen gefühlt 30 Grad warm ist, halten die Wände das Haus kühl. Ich staune über die gute Isolierung, die diese alten, weisen Wände schaffen.

Wenn ich morgens um kurz vor Sechs aufwache, zieht mich das Sonnenlicht aus dem Bett. Verschlafen begebe ich mich in den Garten, an meinen Platz zu den Kräutern, die ich von Unkraut befreien soll. Nacktschnecken sind noch da, Mücken fliegen ihre letzten Routen ab, Bienen, Hummeln und allerlei Insekten schlafen noch, die Katzen trotten müde vor sich hin und miauen nach Futter.

Die Sonne dreht. Wenn sie kopfüber steht, suche ich Schutz hinter den dicken Wänden. Später streicht mir der warme Meereswind durch die Haare, bringt etwas Frische in die brachliegende Wärme. Erschöpft falle ich abends ins Bett, geschützt von Wind und Wänden und Kirchenburg.