Je suis là

Die Kälte biss, floss beim Einatmen durch den ganzen Körper. Lara hätte lieber aufs Einlaufen verzichtet. Vor ihr lief Ann. Muskulöser als sie, koketter, die Haare zu einem Zopf zusammengebunden. Vor allem muskulöse Waden, die Lara schon am ersten Trainingstag aufgefallen waren. Knappe Hose, so dass es dezent sexy, nicht billig aussah. In derselben Farbe die Jacke, schwarz. Winddichte Jacke, funktional, professionell, sah toll aus.

Während Lara mit den anderen Mädels schnell in Kontakt kam, blieb Ann ihr fremd. Ann spielte gut Hockey, vielleicht am besten von allen, im Team gehörte sie zu den Lauten, vielleicht weil sie gut war, und weil sie Teamgeist hatte. Aber persönlich mit ihr ins Gespräch kommen, war nicht drin. Die Austausche, die sie hatten, waren einsilbig. Ein frecher Spruch, auf den ein Lachen folgte. Oder Kombination Lob und Lächeln. Glücklich. Wer Ann war, erfuhr Lara nicht.

Nach dem Einlaufen griffen sie ihre Schläger. Sie spielten eine Partie. Sich einheizen, um der Kälte zu trotzen. Ann war im gegnerischen Team. Manchmal lief Lara ihr hinterher, blockierte sie. Hinterherlaufen im Hockey war rein sportlich! Ein Mädchen des gegnerischen Teams war im Puckbesitz. Lara lief auf sie zu, wollte attackieren.

„Je suis là!“, rief eine Stimme von hinten. Zart. Hingebungsvoll. Es war ein Angebot, eine Versicherung. Mach dir keine Sorgen, du bist nicht allein. Sexy!, schoss es Lara durch den Kopf. Sie lachte über sich selbst, über ihre Empfindung. Sie lachte auch noch später am Abend. Und lachte in der Nacht als sie die Geschichte ihrem Mitbewohner erzählte. Und lachte im Bett als sie nicht einschlafen konnte. Am nächsten Morgen fühlten sich ihre Augen ausgetrocknet an. Ihre Glieder lädiert. Plötzlich ging die Tür auf. Ihr Mitbewohner fiel herein. Er war ein großer schmächtiger Kerl, der gut zuhörte, manchmal schmunzelte und selten, aber schön lachte. Er flötete in übertrieben hoher Stimmlage: „Je suis làà!“