Verhaltenstherapie im Garten

Basilikum

 

Über ihn wird gesagt: er vertreibe negative Energien

 

Jetzt ist es raus. All die Tage habe ich versucht, es geheim zu halten, mich möglichst unauffällig zu bewegen, möglichst unauffällig zu gestikulieren oder gar einen atypischen Ausdruck zu mimen, das Thema im Gespräch möglichst zu umgehen, oder wenn dies nicht möglich war, mich mit einer leeren Floskel aus der Situation herauszuwinden. Die ganze Reihe von Täuschungsmanövern war mir keineswegs leichtgefallen, immer auf der Hut, mich vorsichtig durch den Garten tasten, meine Emotionen im Zaum halten – weder Hysterie, noch Angst zum Vorschein dringen lassen!

Aber jetzt ist es raus. Cristi, einer der Gärtner schlussfolgerte ein paar Tage nach meiner Ankunft: „also eigentlich ist der Garten wirklich nichts für dich…“. Er war dabei auszuloten, mit welchen Tieren er mich ärgern könnte, welche Insekten mich anekeln, vor welchen Gartenbewohnern ich mich fürchtete, vor wem ich bei Sicht oder gar Berührungskontakt angsterfüllt davonrannte, wessen Anblick mich hysterisch aufschreien ließ. Kurz zuvor hatte er gefragt: „Und Schnecken? Was ist mit denen?“. Ich schüttelte entschieden den Kopf, als läge die Antwort einer solch existenziellen Frage auf der Hand!

Verwandte, Freunde und Bekannte wissen es nur zu gut: eigentlich bin ich animophob, oder zumindest insektophob! Sicher haben sich Zuhause in die Fassade schon Risse gebohrt, die infolge meiner Schreie entstanden sind, wenn sich im Keller eine Spinne bemerkbar machte. Ziemlich ironisch also, dass ich drei Wochen in einem mit Abermillionen Insekten und freilaufenden Tieren belebten Biogarten verbringe. Wie es mir mittlerweile damit geht? Ameisen schnipse ich routiniert von meiner Haut, Käfer puste ich unbeteiligt dorthin, von wo aus sie gekommen sind, Nacktschnecken umgehe ich gekonnt, über Spinnen verliere ich eine lässige Bemerkung, Katzen lasse ich auf unbestimmte Zeit mit mir schmusen. Nach zwei Wochen Gartenarbeit kann ich also behaupten: die Therapie ist angeschlagen!