Zwischen Niederrhein und Meeresdüne

Ich stehe am Fenster und schaue durch die Straßen meines kleinen Heimatdorfs. Ich sehe viel blau-grau, bläuliche Wolken, graue Dachziegeln, grauer Asphalt, weißblauer Himmel, graue Schornsteine. Was ich spüre, ist Wind. Wind liegt in der Luft. Er bläst sich auf, und fegt an Bäumen vorbei, über die vielen Felder meines Dorfs, sucht sich welche von den zahlreichen Ventilen, um zu entweichen. Ich versuche den Wind einzuordnen. War es immer so windig am Niederrhein? So windig wie am Meer, als würde ich gleich über die nächste Düne spazieren?

Witzigerweise habe ich mir dieses Bild als Kind öfters vorgestellt. Ich sehnte mich so sehr nach Meer, dass ich mir bei den täglichen Fahrradtouren zur Schule vorstellte, am Ende der Straße, die von meinem Zuhause wegführte läge eine Düne, und hinter dieser: das Meer. Leider blieb es nur ein Bild, was ich zeichnete. Vielleicht bringt der Klimawandel Veränderung. Vielleicht ist der starke Wind das erste Zeichen. Ich nehme mir vor, gleich durch die Straßen zu spazieren, und nachzuschauen…

Bis zur Grenze des holländischen Landes sind es 25 Autominuten. Bis zur nächsten Meeresdüne sind es zweieinhalb Stunden.

Ist es das, was ich vermisst habe in Iasi? Der sich aufblähende starke Wind, der die Luft meines Dorfes spürbar macht?  Ich bezweifle, dass der Wind so niederrheinisch ist. Womöglich fehlt mir die Erlaubnis über ein solches Urteil – nach 3 Monaten Exil.

Muss mich erstmal wieder einleben. Ein bisschen niederrheinische (und deutsche) Luft schnappen.

Himmelblau

Freya schwärmte von dem schönen, blauen rumänischen Himmel und erzählte mir von den Himmel-Fotos, die sie schoss. Hier ihr Gastbeitrag.

Ich erinnere mich an eine Situation mit meinem früheren Mitbewohner Valli in unserer Berliner Altbauwohnung. Wir saßen in der Küche und blödelten wie so oft herum. Ich sorgte für Stille. Wartete kurz ab, bis ich auch wirklich seine volle Aufmerksamkeit hatte. Wartete. Und sagte langsam mit einer theatralischen Armbewegung „Der Himmel ist blau.“ Wir waren erleuchtet.

Ich erinnere mich auch an das Bewerbungsgespräch beim PAD in Bonn. Mir wurde die Frage gestellt, welche deutsche Musik ich den Schüler*innen im Ausland zeigen würde, wenn sie mich danach fragten. Ich zählte wahllos deutsche Lieder auf. Und dann fiel mir das Lied „Himmelblau“ von den Ärzten ein. Ich sang eine Zeile

„[…] der Himmel ist blau, und der Rest deines Lebens steht vor dir […]“

Sie lachten.

 

https://www.youtube.com/watch?v=v_KfKRkPWF8