Nackt und transparent

Wenn es sich so anfühlt, das Aufwachen nach einem chirurgischen Eingriff, der einst tatkräftig und kalkuliert versuchte, es zu richten oder gar zu errichten, sodann will ich mich auf die Stelle ins Krankenhaus begeben, mich unter die Klingen werfen, zuvor bis aufs Nötigste enthüllen, ja, vielleicht gerade drum, tragen sie dort bloß weiße, luftige Gewänder, in denen es sich, so glaube ich, ausgezeichnet atmen lässt, und vielleicht gerade drum, sind sie auf der Straße so schichtenweise bunt ummantelt, dass einem gar schwindelig werden kann; nach so einem wundersamen Aufenthalt in der Chirurgie, in der man es wässrig schwenkte, behutsam massierte und Yo-Yo-flugartig in die Höhe schnellen ließ, da verweile es für einige Sekunden, ja, es suhle sich in einem mit Lammfell bedeckten Schaukelstuhl, mit ruhig anhaltendem Puls, wie ein Ausstellungsstück, nackt und transparent, sowie man es sezierte, das geerdete Herz.

El tradizione

Wahrscheinlich hast du‘s nie verstanden. Warum ich so unbedingt gemeinsam Brötchenholen gehen wollte. Ich lache heute noch über deinen verständnislosen Blick. Dein Knurren. Deine Genervtheit. ‚Wo ist der Sinn, zu zweit Brötchenholen zu gehen? Mach du doch in der Zeit das Rührei, deck doch den Frühstückstisch und ich gehe allein. Arbeitsteilung! Ist doch viel effektiver.‘ „Nein!“, hab‘ ich stur drauf beharrt. „Ich will zusammen Brötchenholen gehen.“ Bis ich dich hatte. Bis du nachgegeben hast. Hast‘s wahrscheinlich nie verstanden, was mir daran so sehr gefallen hat, an dem gemeinsamen Gang zum Becker. Warum es mich glücklich gestimmt hat. Nur mit dir zu zweit ein paar Worte zu wechseln. Verschlafen. Bevor alle anderen wach waren. Jeden Samstag. Das ist eine der schönsten Erinnerungen, die ich habe.

Nach unserem Zuhause

Du erzählst mir, du seist an Silvester in Berlin, und fragst mich, ob ich da auch in Town wäre. Verlockend, denke ich mir, du und Berlin. Ich könnte nicht sagen, wen ich mehr liebe, wer mich mehr an den jeweils anderen erinnert. Gibt es ein Berlin ohne dich? Gibt es dich ohne Berlin? Ich muss mir das Papier nochmal zu Hand nehmen, deine Schnörkelschrift, deine unverwechselbar hochgestochene, unaufdringliche Sprache, um dich mir in Erinnerung zu rufen. „Du […] von Zweifeln über die große Zukunft geplagt […] ich dagegen ebenfalls aufgeregt […], glücklich, weil ich das Gefühl hatte, dass nach langem Zögern mein Plan endlich aufgegangen war.“, schreibst du. Ich sehe dich neben mir, wie wir auf Fahrrädern durch die Münchener Sommernacht schlittern, damals liegt Berlin schon mehrere Monate hinter uns. Du versuchst mich davon zu überzeugen, dass München doch viel mehr ist, als die saubere, hygienische, schicke Spießerstadt, die als Berlinkontrast schon immer in meinem Kopf existiert hat. In den Münchener Nachthimmel rufe ich meine Zukunft, als hätte auch diese schon immer existiert.

Ich sehne mich nach dem Dielenboden. Nach dem penetranten Rauchgeruch im Treppenhaus. Nach  Lichtermeer, das die Gleise beleuchtet und Berlinreisende schon vor Ankunft im Hauptbahnhof empfängt. Nach versteckten, hinter dunklen Gassen liegenden Jazzkellern. Nach Winter, beißender Berlinerkälte. Nach unserem Zuhause

Zwischen Niederrhein und Meeresdüne

Ich stehe am Fenster und schaue durch die Straßen meines kleinen Heimatdorfs. Ich sehe viel blau-grau, bläuliche Wolken, graue Dachziegeln, grauer Asphalt, weißblauer Himmel, graue Schornsteine. Was ich spüre, ist Wind. Wind liegt in der Luft. Er bläst sich auf, und fegt an Bäumen vorbei, über die vielen Felder meines Dorfs, sucht sich welche von den zahlreichen Ventilen, um zu entweichen. Ich versuche den Wind einzuordnen. War es immer so windig am Niederrhein? So windig wie am Meer, als würde ich gleich über die nächste Düne spazieren?

Witzigerweise habe ich mir dieses Bild als Kind öfters vorgestellt. Ich sehnte mich so sehr nach Meer, dass ich mir bei den täglichen Fahrradtouren zur Schule vorstellte, am Ende der Straße, die von meinem Zuhause wegführte läge eine Düne, und hinter dieser: das Meer. Leider blieb es nur ein Bild, was ich zeichnete. Vielleicht bringt der Klimawandel Veränderung. Vielleicht ist der starke Wind das erste Zeichen. Ich nehme mir vor, gleich durch die Straßen zu spazieren, und nachzuschauen…

Bis zur Grenze des holländischen Landes sind es 25 Autominuten. Bis zur nächsten Meeresdüne sind es zweieinhalb Stunden.

Ist es das, was ich vermisst habe in Iasi? Der sich aufblähende starke Wind, der die Luft meines Dorfes spürbar macht?  Ich bezweifle, dass der Wind so niederrheinisch ist. Womöglich fehlt mir die Erlaubnis über ein solches Urteil – nach 3 Monaten Exil.

Muss mich erstmal wieder einleben. Ein bisschen niederrheinische (und deutsche) Luft schnappen.

Licht- und Schneeverhältnisse

Oder: von einer magischen Ruhe auf dem Fensterbrett

Hier der Blick aus meinem Fenster, der mich besonders in den letzten Zügen der Weihnachtszeit sehr ruhig und glücklich gestimmt hat. Die Morgen und Abende waren magisch. Um dieser Magie am besten beiwohnen zu können, suchte ich mir ein Plätzchen in meinem Zimmer, eine Ruhe-Ecke. Rutschte ganz nah an den Morgen und den Abend heran, der mich an jenen Tagen in der Vorweihnachtszeit empfing. Es war die breite Fensterbank, und die etwas unterhalb des Fensters angeschlossene Heizung, auf die ich mich mit einer Tasse Tee zum Ausspannen brachte. So trennte mich nur noch eine dünne Glasscheibe von den Morgen und Abenden. Zu den Abenden war alles dunkel (mit einem leisen Laternenlichtstrahl) – und Schnee war da. Zu den Morgen war durch die aufgegangene Sonne alles hell (mit ein paar Schattenecken) – und Schnee war da.

Schnee war immer da, in seiner Festigkeit und Masse, es fühlte sich an, als ob er endlos sei, als ob er Häuser und Landschaft verstummen ließe.

Und diese Ruhe ist ein Genuss.

Auch die Menschen verstummen.

Häuser, Bäume, Zäune, Brunnen scheinen tiefer in den Boden zu sinken.

Die Zeit scheint stehen zu bleiben.

Nur Sonnen- und Laternenlicht bewegen sich.

Ansonsten Stille.

Diese Magie.

Traumhaft.

Home

I was shown some wet eyes,
some little tears I was passed
to the back Until no one was left
To hug for good bye was I
waved to the trains
Arrival will be
Late was your
Hug made me
Loved was I
was called by my name
When I arrived in the night
I was greeted with much
laughter I was
remained silent with a
smile was talked to quite
a lot was helped with some
leaves and stones was listened to
Whatever story I was sharing
I was missed and asked
For I was speculated
Wherever place I could be
I was hugged very
Tight in the day
I was made a
Home In the time
I was absent
And I was let
through the door
When I was present
Again, In Romania

Tu me manques

Tu m’a manquée vraiment
Tu me manques encore
Cet instant j’aimerais te prendre dans mes bras
Je t’ai dit que je n’ai pas mal de pays
Mais mal de toi
J’ai pleuré, la tristesse
M’a entourée
Puis mes larmes
M’ont libérées
J’ai réfléchi ce que je préfère
Soit un mot d’échange
et le risque d’escalation
Soit le silence
Et l’absence
Puis j’ai osé parler à toi
Cet instant
J’étais près de toi
J’ai retenu mon souffle
Je pouvais plus respirer
Ca aurait été trop fort
Trop bruyant
Alors, j’ai décroché
Pour respirer
Justement
Respirer

https://www.youtube.com/watch?v=GSYnOeO5rdk