Ich trags in mir, das Glück

Ich will dir nicht zu nahetreten, aber du hast ein schönes Lachen, wollte sie sagen. Traute sich nicht, obwohl es eigentlich ihre Art war. Schonungslos ehrlich, indiskret, forsch. Aber bei dem Freund ihrer Freundin? Merkwürdig, dass sich das Kommentieren seines Lachens so intim anfühlte, so verboten. Vielleicht auch nicht. Vielleicht hätte sie genauso sein schönes Nachdenken, sein schönes Stirnrunzeln, sein schönes Abnicken kommentieren können. Wäre alles zu intim gewesen. Zu enthüllend.

Gelacht hätte er, hätte sie es kommentiert. Weich, burschenhaft, ein bisschen schelmisch. Hätte eine Fantasiewelt mit seinem kurzen, süßen Lachen betreten, das aus dem breiten Mund kippte. Eine Welt, die er in und auswendig kannte, in der er sich bewegte, mit liebender Güte, wie ein ahnungsloser Buddhist. Und jedes Mal, wenn er austrat, verriet sein Gesicht ‚Ich habs erfahren, in dieser Welt. Ich trags in mir, das Glück.‘

Sie hätte ihm erzählt, dass es nämlich das Lachen wäre, das die wahre Persönlichkeit zeigt. Ob das hysterisch ist, reif, zynisch, kindlich. Musst nur genau hinhören. Und sehen. Dann erfährst du, was manche erst sehen, wenn‘s schon zu spät ist, hätte sie gemeint, trocken. Wieder hätte er gelacht. Etwas unbehaglich, nicht so wie sonst. Aber trotzdem schön.

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