Scherz am Rande

Ein Junge und ein alter Mann saßen sich an einem Tisch im Café gegenüber. Die Nachmittagssonne lag auf den Schultern des Mannes, im Gesicht des Jungen. Der Mann erzählte, der Junge hörte zu. Zwischendurch pausierten sie. Tranken. Lecker schmeckte die süße Schorle, die der Junge bestellt hatte.

Der Kellner kam, und bat die beiden, ihre Daten zu hinterlassen. Es waren diese Zeiten, in denen man sich überall in Listen eintragen musste. Als Treuebeweis. Dem alten Mann ging’s auf den Sack.

„Die denken wieder, wir sind Vater und Sohn!“, stänkerte er, denn der Kellner hatte ihnen nur eine Liste gebracht. Der Junge lachte. Der alte Mann gluckste. Und wenn’s so wär? dachte der Junge, und lächelte den alten Mann an. Wie wäre ich dann? Wie wärst du dann?

Mindestens ein Instrument würd ich spielen, und Noten rückwärts lesen können, Freunde hätt ich, und ulkig wär ich, und ziemlich peinlich würd ich dich finden. Prahlen würd ich mit meinem Wissen. Und gähnen, wenn’s ne Premiere gäb.

So spekulierte er fort, bis der alte Mann den letzten Schluck seines Kaffees austrank und, so der Lauf der Dinge, aufstand. Er erzählte dem Jungen beherzt, was er noch zu tun hatte. Der Junge nickte.

„Kann ich das abräumen?“, fragte der Kellner. Der alte Mann bejahte. Und ehe der Kellner ein Wort von der Rechnung sprach, fügte der alte Mann hinzu: „mein Sohn zahlt!“

Der Scherz war wärmend. Der Junge schmiegte sich ins Lächeln des alten Mannes. Er hätte ihm gerne einen Scherz zurückgegeben. Vielleicht auch was Provozierendes. Was Pubertäres, wie es Söhne tun. Der Mann schien zufrieden mit dem Lächeln und ging. Der Junge war auch zufrieden.

Dann, als er schließlich alleine war, aufgewühlt, wütend auf den alten Mann, was dieser sich erlaubte. Wie er ihn nannte! Aus heiterem Himmel.

Er beruhigte sich, machte es sich auf dem sanften Scherz bequem, und genoss die Sonne. Er war berührt, als wär‘s kein Scherz gewesen.

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