Durch das, was vor dir steht

For you to say good bye

Abschied von dem einen auf den anderen Tag funktionierte nicht. Den Abschied zu vollziehen war eine Sache, ihn zu spüren eine andere. Der Moment des Abschiednehmens selbst war banal. Beiläufig. Es passierte, weil es hatte kommen müssen, so erzählte man. Es war schlank; man könnte sogar meinen kurz angebunden. Notgedrungen. Nein, schon das wäre zu bedeutungsvoll. Es war, als spazierte jemand vorbei und hob die Hand. Überhaupt war es ein Vorbeigehen. Kein Hasten. Kein Schleichen. Ein einfaches Gehen. Es passierte so beiläufig, dass es eben schlichtweg vollzogen war. Nicht gespürt. Vielleicht sollte es auch so sein, vielleicht ließ sich der Abschied nur alleine spüren. Jetzt, im Alleinsein, spürte es sich jedenfalls viel stärker, viel bedeutsamer. Vielleicht zu bedeutsam. Sowie es schmerzte. Es war überwältigend. Denn es war schließlich ein Abschied. Ja, es war einer.

Erst im Alleinsein war es möglich, das Vorbeisein zu spüren. Damals, und heute. Jetzt erst war es möglich, wirklich Abschied zu nehmen. Mal sehnsuchtsvoll. Mal gönnerisch. Mal heiter. Mal hysterisch. Mal mit geschlossenen Augen. Mal mit offenem Visier. Mal lachend und weinend zugleich. Schrill klang das. Mal mit weichem Herz. Immer wieder neu.

Das Seil rieb sich am Poller. Das Schiff wollte sich lösen. Und wieder nicht. Suchte den Halt in der vertrauten Bucht. Abschiednehmen war das sich reibende Seil am Poller. Es tat weh, je fester das Seil um den Poller schürfte, je weiter es sich aus seiner Flechtung löste. Es tat unfassbar weh. Man sagte, Dankbarkeit würde den Schmerz lindern. So ein Blödsinn! Dankbar sein zur Schmerzlinderung. Man sagte, dankbar sei dann, wenn absichtslos. Aha.

Abschiednehmen war da. Jetzt. Und Gestern. Und Morgen. Abschiednehmen waren keine Schlüsselmomente, wie man sich versuchte einzureden. Abschiednehmen war Zeit. Die verstrich.  

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