Auf Fahrrädern durch die Hermannstädter Festung

Oder: Eu, Noi und unsere Umwelt

Der eisige Wind wehte durch unsere Haare. Einige von uns stülpten sich Mützen oder Stirnbänder über, um sich für die Fahrt von der Hermannstädter- zur Öko-Festung in Gusterita zu wappnen. Voller Geschwindigkeit schossen wir das Gefälle hinunter und unter der Lügen-Brücke, dem Tor des kleinen Rings, hervor. Ein paar Minuten später standen wir auch schon mit unseren Fahrrädern vor einem anderen Ring, jener Mauer, welche die evangelische Kirche in Gusterita umgibt.

„Wir teilen Rumänien als unser gemeinsames Zuhause“

Wir, das sind 30 Jugendliche aus ganz Rumänien, die sich bei dem Projekt „Interkultural“ engagierten. Wir kommen nicht nur aus unterschiedlichen Städten, sondern bringen auch andere ethnische und kulturelle Hintergründe mit. Wir gehören verschiedenen Minderheiten und Mehrheiten an, teilen Rumänien aber alle (momentan) als unser gemeinsames Zuhause. Im Rahmen diverser Kennenlern-/Identitätsspiele und Freizeitbeschäftigungen, ob auf der Mülltrennungsanlage, beim oben beschriebenen Fahrradfahren, bei den gemeinsamen Mahlzeiten oder bei einem abendlichen Bierchen, traten wir miteinander in den Dialog und lösten (unbewusst) so gut es ging die Fremdheit, welche teilweise aufgrund unserer unterschiedlichen Hintergründe existierte.

„t’s too late to be a pessimist!“

Worum es bei unserem Projekt aber eigentlich ging, und was uns in diesem Sinne sicher nicht unterschied, sondern, was wir teilten, was uns miteinander verband, war die Umwelt, bzw. die an uns gerichtete Botschaft: wir alle teilen und profitieren von der Umwelt, und jeder Einzelne von uns ist mit verantwortlich für die Gestaltung unserer Lebenswelt. Wenn wir auch in 20 Jahren noch von Mutter Erde profitieren wollen, müssen wir etwas verändern. Dann müssen wir uns engagieren, denn: „It’s too late to be a pessimist!“ (Es ist zu spät ein Pessimist zu sein!), wie der Film „Home“ verdeutlicht.

„Wir tauchten ein in die inspirierende Welt von Hundeschützer*innen, Bäumeplanzer*innen, Umweltpädagogen*innen, Pfarrer*innen und Ökogartenbetreiber*innen…!“

Der Film bot den Einstieg in die einwöchige Seminarwoche (vom 21.-27.10.2018), in der wir uns zunächst mit ökologischen Problemen, Herausforderungen und Lösungsansätzen auf globaler, dann auf regionaler und schließlich auf individueller Ebene beschäftigen würden. Auf globaler Ebene sammelten wir Informationen zu Themen wie Resilienz, Nachhaltigkeit, Effizienz, Pharmakultur und Klimawandel. Auch erprobten wir Simulationsspiele, wie „Keep Cool“, um einen Eindruck zu bekommen, wie schwierig es ist teils widersprüchliche globale Interessen im Hinblick auf eine gemeinsame Umweltpolitik zu vereinen. Regional ging es dann mit Besuchen einer Mülltrennungsanlage, einer ökologischen Farm, und verschiedenen Vorstellungen einzelner engagierter Persönlichkeiten weiter. Wir tauchten ein in die inspirierende Welt von Hundeschützer*innen, Bäumeplanzer*innen, Umweltpädagogen*innen, Pfarrer*innen und Ökogartenbetreiber*innen…!

„Was werde ich ab Montag tun…?“

Und das führte uns schließlich zu der letzten Etappe: dem Ich. Was werde ich ab Montag tun, um einen positiven Einfluss auf die Umwelt zu haben? Was werde ich ab Montag tun, um meinen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren? Die Antworten fielen unterschiedlich aus. Es ging um die Reduzierung des Müllkonsums, um den Kauf von second-hand Klamotten, um eine Verringerung des Wasser- und Energiekonsums, um weniger Autofahren, stattdessen mehr Fahrradfahren!

Neun Stunden später öffneten wir die Tore der Öko-Festung, und schwangen uns auf die Sattel, ließen den eisigen Wind wieder durch unsere Haare streifen, und trudelten zurück in die Hermannstädter Festung. Wie erholsam und vor allem gesund Fahrradfahren doch ist, besonders wenn der Weg zu einer solch schönen, alten Festung führt!

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