Mich mitnehmen

Ich sitze gerade im Flugzeug. Noch stehen wir. Ein Baby hinter mir schreit. Die Sonne strahlt. Das übliche Sicherheitsgelaber ertönt aus den Lautsprechern. Englisch mit österreichischem Akzent. Es geht nach Vienna. Nur Begrüßung und Grußformel dringen in meinen Kopf ein. „Welcome on Board of flight number 0162 to Vienna […] We wish you a pleasant journey“. Das Flugzeug beginnt zu rollen. Das Kind vor mir hört auf zu weinen, ruft „Wir fliegen“, wird von der Mutter berichtigt. Jetzt summt mir ein Lied durch den Körper.

Ich bin für’s Rollen
Ich bin für’s Hin und Her im Schlaf und auch am Tag
Ich bin für's Rollen, bergab

Ich bin für's Wollen
Ich bin für mehr, für mehr auch nicht
Ich sag, ich bin für's Wollen
Du lachst

Ich will nicht wissen was nun oder was noch nicht ist
Lass uns nicht
Lass uns nicht sicher sein
Ich will nicht wissen was vielleicht oder vielleicht nicht ist
Lass uns nicht
Lass uns nicht sicher sein

https://www.youtube.com/watch?v=hEI-EIJ-SF0

Ich bin so ruhig. Als würde ich heute in die Schule fahren und völlig routiniert einen stinknormalen Schultag absitzen. Leer. Ich bin sehr momentan. Denke höchstens an Vergangenes, nicht aber an das, was vor mir steht. Für das, was vor mir steht, ist nur Leere da. Eine ruhige Leere. Und ich genieße, dass ich die Leere durch das Schreiben füllen kann. Dass ich keine Erwartungen hätte, war meine Antwort. Meine Antwort auf die, sich immer wiederholende, an meine „FSJ-Rumänien-Kulturweit-Dauer unbekannt-Zukunftserklärung“ anschließende Frage, ob ich mich denn freue. Ich empfinde nur Leere und Ruhe. Und ein paar Ängste und Sorgen, die aber nur meinem Verstand zugänglich sind, empfinde ich auch. Dieser kommentiert sie dann mit „aber das ist ja normal“. Dabei schoss mir noch vor einigen Tagen als ich vom Vorbereitungsseminar zurückkam das Adrenalin durch den Körper. Hibbelig lag ich auf dem Sofa. Nervös. Fragend. Jetzt: der Coolness-Zustand hat mich erreicht. Wir heben ab. Einfach genießen. Und mich mitnehmen, hatte mir Jemand gesagt. Das werde ich. Ich lasse mich nicht liegen am anderen Ende Europas. Höchstens eine Hand, um mich festzuhalten, oder einen Arm, um andere Arme erreichen zu können. Aber nicht mein Herz, das bleibt bei mir.

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