Was so los ist in Yaoundé

Nach dem Zwischenseminar wurde alles ein bisschen ruhiger. Einen Tag nach meiner Ankunft fand das Goethe-Decouverté-Konzert der Sängerin Joyce Babatunde statt. Ich war sehr begeistert! Sie hat eine enorm starke Stimme und wechselt ihre Tonlage ständig. Die Zuschauer waren wohl genauso begeistert wie ich. Immer wieder  wurde vor erstaunen geschrien und am Schluss gab es Standing Ovation. Leider gibt es von ihr noch nicht viel auf YouTube zu sehen. Am 9. Juni feierte ich dann mit ein paar Freunden meinen Geburtstag. Ich war das erste Mal in einem Club in Kamerun. Viel Unterschiede gibt es da zu Deutschland nicht, im Großen und Ganzen vielleicht die Art und Weise wie man tanzt. Statt in einer Tanz Area wurde einfach zwischen/auf den Stühlen und Tischen getanzt. Das hängt aber wahrscheinlich einfach von dem Club ab den man besucht. Ende Juni fanden dann drei große Projekte am Goethe-Institut statt: der Wettbewerb ,,10 jours pour 1 film/ 10 days for 1 film“, der Gamification Workshop ,,Enter Africa – Gamify your City Future“ und ein Fotografie Workshop für die Mitarbeiter des Goethe-Instituts. Besonders den Gamification Workshop fand ich sehr interessant und versuchte immer wenn ich Zeit hatte zuzuschauen. Es geht darum ein LBG Spiel zu erstellen, also aus dem gleichen Genre wie PokemonGo. Das Spiel beschäftigt sich mit der Zukunft Afrikanischer Länder: Ihrer Vergangenheit, ihrer Gegenwart und wohin sie sich einmal entwickeln könnten. Der Workshop findet auch in anderen Goethe-Instituten statt und am Ende sollen die Entwürfe aus den verschiedenen Ländern verbunden werden und als ein großes Spiel auf der Gamescom präsentiert werden. Blöderweise war der Fotografieworkshop parallel, aber auch der hat sehr viel Spaß gemacht und war interessant. Ich habe ein paar neue Sachen gelernt und konnte andere festigen. Es war auch einfach sehr entspannt mal wieder einen Workshop auf Deutsch bzw. Englisch zu haben, weil es mir sehr viel Energie kostet französischen Reden zu folgen.

Das letzte Goethe-Decouverté Event war das der Tanzgruppe Mawanda. Meine Wochenenden habe ich damit verbracht von Wilfried in Zeitungspapier eingepackt für sein Fotoprojekt zu modeln, an unserem Skulpturenprojekt weiterzuarbeiten und shoppen zu gehen. Am letzten Freitag war ich dann mit unserem Techniker Pipa in seinem Dorf. Er wollte mich eigentlich samstags auf eine Hochzeit mitnehmen, musste dann aber spontan arbeiten sodass ich mein Wochenende entspannt zuhause verbrachte. Das tat zur Abwechslung auch echt mal gut und ich fühle mich schon viel wacher.

Für Freitag mietete ein Filmteam den Saal des Goetheinstituts und wandelte ihn in ein Filmstudio um. Sie arbeiteten bis spät in die Nacht am Aufbau, nur für einen eintägigen Dreh. Das Büro von Edith und mir wurde in einen Umkleide- und Schminkraum verwandelt.

Mittlerweile sind wir bei dem Festival ,,Ecrans Noirs“ angelangt. Es ist ein sehr berühmtes, internationales Filmfestival in Yaoundé, das aber leider viel zu wenig Öffentlichkeitsarbeit macht. Das Programm bekam das Goethe-Institut als Partner erst einen Tag vor Festivalbeginn. Dementsprechend waren die Filmsäle leider sehr leer. In den Projektionen saßen oft nur 2-3 Zuschauer. Am Tag der Eröffnung gab es ein großes Event im Palais des Congrès. Wirklich schön hergerichtet war die Event Location nicht aber es gab einen roten Teppich und der wurde voller Stolz genutzt. Die Leute kamen in glitzernden Abendkleidern und ließen sich vor der Werbetafel fotografieren. Es wirkte alles sehr gekünstelt und nur dafür da, sich in seinem schönsten Kleid für Instagram fotografieren zu lassen und #roterteppich #VIP anfügen zu können. Der Abend war sehr kurz. Nach einer Stunde war das komplette Programm dann auch eigentlich schon durch und wir sind wieder nach Hause gegangen. Auf dem Programm stand unter Anderem die Projektion einer Folge der Serie ,,River Hôtel“, die mich an ,,Unter Uns“ oder ,,Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ erinnerte. Irgendwie ein komischer Auftakt für ein Festival, das sich sehr wohl auch mit sehr interessanten und guten Filmen beschäftigt. Aber das ist nur meine Meinung, weil ich das Genre einfach nicht sehr gerne mag.

  

Im Goethe-Institut liefen beispielsweise Projektionen von Filmen wie ,,Le Cameroun à´l’heure de Boko Haram“ von Grégoire Viau, der sich mit den aktuellen Terror Problemen in Kamerun beschäftigt, aber vorallem auch versucht positive Seiten Kameruns aufzuzeigen und Organisationen, die die Zukunft Kameruns positiv prägen können zu präsentieren. Dann war da noch ,,Burkinabe Rising“ von Lara Lee, der sich mit den Aufständen in Burkina Faso und der Kultur des Landes beschäftigt. Sehr gut hat mir auch der erste Film, den ich gesehen hatte gefallen: ,,Rêve Corrompu“ von Chantal Youdom. Der Film ist eine Mischung aus Dokumentar- und Spielfilm. Während der Geschichte wird immer wieder ein Soziologe eingeblendet, der über die Thematik spricht. Es geht um junge Kameruner, die auf dem Dorf aufgewachsen sind und nach Yaoundé reisen um Arbeit zu finden. Leider entpuppt sich das oft als kein leichtes Vorhaben. Mir hat der Film besonders gut gefallen, weil man etwas von Kamerun und dem Leben in der Hauptstadt sieht. Der Film präsentierte die Stadt sehr realitätsnah. Ich hatte bei vielen Filmen, das Gefühl, dass versucht wird Kamerun glamouröser oder auch westlicher darzustellen als es ist. Es werden oft nur die schönsten Häuser und Orte gefilmt und manchmal frage ich mich wo plötzlich die ganzen Leute von der Straße hin sind. Yaoundé hat sehr schöne Orte und ihren Scharm und das wird in ,,Rêve Corrompu“ auch gezeigt, die Stadt wirkt aber nicht verändert oder künstlich.

    

 

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