{"id":91,"date":"2011-02-18T07:12:24","date_gmt":"2011-02-18T06:12:24","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/patrick\/?p=91"},"modified":"2011-03-24T10:41:22","modified_gmt":"2011-03-24T09:41:22","slug":"14-besuch-von-zu-hause","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/patrick\/2011\/02\/18\/14-besuch-von-zu-hause\/","title":{"rendered":"Besuch von zu Hause"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Ich habe schon l\u00e4nger nichts mehr von mir h\u00f6ren lassen, daher f\u00e4llt es mir schwer, mich an all die Sachen, die inzwischen passiert sind, zu erinnern. Die letzten Wochen waren allerdings sehr ereignisreich und ich hatte kaum Zeit, zu schreiben. Anfang Januar, nachdem wir die Sch\u00fcler gepr\u00fcft und ihre Noten festgelegt hatten, endete der Deutschunterricht, um den Sch\u00fclern gen\u00fcgend Zeit f\u00fcr die wichtigen Pr\u00fcfungsf\u00e4cher wie Mathe, Chinesisch und Englisch zu lassen. Danach sollten dann die Fr\u00fchlingsferien beginnen, ich hatte also dort erst mal nichts mehr zu tun.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Meine Eltern waren indes mit meiner Schwester in Peking und Xi&#8217;an unterwegs und sollten am 7. Januar auch endlich nach Shanghai kommen. Ich fuhr also mit der U-Bahn zum internationalen Flughafen Pudong, was, obwohl ich in Pudong lebe, \u00fcber eine Stunde dauert-.- Meine Eltern kamen dann schlie\u00dflich mit ihrer kleinen Reisegruppe an und es gab ein herzliches Wiedersehen. Wir baten den Reisef\u00fchrer, mich ebenfalls im Bus mitzunehmen und fuhren zun\u00e4chst zum Hotel in der N\u00e4he des Bahnhofs. Auf der Fahrt musste ich mich sehr zur\u00fcckhalten, um dem Reisef\u00fchrer nicht die ganze Arbeit abzunehmen, da ich meiner Familie einfach einiges zu erz\u00e4hlen hatte. Im Hotel machten sich meine Eltern dann erst einmal fertig und wir erz\u00e4hlten uns gegenseitig, was wir erlebt hatten. Am Abend wollten wir mit Yilei und ihrer Familie essen gehen. Eigentlich war abgemacht, dass meine Eltern bezahlen. Ich war ja bereits mehrmals eingeladen worden und wollte mich auf diese Weise revanchieren und gleichzeitig meinen Eltern die M\u00f6glichkeit geben, mit einmal ein richtiges chinesisches Essen zu erleben. Das Restaurant war sehr sch\u00f6n und man hatte einen tollen Blick auf den Bund. Meine Familie bekam dann prompt einige Geschenke \u00fcberreicht, was meiner Mutter nat\u00fcrlich \u00e4u\u00dferst unangenehm war, w\u00e4hrend mein Vater sich wie ein Kind \u00fcber einen F\u00e4cher freute. Die Kommunikation klappte auch erstaunlich gut. Ich \u00fcbersetzte ein paar Brocken Chinesisch, Yileis Verwandtschaft sprach auch ein wenig Englisch und wenn gar nichts mehr ging, konnte Yilei schlie\u00dflich hervorragend Deutsch.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Das Essen selbst war sehr lecker, aber f\u00fcr meine Familie, die gerade erst aus Deutschland gekommen war, doch gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig. Von Aal \u00fcber Entenzunge, hinzu Qualle waren einige Gerichte dabei, die in der deutschen K\u00fcche doch eher seltener zubereitet werden. Aber man probierte nat\u00fcrlich brav alles was auf den Tisch kam. Noch bevor wir \u00fcberhaupt fertig gegessen hatten, lehnte sich Yilei zu mir her\u00fcber und teilte mir diskret mit, dass die Rechnung bereits beglichen sei. War meiner Mutter die Entgegennahme der Geschenke lediglich etwas unangenehm, zeigte sich jetzt auf ihrem Gesicht blankes Entsetzen. Es begann eine Diskussion dar\u00fcber, wer denn nun bezahlen solle. Yileis Familie beharrte darauf, dass wir nun einmal G\u00e4ste in China seien und sie daher selbstverst\u00e4ndlich bezahlen m\u00fcssten. Ich wusste eigentlich schon vorher, dass das passieren w\u00fcrde und hatte Yilei ausdr\u00fccklich gesagt, dass sie ihrer Verwandtschaft klarmachen solle, dass wir die Rechnung \u00fcbernehmen wollten. In China ist es aber unfassbar schwer, einem Gastgeber dieses \u201eRecht\u201c zu nehmen. Ich habe schon \u00f6fter die Erfahrung gemacht, dass viele Chinesen Ausl\u00e4nder als G\u00e4ste behandeln und unbedingt  ihren Pflichten als Gastgeber nachkommen m\u00f6chten. Nach einer Weile lenkten meine Eltern schlie\u00dflich ein, versicherten aber mehrfach, dass Yilei und ihre Familie, sollten sie nach Deutschland kommen, nat\u00fcrlich von uns eingeladen werden m\u00fcssten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Nach dem Essen fuhren wir noch schnell zu mir nach Hause, damit ich meinen Eltern zeigen konnte, wie ich so wohne und einige Sachen holen konnte. Meine Eltern wollten den Abend nat\u00fcrlich im Hotel ausklingen lassen, da es am n\u00e4chsten Tag ein Programm gab. Weil die Zeit aber knapp war und ich meiner Schwester auch noch das n\u00e4chtliche Shanghai zeigen wollte, fuhren wir beide gemeinsam in die Stadt, wo wir Jan Luis, Philipp und Felix treffen wollen, um gemeinsam feiern zu gehen. Wir hatten uns bereits vorher auf die G\u00e4steliste des M1nt setzen lassen, da der Club sehr exklusiv sein sollte. Tats\u00e4chlich traf man bereits am Eingang zahlreiche <span style=\"text-decoration: line-through\">nuttig<\/span> schick angezogene chinesische Damen, die sich um reich wirkende Expats dr\u00e4ngten. Im Eingangsbereich war dann tats\u00e4chlich das versprochene 19 Meter lange Haifischbecken, was auch recht cool war, aber die Haie waren selbstverst\u00e4ndlich nicht ansatzweise so gro\u00df, wie man gehofft hatte. Der Club selbst befindet sich im 24 Stock eines Shanghaier Hochhauses und man hat eine tolle Aussicht auf die Innenstadt. Die Einrichtung war sehr elegant, aber so richtig Stimmung kam bei mir nicht auf. Die Atmosph\u00e4re war einfach zu versnobbt und Drinks waren so horrend teuer, dass man sich die Stimmung nicht einmal antrinken konnte. Die meisten Cocktails kosteten \u00fcber 10 Euro und waren damit noch am unteren Ende der Skala angesiedelte. Wer seine Freunde mal so richtig verw\u00f6hnen will, kann hier auch eine 6 Liter Flasche irgendeines edlen Champagners f\u00fcr \u00fcber 30000 Euro kaufen. Meine Schwester wollte eigentlich auch lieber schlafen gehen, um f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag fit zu sein. Daher verabschiedeten wir uns von den anderen und fuhren wieder zum Hotel. Ich \u00fcbernachtete auf der Couch, um mir die lange Anfahrt am n\u00e4chsten Morgen zu sparen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Am n\u00e4chsten Tag machte ich dann das Ausflugsprogramm meiner Familie mit. Wir klapperten die g\u00e4ngigsten Sehensw\u00fcrdigkeiten ab und nahmen an einer Teezeremonie teil. Am Nachmittag bekamen wir ein wenig Zeit zum Bummeln und Shoppen auf der Nanjing Lu. Meine Mutter f\u00fchlte sich immer noch nicht wohl wegen der Geschenke, die Yileis Familie ihnen gemacht hatte und wollte deswegen zumindest eine Kleinigkeit besorgen. Wir kauften also Lindt-Schokolade und schlenderten dann ein bisschen durch die Seitengassen um die Hauptstra\u00dfe. Am Abend fuhren wir dann noch in einige andere Viertel der Stadt, sodass ich meinen Eltern einige Orte zeigen konnte, von denen ich schon erz\u00e4hlt hatte. Ich \u00fcbernachtete wieder im Hotel, da ich am n\u00e4chsten morgen mit zum Flughafen kommen wollte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Nach einem leckeren westlichen Fr\u00fchst\u00fcck im Hotel, machten wir uns auf den Weg zur Longyang Lu, wo wir den Transrapid zum Flughafen nehmen wollten. Die Strecke, f\u00fcr die ich beim ersten mal noch eine Stunde gebraucht hatte, legte der Maglev-Zug in l\u00e4cherlichen 8 Minuten zur\u00fcck. Mit einer H\u00f6chstgeschwindigkeit von 431 km\/h rasten wir durch Pudong und kamen komfortabel beim Flughafen an. Dort verabschiedete ich mich von meiner Familie und dem Rest der Reisegruppe, bevor ich dann alleine nach Hause fahren musste (mit der unfassbar langsam U-Bahn nat\u00fcrlich, weil der Transrapid 50 RMB kostet). Der Heimweg fiel mir schon relativ schwer und die teils h\u00e4ssliche Architektur Pudongs tat ihr \u00dcbriges, um mir die Lust an China ein wenig zu nehmen. Das hielt aber nicht lange an, da schlie\u00dflich Ferien waren und ich einiges geplant hatte um mich abzulenken. Noch am selben Nachmittag riefen meine Eltern an und teilten mir mit, sie s\u00e4\u00dfen am Flughafen fest, weil es einen technischen Defekt an der Maschine g\u00e4be und sie erst sp\u00e4ter wieder in Frankfurt landen w\u00fcrden.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe schon l\u00e4nger nichts mehr von mir h\u00f6ren lassen, daher f\u00e4llt es mir schwer, mich an all die Sachen, die inzwischen passiert sind, zu erinnern. 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