{"id":80,"date":"2011-01-05T10:37:58","date_gmt":"2011-01-05T09:37:58","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/patrick\/?p=80"},"modified":"2011-01-05T11:48:04","modified_gmt":"2011-01-05T10:48:04","slug":"schule-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/patrick\/2011\/01\/05\/schule-teil-2\/","title":{"rendered":"Schule Teil 2"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">An der Schule hat sich eigentlich nicht wirklich viel getan. Der Unterricht l\u00e4uft immer noch nach dem gleichen Schema ab (Text vorlesen und wiederholen lassen) und wird gelegentlich durch ein Lied oder Spiel aufgelockert. Im Dezember war ich wegen des Zwischenseminars, meines Visums und einigen Reisen l\u00e4ngere Zeit nicht da. Deswegen konnte ich mit den Sch\u00fclern leider nur wenig zu Weihnachten machen. Kurz bevor ich die Grenze nach Hongkong \u00fcberqueren wollte und mein chinesisches Handy in die Nutzlosigkeit verabschiedet h\u00e4tte, erhielt ich eine SMS von der Deutschlehrerin Xu Ya, die mich informierte, dass sie krank sei und ich, sobald ich wieder da bin, den Unterricht alleine gestalten m\u00fcssen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Ich beschloss die Gelegenheit zu nutzen und endlich mal ein paar andere Sachen auszuprobieren. Leider habe ich am Montag gleich die gr\u00f6\u00dfte und lauteste Klasse. Der Unterricht lief erwartungsgem\u00e4\u00df chaotisch ab und die Grammatik konnte ich in keiner Sprache wirklich vermitteln. Also zeigte ich einen Kurzfilm, den wir am Deutschlehrertag kennen gelernt hatten und der bei Jan Luis&#8216; Sch\u00fclern sehr gut angekommen sei. In den Film namens <\/span><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Onomatopoetikum<\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"> imitieren Menschen aus unterschiedlichen L\u00e4ndern Tierlaute. Dabei soll klar werden, dass es in verschiedenen Sprachen unterschiedliche Lautmalereien gibt, obwohl die Tiere \u00fcberall gleich klingen. Einige Sch\u00fcler fanden den Film zwar anscheinend ganz witzig, aber so richtig gut kam er auch nicht an. Eine anschlie\u00dfende Diskussion, wie am Deutschlehrertag angeregt, war nat\u00fcrlich auch nicht m\u00f6glich. Zum Schluss spielte ich einfach Galgenm\u00e4nnchen mit den Sch\u00fclern. Anstatt aber ernsthaft zu raten, z\u00e4hlten ein paar, die besonders clever sein wollten, einfach die Buchstaben und verglichen mit den gesch\u00e4tzten 30 W\u00f6rtern in ihrem Buch, die sie schon gelernt hatten. Also schrieb ich ein unbekanntes Wort an, woraufhin mir nur noch \u201ex, y, q, z\u201c etc. entgegen gerufen wurde. Jedes Mal, wenn ich einen weiteren Strich machte freuten sich die (12 j\u00e4hrigen!) Sch\u00fcler wie verr\u00fcckt und jubelten schlie\u00dflich als das M\u00e4nnchen endlich tot war. Im Vorfeld hatte ich \u00fcberlegt, ob man das Galgenm\u00e4nnchen nicht durch ein weniger grausames Bild ersetzen m\u00fcsse, weil uns gesagt wurde, dass Gewalt und Sex an chinesischen Schulen tabu seien&#8230;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Am Dienstag lie\u00df ich eine Klasse, die vor kurzem erst angefangen hat, ein Spiel spielen lassen, das Jan Luis auch schon ausprobieren konnte. Dabei sitzen alle Sch\u00fcler im Kreis und erhalten ein K\u00e4rtchen auf dem \u201eder\u201c, \u201edie\u201c oder \u201edas\u201c steht. Ich stand in der Mitte und habe ein Nomen gesagt. Diejenigen mit dem richtigen K\u00e4rtchen mussten dann aufstehen und Pl\u00e4tze tauschen. Ich habe mitgespielt, sodass wieder jemand \u00fcbrig blieb, der dann wiederum ein Wort sagen musste. Auf diese Weise sollten die Sch\u00fcler spielerisch die willk\u00fcrlichen Artikel der deutschen Sprache lernen. Um das Spiel zu erleichtern habe ich vorher mit den Sch\u00fclern W\u00f6rter gesammelt und an die Tafel geschrieben. Es hat relativ lang gedauert das Spiel zu erkl\u00e4ren und die ersten Runden liefen eher schleppend, weil einige Sch\u00fcler einfach nicht wussten, dass sie aufstehen mussten. Nach einer Weile lief es dann aber besser und die Sch\u00fcler arbeiten mal wieder an einem System um zu schummeln. Sie tauschten sich untereinander aus und schafften es so h\u00e4ufig Pl\u00e4tze in der N\u00e4he zu ergattern. Derjenige in der Mitte konnte nur hilflos zusehen wie immer wieder zwei Nachbarn hin und her tauschten und keiner durch den Raum lief. Um solche Absprachen zu unterbinden, lie\u00df ich regelm\u00e4\u00dfig die K\u00e4rtchen tauschen. Auf diese Weise musste auch jeder jeden Artikel lernen. Urspr\u00fcnglich wollte ich das Spiel nur als kurzen Energizer spielen und dann etwas anderes machen, aber die Sch\u00fcler haben mich f\u00f6rmlich angefleht weiterzumachen und so spielten wir die gesamte Doppelstunde lang.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Mit den anderen Klassen habe ich diese Spiele dann mal mehr mal weniger erfolgreich wiederholt. In der letzten Klasse trauten sich sogar einige Sch\u00fcler, etwas zu dem Film zu sagen, leider auf Englisch und nicht auf Deutsch versteht sich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Inzwischen ist der omin\u00f6se Direktor, der die letzten Monate in Hainan verbracht hat, wieder da. Shi Shi, eine andere Lehrerin, hat versprochen, ihn mal wegen einer Deutsch-AG  anzusprechen. Allerdings muss ich vermutlich nochmal selbst nachfragen, weil ich bisher keine Antwort bekommen habe.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Diese Woche haben wir die Sch\u00fcler m\u00fcndlich gepr\u00fcft, um ihnen eine Halbjahresnote geben zu k\u00f6nnen. Sie mussten einen Text vorlesen und danach ein paar Fragen beantworten. Zun\u00e4chst half ich Xu Ya nur ein bisschen, aber als wir merkten, dass die Zeit knapp wird, haben wir die Klasse aufgeteilt. Eine H\u00e4lfte wurde von ihr gepr\u00fcft, die andere von mir. Ich musste dabei auch Noten verteilen. Das ist gar nicht so einfach. Am Anfang wusste ich nicht genau, was ich als Ma\u00dfstab anlegen sollte, aber Xu Ya wusste auch nicht so recht, welche Noten angemessen sind. In China kriegt man Noten von 0 bis 100, wobei (grob) alles \u00fcber 90 als sehr gut, alles \u00fcber 80 als gut, alles \u00fcber 70 als noch in Ordnung und alles \u00fcber 60 als gerade so bestanden gilt. Darunter f\u00e4llt man durch. (keine Garantie auf diese Angaben, die Lehrerin war sich selbst nicht sicher) Wir lie\u00dfen aber keinen Sch\u00fcler durchfallen und verteilten Noten zwischen 70 und 100. Wenn ein Sch\u00fcler fl\u00fcssig vorlesen konnte, eine gute Aussprache hatte, die Frage verstand und grammatikalisch und inhaltlich korrekt beantworten konnte, bekam er eine Note im 90er Bereich. Gelegentlich korrigierte Xu Ya die Note auch nach oben oder unten, wenn ein Sch\u00fcler im Unterricht positiv bzw. negativ aufgefallen war. Ich bin froh, dass die Noten jetzt verteilt sind. Es ist unheimlich schwer, gerechte Noten zu geben, weil man gerade in gro\u00dfen Klassen die Leistung eines Einzelnen nur schwer evaluieren kann und man stets darauf achten muss, das Verh\u00e4ltnis zu wahren. Au\u00dferdem haben unterschiedliche Klassen auch unterschiedliche Niveaustufen und man muss daher die Anforderungen entsprechend anpassen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">N\u00e4chste Woche sind Pr\u00fcfungen und Deutsch f\u00e4llt aus, um Zeit f\u00fcr die \u201eechten\u201c F\u00e4cher Mathe, Englisch und Chinesisch zu machen. Danach sind dann erst mal Ferien. In dieser Zeit habe ich einige Reisen geplant, m\u00f6chte aber auch das Fr\u00fchlingsfest mit einer chinesischen Freundin, die ein Jahr an meiner Schule in Deutschland war und in Shanghai lebt, feiern. Die meisten, die das hier lesen kennen Yilei eh, also schreibe ich diese Erl\u00e4uterung gerade nur f\u00fcr meinen eventuellen Nachfolger (falls er nicht schon aufgegeben hat und nach den ersten Beitr\u00e4gen festgestellt hat, dass dieser Blog keine n\u00fctzlichen Informationen enth\u00e4lt xD)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Dieses Wochenende kommen aber erst mal meine Eltern mit meiner Schwester zu Besuch. Leider sind sie nur kurz hier, aber dazu schreibe ich in einem anderen Eintrag mehr.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An der Schule hat sich eigentlich nicht wirklich viel getan. Der Unterricht l\u00e4uft immer noch nach dem gleichen Schema ab (Text vorlesen und wiederholen lassen) und wird gelegentlich durch ein Lied oder Spiel aufgelockert. Im Dezember war ich wegen des Zwischenseminars, meines Visums und einigen Reisen l\u00e4ngere Zeit nicht da. 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