{"id":111,"date":"2011-06-01T08:59:43","date_gmt":"2011-06-01T06:59:43","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/patrick\/?p=111"},"modified":"2011-06-02T16:10:42","modified_gmt":"2011-06-02T14:10:42","slug":"taiwan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/patrick\/2011\/06\/01\/taiwan\/","title":{"rendered":"Taiwan"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><em>Im Folgenden werde ich der Einfachheit halber die Volksrepublik China (PRC) als China und die Republik China (ROC) als Taiwan bezeichnen. Das ist ganz streng genommen nicht korrekt, wird aber in der Umgangssprache oft gemacht, da Taiwan einen Gro\u00dfteil des Staatsgebietes der ROC stellt und das Land de facto unabh\u00e4ngig ist. Dazu sp\u00e4ter mehr.<\/em><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Nachdem ich im M\u00e4rz mein neues Visum bekommen habe, das mir mehrere Einreisen erm\u00f6glicht, hatte ich endlich auch die M\u00f6glichkeit das Land zu verlassen und anschlie\u00dfend wieder reingelassen zu werden. Als dann der Montag nach dem Tag der Arbeit frei war, fragte ich, ob ich noch zwei Tage extra frei bekommen k\u00f6nne, um nach Taiwan zu fahren. Hiroki, den ich in Sichuan kennengelernt hatte, arbeitete n\u00e4mlich inzwischen an einem Hostel in Taipei und so h\u00e4tte ich die M\u00f6glichkeit ihn noch mal zu treffen und auch Taiwan mal kennenzulernen. Da das alles etwas spontan war, waren die Preise f\u00fcr Flugtickets, als alles sicher, war leider schon rasant angestiegen. Wer geographisch ein bisschen bewandert ist, wei\u00df nat\u00fcrlich, dass Taiwan eine Insel ist, was im Allgemeinen ein Problem f\u00fcr Z\u00fcge ist. Ich entschloss mich also in die Provinz Fujian nach Xiamen zu fahren und von dort eine F\u00e4hre zu nehmen. Auf diese Weise k\u00f6nnte ich auch diese Gegend mal ein bisschen kennenlernen. Mir wurde n\u00e4mlich gesagt, es sei dort sehr sch\u00f6n. Ich fuhr am Donnerstag morgen mit dem Schnellzug nach Xiamen und wollte dort dann eine Nacht verbringen. Die Schnellz\u00fcge unterscheiden sich sehr von den Z\u00fcgen, die ich bisher so genommen habe. Sie sind modern, relativ schnell und komfortabel. Leider sind sie aber auch deutlich teurer, was wieder dadurch ausgeglichen wird, dass man einiges an Zeit spart und man auch oft nicht im Zug schlafen muss.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">In Xiamen angekommen machte ich mich dann auf die Suche nach meinem Hostel und verbrachte dann den Nachmittag mit einem Strandspaziergang. Am Abend schlenderte ich dann noch ein bisschen durch die gr\u00f6\u00dfte Fu\u00dfg\u00e4ngerzone der Stadt. Xiamen war fr\u00fcher \u00e4hnlich wie Shanghai ein Anlaufpunkt f\u00fcr viele ausl\u00e4ndische M\u00e4chte, die versuchten, dort einen wichtigen Handelspunkt zu errichten. So wie bei Shanghai hat das zwar nicht wirklich geklappt, aber die stark europ\u00e4isch gepr\u00e4gte Architektur der Stadt zeugt noch immer von diesem Erbe.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Am zweiten Tag wollte ich dann morgens das Ticket f\u00fcr die F\u00e4hre nach Keelung kaufen. Nachdem ich nach langem Suchen endlich das internationale \u201eFerry Terminal\u201c gefunden hatte, fiel mir ein, dass ich mir nie die M\u00fche gemacht hatte, den Namen meines Zielortes auf Hochchinesisch nachzuschlagen. In Taiwan benutzt man n\u00e4mlich nicht wie in China das Pinyin-System f\u00fcr die Transkription von Ortsnamen. Die Chinesen am Schalter konnten mit Keelung nat\u00fcrlich nichts anfangen und wollten mich kurzerhand auf die taiwanesische Insel Jinmen schicken, da dort viele Touristen hinfahren. Nach einer Weile merkten sie aber, dass ich nach Jilong wollte.  So wird Keelung n\u00e4mlich auf Mandarin ausgesprochen. Die F\u00e4hre sollte erst am Abend ablegen also fuhr ich zur\u00fcck in die Stadt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Vor Xiamen liegt die Insel Gulangyu (Xiamen liegt eigentlich selbst schon auf einer Insel). Dort haben sich Europ\u00e4er niedergelassen und einen kleinen Ort mit beinahe mediterranem Flair gegr\u00fcndet. Einen derart bizarren Mix aus chinesischer Kultur und westlicher Architektur hatte ich seit Macau nicht mehr gesehen, wobei Macau eben doch noch eine Gro\u00dfstadt war, w\u00e4hrend Gulangyu sehr beschaulich ist. Der Ort ist au\u00dferdem noch f\u00fcr seine hohe Dichte an Pianisten bekannt. Etliche namhafte Musiker stammen von der kleinen Insel. Es gibt sogar ein Klavier- und ein Orgelmuseum, sowie eine Hochschule f\u00fcr Musik. Xiamen ist bei chinesischen Touristen \u00e4u\u00dferst beliebt, Westler hingegen trifft man seltener an. Insgesamt fand ich es wirklich sch\u00f6n dort und es war fast ein bisschen schade, dass ich schon weiter musste. Aber schlie\u00dflich hatte ich mein Ticket ja bereits gekauft und freute mich auch schon endlich Taiwan kennenzulernen. Ich holte mein Gep\u00e4ck vom Hostel ab, fuhr wie<span style=\"color: #000000\">der zur\u00fcck zum Hafen und tauschte schon mal ein bisschen chinesisc<\/span>hes Geld in taiwanesische \u201eNew Taiwan Dollars\u201c (NTD) um.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">An dieser Stelle sollte ich vielleicht einen kleinen geschichtlichen und politischen Exkurs machen, um die Situation Taiwans zu erl\u00e4utern. Das Ganze ist ziemlich komplex und ich kenne mich auch nur so mittelm\u00e4\u00dfig aus, deswegen gibt&#8217;s nur eine knappe Zusammenfassung. Die Republik China und die Volksrepublik China, obwohl beide sich China nennen, sind de facto unabh\u00e4ngige Staaten und haben daher auch unterschiedliche Systeme: andere Gesetze, W\u00e4hrung selbst die Sprache ist nur bedingt gleich. In Taiwan gelten n\u00e4mlich neben Mandarin auch noch einige andere Dialekte als Amtssprache. Um zu erkl\u00e4ren, wie sich die beiden L\u00e4nder so von einander weg entwickelt haben, muss man etwas ausholen. Wie ich bereits geschrieben habe, geh\u00f6rt die Mehrheit der Chinesen zu den Han. Nun wurde die letzte Dynastie Chinas, die Qing-Dynastie<span style=\"color: #ff0000\"> <\/span><span style=\"color: #000000\">von den Mandschuren aus dem Norden gestellt, die China erobert hatten. Die chinesischen M\u00e4nner wurden gezwungen Z\u00f6pfe zu tragen, wie es in der Mandschurei \u00fcblich war und waren pl\u00f6tzlich nicht mehr Herren ihres eigenen Landes. Das Volk f\u00fchlte sich unterdr\u00fcckt und erniedrigt und war mit der Obrigkeit im Allgemeinen unzufrieden. Im Oktober 1911 kam es dann schlie\u00dflich zur Revolution und Dr. Sun Yat-sen, der die nationalistische \u201eKuomintang\u201c (KMT) anf\u00fchrte, wurde zum Pr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt. Am 1. Januar des n\u00e4chsten Jahres rief man die Republik China aus. In den 20er Jahren kam es allerdings zu Unruhen und ein B\u00fcrgerkrieg zwischen der KMT und der 1921 gegr\u00fcndeten Kommunistischen Partei (KPCh) brach aus. Sun Yat-sen starb 1925 und Chiang Kai-shek trat seine Nachfolge an, w\u00e4hrend die Kommunisten von Mao Zedong angef\u00fchrt wurden. Es kam zu allerlei Machtk\u00e4mpfen und die Hauptstadt der Republik wurde mehrmals verlegt. Zu dieser Zeit geh\u00f6rte die Insel Taiwan gar nicht zum Staatsgebiet Chinas sondern wurde von den Japaner besetzt. Erst im Jahr 1945 kehrte Taiwan zu China zur\u00fcck. Bereits vier Jahre sp\u00e4ter setzten sich schlie\u00dflich die Kommunisten unter Mao Zedong durch und die KMT musste sich 1949 auf die Insel Taiwan zur\u00fcckziehen. Dort erkl\u00e4rten sie Taipei zur provisorischen Hauptstadt der Republik China, beanspruchten aber weiter das Festland als Staatsgebiet der Republik und sahen sich als die einzig legitime chinesische Regierung. Die eigentliche Hauptstadt sei Nanjing. Die Kommunisten in Peking auf der anderen Seite riefen die Volksrepublik China aus wollten das andere China ebenfalls nicht anerkennen und beharrten darauf, dass es sich um eine abtr\u00fcnnige Provinz handele. De facto entstanden also zwei Staaten, die sich beide als China bezeichneten. Sowohl politisch als auch wirtschaftlich entwickelten sich die beiden L\u00e4nder sehr unterschiedlich. Taiwan entwickelte sich bald zu einem der \u201easiatischen Tigerstaaten\u201c und wurde immer wohlhabender, w\u00e4hrend China mit Armut und den Folgen der Kulturrevolution k\u00e4mpfen musste. Nat\u00fcrlich hat die Volksrepublik im Westen teilweise einen eher m\u00e4\u00dfigen Ruf. Die Republik China hingegen ist die \u00e4lteste \u00fcberlebende Republik Ostasiens. (6 Jahre \u00e4lter als jeder Versuch der \u201eVorzeigedemokratie\u201c Deutschland). Man sollte allerdings nicht vergessen, dass die KMT bis zu den 70er Jahren genauso diktatorisch herrschte wie die KPCh in China und, dass erst allm\u00e4hlich Reformern die Gr\u00fcndung anderer Parteien \u00fcberhaupt erlaubte. Das Land demokratisierte sich nach und nach und in den 90er wurden erstmals direkte Pr\u00e4sidentschaftswahlen abgehalten. Im Jahr 2000 konnte sich mit der \u201eDemocratic Progressive Party\u201c (DPP) erstmals eine andere Partei als die KMT bei den nationalen Wahlen durchsetzen. Der Konflikt zwischen Taiwan und China besteht bis heute und es hat sich vor allem f\u00fcr Taiwan daraus eine sehr spezielle Situation entwickelt. Da China etwa 70 mal so viele Einwohner hat wie Taiwan und wirtschaftlich immer weiter w\u00e4chst, f\u00e4llt Taiwan trotz des Reichtums mit seinen 20 Millionen Einwohner weltweit kaum ins Gewicht. Die Volksrepublik, die 1971 Taiwans UN-Sitz f\u00fcr China \u00fcbernommen hat, weigert sich mit irgendeinem Land diplomatische Beziehungen aufzunehmen, das Taiwan als souver\u00e4nen Staat anerkennt. Deswegen haben nur einige wenige Nationen offizielle Beziehungen zu Taiwan und die meisten gr\u00f6\u00dferen Wirtschaftsm\u00e4chte unterhalten nur inoffizielle Beziehungen. Statt echter Botschaften dienen deswegen oft andere Institutionen, wie das \u201eAmerican Institute in Taiwan\u201c als Auslandsvertretung und nehmen alle Pflichten einer Botschaft war. W\u00e4hrend man sich in China dank Propaganda weitgehend einig ist, dass Taiwan endlich zur\u00fcckkommen solle, sind sich die Menschen dort nicht einig, wie die politische Zukunft ihres Landes aussehen soll. Einige \u00e4ltere Leute sehen das Festland als Teil der Republik China und pl\u00e4dieren f\u00fcr eine Wiedervereinigung, andere haben sich mit der 2-China-L\u00f6sung abgefunden. Viele Jugendliche hingegen sehen sich schon nur noch als Taiwaner und nicht mehr als Chinesen und schaffen so langsam eine neue nationale Identit\u00e4t. Wie gesagt sind die Meinungen gespalten und es gibt verschiedenste Ans\u00e4tze.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Jetzt sollte ich aber wieder auf meine eigentliche Reise zur\u00fcck kommen. Wie gesagt tauschte ich schon etwas Geld um und ging dann an Bord. Das Schiff war relativ gro\u00df und die Betten halbwegs komfortabel. Ich war der einzige Ausl\u00e4nder an Bord und in meinem 6-Bett-Zimmer war au\u00dfer mir nur noch ein Chinese. Da ich auch mal aufs Deck gehen wollte, fragte ich das Personal, ob es m\u00f6glich sei, meine Sachen irgendwo einzuschlie\u00dfen. Das ging leider nicht und ich bekam nur einen Schl\u00fcssel f\u00fcr mein Zimmer gegen 100 RMB Pfand. Allerdings gab es nur diesen einen Schl\u00fcssel, was bedeutete, dass ich ihn nicht benutzen k\u00f6nnte, ohne mich mit meinen Mitreisenden abzusprechen. Ich ging also zur\u00fcck und versuchte mit dem einzigen anderen Reisenden zu sprechen, der in meinem Zimmer war. Als dieser aber den Schl\u00fcssel sah br\u00fcllte er mich zun\u00e4chst erst mal in zugegebenerma\u00dfen recht gutem Englisch an, wof\u00fcr ich denn einen Schl\u00fcssel brauche: Schlie\u00dflich sei es in China doch absolut sicher weil doch im Gegensatz zu \u201emeinem Land\u201c hier der Kommunismus herrsche und es die Todesstrafe g\u00e4be. Au\u00dferdem h\u00e4tten wir ja schlie\u00dflich das g\u00fcnstigste Ticket erstanden und h\u00e4tten damit kein Anrecht auf Privatsph\u00e4re oder Sicherheit. H\u00e4tte ich das gewollt, h\u00e4tte ich doch ein eigenes Zimmer nehmen sollen. Wenn er mal rauchen wolle, wolle er mich nicht erst fragen m\u00fcssen. Mit seinem letzten Punkt hatte er nat\u00fcrlich recht, deswegen wollte ich ja mit ihm reden. Ich hatte jedenfalls nicht vor ihn einfach ein- oder auszusperren, aber ihm war das egal, da er sich ja schon warm geredet hatte. Er betonte noch ein paar mal wie sicher es doch hier sei und sagte dann, dass ich, wenn ich Angst h\u00e4tte und hundertprozentige Sicherheit haben wolle, nicht reisen und stattdessen zu Hause bleiben solle, was genau genommen ein Widerspruch zu seiner vorherigen Aussage war. Ich sagte ihm, dass ich lediglich ein paar einfache Vorsichtsma\u00dfnahmen ergreifen wollte, um zu verhindern, dass ich mir regelm\u00e4\u00dfig neue Sachen kaufen muss. Meine Kamera ist mir schlie\u00dflich auch durch meine Unachtsamkeit gestohlen worden. Darauf fragte er w\u00fctend, warum ich denn eine Kamera brauche. Ich solle doch einfach nur mich selbst und meinen Pass mitbringen. Ich h\u00e4tte ihm erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, warum Kameras eine tolle Erfindung sind, vor der ein alter Mann wie er sich nicht f\u00fcrchten muss, und dass die Daheimgebliebenen sich gelegentlich \u00fcber das ein oder andere Bild freuen, aber ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon resigniert und beschlossen, bis ihn bis zum Ende der Fahrt zu ignorieren.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"color: #000000\">Schlafen konnte ich leider nicht sehr gut, aber so hatte ich zumindest die M\u00f6glichkeit am n\u00e4chsten Morgen ein bisschen Zeit auf Deck zu verbringen. Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck hielt ich oben nach dem Festland Ausschau. Um 8 Uhr, nach etwa 14 Stunden Fahrtzeit konnte man dann auch endlich erst ein paar Fischerboote und dann das taiwanesische Festland sehen. Ich unterhielt mich in der letzten halben Stunden noch mit einem Taiwaner. Als wir im Hafen einliefen und durch die Passkontrolle gegangen waren, half er mir sogar noch, den Bahnhof zu finden. Der war zwar nur etwa 100 Meter entfernt, aber er bestand darauf, dass sein Vater, der ihn mit dem Auto abholte mich dorthin fahren k\u00f6nne. Also stieg ich ins Auto und lie\u00df mich nach einer Minute Fahrt wieder absetzen. Der hilfsbereite Taiwaner kam sogar noch mir und kaufte ein Ticket f\u00fcr mich. Er wollte nicht mal die 40 NTD (der Wechselkurs ist etwa 1 RMB = 4,5 NTD oder 1 Euro = 40 NTD), zur\u00fcck haben und verabschiedete sich, nachdem er sichergestellt hatte, dass ich eine Unterkunft hatte. Mit einem Regionalzug fuhr ich dann noch eine dreiviertel Stunde in die taiwanesische Hauptstadt Taipei.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Mit der U-Bahn ging es dann weiter zu meinem Hostel. Zun\u00e4chst konnte ich das Hostel  nicht finden, also fragte ich einige Leute. Leider schien mich niemand zu verstehen und ich dachte, dass meine Aussprache vielleicht nicht so gut war. Sp\u00e4ter erfuhr ich aber, dass man in Taiwan das Wort f\u00fcr Hostel, das ich aus China kannte einfach nicht kennt. Das ganze Konzept einer Jugendherberge ist anscheinend vielen (vor allem \u00e4lteren) Taiwanern fremd und man \u00fcbernachtet eben in Hotels. Als ich nach einer halben Stunde immer noch nichts gefunden hatte, beschloss ich einige Ausl\u00e4nder zu fragen, da ich hoffte, dass sie vielleicht auch G\u00e4ste waren. Es handelte sich um Australier, die beruflich in Taipei waren und eine eigene Wohnung hatten, aber sie waren so nett, mich in ihre Wohnung zu lassen, um im Internet nachzuschauen. Ich hatte offensichtlich den letzten Satz der Wegbeschreibung \u00fcbersehen und konnte deswegen das Hostel nicht finden. Mit der jetzt korrekten Beschreibung war es aber kein Problem mehr. Hiroki war, wie er mir vorher geschrieben hatte nicht da und w\u00fcrde erst in einigen Tagen wiederkommen. Deswegen beschloss ich nur eine Nacht zu bleiben und am n\u00e4chsten Tag gleich weiterzufahren und einen anderen Teil des Landes zu erkunden.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"color: #000000\">Zun\u00e4chst machte ich mich aber auf in Richtung Stadt. Als erstes schaute ich mir nat\u00fcrlich das Taipei 101 an, das mit seinen 508 m struktureller H\u00f6he das zweith\u00f6chste Geb\u00e4ude der Welt ist und sogar das World Finacial Center in Shanghai \u00fcberragt. Das Geb\u00e4ude dominiert die Skyline Taipeis komplett, da die Stadt ansonsten anders als viele Chinesische St\u00e4dte eher flach ist. Das liegt, wenn ich richtig informiert bin, daran, dass Taiwan genau wie Japan in einer Erdbebenregion liegt und hohe Geb\u00e4ude durch entsprechenden Vorkehrungen abgesichert werden m\u00fcssten. Von diesem Zeugnis der Modernit\u00e4t des Landes lief ich weiter zur Sun Yat-sen Memorial Hall, die der Geschichte des Landes gewidmet war. Im Chinesi<\/span><span style=\"color: #000000\">schen hei\u00dft die Halle \u201e<\/span><\/span><span style=\"font-family: 'Arial Unicode MS'\"><span style=\"color: #000000\">\u56fd\u7236\u7eaa\u5ff5\u9986\u201c<\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"color: #000000\">(guofu jinianguan) also Landesvater Ged\u00e4chtnishalle. W\u00e4hrend Mao Zedong und Chiang Kai-shek eigentlich nur in jeweils einem der beiden L\u00e4ndern verehrt werden, genie\u00dft Sun Yat-sen Anerkennung in der ROC und der PRC. In China kennt man ihn unter dem Namen Sun-Zhongshan und hat \u00fcberall Stra\u00dfen, Parks und andere Dinge nach ihm benannt. Das Geb\u00e4ude selbst ist ziemlich gro\u00df und eindrucksvoll und ist zu allen Seiten von einem Park umgeben, in dem viele Jugendliche sind und Tanzchoreographien einstudieren oder Skateboard fahren. Innen ist eine Statue von Sun Yat-sen, vor der zwei Soldaten permanent Wache halten. Mehrmals t\u00e4glich gibt es auch eine Abl\u00f6sezeremonie, die allerdings so derart langgezogen und pathetisch ist, dass man sich das Lachen verkneifen muss. Au\u00dferdem gibt es noch einige Ausstellungen im inneren des Geb\u00e4udes. Als ich wieder nach drau\u00dfen ging konnte ich schon von weitem laute Musik h\u00f6ren und beschloss, nachzusehen, was da vor sich ging. Ich landetet mitten in einer Antiatomkraftdemonstration. \u00dcberall waren (vor allem) Jugendliche in schrillen Klamotten, die abwechselnd zu Techno- und Rockmusik rumsprangen und dabei Parolen schrien. Es war einfach ein Segen endlich mal wieder so etwas wie Jugendkultur zu sehen. In Shanghai gibt es das zwar zum Teil auch, aber die Art wie die Jugendlichen in Taiwan auf die Musik abgingen und rebellisch protestierten erinnerte einfach eher an europ\u00e4ische Jugendliche. Vermutlich hatten genau wie in Deutschland die Wenigsten eine Ahnung wof\u00fcr oder wogegen sie da eigentlich demonstrierten und kannten wahrscheinlich auch die Hintergr\u00fcnde kaum, aber so lange man zu lauter Musik tanzen kann und \u201eDagegen!\u201c br\u00fcllen kann ist die Welt doch in Ordnung. Das h\u00f6rt sich zwar vielleicht ein bisschen sarkastisch und herablassend an, aber eigentlich will ich damit sagen, dass ich es gut finde, dass die Jugendlichen zumindest das Recht haben ihre Meinung zu \u00e4u\u00dfern, egal, ob jetzt aus ehrlicher \u00dcberzeugung oder einfach weil man <\/span><span style=\"color: #000000\"><span style=\"text-decoration: line-through\">mitfeiern<\/span><\/span><span style=\"color: #000000\"> mitdemonstrieren<\/span><span style=\"color: #000000\"> will. Nach dieser Begegnung mit taiwanischen Protestlern machte ich mich weiter auf Erkundungstour und fuhr zum zweiten gro\u00dfen Denkmal der Stadt, der Chiang Kai-shek Ged\u00e4chtnishalle. Ich war schon sehr gespannt, zu sehen, welcher der beiden Hallen nun die gr\u00f6\u00dfere sein w\u00fcrde, und wem man in Taiwan mehr Respekt entgegenbringen w\u00fcrde, dem Landesvater oder Chiang Kai-shek, der das Land im B\u00fcrgerkrieg gef\u00fchrt hatte? Als ich aber aus der U-Bahnstation zur\u00fcck ans Tageslicht kam und mich nach kurzer Zeit auf einem riesigen Platz wiederfand, wurde mir die Frage \u00fcberraschend eindeutig beantwortet. Ein gro\u00dfes Tor mit der Aufschrift \u201e<\/span><\/span><span style=\"font-family: 'Arial Unicode MS'\"><span style=\"color: #000000\">\u81ea\u7531\u5e7f\u573a\u201c <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"color: #000000\">(ziyou guangchang), also Freiheitsplatz, ziert den Platz auf der einen Seite. Links und rechts davon befinden sich das Staatstheater und der Konzertsaal in  zwei gro\u00dfen nahezu identischen Geb\u00e4uden. Ganz am Ende auf der anderen Seite, kann man die eigentliche Ged\u00e4chtnishalle mit dem markanten blauen Dach erkennen. Auch hier bewachen zwei Soldaten eine Statue. Nachdem ich den Platz ausgiebig erkundet hatte und unter anderem die Probe einer jugendlichen Bigband verfolgt hatte machte ich mich zu Fu\u00df auf den Weg zum nahegelegenen Regierungsbezirk der Stadt und wanderte dort ein bisschen umher. Als ich dann auf einer breiten Allee vor dem \u201ePresidential Palace\u201c ankam, fand ich mich pl\u00f6tzlich erneut zwischen den Protestanten wieder. W\u00e4hrend ich bei den Sehensw\u00fcrdigkeiten war, war die Demo quer durch die halbe Stadt gezogen und ging nun scheinbar ihrem Ende entgegen. Ich konnte sogar eine Wagen und Personen wiederfinden, die ich an der \u201eSun Yat-sen Memorial Hall\u201c gesehen hatte. Als es schon langsam dunkel wurde, machte ich mich auf den Weg zum Stadtteil Shilin, einige Stationen s\u00fcdlich des Hauptbahnhofs, wo der bekannteste Nachtmarkt der Stadt war. Schon bevor ich zum eigentlichen Markt kam, war die Gegend sehr interessant. \u00c4hnlich wie in Hongkong gibt es \u00fcberall Neonreklame (die gibt\u2019s zwar in China auch zur Gen\u00fcge, aber in Taiwan und Hong Kong nimmt das schon noch andere Dimensionen an) und \u00fcberall tummeln sich Leute. Trotzdem wirkt das Ganze eher entspannt und nicht so hektisch und schnell wie in Hongkong. Die Leute bummeln eher ein bisschen die Stra\u00dfe entlang. Der Nachtmarkt selbst hat mich sehr an den Nachtmarkt erinnert, den ich Peking  besucht habe. Viele Menschen schlendern durch die engen Gassen und an den Seiten reiht sich ein kleiner Laden an den anderen. Man kann Snacks, Klamotten, Souvenirs und allerlei anderen Krimskrams kaufen. Im Gegensatz zu den M\u00e4rkten Chinas sind hier auch deutlich ausl\u00e4ndische Einfl\u00fcsse zu sp\u00fcren und man bekommt nicht nur Grillspie\u00dfe und Teigtaschen sondern auch Hot Dogs, Pizza und \u00e4hnliches. Ich l\u00f6schte meinen Durst noch mit einem Becher Naicha , einem in Taiwan erfundenen Milchtee, der in ganz Ostasien beliebt ist, und machte mich dann m\u00fcde auf den Weg zur\u00fcck zum Hostel.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"color: #000000\">Am n\u00e4chsten Tag fuhr ich dann zum Bahnhof um ein Ticket nach Hualien zu kaufen. Hualien ist eine kleinere Stadt an der Ostk\u00fcste Taiwans, die wegen der nahegelegenen Taroko-Schlucht viele Besucher anzieht. Leider bekam ich keinen Sitzplatz f\u00fcr den n\u00e4chsten Zug mehr und musste wieder einmal stehen. Taiwan ist gl\u00fccklicherweise aber deutlich kleiner als China, sodass ich nur knapp unter 3 Stunden ausharren musste. In dieser Zeit unterhielt ich mich mit einem jungen Taiwaner, der, wenn ich das richtig verstanden habe, Soldat war. In Hualien angekommen, wusste ich nicht so recht, was ich mit dem angebrochenen Tag noch anfangen sollte und beschloss mir einfach ein Fahrrad zu mieten und zum Meer zu fahren. Zu meiner \u00dcberraschung bekam man die Fahrr\u00e4der sogar umsonst, solange man etwas als Pfand dalie\u00df. Ich \u00fcbergab der netten alten Dame also mit einem etwas mulmigen Gef\u00fchl meinen Pass und fuhr los. Zun\u00e4chst dachte ich, die Gangschaltung w\u00e4re kaputt, nachdem ich dann aber alle H\u00fcgel bereits im h\u00f6chsten Gang \u00fcberwunden hatte, fand ich endlich heraus, wie man sie bedient -.- Der Strand war zwar nicht besonders sch\u00f6n und es gab dort nur ein paar Steine, aber es war trotzdem ganz nett, das Meer zu riechen und die Wellen zu beobachten, die hier deutlich st\u00e4rker waren als noch in Xiamen. Auf dem R\u00fcckweg fuhr ich dann nichtsahnend eine Hauptstra\u00dfe entlang, als ich pl\u00f6tzlich Gebell hinter mir h\u00f6rte. Ohne das kleinste Bisschen Provokation biss mich kurz darauf ein Hund in den Kn\u00f6chel. Es war kein besonders heftiger Biss und man konnte auch dank der Jeans eigentlich nichts sehen, aber da meine Mutter mir immer wieder von den Gefahren der Tollwut erz\u00e4hlt hatte, erkundigte ich mich vorsichtshalber. Ich habe zwar eine Impfung, aber im Falle einer m\u00f6glichen Infektion sollte trotzdem \u00e4rztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Taiwan ist allerdings schon seit einigen Jahren im Gegensatz zu China komplett frei von der Tollwut (ist eben eine Insel). Ich hakte den Vorfall also ab. Am Abend holte ich mir im Hostel dann die n\u00f6tigen Informationen f\u00fcr meinen Ausflug in den Nationalpark. Ich fragte nat\u00fcrlich nach dem Preis, woraufhin der Besitzer des Hostels mich nur verdutzt anschaute und erwiderte, dass es doch ein Nationalpark und damit umsonst sei. Sp\u00e4testens jetzt wusste ich, dass ich nicht mehr in China war. Dort wird n\u00e4mlich jede noch so kleine Touristenattraktion mit Toren ausgestattet, an denen man dann saftige Eintrittspreise f\u00fcr die \u201eScenic Area\u201c hinlegen darf. Ich machte mich am n\u00e4chsten Tag mit dem Bus auf den Weg zum Park und beschloss einfach selbst ein bisschen umherzuwandern, statt einen Bus oder Fahrer zu mieten. Anfangs funktionierte das auch wunderbar und ich lief durch eine Klamm wie man sie auch in S\u00fcddeutschland finden kann. Da ich daf\u00fcr von der Hauptstra\u00dfe abgebogen war, musste ich den Weg nat\u00fcrlich auch wieder zur\u00fcck laufen und konnte nicht einfach weiter gehen. Danach folgte ich immer der Stra\u00dfe. Das war auch mein gr\u00f6\u00dftes Problem. Ich hatte angenommen, dass es so etwas wie einen Wanderweg durch die Schlucht g\u00e4be, aber es stellte sich heraus, dass es einige sch\u00f6ne Wanderwege entlang der Schlucht gibt und diese lediglich von einer Stra\u00dfe verbunden werden. Ich lief also stundenlang am Stra\u00dfenrand und sprang in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden \u00fcber die Leitplanke um mich vor den von beiden Seiten herannahenden Bussen zu retten. Nichtsdestotrotz hat es sich auf jeden Fall gelohnt, in den Park zu gehen und die Orte, die ich zu Fu\u00df erreichen konnte haben mir alle sehr gut gefallen. Als es langsam dunkel wurde, musste ich feststellen, dass ich, wenn ich weiterginge, die n\u00e4chste Bushaltestelle nicht mehr erreichen w\u00fcrde und wartete deswegen lieber ein Weilchen bis der Bus zu mir kam. Zwei recht merkw\u00fcrdige Taiwaner fingen im Bus dann gleich eine Unterhaltung an und versuchten mir ihr Essen anzudrehen, da sie zu viel gekauft h\u00e4tten. Ich war zwar zun\u00e4chst misstrauisch, merkte dann aber, dass die beiden einfach nur betrunken waren und wirklich mehr hatten als sie essen konnten. Ich hatte den ganzen Tag kaum etwas gegessen, also nahm ich die gebratenen Nudeln dankend entgegen. Einer der beiden erkl\u00e4rte mir dann, dass sie zu einer Minderheit geh\u00f6rten und zeigte zum Beweis auf seine Haut, die \u201eschw\u00e4rzer\u201c sei als bei anderen&#8230; F\u00fcr den Rest der Fahrt machte er auf seinem Handy Musik an, hob seine H\u00e4nde und tanzte dann wie in Trance (also betrunken) in seinem Sitz, mal zu chinesischer Musik, mal zu Lady Gaga. Als wir ankamen, lief gerade zum 4. Mal \u201eThis Love\u201c von Maroon 5. Im Hostel unterhielt ich mich noch ein Bisschen mit den anderen G\u00e4sten und ging dann ins Bett. Am n\u00e4chsten Tag fuhr ich zur\u00fcck nach Taipei.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"color: #000000\">Zur\u00fcck im Hostel traf ich dann auch Hiroki endlich wieder. Nachdem wir uns kurz unterhalten hatten ging ich aber auch schon wieder, da er arbeiten musste und ich Taipei weiter erkunden wollte. Ich machte mich auf den Weg zum \u201eNational Palace Museum\u201c um mir dort die Kunstgegenst\u00e4nde anzusehen, die die Kuomintang damals aus Peking entwendet hat. Die Ausstellung war zwar gro\u00df und es gab einige tolle Sachen, aber als Laie konnte ich jetzt auch nicht feststellen, was die Keramik, Jadeschnitzereien und \u00d6lgem\u00e4lde hier jetzt so viel toller machen sollte als die in anderen Museen, die ich bereits besucht hatte. Nachdem ich also alles weitgehend gesehen hatte fuhr ich weiter nach Ximending. Einem hippen Stadtteil voller Jugendkultur und Einkaufsm\u00f6glichkeiten. Es wird auch als das Harajuku oder Shibuya Taipeis bezeichnet. Nachdem ich eine Weile herumgelaufen war ging ich in eine g\u00fcnstige Sushi-Kette, um dort zu Abend zu essen. Wie so oft liefen auf einem Flie\u00dfband die verschiedensten Sachen herum und man konnte sich einfach hinsetzen und zugreifen. Anders als in den Sushi-Restaurants in denen ich in Shanghai war, kostet hier aber jeder Teller pauschal 30 NTD und es wurde nicht abgestuft. Das hei\u00dft die langweiligen Gurken-Maki kosteten genauso viel wie z. B. Lachs-Sashimi. Nat\u00fcrlich war die Menge etwas angepasst, aber im Vergleich zu Shanghai hatte ich den Eindruck, dass man durchaus ein gutes Gesch\u00e4ft macht. Am Abend redetet ich dann etwas ausgiebiger mit Hiroki und wir beschlossen am n\u00e4chsten Tag gemeinsam zu den hei\u00dfen Quellen zu fahren. Taiwan ist n\u00e4mlich wie Japan auch durch die eigentlich ung\u00fcnstige Lage ein guter Ort f\u00fcr nat\u00fcrliche hei\u00dfe Quellen. Wir fuhren also nach Xinbeitou und sahen uns zun\u00e4chst ein dampfendes Becken an, das aber mit 70 \u00b0C f\u00fcrs Baden deutlich zu hei\u00df war. Hiroki f\u00fchlte sich bei dem Geruch der von der Quelle ausging an seine Heimat Japan erinnert, w\u00e4hrend ich eher an eine Kl\u00e4rgrube oder faule Eier denken musste (wobei die Frankfurter Innenstadt schon manchmal so riecht) Hei\u00dfe Quellen haben meist einen pH-Wert von weit unter sieben und nehmen deswegen auch gerne mal einen gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftigen Geruch an. Sp\u00e4ter gingen wir dann zu einer Quelle, wo man f\u00fcr gerade mal 40 NTD mehrere Stunden baden konnte. Es gab insgesamt sechs Becken in verschiedenen Hitzeabstufungen, wobei zwei ganz kalt waren. Schon nach kurzer Zeit war klar, dass ich diese Art von Hitze nicht gewohnt war. Wie selbstverst\u00e4ndlich lagen die Taiwaner in dem \u00fcber 40 \u00b0C hei\u00dfen Becken und entspannten, w\u00e4hrend ich mich f\u00fchlte als ob ich mich gleich h\u00e4uten w\u00fcrde. Das Wasser ist nicht einfach nur hei\u00df sondern tut teilweise richtig weh. Nach einer Weile gew\u00f6hnt man sich aber daran, und wenn man sich an die nicht ganz so hei\u00dfen Becken h\u00e4lt und ab und zu Pause macht geht es. Ich wechselte h\u00e4ufig zwischen den warmen und den kalten Becken, da ich es in ersteren wie gesagt nur kurz aushielt, w\u00e4hrend Hiroki sich irgendwann einfach gegen einen Felsen legte und eine Runde schlief. Wir blieben mehrere Stunden und entspannten einfach mal einen Tag lang.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Am Abend unterhielt ich mich noch im Hostel. Man kann dort wirklich coole Leute von \u00fcberall her treffen, Kanadier, US-Amerikaner, Engl\u00e4nder, Franzosen, Polen, Phillipinos, Japaner, Chinesen und nat\u00fcrlich auch Deutsche um nur einige zu nennen. Darunter finden man Backpacker, die Ferien haben oder extra ihren Job gek\u00fcndigt haben, um durch die Welt zu reisen, Austauschstudenten, die irgendwo in Asien ein Gastjahr oder -semester verbringen und gerade Urlaub machen, Expats, die beruflich in Asien sind und entweder auch gerade reisen oder gesch\u00e4ftlich unterwegs sind und viele andere. Dabei kann man einige Erfahrungen austauschen, Geschichten erz\u00e4hlen und sich nat\u00fcrlich Tipps holen. Generell habe ich den Eindruck, dass Hostels eine deutlich bessere Wahl f\u00fcr Reisende sind als Hotels: Man trifft wie gesagt viel mehr interessante Leute und auch das Personal ist meistens sehr kompetent und kann einem auf Englisch weiterhelfen. Das ist merkw\u00fcrdigerweise in den meisten Hotels eine absolute Seltenheit, sodass man, wenn man kein Chinesisch kann nur auf Zeichensprache zur\u00fcckgreifen kann. Jan Luis Eltern z. B., die vor kurzem da waren, hatten schon so ihre Schwierigkeiten die n\u00f6tigen Details f\u00fcr das Fr\u00fchst\u00fcck zu erfragen. So was darf eigentlich nicht sein, wenn man bedenkt, dass die Hostels um ein vielfaches g\u00fcnstiger sind als Hotels (selbst wenn man ein eigenes Zimmer hat) und es trotzdem schaffen, englischsprachiges Personal einzustellen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"color: #000000\">Am n\u00e4chsten Tag fuhr ich mit einer Gondel am Stadtrand einen Berg hinauf, um dort spazieren zu gehen und noch mal etwas Natur zu sehen. Es war zwar recht sch\u00f6n, aber die M\u00fccken weiter oben auf dem Berg waren furchtbar. \u00dcberall waren Viecher und so ging ich schnell wieder zur\u00fcck zur Hauptstra\u00dfe. Nachdem ich der Stra\u00dfe eine Weile gefolgt war tauchten pl\u00f6tzlich vor mir zwei Hunde auf, die unter einer Bank gelegen hatten. Da ich mit Hunden in Taiwan bereits mehrmals schlechte Erfahrungen gemacht hatte, wurde ich vorsichtig. Nachdem die Hunde einige Sekunden in meine Richtung geschaut hatten, fingen sie pl\u00f6tzlich wild an zu bellen und rannten mir hinterher. Ich nahm nat\u00fcrlich die Beine in die Hand und lief zur\u00fcck, wo ich herkam. Ich wei\u00df nicht, woran es lag, aber irgendwie waren die Hunde Taiwans nicht gut auf mich zu sprechen. Vermutlich haben sie einfach gerochen, dass ich ein schwitzender Fremder bin, und mich deswegen als Bedrohung wahrgenommen. Das erkl\u00e4rt aber nicht, warum dass in China nie passiert ist. Abends ging ich dann zum Taipei 101 um auch endlich mal die Aussicht von oben genie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Das Wetter war zwar nicht gerade gut, aber es war auch in den Tagen davor eher m\u00e4\u00dfig und w\u00fcrde kaum besser werden, also kaufte ich mein Ticket und hoffte, zumindest ein bisschen was sehen zu k\u00f6nnen. Zun\u00e4chst war absolut gar nichts zu sehen, aber nach einer Weile \u00f6ffnete sich die Wolkendecke ein wenig. Es gab einen kostenlosen Audioguide, der sowohl zur Stadt als auch zum Geb\u00e4ude selbst Informationen gab. Das Taipei 101 ist derzeit das zweith\u00f6chste Geb\u00e4ude der Welt und mit modernster Technik ausgestattet. Um das Geb\u00e4ude vor Schwankungen zu sch\u00fctzen ist ganz oben ein riesiger D\u00e4mpfer installiert, den man sich als Besucher auch ansehen kann. Unten ist der Wolkenkratzer \u00fcber 80 Meter tief im Boden verankert, um sicherzustellen, dass er die notwendige Stabilit\u00e4t aufweist. Die Aufz\u00fcge sind die schnellsten der Welt und reduzieren den Druck, den man sonst so oft sp\u00fcrt auf ein Minimum.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Urspr\u00fcnglich hatte ich vor mir einen weiteren Nationalpark in der N\u00e4he Tapeis zu verbringen, aber irgendwie  war die Luft ein bisschen raus und ich hatte keine gro\u00dfe Lust mehr. Stattdessen vertrieb ich mir die Zeit am Hostel mit Hiroki, seinem deutschen Kollegen Philipp und einigen anderen G\u00e4sten, mit denen ich mich ganz gut angefreundet hatte. Am letzten Abend fand eine kleine Feier statt und man bekam f\u00fcr 100 NTD zwei Bier und verschiedenste Snacks. Da das Bier in Taiwan auch nicht wirklich st\u00e4rker ist, als das in China, waren meine zwei Dosen schnell weg. Zum Gl\u00fcck stellte der Besitzer des Hostels bereits einige Tische auf, um ein bisschen Bier-Pong zu spielen. Ich kannte das Spiel zwar, habe es aber in Deutschland (dem Bierland schlechthin) noch nie gespielt. Das Spiel ist vor allem in Nordamerika unter Studenten beliebt. Man stellt sich dabei an einem langen Tisch gegen\u00fcber (Tischtennisplatte funktioniert gut) und stellt einige Gl\u00e4ser mit Bier auf. Dann versucht man abwechselnd einen Tischtennisball in die Gl\u00e4ser des Gegners zu werfen. Wenn man trifft, muss der andere trinken. Selbst wenn man gewinnt, trinkt man nat\u00fcrlich das Bier trotzdem und da der Besitzer das Bier f\u00fcr das Spiel stellte konnte man so noch etwas mehr als lausige zwei Dosen herausholen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\"> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"color: #000000\">Am n\u00e4chsten Tag machte ich mich auf den Weg zum Bahnhof und fuhr zur\u00fcck nach Keelung, wo ich auch angekommen war. Da die direkte F\u00e4hre zwischen China und dem Festland Taiwans nur einmal pro Woche f\u00e4hrt, musste ich mir f\u00fcr den R\u00fcckweg etwas anderes ausdenken. Ich beschloss stattdessen mit der F\u00e4hre nach Matsu, einer Insel vor China, die aber zu Taiwan geh\u00f6rt, zu fahren und von dort nach Fuzhou \u00fcberzusetzen. Am Hafen traf ich einen belgischen Priester, der bereits seit 36 (!) Jahren in Taiwan lebte. Vor 36 Jahren war es f\u00fcr Ausl\u00e4nder so gut wie unm\u00f6glich \u00fcberhaupt nach China zu reisen, daher sind die meisten Expats, die ich dort getroffen habe, seit h\u00f6chstens 5-10 Jahren dort. Wobei man einen Priester auch nicht wirklich mit den Gesch\u00e4ftsleuten in Shanghai vergleichen kann. Sp\u00e4ter kamen dann auch zwei franz\u00f6sische Austauschstudenten, wodurch ich mal wieder Gelegenheit hatte, mein Franz\u00f6sisch etwas aufzubessern (mit dem Belgier hatte ich Englisch gesprochen, da ich zun\u00e4chst nicht wusste wo er herkam). Die Franzosen wohnten ebenfalls in Shanghai und deswegen ergab es sich, dass wir den Rest der Strecke gemeinsam zur\u00fccklegten. Am n\u00e4chsten morgen kamen wir ins Matsu an und mussten feststellen, dass drau\u00dfen ein derart dichter Nebel war, dass man kaum 10 Meter weit sehen konnte. Im Schneckentempo n\u00e4herte das Schiff sich dem Pier w\u00e4hrend das Personal Signale gab. Der Belgier hatte sein Ziel erreicht und war schnell verschwunden, aber wir hatten noch ein ganzes St\u00fcck vor uns. Als wir unsere Tickets kaufen wollten, sagte man uns, dass wegen des Wetters zurzeit kein Schiff fahren k\u00f6nne und wir warten sollten, da sich die Situation vielleicht verbessern w\u00fcrde. Das Problem liege auf chinesischer Seite und es h\u00e4tte schon die letzten drei Tage kein Schiff gegeben. Das waren nat\u00fcrlich schlechte Nachrichten, da der letzte Zug von Fuzhou nach Shanghai schon um f\u00fcnf Uhr abfahren w\u00fcrde. Die F\u00e4hre versp\u00e4tete sich immer mehr, w\u00e4hrend der Himmel immer mehr aufklarte. Irgendwann war dann drau\u00dfen strahlender Sonnenschein (Schaut euch die Bilder auf Facebook an, der Unterschied zwischen morgens und mittags ist krass.) aber das Wetter in Fuzhou war angeblich immer noch zu schlecht. Ich ging kurzer Hand ein bisschen umher und erkundete die Gegend um den Hafen. Um etwa ein Uhr legte das Boot dann endlich von China ab und kam nach Matsu. Wir mussten also nochmal zwei Stunden warten. Als wir dann ankamen war es schon fast f\u00fcnf. Nat\u00fcrlich gab es sowohl in Matsu als auch in Fuzhou die \u00fcbliche Aus- bzw. Einreiseprozedur, was auch noch mal Zeit in Anspruch nahm. Au\u00dferdem fuhren keinerlei Taxis vom Hafen ab und einige Privatpersonen versuchten uns Geld aus der Tasche zu ziehen. Ein Chinese, der ebenfalls mit der F\u00e4hre gekommen war, nahm uns dann freundlicherweise kostenlos mit und setzte uns beim Bahnhof ab. Da der Zug schon Weg war, erkundigten wir uns nach Busfahrkarten. Es gab tats\u00e4chlich einen Bus, der abends losfuhr und am n\u00e4chsten Morgen rechtzeitig in Shanghai ankam. Noch dazu war das Ticket g\u00fcnstiger als der Schnellzug und man bekam ein Bett wie als ich in Yunnan war. Einer der Franzosen erz\u00e4hlte mir, er w\u00e4re mit seiner Schule auf Studienfahrt nach Polen gefahren und selbstverst\u00e4ndlich auch durch Deutschland gekommen. In Frankreich und Polen sind diese Busse wohl legal, aber in Deutschland (verst\u00e4ndlicherweise) nicht. Deswegen musste er f\u00fcr die ganze Fahrt von \u00fcber 20 Stunden sitzen. H\u00e4tte er mir das vor einem Jahr erz\u00e4hlt, h\u00e4tte ich das schon ziemlich krass gefunden, aber nachdem man sich an chinesische Distanzen gew\u00f6hnt hat, kommt einem das relativ harmlos vor. Am Montag Morgen kamen wir dann p\u00fcnktlich an, verabschiedeten uns voneinander und ich ging nachdem ich zu Hause geduscht hatte, weiter zur Arbeit.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Die anderen hatten nat\u00fcrlich auch einiges erlebt als ich weg war. Unter anderem hatte im  Century Park ganz in der N\u00e4he von unserer Wohnung Chinas gr\u00f6\u00dftes Musikfestival stattgefunden (Eintritt nur 80 RMB f\u00fcr den ganzen Tag!!)  Dabei ist mir erst aufgefallen, wie wenig Zeit mir eigentlich noch in Shanghai verbleibt, weil ich immer weg bin. Bald ist die Schule schon zu Ende und ich werde weiter herumreisen. Die Grillabende, Gammelwochenenden  und Unter-der-Woche-Partyn\u00e4chte, die wir uns im Winter vorgestellt hatten, w\u00fcrden (zumindest f\u00fcr mich) nicht stattfinden. Das ist zwar einerseits schade, da ich gerne mit den anderen noch ein bisschen die Zeit in Shanghai genossen h\u00e4tte, aber andererseits habe ich auch einige Sachen geplant, auf die ich mich schon richtig freue. Inzwischen ist so ziemlich die gesamte Zeit bis zum 28. August verplant. Ob ich am Ende noch die Zeit habe, zu schreiben, wei\u00df ich nicht (diesen Eintrag werde ich auch mal wieder erst deutlich nach den beschriebenen Ereignissen hochladen -.-), aber allzu lang bin ich auch nicht mehr hier und vielleicht sehen wir uns ja bald.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Folgenden werde ich der Einfachheit halber die Volksrepublik China (PRC) als China und die Republik China (ROC) als Taiwan bezeichnen. Das ist ganz streng genommen nicht korrekt, wird aber in der Umgangssprache oft gemacht, da Taiwan einen Gro\u00dfteil des Staatsgebietes der ROC stellt und das Land de facto unabh\u00e4ngig ist. 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