{"id":104,"date":"2011-04-22T15:45:52","date_gmt":"2011-04-22T13:45:52","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/patrick\/?p=104"},"modified":"2011-04-22T15:45:52","modified_gmt":"2011-04-22T13:45:52","slug":"nachtleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/patrick\/2011\/04\/22\/nachtleben\/","title":{"rendered":"Nachtleben"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Nachdem die Ferien zu Ende waren, kehrte zun\u00e4chst wieder so etwas wie Alltag ein. F\u00fcr Mitte M\u00e4rz hatten sich aber einige G\u00e4ste angek\u00fcndigt. Yannick und L\u00e9onie hatten beide gefragt, ob sich mich besuchen k\u00f6nnen und ein Schulfreund meines Mitbewohners wollte ebenfalls kommen. Alles war soweit gekl\u00e4rt und sowohl Yannick als auch L\u00e9onie hatten einen Flug gebucht und ein Visum beantragt. Aufgrund der Katastrophe in Japan am 11. M\u00e4rz sagten beide aber nach langem \u00dcberlegen aus Sicherheitsgr\u00fcnden ab. Tim, Jan Luis Freund, war bereits gekommen, als das ganze Ausma\u00df des Bebens noch nicht bekannt war und die Lage in Fukushima noch nicht so ernst war. Ihm blieb also nichts anderes \u00fcbrig als genau wie wir abzuwarten, die Nachrichten zu verfolgen und erst einmal hier zu bleiben. Ich m\u00f6chte jetzt nicht weiter auf die ganze Geschichte eingehen, weil ich denke, dass die deutschen Medien das Thema schon zur Gen\u00fcge ausgeschlachtet haben. Es sei nur gesagt, dass sich die meisten Chinesen kaum Sorgen zu machen scheinen, dass ihr Land direkt betroffen sein k\u00f6nnte. Auch das deutsche Generalkonsulat hat uns inzwischen bei einer Informationsveranstaltung gesagt, es bestehe kein Grund zur Annahme, dass die Ostk\u00fcste Chinas in Gefahr ist, au\u00dferdem bestehe eine Reisewarnung vom ausw\u00e4rtigen Amt weiterhin nur f\u00fcr Japan und nicht f\u00fcr China.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Wir zeigten also Tim die Stadt, das Essen und eben auch das Nachtleben. Bei dieser Gelegenheit m\u00f6chte ich ein bisschen was dar\u00fcber schreiben, wie man in China weggehen und feiern kann. Die meisten Chinesen gehen nicht in Clubs wie es im Westen unter Jugendlichen \u00fcblich ist. Wenn man gemeinsam mit Freunden abends etwas unternehmen m\u00f6chte geht man \u00fcblicherweise zum KTV, also Karaoke. Wie ich schon einmal geschrieben habe unterscheidet sich diese Erfahrung deutlich von dem, was man im Westen so als Karaoke bezeichnet und macht auch viel Spa\u00df. Wenn man aber mal nach westlicher Manier Feiern will, also mit viel zu lauter elektronischer Musik, ungesunden Mengen an Alkohol und blinkenden Lichtern, die leicht Epilepsie ausl\u00f6sen k\u00f6nnten (Warum zur H\u00f6lle machen das Chinesen nicht?! Sie m\u00fcssten es lieben xD), gibt es in den meisten gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten und gerade in Shanghai auch reichlich Gelegenheit dazu. Es gibt eine bunte Landschaft von Bars und Clubs, bei denen eigentlich f\u00fcr jeden was zu finden sein m\u00fcsste.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Es gibt Sportsbars, die eher Kneipencharakter haben, aber auch schicke Cocktail-Bars mit stilvoller Einrichtung, teuren Getr\u00e4nken und hohem Westler-Anteil. Unter anderem befindet sich in Shanghai die h\u00f6chste Bar der Welt (gemessen vom Boden, auf dem das Geb\u00e4ude steht und nicht vom Meeresspiegel). Im 92. und 93. Stock des World Financial Center direkt unter der markanten \u00d6ffnung kann man bei einer grandiosen Aussicht \u00fcber die Stadt seine Cocktails genie\u00dfen. Wenn man seinen Blick auf den 87. Stock des auf der anderen Stra\u00dfenseite gelegenen Jinmao Towers richtet kann man dabei vielleicht sogar einige andere Nachtschw\u00e4rmer beobachten, die in der zweith\u00f6chsten Bar der Stadt sitzen. Leider gibt es an beiden Orten Mindestverzehr und Service-Charge, was das Vergn\u00fcgen recht teuer macht. Die meisten guten Bars sind allerdings in der franz\u00f6sischen Konzession, wo fr\u00fcher die feinen Kolonialherren residierten und man immer noch viele Villen im europ\u00e4ischen Stil finden kann. Dort befinden sich auch recht teure Jazzclubs in denen oft Konzerte stattfinden. Auch am Bund, der ber\u00fchmten Uferpromenade Shanghais, gibt es zahlreiche exklusive Bars (Eintritt-.-), die meisten sind auch gleichzeitig Restaurants. In den weniger exklusiven Bars gibt es meist keinen Eintritt, lautere Musik und eine kleine Tanzfl\u00e4che. Die Abgrenzung zwischen Bar und Club ist eh nicht besonders klar. Es gibt wirklich sehr interessante Bars mit innovativem Design. Eine Bar z. B. sieht aus wie ein Flugzeug, die Kellner sind als Flugbegleiter verkleidet und man verstaut seine Klamotten nicht in der Garderobe sondern in wie im Flugzeug in kleinen Gep\u00e4ck Compartments, die \u00fcber dem Gang angebracht sind. In einer anderen f\u00fchlt man sich dank Couch, Tischfu\u00dfball und Dart eher wie auf einer Hausparty als in einer Bar. Die Preise f\u00fcr die Getr\u00e4nke sind auf deutschem Niveau und man muss mit 5-10 Euro f\u00fcr einen Cocktail rechnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Es gibt verschiedene Arten von Clubs in Shanghai. Manche sind \u00e4hnlich wie in Europa und Amerika, was bedeutet, dass man dort recht viele Ausl\u00e4nder findet. Andere sind eher an den Geschmack der Chinesen angepasst. Dort gibt es z.B. eine deutlich kleinere oder gar keine Tanzfl\u00e4che. Getanzt wird trotzdem, aber eben da wo gerade Platz ist. Die meisten Chinesen sitzen aber lieber gemeinsam am Tisch, trinken reichlich Alkohol und spielen W\u00fcrfelspiele. Wie gesagt haben viele Clubs Barcharakter und anders herum. Einer dieser Clubs ist das Bobolia, wo wir anfangs ab und zu hingegangen sind. Dort kann man, wenn man ein bisschen vorgl\u00fcht Spa\u00df haben ohne allzu viele Westler zu sehen. Im Phebe auf  der Hengshan Lu, einer der gr\u00f6\u00dften Bar- und Club-Stra\u00dfen kriegt man f\u00fcr 100 RMB \u201eOpen Bar\u201c. Dort hatte ich selbstverst\u00e4ndlich auch meinen schlimmsten Absturz&#8230; Wenn man keine Lust mehr auf die verdammten Chinesen-Clubs hat und wieder wie zu Hause feiern will gibt es nat\u00fcrlich die Clubs, die eine eher ausl\u00e4ndische Crowd anziehen (z. B. das Muse und das M2). Wenn man etwas mehr Geld ausgeben m\u00f6chte und sich selbst ganz toll findet, kann man auch ins M1nt gehen. Im 24. Stock des Cross-Towers, in dem  zuf\u00e4lligerweise auch das Goethe-Institut ist, befindet sich einer der edelsten Clubs der Stadt. Wir mussten vorher anrufen, um uns auf die G\u00e4steliste setzen zu lassen. Nachdem man oben angekommen ist, kommt man direkt an einem fast 20 Meter langen Haifischbecken vorbei, das einen Gang schm\u00fcckt. Das h\u00f6rt sich zwar relativ spektakul\u00e4r an, aber wer ein gigantisches Monstrum wie in \u201eJaws\u201c erwartet wird entt\u00e4uscht. Lediglich einige kleine Haie befinden sich in dem Becken und schwimmen ziellos herum. Der Club selbst setzt eher auf Eleganz und weist kaum blickenden Lichter auf. Dadurch wirkt er aber meiner Meinung nach eher schlecht beleuchtet. Die Leute sind ein derma\u00dfen pr\u00e4tenti\u00f6ser Haufen, dass man sich sch\u00e4mt ebenfalls Ausl\u00e4nder zu sein. Vor allem die franz\u00f6sischen Expats mit ihren Schals und M\u00e4nteln gehen mir so unfassbar auf die Nerven. Man kann sich hier in China einfach einen anderen Lebensstil leisten als in Europa, wenn man weiterhin ein europ\u00e4isches Gehalt kassiert. Selbst wir fahren z. B. Mit dem Taxi von einem Club zum anderen, wenn wir woanders hinwollen. Anstatt dann aber einfach ein bisschen Spa\u00df zu haben entwickeln sich manche Leute zu unausstehlichen Angebern, denen man schon auf 100 Meter Entfernung ansehen kann f\u00fcr wie toll sie sich halten. (Dem einen oder anderen d\u00fcrfte schon aufgefallen sein, dass die W\u00f6rter \u201eExpat\u201c und \u201eWestler\u201c bei mir oft eine negative Konnotation haben, aber ich lass das Thema jetzt lieber.) Wenn man m\u00f6chte, kann man hier richtig prassen und sich eine 5 Liter Champagner Flasche f\u00fcr etwa 320000 RMB g\u00f6nnen. Ich bin mir jetzt nicht sicher, wie viel der durchschnittliche Deutsche im Jahr verdient, aber der durchschnittliche Chinesen verdient sicher weniger. Das sind immerhin \u00fcber 30000 \u20ac und ein Verk\u00e4ufer auf einem der vielen \u201eFake-M\u00e4rkte\u201c hat uns mal gesagt, er verdiene etwa 10000 RMB, also knapp \u00fcber 1000 \u20ac pro Jahr. Der Club ist also definitiv nicht mein Geschmack, obwohl ich zugeben muss, dass die Aussicht auf die Shanghaier Innenstadt schon ein klarer Pluspunkt ist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Eins haben aber im Prinzip fast alle Clubs gemeinsam: Die Musik ist absoluter Mainstream und einfach nur schei\u00dfe. Wenn wenigstens noch so etwas wie David Guetta liefe, w\u00fcrde ich ein bisschen grummeln, mehr Alkohol trinken und trotzdem feiern. Aber das Niveau sinkt noch eine ganze Ecke tiefer. Katey Perry, Lady Gaga und Konsorten haben in einem Club einfach nichts zu suchen, oder zumindest nicht in dieser H\u00e4ufigkeit. Mir ist klar, dass man ein breites Publikum ansprechen will, daf\u00fcr gibt es House (auch guten). Aber einfach ein paar Pop-Songs mit Electro-Beats zu unterlegen und derart nervig Sachen wie \u201eparty people\u201c ins Mikrofon zu bl\u00f6ken ist einfach nicht, was ich mir vom DJ w\u00fcnsche. Meistens macht es akustisch keinen Unterschied in welchem Club man gerade ist. \u00dcberall laufen die gleichen 10 Songs aus den Charts. Nat\u00fcrlich gibt es auch lichte Momente in denen der DJ einfach mal die klappe h\u00e4lt und ein paar halbwegs coole Electro-Tracks spielt. Wir haben sogar schon deutsche Schlager geh\u00f6rt, was wir in der Situation sogar ziemlich coll fanden, aber alles in allem ist die Musik furchtbar eint\u00f6nig. Es gibt wohl auch Orte an denen man anderes zu h\u00f6ren bekommt. Im Shelter, einem ehemaligen Bunker, der zum Schutz vor den Japanern gebaut wurde, wird oft Drum n&#8216; Bass, Reggae oder auch Dubstep gespielt. Leider waren die anderen da am Anfang ein paar mal, als ich nicht da war und haben jetzt eigentlich keine gro\u00dfe Lust mehr-.-<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Einen Hinweis m\u00f6chte ich noch geben. Leider muss man in vielen Bars und Clubs aufpassen, da viele der so nett wirkenden Frauen sich als Prostituierte herausstellen k\u00f6nnen. Ob jetzt wirklich Sex oder nur Gesellschaft geboten wird, kann man nie so genau sagen, aber letztlich wollen sie immer nur Geld.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Ich habe irgendwie im Moment erst mal die Nase voll vom Feiern. Wenn es mal andere Musik g\u00e4be, w\u00e4re ich vielleicht wieder motiviert. Falls sich der letzte Teil dieses Eintrags eher wie eine Hasstirade angeh\u00f6rt hat, m\u00f6chte ich mich hiermit entschuldigen. Manche Sachen hier k\u00f6nnen einem ganz sch\u00f6ne auf die Nerven gehen und ich musste das eben auch mal thematisieren.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem die Ferien zu Ende waren, kehrte zun\u00e4chst wieder so etwas wie Alltag ein. F\u00fcr Mitte M\u00e4rz hatten sich aber einige G\u00e4ste angek\u00fcndigt. Yannick und L\u00e9onie hatten beide gefragt, ob sich mich besuchen k\u00f6nnen und ein Schulfreund meines Mitbewohners wollte ebenfalls kommen. 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