{"id":101,"date":"2011-04-01T10:03:43","date_gmt":"2011-04-01T08:03:43","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/patrick\/?p=101"},"modified":"2011-04-01T10:03:43","modified_gmt":"2011-04-01T08:03:43","slug":"fruhlingsferien-teil-2-yunnan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/patrick\/2011\/04\/01\/fruhlingsferien-teil-2-yunnan\/","title":{"rendered":"Fr\u00fchlingsferien Teil 2 (Yunnan)"},"content":{"rendered":"<p lang=\"zh-CN\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Die Zugfahrt nach Yunnan war k\u00fcrzer als die nach Sichuan und auch deutlich angenehmer. Wir hatten einen Sitzplatz, reichlich Verpflegung und Gesellschaft. Julia fand das Reisen im Zug ohne Bett gar nicht so schlimm, w\u00e4hrend Annika die Belastung deutlich schlechter zu verkraften schien. Als wir am n\u00e4chsten Morgen ankamen, war sie sehr m\u00fcde und f\u00fchlte sich nicht gut. Wir gingen zun\u00e4chst zum Hostel, checkten ein und beschlossen dann einen alten Teil der Stadt zu erkunden. Dem aufmerksamen Leser d\u00fcrfte aufgefallen sein, dass ich nicht wie \u00fcblich einen Berg an wenig aussagekr\u00e4ftigen Fotos in beschissener Bildqualit\u00e4t hochgeladen habe. Das liegt nun nicht daran, dass ich meine Liebe zur Fotografie verloren h\u00e4tte sondern viel eher daran, dass meine Kamera in einem \u00f6ffentlichen Bus gestohlen wurde. Allzu vorsichtig war ich damit nie umgegangen (meistens hatte ich sie einfach in der Jackentasche und die Schnur hing raus), daher ist das wohl absehbar gewesen&#8230; Das ist nat\u00fcrlich \u00e4rgerlich, aber ich hatte eigentlich eh vorgehabt, mir hier eine neue Kamera zu kaufen, und dass die Bilder weg waren, war auch nicht so schlimm, da Julia und Annika schlie\u00dflich auch zahlreiche Fotos geschossen hatten. Zun\u00e4chst war es sehr ungewohnt, sich einfach nur umzuschauen und keine Fotos mehr machen zu k\u00f6nnen. Man hatte sich schlie\u00dflich daran gew\u00f6hnt flei\u00dfig zu knipsen, um den Daheimgebliebenen einen Eindruck zu verschaffen. Nach einer Weile gefiel es mir aber ganz gut, mir nicht st\u00e4ndig dar\u00fcber Gedanken machen zu m\u00fcssen, ob ich auch alles fotografiert habe. Die anderen waren ja auch noch da.<\/span><\/p>\n<p lang=\"zh-CN\">\n<p lang=\"zh-CN\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Kunming ist eine sehr angenehme Stadt. Alles ist etwas ruhiger als in Shanghai und das Wetter war vor allem im Vergleich zum eisigen Jiuzhaigou eine Wohltat. Wir besuchten die \u00fcblichen Sehensw\u00fcrdigkeiten (Tempel, Pagoden, Tempel, Parks, Tempel, etc&#8230;) Au\u00dferdem machten wir einen Tagesausflug in den nahegelegenen Steinwald, wo man durch eine Landschaft aus bizarren Gesteinsformen wandern kann. Leider ist der Eintritt unversch\u00e4mt hoch. Hiroki besuchte zu diesem Zeitpunkt einen Freund in der n\u00e4he der Stadt. Nachdem wir in Kunming alles gesehen hatten wollten wir weiter zu den Reisterrassen von Yuanyang im S\u00fcden der Provinz. Hiroki war immer noch nicht aufgetaucht und schuldete mir zu diesem Zeitpunkt fast 300 Yuan. Er tauchte dann aber endlich auf und gab mir mein Geld zur\u00fcck. Er entschloss sich spontan wieder mitzukommen, obwohl er im Gegensatz zu uns noch kein Ticket f\u00fcr den Bus hatte. Nat\u00fcrlich bekam er auch keins mehr und musste letztlich einen anderen Bus nehmen. Wir stiegen also in unseren Schlafbus, der in den fr\u00fchen Morgenstunden ankommen sollte. Die Betten waren sehr eng und auch nicht besonders lang, aber es lie\u00df sich erstaunlich gut schlafen. <\/span><\/p>\n<p lang=\"zh-CN\">\n<p lang=\"zh-CN\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Wir kamen mitten in der Nacht an und wurden auch gleich wie vorher vereinbart von jemandem abgeholt und zu unserer Unterkunft gebracht. Den Sonnenaufgang verpassten wir, da es bereits zu sp\u00e4t war. Viel h\u00e4tten wir allerdings eh nicht gesehen, da ein undurchdringlicher Nebel \u00fcber dem ganzen Gebiet lag. Wir taten uns mit einem amerikanischen P\u00e4rchen zusammen, um  Geld f\u00fcr den Fahrer, den wir gemietet hatten, zu sparen. Da sich wettertechnisch keine Verbesserung abzeichnete, beschlossen wir zun\u00e4chst in ein kleines Dorf in der N\u00e4he zu fahren und dort ein verfr\u00fchtes Mittagessen zu uns zu nehmen. <\/span><\/p>\n<p lang=\"zh-CN\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">In Yunnan gibt es zwar viele Gerichte, die sich auch in Sichuan oft finden lassen, trotzdem unterscheidet sich die K\u00fcche der beiden Provinzen etwas. In Yunnan isst man bei weitem nicht so scharf wie in Sichuan. Vor allem die Reisnudeln aus der Region sind in anderen Teilen des Landes ber\u00fchmt. Die sogenannten \u201e\u00dcber-die-Br\u00fccke-Nudeln\u201c (<\/span>\u8fc7\u6865\u7c73\u7ebf<span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">, guoqiao mixian) werden quasi in Einzelteilen serviert. Man bekommt eine Suppenbasis in einer Sch\u00fcssel und muss die restlichen noch rohen Zutaten dann alle selbst hineinwerfen. Sogar die Nudeln werden extra serviert. Je nachdem wie viel Geld man investieren m\u00f6chte, kann man zus\u00e4tzlich noch zahlreiche andere Zutaten beigeben. Es gibt verschiedene Legenden \u00fcber die Herkunft des Nudelgerichts. Eine besagt, dass es auf die Geschichte einer Frau zur\u00fcckgeht, die ihrem Ehemann t\u00e4glich sein Essen auf die andere Seite des Flusses brachte. Um ihm die M\u00f6glichkeit zu geben, zu essen, was er m\u00f6chte ohne st\u00e4ndig fragen zu m\u00fcssen. Begann sie irgendwann ihm die Zutaten einzeln und roh zu bringen. Nat\u00fcrlich gibt es in Yunnan etliche Orte die f\u00fcr sich beanspruchen, die Br\u00fccke aus der Geschichte bef\u00e4nde sich genau dort. Das ist nur eine Herkunftsgeschichte und ich bin mir nicht mal sicher, ob ich mich richtig erinnere. Bei Interesse also bitte zun\u00e4chst Google konsultieren!<\/span><\/p>\n<p lang=\"zh-CN\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Nachdem wir also etwas gegessen hatten, versuchten wir unser Gl\u00fcck an einer anderen Stelle. Im Laufe des Tages klarte das Wetter gl\u00fccklicherweise stark auf und wir konnten endlich sehen, wof\u00fcr wir gekommen waren. Hiroki war inzwischen auch wieder aufgetaucht und so konnten wir den Tag doch noch alle gemeinsam genie\u00dfen. Die Reisterrassen wurden angelegt um den Bauern der Region den Anbau von Reis in h\u00fcgligem Terrain zu erm\u00f6glichen. Die geschwungenen Begrenzungen der Felder und das spiegelnde Wasser ergeben einen einzigartigen malerischen Anblick. Leider habe ich davon keine Fotos, aber wer will kann bei Google einfach mal Yuanyang eingeben um einen Eindruck zu bekommen. Im Sommer sind die Terrassen bestimmt noch sch\u00f6ner, und  falls ich irgendwann noch einmal die M\u00f6glichkeit haben sollte, w\u00fcrde ich auch jeden Fall zur\u00fcck kommen (das Gleiche gilt auch f\u00fcr Jiuzhaigou). <\/span><\/p>\n<p lang=\"zh-CN\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Am n\u00e4chsten Tag wanderten wir auch noch zwischen den Feldern und schlichen uns so in ein Dorf, f\u00fcr das man eigentlich h\u00e4tte Eintritt zahlen m\u00fcssen. Leider wurden wir nach einiger Zeit aber wieder rausgeschmissen. Das Wetter war wieder gut und wir liefen noch ein bisschen durch einen gr\u00f6\u00dferen Ort in der Gegend. Am Abend fuhren wir wieder mit dem Bus nach Kunming, diesmal mit Hiroki zusammen. Wir (Annika, Julia und ich) hatten bereits Tickets f\u00fcr den ersten Bus von Kunming nach Dali erstanden und wollten vom s\u00fcdlichen Busbahnhof mitten in der Nacht weiter zum westlichen Busbahnhof fahren. Wir nahmen also ein Taxi nur um festzustellen, dass der Bahnhof noch nicht ge\u00f6ffnet war. Wir standen also in aller Fr\u00fche auf der Stra\u00dfe und wussten nicht wie wir uns die Zeit vertreiben sollten. Noch dazu war es in der Nacht zu diesem Zeitpunkt noch relativ kalt. Zahlreiche Chinesen warteten auch darauf, endlich ins Geb\u00e4ude gelassen zu werden, also setzten wir uns kurzer Hand zu einer kleinen Gruppe, die sich ein Feuer gemacht hatte. Die Chinesen, unter denen auch ein Polizist\/Wachmann war, waren gut vorbereitet und sa\u00dfen auf St\u00fchlen oder Hockern um die w\u00e4rmenden Flammen. Wir hingegen mussten mit unseren Koffern und Rucks\u00e4cken vorlieb nehmen. Wir spielten Karten und Hiroki packte sogar eine Mundharmonika aus, auf der wir abwechselnd Melodien improvisierten. Es gab auch zahlreiche kleinen Essensst\u00e4nde an denen wir uns einige Baozi zum Fr\u00fchst\u00fcck kaufen konnten, es lie\u00df sich also halbwegs aushalten. Als der Bahnhof endlich aufmachte kaufte Hiroki sich ein Ticket, musste aber wieder auf einen sp\u00e4teren und teureren Bus ausweichen. Wir wollten uns eigentlich vor Ort wieder treffen, wurden aber informiert, dass das Ticket, das wir gekauft hatten, seit dem Vortag nicht mehr g\u00fcltig sei. Die normale Buslinie sei eingestellt worden und nur noch die Hochgeschwindigkeitsbusse (?!) seien verf\u00fcgbar. Wir k\u00f6nnten das Ticket aber umtauschen und m\u00fcssten lediglich die Differenz zahlen. Also versuchten wir unsere Tickets zu tauschen und Hirokis Bus zu bekommen. Inzwischen waren die Karten f\u00fcr diesen Bus aber leider schon vergriffen und wir kauften welche f\u00fcr einen zwei Stunden sp\u00e4ter abfahrenden Bus. Nicht nur haben wir wegen der Bearbeitungsgeb\u00fchr am Hostel letztlich mehr gezahlt, wir haben auch l\u00e4nger warten m\u00fcssen als Hiroki, der einfach spontan zum Schalter gegangen war-.- Der Hochgeschwindigkeitsbus fuhr im Endeffekt genauso schnell wie unser urspr\u00fcngliche Bus gefahren w\u00e4re, war daf\u00fcr aber wenigstens gut ausgestattet und bequem. In Dali trafen wir Hiroki dann wieder und fuhren gemeinsam zum historischen Teil der Stadt, wo sich unser Hostel befand.<\/span><\/p>\n<p lang=\"zh-CN\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Dali ist ausgesprochen sch\u00f6n und vor allem ruhig. Die Stadt liegt in einem Tal zwischen wundersch\u00f6nen Bergen und und einem sehr gro\u00dfen See. Wir verbrachten den ersten Tag damit, durch die Gassen zu schlendern und von den zahlreichen lokalen Snacks zu probieren. Unter anderem kann man in Dali \u201eErkuai\u201c und \u201eRushan\u201c essen. Bei ersteren handelt es sich um eine Art Reiskuchen mit verschiedenen Auflagen, w\u00e4hrend \u201eRushan\u201c im Prinzip gebratener Joghurt ist. <\/span><\/p>\n<p lang=\"zh-CN\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Die Kultur der ganzen Region ist vor allem gepr\u00e4gt von den \u201eBai\u201c, einer chinesischen Minderheit. In Sichuan und vor allem Yunnan gibt die meisten Minderheiten in der Volksrepublik. Man trifft auf Tibeter, Bai, Naxi und viele andere Volksgruppen. China ist n\u00e4mlich alles andere als eine ethnische homogene Gesellschaft (oder eine homogene Gesellschaft im Allgemeinen). Insgesamt gibt es zus\u00e4tzlich zu den Han, die die Mehrheit bilden, 55 ethnische Minderheiten im Reich der Mitte. Obwohl das nat\u00fcrlich zu Konflikten f\u00fchren kann (sie Tibeter\/Uyghuren) hatte ich den Eindruck, dass diese Minderheiten meist wie selbstverst\u00e4ndlich Teil der Gesellschaft sind und ein harmonisches Verh\u00e4ltnis herrscht.  Direkt neben meiner Einsatzstelle befindet sich z. B. eine Moschee der muslimischen Gemeinde mitsamt Minarett und ich habe noch nie geh\u00f6rt, dass sich jemand deswegen beschwert hat. Bei Facebook existiert auch ein Bild davon. Ich m\u00f6chte daraus jetzt nicht ableiten, dass die chinesische Gesellschaft toleranter und offener ist als europ\u00e4ische Gesellschaften, daf\u00fcr kenne ich mich schlichtweg nicht gut genug aus, aber es sollte einem zumindest zum Nachdenken anregen, wie man sein eigenes und andere L\u00e4nder bewertet.<\/span><\/p>\n<p lang=\"zh-CN\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Am zweiten Tag in Dali mieteten wir uns Fahrr\u00e4der und erkundeten die Umgebung der Stadt. Es gibt dort eine Gruppe von drei Pagoden, die wir uns ansehen wollten. Der Eintritt war aber so hoch, dass wir uns entschlossen stattdessen den Berg ein St\u00fcck hinaufzufahren und so einen Blick auf die Pagoden und den dahinter liegenden Tempel zu erhaschen. Das Wetter war klasse und wir hatten eine tolle Aussicht auf die ganze Umgebung der Stadt. Sogar den See konnten wir sehen. Deshalb fuhren wir dort auch als n\u00e4chstes hin. Am Abend fuhren wir schlie\u00dflich mit dem Bus weiter nach Lijiang, einer weiteren Altstadt in Yunnan.<\/span><\/p>\n<p lang=\"zh-CN\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Lijiang war zwar sch\u00f6n, aber leider von Touristen \u00fcberlaufen. \u00dcberall waren L\u00e4den die billige Souvenirs verkauften und die Atmosph\u00e4re zerst\u00f6rten. Auch das Essen war deutlich teurer als noch in Dali. Trotzdem erkundeten wir nat\u00fcrlich Stadt und Umgebung, die vor allem von den Naxi gepr\u00e4gt sind. Von dort aus fuhren wir auch zur Tigersprungschlucht, die hinter dem von der Stadt aus sichtbaren Yulong Schneeberg liegt. Fort wollten wir bei herrlichem Wetter wandern. Wir hatten kaum Zeit und konnten deswegen nur einige sch\u00f6ne Teile der Schlucht besichtigen, statt einmal ganz durchzulaufen. Als wir an einem Ort unser Ticket vorzeigen wollten, wurde uns gesagt, dass es ein Problem g\u00e4be und wir nicht hinunter k\u00f6nnten. Wir d\u00fcrften unser Ticket zur\u00fcckgeben und bek\u00e4men den vollen Preis erstattet. Da wir bereits einige andere sch\u00f6ne Orte der Schlucht gesehen hatten machte uns das nichts aus und wir kehrten um. Wir fragten unseren Fahrer, was denn das Problem sei. Er wusste es allerdings auch nicht genau. M\u00f6glicherweise habe es etwas mit den Anwohnern zu tun, die ihre Produkte an Touristen verkaufen wollten und jetzt protestierten, weil sie das nicht durften. Vielleicht wurde auch protestiert, weil angeblich ein riesiger Staudamm wie auf dem Yangtze gebaut werden soll. Was es genau war, haben wir nicht herausgefunden, wir konnten aber noch einen Trupp Polizisten mit Helmen und Schlagst\u00f6cken aus der Ferne sehen, der sich wohl bereit machte in die Schlucht zu st\u00fcrmen. Man wollte also offensichtlich nicht, dass Touristen, insbesondere westliche, von den Geschehnissen berichten konnten. Wir kehrten also wieder nach Lijiang zur\u00fcck und genossen dort unseren letzten Tag. Hiroki fuhr bereits einen Tag fr\u00fcher ab und verabschiedete sich hier endg\u00fcltig von uns.<\/span><\/p>\n<p lang=\"zh-CN\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Wir verbrachten noch einen Tag in Kunming und gingen dann auch getrennte Wege. Annika wollte nach Guangzhou und dann nach Hongkong weiter, Julia fuhr von Guangzhou aus zu ihren Verwandten nach Shenzhen und ich fuhr nach Shanghai um dort mit Yileis Familie essen zu gehen und das Fr\u00fchlingsfest zu feiern. Wir wollten uns danach alle in Guilin in der Provinz Guangxi treffe.<\/span><\/p>\n<p lang=\"zh-CN\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Ich hatte einen Sitzplatz und musste nur noch irgendwie 40 Stunden Zeit totschlagen. Zun\u00e4chst war der Zug sehr voll, aber im Laufe der Zeit stiegen immer mehr Menschen aus und keiner stieg ein. Irgendwann hatte ich fast ein ganzes Abteil f\u00fcr mich allein und konnte mich sogar auf die B\u00e4nke legen, um zu schlafen. Wegen des Fr\u00fchlingsfests seien die meisten Leute schon bei ihren Familien und die Z\u00fcge deswegen leer. Erst nach dem Fest sei alles wieder so voll wie auf meiner Fahrt nach Sichuan, informierte mich ein Zugbegleiter.<\/span><\/p>\n<p lang=\"zh-CN\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">In Shanghai angekommen hastete ich nach Hause um schnell zu duschen, bevor ich zum Restaurant fuhr. Wir a\u00dfen gemeinsam und ich lernte einige weitere Verwandte von Yilei kennen. Danach ging ich heim und versuchte zu schlafen, weil ich von der Zugfahrt noch recht m\u00fcde war. Allerdings sind Chinesen schlie\u00dflich die Erfinder des Feuerwerks und lassen es sich nicht nehmen ihren Titel als Champions zu verteidigen. Selbst an normalen Tagen knallt es drau\u00dfen gelegentlich, weil irgendjemand meint B\u00f6ller anz\u00fcnden zu m\u00fcssen. Am chinesischen Neujahrs Abend k\u00f6nnte man aber meinen, die Revolution sei ausgebrochen (oder Taiwan greift an). In den Stunden vor Mitternacht schwillt der L\u00e4rmpegel immer mehr an und erreicht schlie\u00dflich zum Jahreswechsel ein Niveau, das selbst Silvester und der 4. Juli in Amerika zusammen wohl nicht erreichen k\u00f6nnten. Sobald das neue Jahr begonnen hat, ebbt das Ganze aber gl\u00fccklicherweise schon nach wenigen Minuten ab.<\/span><\/p>\n<p lang=\"zh-CN\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">In den Tagen danach traf ich mich dann nochmal mit Yilei und einigen ihrer Freunde zum Karaoke singen. Die Deutschlehrerin an meiner Schule informierte mich, dass ich doch nicht wie gedacht, bis zum 21. sondern nur bis zum 14. Februar frei hatte. Ich kippte also alle meine Pl\u00e4ne und fuhr direkt am n\u00e4chsten Tag zur\u00fcck nach Chengdu um Li Yao zu besuchen. Leider gab es nat\u00fcrlich wieder mal keine Sitzpl\u00e4tze mehr und ich durfte wieder stehen. Ich verbrachte dort etwa eine Woche mit ihr und wir entschlossen uns, eine Fernbeziehung anzufangen. <\/span><\/p>\n<p lang=\"zh-CN\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">Auf der R\u00fcckfahrt musste ich erneut einen Stehplatz nehmen. Diese Fahrt war dabei allerdings mit Abstand die schlimmste bisher. Auf den bisherigen Fahrten konnte ich oft den Speisewagen aufsuchen und dort sitzen. Diesmal sa\u00df ich aber von Anfang bis Ende in einer Ecke zwischen Chinesen eingequetscht auf meinem Koffer. Ich habe nichts gegessen und getrunken um Toiletteng\u00e4nge zu minimieren. Das dauerte schlie\u00dflich jedes Mal mehrere Stunden. Als ich nach der langen Fahrt ankam und am Montag zur Schule gehen wollte, teilte mir eine Lehrerin mit, das die Schule zwar schon anfange, der Deutschunterricht aber doch erst eine Woche sp\u00e4ter beginnen w\u00fcrde&#8230;<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zugfahrt nach Yunnan war k\u00fcrzer als die nach Sichuan und auch deutlich angenehmer. Wir hatten einen Sitzplatz, reichlich Verpflegung und Gesellschaft. Julia fand das Reisen im Zug ohne Bett gar nicht so schlimm, w\u00e4hrend Annika die Belastung deutlich schlechter zu verkraften schien. 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