Die drei A’s: Ankommen, Aufatmen, Akzeptieren 25/10/2019

Das letzte Wochenende war ich mit Viktoria, einer anderen Freiwilligen, in Puerto Iguazú zum Wasserfälle bestaunen. Von Eldorado aus ist es mit dem Bus nur 1h30 Stunden entfernt und es ist wirklich unglaublich, was für ein atemberaubendes Naturwunder so nah aufzufinden sein kann. Für mich war es eine Art Miniurlaub und erst da habe ich richtig realisiert, was Eldorado und speziell meine kleine Wohnung hier für mich bedeutet. Es ist ein fixer Punkt geworden, eine Art Zuhause, der bleibt… zu dem man gehen kann, wenn man nach spannenden Reisen zurückkehrt. Und bei diesem Gedanken war ich emotional etwas überwältigt, denn ich war so glücklich darüber, dass ich mich in dieser so anderen Umgebung jetzt so wohl fühle. Denn es war die erste Woche schon eine starke Umstellung für mich. Ich fühlte mich etwas in der Zeit zurückversetzt: die meisten Institutionen hier besitzen keine Website und sind zum Beispiel nicht im Internet aufzufinden. Und das war für mich in Deutschland natürlich der erste Weg, wenn ich etwas gesucht habe: Im Internet danach suchen. Anderes Beispiel ist, dass es keinen Busfahrplan gibt. Du setzt dich also einfach an die Bushaltestelle und wartest auf den Bus. Am Anfang ziemlich komisch für mich, jetzt total normal. Es gibt noch viele andere Situationen. Was man jedoch raushören kann ist, dass dies natürlich auch etwas mit einem selber macht. Das minimalistische Leben hier lässt mich bewusst werden, was man gar nicht benötigt und was wirklich wichtig ist. Klingt kitschig, aber es ist wirklich so. Ich verliere immer mehr das Verlangen mir neue Dinge zu kaufen, außer es geht um Matebecher, die haben sich heimlich in mein Herz geschlichen. So viel zum Ankommen. Und im Endeffekt auch zum Aufatmen. Geprägt waren die ersten Wochen auch von so einer gewissen Nervosität, einfach dadurch, dass so vieles so neu war, meine Umgebung so anders und ungewohnt war. Und ein anderer Aspekt spielt zu diesem Aufatmen auch mit rein: Akzeptanz. Ich befinde mich wie gesagt in einer kleinen und ländlichen Stadt. Eldorado ist kein Bildungszentrum, ein großes Kulturangebot gibt es zum Beispiel nicht. Es gibt also nicht spezielle Veranstaltungen, an welchen man Leute der gleichen Interessen kennenlernen kann. Zum Leute kennenlernen muss man quasi zum Sportclub gehen, wo man Volleyball etc. spielen kann. Und wenn ich etwas nicht kann, dann ist das Volleyball spielen. Belastet hat mich das in der Hinsicht, dass ich natürlich sehr gerne in Kontakt mit Einheimischen stehen will. In der 2. Woche (!) hat mich sehr runterzogen, dass ich nur ein paar Einheimische kannte. Ich habe mir im Endeffekt damit totalen Druck gemacht. Ich habe Was-wäre-wenn-Szenarien in meinem Kopf ausgemalt und mir irgendwann gesagt: Patricia, es gibt kein „Was wäre, wenn ich jetzt in einer Großstadt wäre, wo ganz viel los ist“, denn du bist jetzt hier, das ist gut so und genau so sollte es sein.  Jetzt weiß ich ebenfalls, dass alles seine Zeit braucht und man seine Situation wertschätzen und dies akzeptieren sollte. Ich habe in der 1. Woche Schülerinnen der 12. Klasse kennengelernt und diese sind sehr herzlich und integrieren mich ganz toll. Am Wochenende unternehme ich beispielsweise etwas mit ihnen und ihren Freunden. Und Leute, ich genieße es irgendwie auch total, unter der Woche auch mal alleine zu sein. Ich habe das Gefühl, dass ich durch diese Erfahrung, dass ich mich wirklich auch mit mir selber auseinandersetzen muss, enorm wachse. Alleine in ein Café gehen, alleine im Park ein Buch lesen etc. Es ist ein Schritt in Richtung sich selber noch besser kennenzulernen und bei sich anzukommen. Mir war vorher nicht klar, was so eine Grenzerfahrung (denn alltäglich überschreite ich meine eigenen Grenzen hier vor Ort) mit mir machen kann. Ich bin jetzt 4 Wochen hier und einfach so von Neugierde und Freude erfüllt, was alles noch kommen wird. Ich bin in diesem Moment einfach nur dankbar. Dankbar für diese Erfahrung. Dankbar für die vielen Ups und auch die Downs, die manchmal kommen. Und ganz besonders dankbar für ebenfalls meine Familie und Freunde in Deutschland, denn wenn man einmal so weit weg ist, dann realisiert man nochmal 1000-mal mehr, wie viel diese Menschen einem bedeuten. Ich schicke euch eine ganz dicke Umarmung und ganz liebe Grüße nach Hause.

Amigos, das war ein wirklich sehr tiefer Einblick in meine Gefühlswelt, aber es tut gut, dies runterzuschreiben und vielleicht kann sich ja auch jemand, der das hier liest, mit so einem kleinen Gefühlschaos identifizieren.

Bueno nos vemos entonces,

eure Patri

P.S.: Ich habe zur Zeit kein Wlan in meiner Wohnung und das WLAN in der Schule funktioniert ebenfalls nicht (hat auch einen kleinen therapeutischen Effekt, so viel habe ich noch nie in meinem Leben gelesen). Deshalb kam jetzt so lange kein Blogeintrag. Ich hatte gerade meinen Spanischkurs und lade hier jetzt vor Ort den Eintrag hoch.

 

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