Die verkackte Challenge. Diskriminierung 2/2. Update, nope.

Piece 3/8

Ich hab mir vorgenommen bis zum Ende meines Freiwilligendienstes jetzt jede Woche am Freitag einen Blogbeitrag zu posten. Das habe ich, simple gesagt, verkackt.- Und zwar ordentlich. Nichts desto trotz möchte ich weiter schreiben. Unaufhörlich werde ich über alles Mögliche schreiben, denke ich. Erwartet immer noch nichts spezifisches,- einfach nur unterhaltende, traurig und lustige sowie Gedankenprozesse anregende Texte. Vielleicht ein paar mehr Gedankenprozesse anregende Texte.

Für alle, die es juckt, gibt es sogar noch ein Update über meine letzten Wochen bis zum Nachbereitungsseminar, nicht. Wer was über mein Leben wissen will/sollte, hat meine E-Mail und/oder meine Telefonnummer und kann mich tatsächlich treffen oder mit mir schreiben. Hit me up!

 

Diskriminierung. Sollte nicht sein, ist aber allgegenwärtig. Zumindest für die Betroffenen.

Dieses Jahr habe ich mich viel mit Rassismus und Homophobie beschäftigt. Das liegt daran, dass sie mich beide direkt betreffen. Zerstörend frustrierende und gleichzeitig hoffnungsvolle Gefühle begleiteten mich auf diesem Weg.

Warum schreibe ich so plötzlich über das Schwulsein? Ich habe einen Tagesschaubeitrag zu „Mario“ gesehen.

https://www.tagesschau.de/inland/homosexualitaet-profifussball-101.html

Und ich wünschte es wäre kein Ding. Ich wünschte Mann* und Frau* könnte jede*n anflirten und jede*r wäre cool damit und wüsste wie er* beziehungsweise sie* auf diese, vielleicht ungewollte Interaktion reagieren könnte. Ich wünschte, wenn ein Mensch ihre*/seine* große Liebe ihren*/seinen* Eltern vorstellt, müsste niemand eine Enterbung befürchten oder ein riesiges Geheimnis draus machen. Ich wünschte, Outing wäre eine Sache der Vergangenheit und die Frage: „Du bist schwuuul!?“ würde nicht mehr gestellt.

Um eins klar zu stellen: Ich spreche für mich, und nur für mich, und nicht für eine undefinierte Gruppe von Menschen. Es ist am Ende ein Kommentar aus meinem Blickwinkel.

Fühlt euch zum Mitdenken und -diskutieren eingeladen!

Confession.

Fuck it! Ich bin noch nicht dort angekommen, wo ich fried- und hoffungsvoll demonstriere, um eine bessere Welt zu schaffen. Ich habe noch nicht meine goldene Mitte gefunden. Und das ist auch gut so,- zumindest für jetzt.

 

Zwei Schwule. Zwei schwule Fußballer. Mensch, wir haben 2018 und die Gesellschaft tut immer noch so als wäre ein Coming-Out, besonders im Profi-Sport, eine Tragödie, bei der am Ende zwei tot, fünf schwer verletzt und ein Dutzend, Verluste unermesslichen Ausmaßes gemacht haben. Aber,- es stimmt. Wir leben in 2018 in Deutschland und das ist immer noch die Realität. Zwei Männer, die Profisport betreiben und sich, nun ja, lieben, ist unvorstellbar. So unvorstellbar, dass mensch gar nicht wüsste, wie Mann damit umgehen soll. Ehm. Ja. Versuch doch einfach so damit umzugehen, wie mit der Sexualität von den hetero [oder bi*] Männern!? Der Mensch wird schon nicht aus einem Schrank gesprungen kommen, Christina Aguilera, Cher oder P!nk engagiert haben, damit sie singend sein Schwulsein verkünden und dich plötzlich anmachen.- Weil Du bist ja der geilste Typ auf der Welt, den jeder heiß findet. Ich bilde mir ein, dass das der Grund ist, warum diese verinnerlichte, systematische Homophobie bei Männern vorhanden ist. Sie haben so große, ehm, Angst davor, dass ein schwuler Mann* sie sexy findet und sie eventuell in der Umkleide anschaut? Es ist ja nicht so als würden hetero [und bi*] Männer Frauen sexy finden und in ihren jungen Jahren in die Mädchen umkleiden geschaut haben und sich gedacht haben: „Mann, also Mädchen sehen echt nicht so besonders aus, wie alle meinten.“ Wenn Mann sich unbehaglich fühlt, wie jeMannd ihn anschaut, dann sollte er es diesem jeMannd mitteilen. Dazu solltest Du doch die Eier haben, oder? Abgesehen davon, dass ich vom Kurs abkomme: Matt Bomer, Neil Patrick Harris und Russell Tovey wissen ja auch, wie Mann* darauf reagiert, wenn eine Frau einen sexy findet und wären nicht so unbeholfen. Mensch stelle sich vor: Sie sitzen da, voller Schock, dass sie eine Frau anmacht und haben Angst davor, dass sie sie gewaltsam zum Sex zwingen wird. Ja.- Den letzten Satz lassen wir mal tief einsinken. Es heißt nun einmal Homophobie und nicht Homoismus. Also muss ja an dieser Angst von irgendjemanden irgendetwas dran sein.

Und diese Angst ist nicht der einzige Grund warum jungen Fußballspielern vom Nationaltrainer höchst persönlich vom Coming-Out abgeraten wird.

Ich glaube es hat viel damit zu tun, wie Mann* und Frau*, in unserer deutschen Gesellschaft, immer noch in diese mittelalterlichen Boxen getan werden. Frauen* sind süß und zu beschützen.- Zerbrechen, wenn mensch nur hustet,- Nein, sie anfangen lässt zu denken! Und Männer* sind hart und haben zu beschützen.- Zerbrechen nicht einmal, wenn sie auf eine Mine,- eine Echte, Funktionierende Mine, treten. Deshalb werden die zwei Frauen* nicht ernst genommen, wenn sie für ihre Rechte kämpfen. Die zwei Männer* hingegen.- Davor muss mensch beschützt werden! Wenn die anfangen etwas zu bewegen, Gnade uns Gosh! Die könnten tatsächlich was erreichen. Und auch wenn das was ich beschreibe zu einem Großteil Gosh sei Dank nicht mehr so gelebt wird auf dem Vorgarten der deutschen Gesellschaft. Solche Ideen sind tief in der Gesellschaft verankert und deshalb immer noch zu sehen in solchen Aussagen wie: „Is was ungewohntes so und ich weiß nicht wie Mann damit umgehen würde.“ Sexismus ist ja nicht plötzlich inexistent seit dem Angela Merkel Bundeskanzlerin ist.

Schwul wurde und wird als Schimpfwort benutzt, um Männer als weniger männlich darzustellen.- Als weiblicher. Als wenn es etwas schlimmes wäre, wenn mensch weiblicher wäre!? Schwul wird von der Gesellschaft als soo weiblich betrachtet, dass jede Frau es in ihrem Leben braucht. Mensch ist doch aufgeschmissen ohne seinen besten, SCHWULEN freund. Slutshaming und Bottomshaming sind auch zwei Begriffe, die in und wegen unserer frauenfeindlichen Gesellschaft existieren. Und platte Witze zum Beispiel über die Seife am Boden in der Gefängnisdusche zu machen beziehungsweise allgemein platte Analverkehrwitze und Witze über männliche Opfer von Gefängnisvergewaltigungen wie Smarties raus zu hauen, heizt die systematische, institutionelle Homophobie bloß an und sind Teile dieser.

Nein. Tom Daley, Adam Rippon und Thomas Hitzlsperger haben kein Glass Ceiling in Staub aufgelöst. Sie haben uns nur gezeigt, dass es existiert und wie dick es ist. Sehr viel mehr Profisportler*innen müssen noch in diese dicke Glaswand laufen, damit es endlich eine RomCom über eine*n homosexuelle*n Profisportler*in gibt, die ihre/seine Liebe auf den ersten Blick in einem Flugzeug kennenlernt und sich Sorgen über die Scheidung von ihrer Frau*/ seinem Mann* machen muss, als darüber ob ihre/seine Liebe gesellschaftlich akzeptabel ist oder nicht.

Ach und noch eine Sache. Schwule Rollen kann mensch ruhig an schwule Darsteller geben. PoC Rollen landen ja, abgesehen beim Fasching in Deutschland, in den Händen von PoC Darsteller*innen. Ich weiß, Heteros können genauso gut Schwule spielen, wie Schwule Heteros. ABER, statistisch gibt es mehr homosexuelle Rollen, die von Heteros gespielt werden, als heterosexuelle Rollen die von homosexuellen Darsteller*innen gespielt werden. Im TV Bereich wird es langsam besser, aber im Filmbereich sehe ich keine Bewegung. Nicht einen Centimeter.- Millimeter! Ich möchte keinen „Call me by your name“ Film anschauen, wo zwei weiße, hetero Männer die so witzigen In-And-Outs einer schwulen Beziehung darstellen. Und es ist ja nicht so, als gäbe es nicht genug homosexuelle Darsteller*innen in Hollywood. Ernsthaft. Oder „Love, Simon“ ein weiterer Film, den ich mir nicht anschauen werde, außer die Liebe meines Lebens zwingt mich dazu. Please cast more LGBTIQ+ people as LGBTIQ+ folks. Und was ich damit nicht will, dass mensch nur aufgrund seiner Hautfarbe, Sexualität oder Religion für eine Rolle ausgewählt wird. Obwohl… #oscarssowhite Aber weil ein*e Schauspieler*in vielleicht Produzent*in wird und mehr LGBTQ+ zentriete Filme produziert, ist es wichtig in Menschen aus dieser Community zu investieren. Was mehr Repräsentation schafft. Und das ist der Schlüssel.- Neben Geld und Macht. Repräsentation. Also gebt mehr LGBTIQ+ Menschen die Macht zu sagen: „Ja, ich unterstütze mit meinem Geld weitere LGBTIQ+ Projekte.“ Und die Macht Nein zu sagen, zu verinnerlichter, systematischer Homophobie.

 

Ich brauche nicht noch mehr Filme über Kriege, Wall Street und wofür sich weiße, hetero Männer auch immer interessieren.

0 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.