{"id":75,"date":"2010-03-13T20:16:11","date_gmt":"2010-03-13T19:16:11","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/paifai\/?p=75"},"modified":"2010-03-23T14:22:48","modified_gmt":"2010-03-23T13:22:48","slug":"75","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/paifai\/2010\/03\/13\/75\/","title":{"rendered":"Xe om High Jinks"},"content":{"rendered":"<p>Gleich am 2. Tag habe ich vom Goethe Institut einen Helm bekommen, weil mich die Mitarbeiter abends \u00f6fters von hier nach da gefahren haben. Das war ja schon aufregend f\u00fcr mich. Festgeklammert an den jungen kleinen Asiatinnen, die sich da durch dieses Chaos schl\u00e4ngeln. Irgendwann war die Nacht so lau und ich so wach, dass ich nicht fahren wollte und zu Fu\u00df nach Hause gelaufen bin. Gut gelaunt, mit meinem Helm schwenkend am Rucksack, auf Gehwegen die keine Gehwege sind, sondern Abstell- und Parkpl\u00e4tze.<!--more--><\/p>\n<p>Ganz gechillt nach Hause gegangen. Wartend, was die Nacht mir erz\u00e4hlen w\u00fcrde, w\u00e4hrend sie mich mit so offenen Armen durch die Stra\u00dfen trug. Und aufeinmal dann hab ich gemerkt, welches Abendteuer mir bisher entgangen war:<br \/>\nDas Xe Om (ausgesprochen: say-ome). Ach ja, mein geliebtes Xe om.<\/p>\n<p>Xe steht f\u00fcr Moto (Motorbike) und &#8222;om&#8220; heisst wohl so viel wie: &#8222;hold on for real life!&#8220; &#8230;Also einfach gesagt: Motorbike-Umarmung.<br \/>\nMotorr\u00e4der sind \u00fcberall in Hanoi. Ich w\u00fcrde sogar sagen, sie sind hier D A S Kulturgut und gestalten die Szene, pr\u00e4gen die Lebensweise der Hanoians. Motorbikes sind laut, stinken, verpesten die Luft und sind extrem ungesund f\u00fcr uns. Aber: Sie machen Sinn in Hanoi.<br \/>\nDie Stadt w\u00e4chst gef\u00e4hrlich schnell und der Verkehr w\u00e4chst mit. <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/paifai\/files\/2010\/03\/xe-om-12.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-76\" title=\"xe om 1\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/paifai\/files\/2010\/03\/xe-om-12.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"334\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/paifai\/files\/2010\/03\/xe-om-12.jpg 500w, https:\/\/kulturweit.blog\/paifai\/files\/2010\/03\/xe-om-12-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a>Die Situation ist katastrophal. Mit dem Auto ist man f\u00fcr eine K\u00f6lner 5 Minuten Strecke bestimmt 20 Minuten on tour, selbst ohne Verkehrsregeln und Ampeln wie hier. Die Motorbikes folgen rein gar keinem System. Sie fahren 8-12 spurig und au\u00dfer an den riesigen Kreuzungen, gibt es keine Ampeln oder Schilder. Die einzige Verkehrsregel die es hier unausgesprochen gibt ist: In die Kreuzung reinfahren und hupen. Es wird nur gehupt. Die ganze Zeit. Aus Angst \u00fcbersehen zu werden, als Warnung oder als Verwarnung, weil der Nebenmann zu nah dran ist oder der Vordermann zu langsam. Mit dieser \u201eFahrweise&#8220; ist man nat\u00fcrlich weitaus schneller unterwegs. Und nur so kann der Verkehr in Hanoi noch funktionieren. Trotzdem versetzten diese 1,5 Millionen Motorr\u00e4der die Stadt in einen st\u00e4ndigen Ausnahmezustand. Viele Touristen sind damit total \u00fcberfordert. Und ich schlendere nichts ahnend durch die Nacht, bis mich ein hagerer Mann entdeckt, der vorher noch gem\u00fctlich auf seinem Motorrad gesessen hatte. Er flippt die Kippe weg und zeigt aufgeregt auf meinem Helm. Neugierig wie ich bin, ging ich zu ihm hin. Erst nach einem wild gestikulierendem &#8222;Gespr\u00e4ch&#8220; habe ich dann verstanden, was er mir anbieten wollte. Ich habe ihm meine Adresse auf einen Stift aufgeschrieben und einen Preis vorher abgemacht. Dann hab ich mich hinten daraufgesetzt und er hat mich durch die tiefe Nacht 15 Minuten nach Hause gefahren. F\u00fcr umgerechnet 80 Cent. Danach war ich wie beschwipst. Das ist schon was anderes ob man bei einer jungen zarten und vorsichtigen vietnamesischen GI-Mitarbeiterin hintendrauf sitzt, oder sich zitternd an die Jackenreste eines fremden Mannes klammert. Der ist durch diesen Wahnsinnsverkehr so schnell durch.<\/p>\n<p>Ich bin die letzten Meter wirklich taumelnd zur Haust\u00fcr, so berauscht hat mich diese Tour. Erst sp\u00e4ter habe ich in meiner Nachtlekt\u00fcre entdeckt, dass ich grade mein erstes Xe Om hinter mich gebracht hab. Man das ist toll, das ist echte Akkulturation dacht ich mir. Naja gut &#8230;ich will euch nichts vormachen&#8230;haupts\u00e4chlich ist das wohl purer Kick und Adrenalin.<br \/>\nIn meinem Reisef\u00fchrer steht \u00fcbrigens:  &#8222;Cross your fingers and hope you&#8217;ve chosen well, because you&#8217;re putting your life in their hands.&#8220; <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/paifai\/files\/2010\/03\/Xe_om2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-81\" title=\"Xe_om\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/paifai\/files\/2010\/03\/Xe_om2-300x249.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"249\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/paifai\/files\/2010\/03\/Xe_om2-300x249.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/paifai\/files\/2010\/03\/Xe_om2.jpg 380w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Und leider ist diese Aussage nicht \u00fcbertrieben. Aber bevor sich meine Mutter nach diesem kleinen Essay nicht mehr zur Ruhe legen kann, kommt hier die gro\u00dfe Neuigkeit: Ich bewege mich n\u00e4mlich &#8222;langsam&#8220; wieder weg von den Xe-Om-Kicks. Seit heute bin ich stolze Besitzerin eines Fahrrads.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/paifai\/files\/2010\/03\/DSC02291_l1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-84\" title=\"DSC02291_l\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/paifai\/files\/2010\/03\/DSC02291_l1-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/paifai\/files\/2010\/03\/DSC02291_l1-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/paifai\/files\/2010\/03\/DSC02291_l1.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Viel besser als das, was ich damals in Melbourne hatte. Und auch viel billiger. Es hat keine Gangschaltung aber immerhin 2 Bremsen und nen Korb. Ich habe es pro Monat gemietet. Heute bin ich also erstmalig auf zwei R\u00e4dern durch Hanoi. Vielleicht liegt es echt an den Ballerspielen meiner fr\u00fchsten Kindheit (&#8222;Unreal Tournament\u201c, \u201eMafia\u201c \u201eNeed for Speed\u201c etc&#8230;) das ich hier eher unerschrocken bin? :-)) Ich habe jedenfalls keine Probleme mich genau dieser Fahrweise anzupassen. Viel schwieriger ist es bei mir mit der Orientierung: Ich habe Hanoi noch nicht ganz gecheckt und werde wohl noch ein wenig l\u00e4nger brauchen als normalerweise bei fremden St\u00e4dten, da ich durch die festen Arbeitszeiten weniger Zeit zum erkunden habe. (Nur ab nachmittags und am Weekend)<\/p>\n<p>Das eigene Motorbike (auf Miete) ist aber schon geplant. Sich auf der Stra\u00dfe zu bewegen gibt einem wirklich das Gef\u00fchl, Teil der Kultur zu sein. Also hab ich eigentlich doch ein kleines winziges bisschen Akkulturation geschafft heute, oder?<\/p>\n<p>Ich hoffe euch hat der kleine beschriebene Motorbike-Trip und die Fotos gefallen. <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/paifai\/files\/2010\/03\/hanoi-taxi1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-80\" title=\"hanoi taxi\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/paifai\/files\/2010\/03\/hanoi-taxi1.jpg\" alt=\"\" width=\"504\" height=\"477\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/paifai\/files\/2010\/03\/hanoi-taxi1.jpg 504w, https:\/\/kulturweit.blog\/paifai\/files\/2010\/03\/hanoi-taxi1-300x283.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 504px) 100vw, 504px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gleich am 2. Tag habe ich vom Goethe Institut einen Helm bekommen, weil mich die Mitarbeiter abends \u00f6fters von hier nach da gefahren haben. Das war ja schon aufregend f\u00fcr mich. 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