Monguí: Ökotourismus und Kohlebergbau

Der Tourismus in Kolumbien entwickelt sich langsamer und später als z.B. in Peru oder Ecuador, wo europäischer und amerikanischer Massentourismus bereits seit vielen Jahren eine Rolle spielen. Grund dafür ist insbesondere die schlechte Sicherheitslage der vergangenen Jahrzehnte und das politische Auf-und-Ab in Kolumbien. In den letzten Jahren avanciert das Land allerdings vom lateinamerikanischen Geheimtipp zu einer der beliebtesten Tourismusdestinationen des Kontinents.

Die Pazifikküste, Sapzurro an der Grenze Panamas, Popayán im Süden von Cali. In Kolumbien gibt es viele Orte mit reicher Kultur, eindrucksvoller Landschaft und besonderem Flair. Einer meiner Lieblingsorte im Land ist das kleine Dörfchen Monguí im Bundesland Boyacá, das ich im Juni besuchen durfte.

Die Gegend um Monguí wurde schon vor hunderten Jahren von Ureinwohnern besiedelt. Verschiedene Páramo-Ökosysteme machen das Land fruchtbar, denn die Pflanzen zwischen 3000 und 5000m Höhe absorbieren Wasser aus der feuchten Luft. Eine Gefahr für die Natur stellen vor allem die Bauern dar. Die indigenen Vorfahren in der Region lebten rein vegan, heute grasen jedoch Rinder an den fruchtbaren Berghängen. Immer weiter dringen die Wiederkäuer vor und zerstören dabei die Páramos. Zudem liegt Monguí etwa 30 Minuten entfernt von den Steinkohleminen Sogamosos, einer der dreckigsten Städte des Landes.

Heutzutage entdecken manche Touristen das kleine Bergdorf und steigen mit lokalen Führern in die Páramoregionen auf. Vor allem die traditonellen Bauern finden das teilweise nicht gut – andere Einheimische, wie die Bergführer von TourisMongui, haben das Potenzial des Tourismus in Monguí aber erkannt. Ein nachhaltiger Tourismus als alternative Einnahmequelle kann die Viehwirtschaft zugunsten des Naturschutzes beschränken. Optimal wäre eine gemeinsame Lösung der Gemeinde, um den Bergtourismus umweltschonend auszubauen. Viehwirte müssten angemessen entschädigt, Profite gerecht verteilt und Arbeitsplätze für Einheimische geschaffen werden.

Bei meiner Tour zur Laguna Negra wurde meine Gruppe von einem älteren Einheimischen geführt, der wenige Jahre zuvor noch unter Tage in Sogamoso gearbeitet hatte. Als junger Mann hat er sein Geld mit dem Roden von Bäumen zur Weidelandgewinnung verbracht. Jetzt kehrte bei ihm und vielen anderen Menschen ein Bewusstsein für das touristische Potenzial der Region ein. Auf mich als Tourist wurde eine regelrechte Aufbruchstimmung übertragen, denn wer sich in Monguí wohlfühlt, kann die Entwicklung des Projektes „Nachhaltiger Tourismus in Monguí“ hautnah mitverfolgen.

Die langsame Tourismusentwicklung der letzten Jahrzehnte in Kolumbien ermöglicht heute magischen Orten wie Monguí oder Sapzurro einen nachhaltigen Tourismus aufzubauen. Während in anderen Urlaubsgebieten der Welt die Massen von Touristen schon längst Kulturen oder Landschaften verändert haben, hat Kolumbien die Chance, viele Dinge richtig zu machen. Kolumbien braucht jetzt eine Regierung, die das wirtschaftliche Potenzial von verantwortlichem Tourismus erkennt und weiter daran arbeitet, eines der schönsten Länder der Welt für Touristen zu öffnen und dabei dessen Schätze zu bewahren.

 

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