Eintrag Nr. 1 im Jahr 2019, sogar mit Fotos

Orscha, 10. Januar 2019. – Вот, sooo…

Nach dem Besuch meiner Schwester in den Ferien geht für mich endgültig der Alltag wieder los. So lange wird das gar nicht mehr Alltag sein, es sind nur noch sechs Wochen bis zur Rückreise. Diese Wochen sehen bisher noch sehr leer aus, aber sie werden sich schon füllen. Wieder einmal merke ich, dass dieses halbe Jahr nur eine Zwischenstation ist, alles hier – bald geht es zurück, und dann wird es ganz normal sein, wieder in Deutschland zu leben. Alles ist so komisch, ich verstehe es selbst nicht. Im Blog meiner Vorgängerin lese ich, wie sie die gleichen Menschen beschreibt, die ich auch kennengelernt habe, und zu denen sie jetzt vermutlich genauso wenig Kontakt mehr hat wie ich bald haben werde, ohne dass irgendjemand das komisch findet. Das macht mich unheimlich nachdenklich.

In den letzten Tagen mit meiner Schwester haben wir überwiegend Orte besucht, die ich mindestens grob schon kannte. Das hat einige Nebeneffekte:

*Ich kenne mich dort ganz gut aus, was essenziell ist – dieses Grundwissen, aber am besten mit genug Russisch versehen, ist in Belarus sehr hilfreich

*Bei mir kommen ständig Erinnerungen hoch, ohne dass ich weiß, was ich mit all ihnen machen soll

*Mein Eindruck von einigen Orten ändert sich – z.B. ist Magiljow doch viel interessanter und schöner, als ich dachte (würde ich gerne im Frühling/Sommer sehen…)

*Meine Schwester kann mit ihrer guten Handykamera endlich Fotos von diesen Orten machen, die ich hier nachschieben kann.

In diesem Beitrag kommen also endlich wieder viele Bilder.

Neujahrsdeko auf dem Ruhmesplatz in Magiljow

Zuerst sollte ich noch über Neujahr in Minsk erzählen. Im Gegensatz zu Deutschland gilt Neujahr hier als das größte Fest, nicht Weihnachten. Das geht so weit, dass der Weihnachtsmann bzw. Väterchen Frost an Neujahr kommt, es keine Weihnachts- sondern eher Neujahrsgeschenke gibt und die jüngeren Schüler bei Bildern von Weihnachtsdeko zuerst an Neujahr denken. Dementsprechend ist in Minsk an Neujahr Einiges los. Auf großen Plätzen gibt es vor und nach 0 Uhr öffentliche Konzerte, teilweise sind sehr viele Menschen auf den sonst eher leeren Straßen.

Aus der Perspektive von meiner Schwester und mir sah das Ganze so aus:

  1. Am Platz der Republik stehen viele Leute, doch die Konzertbühne ist um 23 Uhr noch leer. Auch bis kurz vor 0 Uhr tut sich eher wenig.
  2. Ein junger Mann engagiert uns mit anderen Passanten zusammen als Wunderkerzenhalter im Hintergrund, während er seiner Freundin einen Heiratsantrag macht.
  3. Kurz vor 12 wird die Neujahrsansprache des Präsidenten übertragen, die, nach dem was ich verstehe, keinen besonders wichtigen Inhalt hat.
  4. Danach Countdown. Um Mitternacht jubeln alle ein bisschen, aber es gibt – für uns überraschend – kein Feuerwerk.
  5. Meine Schwester ist völlig verwirrt, als Väterchen Frost auf die Bühne steigt und allen Anwesenden ein frohes neues Jahr wünscht.
  6. Väterchen Frost übergibt die Bühne an belarussische Sänger*innen. Der Platz leert sich deutlich.
  7. Etwas später sind die Straßen ziemlich leer, es gibt fast kein Feuerwerk. Wir wollen schon gehen. Auf einem anderen Platz ist dafür mehr los.
  8. Gegen viertel nach eins kommen aus der Metro auf einmal hunderte oder tausende Menschen, die нямига ist so voll wie noch nie.
  9. Kurz darauf erfahren wir den Grund: um halb zwei gibt es ein zentrales Feuerwerk („Salut“), das sich die Menschen anschauen. Das, zusammen mit den Konzerten, scheint draußen das Wichtigste zu sein. In das Familienfest haben wir eben keinen Einblick…

Die Metro fährt an Neujahr übrigens ausnahmsweise bis vier Uhr nachts (!).

Hier jetzt Bilder, wie versprochen.

Ein Teil des massiven Regierungsgebäudes in Magiljow „Allee der Helden“ (Magiljow) Ein „Dranburger“ – Draniki (Pfannkuchen) statt Brötchen

Witebsk Marc-Chagall-Zentrum in Witebsk

Weitere Fotos hebe ich mir noch auf :)

Der erste Schultag war wieder ein guter Tag, vor allem natürlich durch die motivierten Viertklässler. Die nächste Zeit kann doch schön werden, mitten in all dem Schnee. Bei -25° gibt es kältefrei, habe ich jetzt erfahren, und das kam in den letzten Jahren auch vor… Mal sehen, was die nächste Zeit bringt, was ich aus meinen letzten sechs Wochen hier machen kann. Vilnius muss eigentlich noch einmal sein.

Ausstellung in Witebsk

Aktuell sind es etwa -8°C hier, die Temperaturen bewegen sich zurzeit zwischen -7 und -12°.

Всё. Ich melde mich demnächst wieder, bis dann. До свидания!

Jonathan

P.S.: Noch ein unnötiger Fun-fact:

Ist es nicht lustig, dass Russisch Вот (siehen oben, gesprochen wot, entsprichtsooo, also„, wie Englisch „well)…

…genauso aussieht wie Portugiesisch Bom  (gesprochen wie Franz. bon, „gut“)?

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