Es wird ernst(er) – Der Vorseminarschnee

Orscha, 17. November 2018. – Passend zum neu gelernten Satz „наступила долгожданная зима“ (ein langerwarteter Winter ist angebrochen) beginnt in Orscha der Winter: am Dienstag hat es das erste Mal so richtig geschneit, der Restschnee liegt bis jetzt noch. Die Temperaturen schwanken um null Grad, soll heißen, am Morgen Minusgrade (gerade sind es -8°!) und am Nachmittag dann wärmer, bis zu 4°C, so war es gestern.  Bei den anderen Freiwilligen gab es übrigens keinen Schnee, Orscha ist da schon etwas Besonderes.

Sehr bald ist auch schon die Hälfte des Freiwilligendienstes erreicht – überrascht mich gar nicht so sehr, da die Zeit unheimlich gefüllt war – weshalb es für uns Freiwillige aus der ehemaligen Homezone 18 (Gruppe Belarus, Ukraine, Moldau) auf unser Zwischenseminar in Iwano-Frankowsk (Ukraine) geht. Morgen steht uns die lange, anstrengende Anreise per Zug bevor, doch das Seminar wird hoffentlich entspannt und vor allem gesellig… es muss eine ganz besondere Atmosphäre sein, es ist toll, dass wir eine ganze Woche zusammen verbringen können. Und auch ein bisschen Ruhe vor den Terminen der nächsten Zeit, wenn wir einmal angekommen sind.

Und noch mal eine Beobachtung aus dem Deutschunterricht: der Freitag war interessanter als die Freitage davor, aber mir ist vor allem wieder aufgefallen, wie viel unnötiges Zeug die Schüler lernen müssen. Meine Aufgabe ist häufig, Hausaufgaben abzufragen, denn diese bestehen oft aus Auswendiglernen. Am Freitag musste z.B. Klasse 8 die im Deutschbuch abgedruckten Musikstile aufsagen.

25 Musikstile. Ohne Erklärung, ohne Erzählen. 25 (!) Wörter aufsagen, von denen die meisten auf Englisch sind, und von denen ich einige noch nie gehört habe (Dancehall? Break n Beat?). Der Lerneffekt dieser Hausaufgabe ist de facto 0, aber niemand stellt sie in Frage.

Dazu tolle Lesetexte im Buch, die entweder „Jugendliche“ mit Namen wie Ronald oder Torsten zu Wort kommen lassen, oder vor deutscher ausländischer Kulturpolitik nur so triefen („Deutschlands Ruf als bedeutende Musiknation ist für immer mit den Namen von Bach, Beethoven, Brahms, Händel, Wagner verbunden„).

Das ist nur ein Beispiel, und das ist auch nur der inhaltliche Teil. Über die Grammatik will ich gar nicht reden.

Irgendwie bin ich noch gut durch den Rest der Woche gekommen, indem es an Terminen und Ähnlichem nicht gemangelt hat. Aber dazu kamen immer wieder auch angenehme Stunden, über die ich mich freuen konnte, teilweise in der Schulzeit, teilweise außerhalb.

Allerdings auch sehr viel Stoff zum Nachdenken. Seit einem langen Gespräch gestern sehe ich Belarus noch einmal anders und verstehe Vieles vielleicht besser. Und es sieht nicht gut für das Land und die Leute aus, eher traurig.

An dieser Stelle werde ich nicht viel mehr schreiben. Ich hoffe auf eine gute Anreise in die Ukraine und melde mich von dort aus hoffentlich wieder.

До свидания и всего хорошего,

Jonathan

 

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