{"id":310,"date":"2024-06-29T02:11:04","date_gmt":"2024-06-29T00:11:04","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/nicolasschilling\/?p=310"},"modified":"2024-06-29T02:11:04","modified_gmt":"2024-06-29T00:11:04","slug":"das-war-mal-ne-achterbahnfahrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/nicolasschilling\/2024\/06\/29\/das-war-mal-ne-achterbahnfahrt\/","title":{"rendered":"Das war mal ne Achterbahnfahrt!"},"content":{"rendered":"<p>La Paz, 22. Juni 2024<\/p>\n<p>Lange Zeit blieb es ruhig auf diesem Blog. Die letzten Monate waren allerdings alles andere als das. In Bolivien passiere die Dinge eben, nur nicht so, wie sie geplant sind.<\/p>\n<p>Der bolivianische Sommer geht zu Ende und somit auch die Ferien. Der Herbst beginnt und somit auch wieder die Schule. Um mich wenigstens schon wieder etwas mit der Arbeit vertraut zu machen, fragte ich bei meinen Lehrerkolleginnen an, wie es ab Montag wieder losginge, ob alles so bleibt oder was sich vielleicht \u00e4ndert. Und Ver\u00e4nderung gab es definitiv genug. Denn ich bekam als Antwort zur\u00fcck, alle drei Lehrerinnen haben die Schule verlassen. Es sollen daf\u00fcr zwar neue Lehrer kommen, aber keiner w\u00fcsste, wer diese seien. Ich sollte aber gerne berichten, wie der erste Montag nach den Ferien so verlief.<\/p>\n<p>Anscheinend war auch in der Schule keiner auf meine erneute Anwesenheit vorbereitet. Von dem Direktor wurde ich mit den Worten \u201eSigues ense\u00f1ando?\u201c (Du unterrichtest hier immer noch?) empfangen. Da auch der Kapit\u00e4n (oberster Direktor) ein neuer ist, wurde ich ebenfalls kurz vorgestellt. Es folgten zwei Tage, in denen mit mir Flipper gespielt wurde und ich von einem B\u00fcro ins n\u00e4chste geschoben wurde und mich mehr oder weniger hier \u201eerkl\u00e4ren\u201c musste, mir die Hausregeln angeh\u00f6rt habe und mir eine Schuluniform verpasst wurde. Die neuen Deutschlehrer konnten mich dabei aber gut unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Nach ein paar Wochen kehrte dann Normalit\u00e4t in meinen Alltag zur\u00fcck. Schule, Sport und Spa\u00df am Leben (vor allem das Kochen habe ich hier nochmal mehr f\u00fcr mich entdeckt). Au\u00dferdem habe ich zwei Mal pro Woche Volleyballtraining, oder wie es hier in Bolivien gespielt wird: Wally. Mit den \u201eHijas\u201c (w\u00f6rtlich \u201eTochter\u201c, verwendet aber unter m\u00e4nnlichen Freunden) und \u201ePrimas\u201c (w\u00f6rtlich \u201eCousine\u201c, verwendet f\u00fcr weibliche Freundinnen) ist auf jeden Fall immer f\u00fcr gen\u00fcgend Spa\u00df gesorgt. Und mein Spanischwortschatz erweitert sich in jeder Hinsicht um die bolivianischen Jugendw\u00f6rter.<\/p>\n<p>Fast verlierte ich mich in einem Gef\u00fchl des bolivianischen Sp\u00e4tsommers. Naja, fast.. Eine ziemlich starke Bronchitis-Infektion legte mich f\u00fcr gut zwei Wochen flach. Und wie schon vorher erw\u00e4hnt, sind das die ungem\u00fctlichen Momente hier in Bolivien. Aber auch das \u00fcberstand ich. Kopf hoch, Krone richten, weitermachen (so h\u00e4tten es die Hamburger jetzt gesagt). So einfach sollte es aber nicht sein. Kaum war ich wieder zur\u00fcck in der Schule, fand ich mich mal wieder allein vor. Nur dieses Mal ganz allein, ganz ohne Deutschlehrer. Denn die drei neuen Deutschlehrer durften nach circa 2,5 Monaten gleich wieder gehen. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr w\u00fcrden an dieser Stelle den Ramen sprengen. Fest stand allerdings, dass die Lehrer nicht mehr kommen sollten. Fest stand daf\u00fcr noch nicht, wer die leeren Stellen f\u00fcllen sollte. Denn ich allein kann und darf ich das gar nicht stemmen.<\/p>\n<p>Es folgten f\u00fcr mich einige Wochen eines \u201eArbeitsvakuums\u201c. Konnte ich ans Goethe Institut, um meinen Freiwilligendienst dort zu beenden? Sollte ich warten, bis sich neue Lehrer gefunden haben? Und wann geht es dann weiter? Da ich in dieser Zeit regen Kontakt zu meiner Partnerorganisation pflegte, wurde ich gl\u00fccklicherweise erneut nicht ganz allein gelassen. Und da mit Ostern sowieso ein paar Feiertage vor der T\u00fcr standen, entschied ich mich erstmal f\u00fcr ein langes Wochenende nach Chile zu fahren. Und mit der Entscheidung habe wirklich ins schwarze getroffen. Denn in Chile traf ich auf Sommer, Sonne, Strand und Meer. Das erste Mal am Pazifik. Und dann gleich im Sonnenuntergang surfen gewesen, mit den Hostelmitbewohnern am Strand ein Bier getrunken und bei einem Strandspaziergang den rauschenden Wellen gelauscht.<\/p>\n<p>Das Wochenende verging nur leider viel zu schnell, daf\u00fcr hat sich inzwischen in der Arbeitsfrage eine L\u00f6sung gefunden: Die \u201ealten\u201c Lehrerinnen aus dem vergangenen Jahr sollen an die Schule zur\u00fcckkehren (nur eine Lehrerin wird durch eine neue ausgewechselt). Und so konnte es auch f\u00fcr mich wieder in der Schule losgehen, in ganz altbekannter Manier. Und tats\u00e4chlich war ich mit der Option auch zufrieden. Kr\u00e4ftig erholt trat ich also wieder den Dienst an. Diesmal hoffentlich ohne weitere Hindernisse.<\/p>\n<p>R\u00fcckblickend denke ich trotzdem positiv auf die Zeit zur\u00fcck. \u201eBolivien wollte mich da einfach mal testen\u201c. Sicherlich war es manchmal nicht einfach, war ich ratlos, energielos. Aber alles in allem, w\u00fcrde ich mal sagen, dass ich den Test bestanden habe. Und die Belohnung? Neben einiges an Durchhalteverm\u00f6gen und Stressresistenz, viele einzigartige Momente, die mir das Land schon gegeben hat.<\/p>\n<p>Wie und wo ich den bolivianischen Winter verbringe, werde ich im n\u00e4chsten Post aufdecken.<\/p>\n<p>Hasta pronto<\/p>\n<p>Nico<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>La Paz, 22. Juni 2024 Lange Zeit blieb es ruhig auf diesem Blog. Die letzten Monate waren allerdings alles andere als das. In Bolivien passiere die Dinge eben, nur nicht so, wie sie geplant sind. 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