{"id":244,"date":"2023-12-03T03:27:04","date_gmt":"2023-12-03T02:27:04","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/nicolasschilling\/?p=244"},"modified":"2023-12-03T03:27:04","modified_gmt":"2023-12-03T02:27:04","slug":"bolivien-er-ge-und-ueberlebt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/nicolasschilling\/2023\/12\/03\/bolivien-er-ge-und-ueberlebt\/","title":{"rendered":"Bolivien er-, ge- und \u00fcberlebt"},"content":{"rendered":"<p>Sucre, <del>Trinidad<\/del>, Cochabamba und La Paz, 02.11. &#8211; 02.12.2023<\/p>\n<p>Dass ich jetzt schon l\u00e4nger nichts geschrieben habe, kann ein gutes Zeichen sein. Ich komme an, habe mehr zu tun, erlebe mehr, sorge mich weniger. Genauso kann es ein schlechtes Zeichen sein. Ich suche noch, es passiert nicht viel, es gibt wenig zu erz\u00e4hlen.<br \/>\nDoch in den letzten Wochen habe ich angefangen mich zunehmend bolivianischer zu f\u00fchlen, mehr entspannter und weniger hektisch zu sein.<br \/>\nEs ist in diesem Fall ein gutes Zeichen gewesen.<\/p>\n<p>Da einige Ereignisse schon eine Weile, mindestens 3 Wochen, zur\u00fcck liegen (und mein Kurzzeitged\u00e4chtnis dann doch gut kracht), versuche ich mir das Erlebte an einigen Stellen zusammenzureimen und zu Wort zu bringen, was ich so an Gedanken und Gef\u00fchlen mitgenommen habe.<\/p>\n<p>Mein aktuell gr\u00f6\u00dfter Segen und Fluch zugleich sind die vielen fest verplanten Wochenenden. Seit einem Monat hatte ich davon nicht einmal eins frei. Und auch in der kommenden Ferienzeit muss das Jahr ausgenutzt werden, mehr Bolivien kennenzulernen. Luxusprobleme.. Andererseits, und ich hoffe, dass man mich da auch nachvollziehen kann, genie\u00dfe ich die Momente nichts machen zu m\u00fcssen, morgens gem\u00fctlich in den Tag zu leben und nicht einer Verpflichtung nachgehen zu m\u00fcssen. Nur f\u00fcr ein Wochenende.<\/p>\n<p>Nach dem (ersten) besuch am Titicaca, folgte also ein Besuch in der traditionellen Hauptstadt Boliviens, Sucre. Um an der Stelle einmal einen gro\u00dfen Unterschied zwischen Deutschland und Bolivien aufzudecken: Der Personentransport reduziert sich hier auf (Nacht)Busse und Flugzeuge. Auch wenn sie an manchen Tagen die gr\u00f6\u00dfte Krise ist, vermisse ich doch die Deutsche Bahn. Die M\u00f6glichkeit zu haben, \u00fcberall problemlos und zu fast jeder Zeit hinzukommen, die gibt es hier nicht. Um dann aber wieder die positive Kurve zu bekommen: Die Nachtbusse sind (teilweise) wirklich bequem und so sind auch l\u00e4ngere Fahrten gut auszuhalten. Es sei denn, der Fahrgast zwei Reihen weiter schnarcht.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu Sucre. Um mein pers\u00f6nliches Fazit schonmal vorwegzunehmen: Sucre ist der sch\u00f6nste Fleck auf der bolivianischen Landkarte. Vielleicht, weil es mich wirklich einmal aus La Paz rausgeholt hat? Es war warm, die wei\u00dfen H\u00e4user \u00fcberzeugen in der Architektur, gro\u00dfe Parks und Pl\u00e4tze geben Ruhe und Entspannung und die Zimtrollen erinnern an Franzbr\u00f6tchen. Vielleicht, weil wir als Gruppe (mit meiner Mitbewohnerin und zwei Freiwilligen aus Santa Cruz) ganz gut harmoniert haben? Vielleicht, weil alles sehr entschleunigt wirkte? Auf jeden Fall war es die Reise wert und es wird wohl auch nicht das letzte Mal dort gewesen sein. H\u00e4tte ich gerne meine Einsatzstelle in Sucre gehabt? Die Frage ist schwierig zu beantworten, weil ich anders als La Paz nie dort \u201egelebt\u201c habe. Es ist wohl aber einfach der Fakt, dass ich zu den Pace\u00f1os (Bewohner La Paz) gebracht wurde und mich hier zuhause f\u00fchle.<\/p>\n<p>Das Wochenende darauf geschah das wahrscheinlich bolivianischste, was mir bis jetzt passiert ist. Der Plan war f\u00fcr das einw\u00f6chige Zwischenseminar mit allen in Bolivien arbeitenden Freiwilligen in den Regenwald nach Trinidad zu fahren. Am Tag davor also noch schnell nen Flug gebucht, um rechtzeitig zum Seminar anzukommen. Zwei Freiwillige sind Samstag bereits dort eingetroffen, um die Lage auszuchecken. Um die 40 Grad, der Nachbar f\u00e4hrt einen mit dem Motorrad zum 30 Minuten entfernten Supermarkt, daf\u00fcr das Haus ziemlich gro\u00df und vielversprechend. Das wichtigste Ausstattungsmerkmal: funktionierendes Internet. Was es nicht gab: funktionierendes Internet.<\/p>\n<p>Eine Kurzfassung von Samstagabend und Sonntagmorgen. Mit den anderen Freiwilligen kurzgeschlossen, nur alle 10 Minuten eine Nachricht aus Trinidad bekommen (weil das Internet ja nicht wirklich funktionierte), Trinidad abgeblasen, zum Abendessen ein Curry gekocht und gegessen, mit Airbnb Mitarbeitern telefoniert, boa (boliviana de aviaci\u00f3n) Stornierungsbedingungen versucht zu verstehen. Am n\u00e4chsten Morgen um 5Uhr zum Flughafen gefahren (weil der gebuchte Flug um 8:30 ginge), den Flug0 von Trinidad nach Cochabamba umgebucht (neue Stadt, neues Gl\u00fcck), Airbnb in Cochabamba gebucht (diesmal mit Internet) und um 12Uhr geflogen, 13Uhr in Cochabamba.<\/p>\n<p>Die Hauptstadt des Essens (und G\u00e4rten) war am Anfang ziemlich hei\u00df, zwischendrin sch\u00f6n und am Ende ihren Namen aller Ehren wert. Die Hauptbesch\u00e4ftigung lag nat\u00fcrlich in unserem Zwischenseminar mit kulturweit. Daneben blieb allerdings noch die ein oder andere Stunde am Morgen und Abend f\u00fcr schwimmen und Sauna, kochen und spazieren. \u00dcberanstrengt haben wir uns in der Woche ehrlicherweise nicht, bei der etwas Hitze aber auch unertr\u00e4glich.<\/p>\n<p>Vom Stadtbild wurde ich jetzt ehrlicherweise nicht so sehr vom Hocker gehauen. Da gibt es meiner Meinung nach besseres und schlechteres. Kulinarisch hat Cochabamba aber einiges zu bieten. Challenge f\u00fcr alle, die es mal nach Cbba zieht. Das Pique grande in weniger als 30 Minuten allein wegputzen. F\u00fcr alle, die es vielleicht nicht mehr dorthin verschl\u00e4gt: das Pique grande ist die gro\u00dfe Version vom Pique Macho, aus Pommes, W\u00fcrstchen, angebratenem Fleisch, Zwiebeln, Tomaten und Ei, dass man sich normalerweise an einem ganzen Tisch teilt. Aprovech\u00f3!<\/p>\n<p>Zur\u00fcck nach La Paz. \u201ePass immer gut auf deine Sachen auf und sei kritisch!\u201c, hat man mir vor und w\u00e4hrend der Reise immer wieder gesagt. Gerade am Anfang, als vieles f\u00fcr mich noch sehr neu war, hielt ich mich auch ziemlich strickt an diesen Ratschlag. Ich war manchmal schon fast \u00fcbervorsichtig. Mit der Zeit lernt man Land und Sitten kennen und so lockern sich auch meine Vorsichtsma\u00dfnahmen. Ich kann sagen, dass ich mich bis heute nicht einmal unwohl oder unsicher gef\u00fchlt habe. Ich wei\u00df, wo ich es nicht unbedingt ausreizen muss, abends einen Spaziergang zu machen. Ich wei\u00df, an welchen Orten ich noch einmal mehr auf meine Sachen aufpassen muss. Doch es kam, wie es kommen musste. Eine Unachtsamkeit, ein kurzer Moment reicht, und.. Portemonnaie weg. Ich habe weiterhin nicht das Gef\u00fchl, ich k\u00f6nnte in jeder n\u00e4chsten Sekunde ausgeraubt werden. Trotzdem erinnerte es mich daran, dass man vielleicht doch noch ein zweites Mal checkt, ob der Reisverschluss der Tasche auch wirklich zu ist.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich hei\u00dfts jetzt weiterhin: Bolivien erleben, Bolivien \u00fcberleben und vor allem Bolivien leben. Dazu habe ich jetzt 2! Monate Schulferien, in denen auch schon einiges geplant ist. Wie gesagt, ausgebuchte Wochenenden.. Ich schaue aber mit sehr viel Optimismus in die Zukunft und auf ein sch\u00f6nes Ausklingen des Jahres.<\/p>\n<p>PS: In Hamburg hats gerade ziemlich stark geschneit. Ich werd ja schon neidisch wenn ich das so sehe. Frohes Gl\u00fchwein-schl\u00fcrfen auf dem Weihnachtsmarkt!<\/p>\n<p>Hasta entonces<\/p>\n<p>Nico<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sucre, Trinidad, Cochabamba und La Paz, 02.11. &#8211; 02.12.2023 Dass ich jetzt schon l\u00e4nger nichts geschrieben habe, kann ein gutes Zeichen sein. Ich komme an, habe mehr zu tun, erlebe mehr, sorge mich weniger. 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