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Liebe Leser*innen,

Nach einer lang andauernden Pause wird dies mein erster Beitrag im Jahr 2018 und gleichzeitig mein letzter.

Der Titel meines Blogs, der unverkennbar darauf hinweist, dass ich hier von meinem freiwilligen sozialen Jahr in der Republik Moldau berichte, hat spätestens Anfang Februar an Aktualität verloren.

Die Routine, mit der ich meinen Aufgaben als Freiwilliger in der Hauptstadt des besagten Landes nachging, verlor sich jedoch schon früher.

„Sie müssen das Land umgehend verlassen.“

Die entscheidende Antwort der Sachbearbeiterin in der Migrationsbehörde, welche auf meinen wiederholten Antrag auf eine einjährige Aufenthaltsgenehmigung folgte. Ein Schlusswort, dass ich gleich am darauffolgenden Tag wieder zu hören bekam. Laut Erfahrungen der anderen Freiwilligen, schien sich der auf den Antrag folgende Prozess von Sachbearbeiter*in zu Sachbearbeiter*in unterscheiden weshalb sich ein weiterer Besuch im Migrationsamt wohl lohnen könne. Wieder bewaffnet mit meinen Unterlagen und einem hilfsbereiten Dolmetscher, wartete ich am nächsten Tag im Warteraum des Büros bis meine Nummer auf dem Bildschirm erschien, fand mich vor der gleichen Mitarbeiterin wieder, die mir innerhalb von zehn Sekunden erklärt hatte, dass sich ein weiterer Versuch nicht lohnen würde. Es sei zu spät. Weitere Nachfragen ergaben, dass sich die ganze Behörde einig war: Ich muss die Republik Moldau verlassen und an der Grenze Strafe zahlen, weil mein Aufenthalt inzwischen die 90 Tage überschritten hatte.

Ohne den ganzen Prozess genau zu erläutern möchte ich jedem raten, der einen längeren Aufenthalt in der Republik Moldau plant und aus der Liste an verlangten Dokumenten für die Aufenthaltsgenehmigung nicht schlau wird, dass es empfehlenswert ist ein beglaubigtes, für das besagte Land bescheinigtes,  mit Beglaubigung der moldawischen Botschaft versehenes, in die rumänische Sprache übersetzt und notariell beglaubigtes Führungszeugnis im Vorhinein zu beantragen. Ein Tipp, den ich gerne vor einem Jahr erhalten hätte, den ich aber meiner Nachfolgerin rechtzeitig geben konnte.

Glücklicherweise musste ich nicht, wie befürchtet mein Auslandsjahr frühzeitig beenden, sondern wurde in Suceava Rumänien an einer Schule aufgenommen. Dafür bin ich sehr dankbar!

Im Laufe der nächsten Wochen verließ ich für den bereits geplanten Skiurlaub in Braşov, Rumänien die Moldau kurzfristig dann endgültig. Ich entging der Strafzahlung an der Grenze, wieso, weiß ich nicht und fing 10 Tage später an meinem neuen Arbeitsplatz an.

Zwei FSJ Standorte, die sich für mich nicht vergleichen lassen.

Die 500.000 Einwohner Hauptstadt, wich der 90.000 Einwohner Stadt in der Region Bukowina.     Mein vierzigminütiger Arbeitsweg wich einem eine, später zehn Minuten langen Arbeitsweg (Ich bin umgezogen) und die große Freiwilligengruppe, in der ich viele Freundschaften geschlossen habe musste ich ein halbes Jahr früher als geplant verlassen. Auch die kyrillische Schrift auf Verkehrsmitteln und Läden war nicht wiederzufinden.

Mein neuer Arbeitsplatz gefiel mir sehr gut, Lehrer und Schüler empfingen mich freundlich und schnell fand ich viel Freude daran meine neuen Klassen zu unterrichten, sowie im Unterricht zu assistieren. Freunde für einen regelmäßigen Kaffee und ein Bier fand ich, ebenso wie eine Möglichkeit Sport zu treiben. Die Wochenenden nutzte ich, oder Maxime und ich (ein Freiwilliger aus Frankreich, wir unternahmen viel zusammen) für Ausflüge um Sofia, die Hauptstadt Bulgariens oder andere Ecken Rumäniens kennenzulernen.

Suceava ist ruhiger als Chisinau, fußläufig erreichbar, gemütlicher jedoch auch eintöniger als der Alltag in der Hauptstadt. Ins Herz geschlossen habe ich die Stadt trotzdem, hauptsächlich aufgrund der Menschen, die ich kennenlernen durfte und wegen der wundervollen Aussicht auf die grünen/gelben oder schneebedeckten Felder mit den Karpaten im Hintergrund, wenn ich aus dem Fenster meiner Wohnung blickte. Die letzten Monate verstrichen wieder im gemütlichen Alltag, bestehend aus Arbeit, Sport, Reisen und ganz vielen Tassen Kaffee bei interessanten Gesprächen und Rumänisch Unterricht.

Zu meinen absoluten Highlights des zweiten Halbjahres zähle ich das Osterfest und die freien Tage in denen meine Freundin mich besuchte und ich ihr Suceava zeigen konnte, meine Trips nach Cluj, Braşov und Sofia und der Urlaub am Ende mit meinen Freunden. Angekommen mit dem Flugzeug in Chisinau (Ich hab es probiert, ich durfte wieder einreisen nach 90 Tagen), schauten wir uns die interessanten Ecken der Moldau an (Orheiul Vechi, Tiraspol in der autonomen Region Transnistrien), verbrachten Zeit an den schönen Stränden am Schwarzen Meer und in der schönen Stadt Odessa, in der Ukraine, in Suceava und in Bukarest. Danach arbeitete ich die letzte Woche in meiner Schule, bei voller Sommerferienstimmung der Schüler und unterrichtete deutsch in zwei Sommercamps. Es war eine wundervolle Erfahrung am Ende manche Schüler auch außerhalb des Unterrichts bei organisierten Aktivitäten, sowie Deutschspielelernstunden besser kennenzulernen und ich wurde aufrichtig nach dem frühen WM-Aus Deutschlands getröstet. Das alles machte mir den Abschied von meinem ganzen Freiwilligen Jahr und den letzten Wochen umso schwieriger.

Sitzend im Kaffee am Flughafen in Bukarest, halte ich das hier für die beste Möglichkeit, mich noch einmal schriftlich mit meinem ganzen FSJ auseinanderzusetzen. Mein Flug geht ja erst in sieben Stunden.

Die letzten zehn Monate werden mir als unvergleichbare Erfahrung erhalten bleiben, eine Zeit, in der ich viel lernen konnte über andere Länder, deren Geschichten und Menschen, die ich so nicht kennengelernt hätte, sowie über mich selbst. Angefangen mit der Situation in einem Land wie Moldawien ohne sprachliche Kenntnisse fast alleine zu wohnen und fast auf sich alleine gestellt zu sein. An dieser Stelle kann ich meinen Mitbewohner und Freund Henning nicht vergessen, der mich mit einem halben Jahr Vorsprung und viel besseren Sprachkenntnissen unterstützt und mir den Anschluss zu den anderen Freiwilligen deutlich erleichtert hat. Es galt für mich aufgeschlossener gegenüber neuen Bekanntschaften zu werden und viel Englisch zu sprechen, sich eigenen Interessen zu widmen, wofür ich demnächst vermutlich wieder weniger Zeit haben werde. Ich habe neue Länder, Umstände und eine Gastfreundschaft kennengelernt die in Deutschland leider nicht als selbstverständlich gilt, während doch viel was wir als selbstverständlich sehen (da geht es von Meinungsfreiheit bis zu sauberen Wasserleitungen) von mir nun anders betrachtet werden kann. Die zehn Monate wurde eine neue Selbstständigkeit von mir verlangt, die ich nun auch in Zukunft größtenteils zu bewältigen weiß. Ein Strudel aus kaum erfassbaren Erfahrungen die auf mich weiterhin Einwirken und für die ich dankbar bin.

Das Ganze soll für mich an dieser Stelle mit einem Fazit enden: Ich möchte in Zukunft jede Gelegenheit nutzen etwas Neues zu erfahren wann immer sie sich bietet und meine eigenen Ansichten und Überzeugungen zu stärken, zu verändern oder manchmal komplett umzudenken.

 

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