{"id":387,"date":"2018-03-09T16:15:00","date_gmt":"2018-03-09T15:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/?p=387"},"modified":"2018-04-02T19:00:13","modified_gmt":"2018-04-02T17:00:13","slug":"pinsk-im-rueckspiegel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/2018\/03\/09\/pinsk-im-rueckspiegel\/","title":{"rendered":"Pinsk im R\u00fcckspiegel"},"content":{"rendered":"<p>Hallo Freunde,<\/p>\n<p>nun ist es soweit &#8211; ich bin wieder zur\u00fcck. So langsam kommt diese Erkenntnis auch in meinem Kopf an, doch die Erinnerungen sind immer noch ganz frisch. Vom Abschiednehmen und Ankommen:<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die letzte Woche in Pinsk war keine angenehme &#8211; irgendwie sa\u00df man schon bald auf gepackten Sachen\u00a0 &#8211; Tickets ausgedruckt, verbliebene Aufgaben erledigt &#8211; und wartete mit Furcht auf die nahende Abreise. Jeden Tag kam irgendwer zu mir, um sich zu verabschieden &#8211; Lehrer, Sch\u00fcler, Leute mit denen ich teilweise nur kurz ein paar Worte gewechselt hatte, wollten mir pl\u00f6tzlich tsch\u00fcss sagen und eine gute Reise w\u00fcnschen. Am Mittwoch ging ich zum Friseur, um mir ein letztes Mal die Haare f\u00fcr 4 Euro schneiden zu lassen &#8211; selbst die f\u00fcllige Friseurin mit ihren groben H\u00e4nden und dem breiten L\u00e4cheln wird mir irgendwie fehlen&#8230; Am Donnerstag traf ich mich mit einigen meiner Freunde, um gemeinsam ein paar sch\u00f6ne letzte Stunden zu fristen. Als Treffpunkt w\u00e4hlte ich ein gem\u00fctlich aussehendes Cafe, von dessen Existenz ich aus dem Internet wusste &#8211; vor Ort mussten wir jedoch erfahren, dass dieses seit unbestimmter Zeit nicht mehr \u00f6ffnet. Also suchten wir die n\u00e4chste halbe Stunde nach einem Ort, wo man im Warmen sitzen und sich unterhalten konnte. Diesen fanden wir dann auch in Form einer Filiale einer wei\u00dfrussischen Fastfoodkette, mit einer ordentlichen Menge an Essen nahmen wir an einem Tisch hinten in der Ecke Platz und machten das Beste aus der Situation. Gemeinsam schwelgten wir in Erinnerungen, reflektierten die vergangene Zeit, tauschten uns \u00fcber unsere ersten Eindr\u00fccke, und wie diese sich \u00fcber die Monate ver\u00e4ndert hatten, aus, und riefen uns gegenseitig ins Ged\u00e4chtnis, wie es denn jetzt f\u00fcr uns weitergeht. Es wurde ein sehr sch\u00f6ner Abend, an dessen Ende ich das Gef\u00fchl hatte, eine Art Schlussstrich gesetzt zu haben. Der erwartete Abschied blieb jedoch vorerst aus &#8211; niemand brachte es einfach \u00fcbers Herz, schon jetzt die letzten Worte auszusprechen, sodass ich mit dem Versprechen, alle am n\u00e4chsten Morgen noch einmal wiederzusehen, langsam durch die leeren Gassen des n\u00e4chtlichen Pinsks zu meinem mittlerweile 2. Heim spazierte&#8230;<\/p>\n<p>Dann brach auch schon der Freitag an, Tag der Abreise. Es war mir schwer zumute. Sehr schwer. Aus dem verbliebenen Brot wurden Butterbrote als Reiseproviant gefertigt, die ganze Wohnung auf Vordermann gebracht, die letzten Utensilien verstaut. Urspr\u00fcnglich wollte ich mit dem Zug nach Brest fahren &#8211; ein Grauen bei dem Gedanken an hektisches Hindurchzw\u00e4ngen samt Gep\u00e4ck durch die engen G\u00e4nge des vollgestopften Waggons! Die Tickets waren schon gekauft, als Polinas Vater von dieser Unternehmung Wind bekam und mir wie selbstverst\u00e4ndlich anbot, mich die 300 km bis zur Grenzstadt bequem mit dem Auto zu fahren. Da lie\u00df ich mich nat\u00fcrlich nicht zweimal fragen, gab die Tickets der m\u00fcrrischen Frau an der Kasse zur\u00fcck und sah dem ersten Teil meiner Heimreise schon um einiges gelassener entgegen. Um halb 2 sollte es losgehen, und um 13 Uhr kamen sie alle vorbei, meine Sch\u00fcler und besten Freunde, um die letzten Minuten in Pinsk an meiner Seite zu verbringen. Auch traf niemand mit leeren H\u00e4nden ein, und so musste ich doch noch einmal meine Koffer \u00f6ffnen, um die zahlreichen, liebevoll ausgew\u00e4hlten Abschiedsgeschenke irgendwie unterzubringen: Ein TShirt mit einem weintrinkenden und brilletragendem Elch (hehe, diese Anspielung), eine Tasse mit verhei\u00dfungsvollen wei\u00dfrussischen Zukunftsw\u00fcnschen, ein edler F\u00fcller (&#8222;weil du doch so toll schreiben kannst&#8220; :D), ein wundersch\u00f6ner Notizblock, Erinnerungsfotos, herzliche Briefe und noch einiges mehr &#8211; selbst f\u00fcr meine kleine Schwester gab es ein paar Mitbringsel, und Vitali hatte sich des Morgens an den Herd gestellt und mir eine k\u00f6stliche Pizza als kalten Reiseproviant zubereitet! Jedenfalls hat nach mehrmaligem Dr\u00fccken und Quetschen alles irgendwie gepasst, wor\u00fcber ich ma\u00dflos gl\u00fccklich war.<\/p>\n<p>Ein Geschenk jedoch bereitete mir wirkliches Kopfzerbrechen: Nastya brachte als\u00a0 Gru\u00df von ihrer Familie selbstgebrannten Schnaps in einer edlen Glasflasche mit. Ich war nat\u00fcrlich \u00e4u\u00dferst angetan, doch stellte sich mir alsbald die Frage &#8211; wie bittesch\u00f6n bekomme ich das Zeug \u00fcber die Grenze?? Nicht lizensierter Alkohol ist bei Einreise in die EU schon mal komplett Tabu, und auch bei &#8222;offiziellem&#8220; Schnaps gibt es nur einen kleinen Toleranzbereich, den ich f\u00fcr ein anderes Souvenir reserviert hatte&#8230; Es war zum Verzweifeln, denn da lassen wollte ich das Geschenk\u00a0 auch nicht. Pl\u00f6tzlich hatte ich einen Geistesblitz, mein Blick fiel auf die Kulturweit-Flasche, die ja aus blickundurchsichtigem Aluminium besteht und mit einem gro\u00dfen UNESCO-Logo geschm\u00fcckt ist. Kurzerhand wurde diese zum Schmuggelbeh\u00e4lter umfunktioniert, der Alkohol umgef\u00fcllt und die Flasche ganz arglos in das Au\u00dfenfach meines Rucksackes gesteckt &#8211; wie die Geschichte weiterging, erfahrt ihr etwas sp\u00e4ter \ud83d\ude09<\/p>\n<p>\\<a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/20180222_222142.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-397\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/20180222_222142-300x533.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"533\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/20180222_222142-300x533.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/20180222_222142.jpg 576w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\u00a0\u00a0<a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/20180223_002623.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-398\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/20180223_002623-300x533.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"533\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/20180223_002623-300x533.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/20180223_002623.jpg 576w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Jetzt ging es erst einmal in gro\u00dfer Gruppe nach drau\u00dfen, wo mein &#8222;Fahrer&#8220; schon mit laufendem Motor auf mich wartete. Nun war es soweit &#8211; Zeit, Abschied zu nehmen. Ein letztes gemeinsames Foto wurde in Eile geschossen, letzte Worte gewechselt, ganz feste umarmt &#8211; dann begab ich mich auf den Beifahrersitz, wischte mir die Tr\u00e4nen aus den Augen und blickte aus dem Fenster den immer kleiner werdenden Gestalten nach, bis sie in der Ferne verblasst waren&#8230;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/1image392.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-389\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/1image392.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"576\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/1image392.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/1image392-300x169.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/1image392-768x432.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ein weiterer Vorteil meiner praktischen Mitfahrgelegenheit war die Ablenkung &#8211; kaum hatten wir Pinsk hinter uns gelassen, da fing Polinas Vater an zu erz\u00e4hlen &#8211; von den Pl\u00e4tzen und Orten, die wir passierten, von Belarus im Allgemeinen, von seiner Jugend, von aufregenden Auslandserfahrungen und immer so weiter, sodass die triste Fahrt nach Brest pl\u00f6tzlich angenehm unterhaltsam war und mich schnell auf andere Gedanken brachte. In Brest wartete neben meinem Bus auch der letzte Abschied in Belarus auf mich &#8211; Polina und Philip, die ja beide aufgrund der Republikolympiade in Deutsch die ganze Woche in Brest verbracht haben, waren zum Busbahnhof gekommen, um mir Lebewohl zu sagen. Ich bekam einen ausgezeichneten belarussischen Wodka und ein mit Herzen besticktes Kissen auf den Weg, erneut Umarmungen &#8211; grade von Polina fiel mir der Abschied einfach unglaublich schwer&#8230; Wieder sp\u00fcrte ich ein Zwicken in meinen Augen -Abschiede sind echt nicht meins. Der Bus fuhr ab, ich winkte\u00a0 durch das verschmutzte Fenster &#8211; dann war es auf einmal vorbei.<\/p>\n<p>Doch bevor ich Belarus komplett hinter mir lassen konnte, war da erst die polnische Grenze &#8211; das Tor zur\u00fcck in die EU. Langsam wurde ich nerv\u00f6s&#8230; Die polnischen Beamten setzten eine strenge Miene auf und nahmen sich alle Zeit der Welt, um jeden Reisenden einzeln zu filzen und mit einem eiskalten Blick zu durchbohren. Ich war etwas schockiert, als ich sah, wie unh\u00f6flich und grob mit meinen wei\u00dfrussischen Mitreisenden umgegangen wurde &#8211; eine \u00e4ltere Frau wurde sogar zum Heulen gebracht, als sie ein f\u00fcr die Einreise zweitrangiges Dokument nicht vorweisen konnte&#8230; Mein Vordermann riet mir, kein Wort auf russisch zu sagen und einfach mit meinem deutschen Pass zu wedeln &#8211; eine einleuchtende Taktik. Ich schlurfe also zum Schalter, sage auf alle Fragen &#8222;Ich deutsch, nix verstehen&#8220; und versuche, mir meine Anspannung nicht anmerken zu lassen. Ich werde durchgewunken, ich bin schon durch &#8230; Gep\u00e4ckkontrolle! \u00c4ngstlich werfe ich Seitenblicke auf meine Kulturweit-Flasche und suche fieberhaft eine Antwort auf die drohende Frage nach dem Inhalt &#8211; doch das scheint die Beamten gar nicht zu interessieren&#8230; Stattdessen nehmen sie sich meinen Reiseproviant vor. Die Butterbrote d\u00fcrfen nicht eingef\u00fchrt werden, weil Butter ein Milcherzeugnis darstellt und als solches einem strikten Einreiseverbot unterliegt! Als ich auch noch die Pizza wegschmei\u00dfen soll, hebe ich einhaltend die Hand, stelle mich in die Ecke und schlinge so viel von Vitalis k\u00f6stlichem Abschiedsgeschenk hinunter, wie ich auf Anhieb schaffe. Den Rest biete ich den Beamten an &#8211; sie winken ab, zeigen auf den M\u00fclleimer. Ich betrete die EU, den illegalen Alkohol unangetastet in der Tasche, daf\u00fcr ohne jeglichen Reiseproviant&#8230; In anderen Regionen unserer Erde haben Menschen nichts zu Essen, denke ich &#8211; in was f\u00fcr einer kranken Welt leben wir?<\/p>\n<p>Ohne Essen sitze ich im Bus &#8211; der Busfahrer wird schon irgendwo halten, dann kaufe ich mir eben was an der Tankstelle. Der Busfahrer h\u00e4lt nicht&#8230; Eine russische Serie wird angemacht, auf voller Lautst\u00e4rke &#8211; ich habe ein\u00a0D\u00e9j\u00e0-vu &#8230; Ich kuschle mich in das Kissen, das ich von Polina bekommen habe, es raschelt&#8230; Ich \u00f6ffne den Bezug, greife hinein, hole einen kleinen Zettel heraus: &#8222;Komm im Juni zu unserem Abschlussball, wir w\u00fcrden dich mit Liebe bei uns aufnehmen&#8220;, steht da geschrieben. Ich drehe ihn um: &#8222;Und ich werde dich vermissen&#8220;. Erneut wische ich mir etwas aus dem rechten Auge. &#8222;Ich euch auch&#8220; fl\u00fcstere ich in die Schw\u00e4rze des n\u00e4chtlichen Polens hinaus&#8230;<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich sollte ich um 6 Uhr morgens in Berlin sein. Bem\u00fcht, mir eine Zuflucht f\u00fcr mich und mein schweres Gep\u00e4ck zu suchen, kontaktierte ich im Voraus Leandra, die schon am Vortag aus Litauen wiedergekehrt war, und erfuhr, dass sie bei ihrem Onkel n\u00e4chtigt, der zuf\u00e4llig nur ein paar Stra\u00dfen vom Busbahnhof entfernt wohnt. Sie erkl\u00e4rte sich freundlicherweise sofort bereit, sich den Wecker auf 6 Uhr zu stellen und mich in den fr\u00fchen Morgenstunden auf ein Fr\u00fchst\u00fcck hineinzulassen. Nun war es also soweit, der Bus fuhr ein, schmiss mich raus und machte sich davon. Unterwegs wurde keine einzige Pause gemacht. 4 UHR MORGENS! Ich habe immer noch nichts gegessen, mein Magen knurrt, mir ist kalt. Ich rufe Leandra an, sie schl\u00e4ft nat\u00fcrlich noch \ud83d\ude09 Mein Gep\u00e4ck ist so schwer, dass ich nach 100 Metern schon ganz au\u00dfer Puste bin. Ich begebe mich in den Wartebereich des Zentralen Omnibusbahnhofs Am Funkturm &#8211; kein sch\u00f6ner Ort. Ich breite mich auf einer Wartebank aus Plastik aus und betreibe eine Mileustudie. Die Leute sind entweder ebenfalls gestrandet, oder warten auf einen Discount-Bus, der sie ins sonnige Italien bringt. Die Reinigungskraft h\u00f6rt Deutsch-Rap. Im noch geschlossenen Kiosk l\u00e4stern ein Mann und eine Frau in bestem Berlinerisch \u00fcber ihre Kollegen &#8211; das Rollo ist nicht schalldicht&#8230; Mein Handyakku ist bei 5 Prozent, ich muss auf jeden Fall erreichbar bleiben. Das Neonlicht flackert, ich d\u00f6se ein&#8230;<\/p>\n<p>Um 6 Uhr morgens klingelt mein Handy &#8211; Leandra ruft durch, v\u00f6llig aufgel\u00f6st durch die vielen unbeantworteten Anrufbenachrichtigungen um 4 Uhr morgens. Ich stehe auf, greife nach meinen Sachen und schleppe mich zur genannten Adresse, wo ich meiner Freundin endlich in die Arme fallen und in wohliger W\u00e4rme meinen Hunger stillen kann. Ich bekomme die Couch angeboten, k\u00f6nnte mich ausruhen; doch in diesem Moment geht \u00fcber Berlin die Sonne auf. Ich bin zur\u00fcck in Deutschland, will nicht mehr schlafen, lasse meine Sachen in der Wohnung und gemeinsam unternehmen wir einen ausgiebigen Spaziergang. Unser Weg f\u00fchrt uns vorbei an den markantesten Sehensw\u00fcrdigkeiten Deutschlands &#8211; Brandenburger Tor, Reichstag, Lidl, REWE,&#8230; Dabei habe ich die M\u00f6glichkeit, mir meine aufgestauten Erlebnisse und Emotionen von der Seele zu reden, sodass es doch noch ein wundersch\u00f6ner und entspannter erster Morgen in der Hauptstadt wird!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/1image393.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-392\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/1image393.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"576\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/1image393.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/1image393-300x169.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/1image393-768x432.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/p>\n<h1 id=\"firstHeading\" class=\"firstHeading\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/1image395.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-393\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/1image395.jpg\" alt=\"\" width=\"780\" height=\"1040\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/1image395.jpg 780w, https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/1image395-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/1image395-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 780px) 100vw, 780px\" \/><\/a><\/h1>\n<p>Um 12 Uhr stehen wir dann mit unseren Sachen am Hauptbahnhof und steigen in das Shuttle zum Werbellinsee, wo ein 5 t\u00e4giges Nachbereitungsseminar den p\u00e4dagogischen Abschluss des Freiwilligenjahres bilden soll. Gro\u00dfer Schock &#8211; die alten Homezones existieren nicht mehr, stattdessen wird alles neu durchgemischt und ich lande in einer Homezone mit Leuten, die ich noch nie gesehen habe. Versteht mich nicht falsch, auch meine neuen &#8222;Homies&#8220; sind super nette und herzliche Leute, und wir sind auf Anhieb gut mit einander klar gekommen. Doch anstelle, dass man an die Ergebnisse und Erfahrungen des Zwischenseminares h\u00e4tte ankn\u00fcpfen k\u00f6nnen, fing man wie auf dem Vorbereitungsseminar wieder an mit Namensspielchen und den Fragen &#8222;Wie hei\u00dft du\/Wie alt bist du\/Woher kommst du\/Wo warst du\/Was hast du gemacht\/&#8230;?&#8220; So lernt man zwar Leute und Einsatzl\u00e4nder kennen, mit denen man vorher noch nicht in Ber\u00fchrung gekommen ist, gleichzeitig l\u00e4sst dieses Konzept aber nur sehr oberfl\u00e4chliche Reflektionen zu, da man eben den Gespr\u00e4chspartnern zum ersten Mal begegnet und nicht mit ihrer Situation vertraut ist! Generell war ich in anderer Stimmung, als auf dem Vorbereitungsseminar: Im September stand man noch ganz am Anfang, war voll motiviert und erpicht darauf, alles um sich herum aufzusaugen und zu erkunden. Dementsprechend war man permanent am Leute-Kennenlernen, verbrachte die Pausen niemals allein und kam an den Abenden erst sehr sp\u00e4t ins Bett. Nun aber lag ein enorm schwerer Abschied hinter mir, ich war emotional am Ende und hatte einfach nicht die Kraft, neue Bekanntschaften zu schlie\u00dfen und den obligatorischen Kennenlern-Smalltalk zu f\u00fchren. So wie mir ging es auch vielen anderen, weshalb man sich beim Essen und in der freien Zeit in der Regel mit Leuten traf, die man schon von fr\u00fcher kannte, um sich gemeinsam aufzubauen und auszutauschen. W\u00e4hrend man beim Vorbereitungsseminar auch darauf aus war, sich ein &#8222;Netzwerk&#8220; aus Freiwilligen um einen herum f\u00fcr das kommende Auslandsjahr zu schaffen, waren wir jetzt am Ende unserer Reise angelangt, und nach nicht mal 5 Tagen w\u00fcrde sowieso jeder getrennte Pfade einschlagen und Kulturweit den R\u00fccken zukehren&#8230; Trotz interessanter Workshops und anspruchsvollem Begleitprogramm war das Seminar f\u00fcr mich ein eher grausamer Ort &#8211; man war gefangen zwischen Abschied und Ankunft, steckte in einer Transitzone fest &#8211; das eine Zuhause hinter sich, das andere vor sich&#8230;<\/p>\n<p>Dementsprechend war ich insgeheim froh, als sich am 28. Februar das Seminar zum Ende neigte. Am Vorabend stieg noch eine launige Abschlussparty, dann wurden wir auch schon zur\u00fcck zum Hauptbahnhof gebracht. Jetzt trennten sich die Wege der Freiwilligen um mich herum &#8211; es folgten viele viele kleine Abschiede, bevor jeder sich in sein eigenes, altes Zuhause aufmachte.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/1image396.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-395\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/1image396.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"792\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/1image396.jpg 1280w, https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/1image396-300x186.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/1image396-768x475.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/1image398.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-396\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/1image398.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"962\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/1image398.jpg 1280w, https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/1image398-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2018\/03\/1image398-768x577.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Im Vergleich zu den Z\u00fcgen in Belarus f\u00fchlte sich der ICE wie ein wahres Komfortwunder an &#8211; ich schloss mein Handy an die Steckdose an, verband mich mich dem (funktionierenden!) WLan und lehnte mich in meinem weichen Sessel zur\u00fcck. Die Augen geschlossen, versuchte ich die Gedanken in meinem Kopf zu ordnen und die letzten 6 Monate im R\u00fcckspiegel zu betrachten. Es ist noch gar nicht lange her, da verfasste ich die ersten Zeilen dieses Blogs, schrieb \u00fcber \u00c4ngste, Unsicherheit und Erwartungen, berichtete von Kommunikationsschwierigkeiten und B\u00fcrokratie und bezeichnete Belarus als &#8222;die letzte Diktatur Europas&#8220;. Wie viel ist seit dem alles passiert? Ich bin in ein mir fremdes Land geflogen, habe alleine in einer Wohnung gelebt, mich als Lehrer an einer Schule bet\u00e4tigt und unz\u00e4hlige Bekanntschaften geschlossen. Ich habe eigene Projekte auf die Beine gestellt, den Botschafter getroffen und bei landesweiten Veranstaltungen mitgewirkt. Ich habe gelernt, wie sich Liebe anf\u00fchlt, habe Herzschmerz erfahren und den Wert wahrer und inniger Freundschaften erkannt &#8211; sowohl im Land als auch \u00fcber die Grenze hinaus. Ich habe das Gef\u00fchl, etwas Gutes und Sinnvolles getan zu haben. Ich habe erfahren, dass man Menschen nie umsonst helfen muss, denn man bekommt etwas geschenkt, was viel wertvoller ist als Geld oder materielle Dinge &#8211; man erf\u00e4hrt Liebe. Ich war ein Teenager, als ich im September Deutschland verlie\u00df &#8211; jetzt bin ich erwachsen&#8230;<\/p>\n<p>Irgendwo dahinten, im Osten, liegt Pinsk, eine kleine Stadt im S\u00fcden Wei\u00dfrusslands. Bei meinem Abschied lie\u00df ich einen Teil meines Herzens dort, inmitten dieser wundervollen Menschen und lieben Freunde. Jetzt habe ich ein Loch in meiner Brust, und es ist an euch Lieben hier in Deutschland, es zu f\u00fcllen, mich in eurem Kreis ankommen zu lassen und wieder vollkommen zu machen.<\/p>\n<p>Ich war noch ganz in Gedanken, als der Zug in Frankfurt einfuhr. Ich stieg aus, ging langsam den langen Bahnsteig entlang, blieb stehen &#8211; es ist vorbei. Ich bin wieder da.<\/p>\n<p>Euer Mister Romantic<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo Freunde, nun ist es soweit &#8211; ich bin wieder zur\u00fcck. So langsam kommt diese Erkenntnis auch in meinem Kopf an, doch die Erinnerungen sind immer noch ganz frisch. Vom Abschiednehmen und Ankommen:<\/p>\n","protected":false},"author":2228,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-387","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/387"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2228"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=387"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/387\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":405,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/387\/revisions\/405"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=387"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=387"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=387"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}